Kunden em pfehlungen
Rezensionen von herrfabel:
Die Auster von Yael Inokai
Tolles Buch, großartiges Gesellschaftsporträ!
Dieser Roman beginnt mit einem Todesfall. Der Arbeitgeber und Geschäftsführer eines großen Berliner Kaufhauses wird tot in seinem Haus aufgefunden. Nicht von Angehörigen oder Verwandten, von der 73 jährigen Putzfrau Leonora Bloch. Doch statt sofort die Polizei zu informieren, macht Leonora das, was sie schon seit über 40 Jahren für Dr.
Bronstett macht, sie putzt gründlichst und beseitigt jegliche Unordnung. Als die Polizei eintrifft ist das Gröbste bereits verschwunden, das Blut weggewaschen, nur der reglose Körper mit den fehlenden Händen liegt noch mitten im Raum.
„Er lag am wärmsten Ort des Hauses. Leonora hatte sich selbst einmal auf diesen Boden gelegt, in einem selbstvergessenen Moment vor vielen Jahren. Seither war das für sie untrennbar mit Reichtum verknüpft: nach einem Arbeitstag an der Tür die Schuhe ausziehen und barfuß durch das Haus spazieren. Verlustängste haben, einen Mantel aus Kaschmir besitzen, von einer Fußbodenheizung getröstet werden.“
Kurze Zeit später taucht im Fischrestaurant in der 6. Etage des Kaufhauses eine von ihnen wieder auf. „Die Zeugin betonte, sie habe die Hand tatsächlich erst für einen verdorbenen Krebs gehalten, ein gräuliches, aufgedunsenes Exemplar – ihre Stimme geriet ins Stocken –, das von der Bedienung aus dem Eis gezogen worden sei. Und die habe genauso wenig begriffen, um was es sich da eigentlich handelte.[…] Sie wollten einfach Austern essen gehen im Kaufhaus, wie ganz normale Leute, wer würde denn auf die Idee kommen…?“
Während sich die Gerüchte im Kaufhaus ihren Weg bahnen, die Suche nach der anderen Hand und dem Täter weitergeht, kümmert sich Leonora mit der Tochter des Verstorbenen um die Beerdigung. Dabei prallen erneut unterschiedliche Welten aufeinander, während sie sich noch Gedanken um ihre finanzielle Not macht, möchte Amande Bronstett so schnell wie nur möglich Berlin wieder verlassen. Die beiden Frauen finden irgendwie zueinander, Leonora wird zu einer Art Notfallkontakt und doch, so scheint es, bleibt es nur ein kurzes Verschwimmen der Grenzen zwischen Luxus, Auftrag und echter Menschlichkeit.
„Leonora versuchte sich vorzustellen, wie so etwas gehen sollte. Wo überhaupt Platz gewesen wäre für noch mehr Geld in diesem Leben mit diesem Haus und diesen Autos in ihrem doppelgeschossigen Parkhäuschen. Eins der Autos war für den Sommer, für Ausflüge zum See, ans Meer. An den restlichen dreihundertvierundsechzig Tagen im Jahr schlief es unter seiner Decke.“
Wie man nun an diesen kurzen Zitaten schon erkennen kann, wird jede*r mit Erwartungen an einen Kriminalfall mit einer gewohnt lückenlosen, perfekt begleiteten Ermittlung, sicherlich nicht so viel Freude an diesem Buch haben. Bei „Die Auster“ von Yael Inokai handelt es sich nämlich mehr um ein als Spannungsroman getarntes Gesellschaftsporträt, das nicht nur die sozialen Unterschiede oder die kapitalistisch geprägten Veränderungen eines Kaufhauses thematisiert, sondern auch zwischen den Zeilen das Alleinsein der Menschen sichtbar macht. Und genau das habe ich an diesem Roman geliebt. Inokai zeichnet ein Bild einer Gesellschaft in der Menschen zwar miteinander kommunizieren, zwischenmenschliche Verbindungen eingehen, und doch bleibt jede*r mehr oder weniger für sich, mal mehr sichtbar, mal ganz unscheinbar und zurückgenommen. Und da ist deutlich mehr als dieser Reichtum, der Menschen voneinander trennt. Ein jede*r hat andere Sorgen, Probleme und Geheimnisse, eine ganz andere Realität, in der andere Welten womöglich nur in kleinen Momenten sichtbar werden und eine Rolle spielen.
„Im Großen und Ganzen war sie unsichtbar, konnte durch die Welt gehen, als gäbe es sie nicht. Nur manchmal hob sich das auf. Dann war es wie ein Scheinwerfer, der auf sie fiel. Die Leute kamen drauf, dass sie als Putzfrau arbeitete, sie dachten an ihre Omas und Mütter, an ihre eigene Rente, an das Elend des Älterwerden, und die Augen füllten sich mit Mitleid.“
Rezensionen von herrfabel:
Lori von Anousch Mueller
Spuren des Schweigens
„Wenn sich ein Geheimnis löst, beginnt die Geschichte von Neuem. Als zweite Fassung von uns gibt es ab dann in der einen und in der anderen Version“ sind die ersten Zeilen von Anousch Muellers Roman „Lori“ und wahrscheinlich ist genau das, was dieses Buch so faszinierend und spannend finde, denn mit diesem Buch nähert man sich nach und nach einem großen Geheimnis, das so eine Familiengeschichte komplett auf den Kopf stellt und zeitgleich alles erklärt.
Helena Ross, genannt Leni weiß es eigentlich schon sehr lange, sie fühlt es, sieht es ab und an in Erinnerungsfetzen, gerade ein kleiner Anhänger aus Glas, der das Licht in Regenbogenfarben bricht weckt eine tiefsitzende Erinnerung. Auch wenn alle von einer Retrograden Amnesie reden, so weiß Leni genau, dass es da noch ein anderes Mädchen, eine weitere Schwester gab, die aus irgendeinem Grund plötzlich nicht mehr da war. Leni wächst ‚am Ende der Welt’ in einem alten verlassenen Bahnhof mit ihren fünf Geschwistern in Thüringen auf. Ein wildes Durcheinander mit vielen Rangeleien, man kann es sich vorstellen. Und während der Vater sich überfürsorglich um die Kinder und ihre äußerlichen Verletzungen kümmerte, zog sich die Mutter immer mehr zurück.
„Immer war es Papa, der die tröstenden Worte sprach. Immer war es Mama, die sich abwandte, immer mit einem Baby auf dem Arm.“ „Während Papa damit beschäftigt war, uns wieder zusammenzuflicken, hielt Mama das Haus in Schuss. Sie fegte, wischte, putzte und polierte mit einer manischen Hingabe.“
Doch da ist noch mehr… nach all den Jahren nähert sich Leni endlich dieser Leerstelle in ihrem Leben, was ist damals geschehen?
„Noch immer hatte ich nichts als die Informationen aus dem Mutterpass und die Erinnerungen an ein Mädchen, mit dem ich auf dem Rand einer Blumenrabatte balancierte, und wie Mama nach uns ruft: Lori, Leni! Ein Gleichklang zu Beginn, zwei Mal zwei Silben, abgerundet mit einem hellen, fröhlichen i“
Dieser Roman bewegt sich zwischen den Jahren 1974 bis 2000, gibt Bilder einer Familie preis, die zwischen DDR, Wende und Schicksalserfahrungen ihren Weg sucht um mit den damaligen Geschehnissen umzugehen, die klassische Rollenbilder belegt und aufbricht, und dabei irgendwie ein ganz anderen Blick auf die Zeit wirft. Es ist eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte, eine DDR-Geschichte und ein Geheimnis in einem. Leni nimmt uns mit durch die Zeit; ihre Geschichte.
Ich gebe zu, dieser Roman hat mich und meine Konzentration beim Lesen sehr gefordert. Die Zeitsprünge und vielen Themen, die dieser Roman vereint, machten ihn zwar sehr faszinierend und intensiv, gleichzeitig brachten mich die wechselnden Zeiten häufig etwas durcheinander und störten meinen Lesefluss. Gerade die Liebelei und Ausflüge mit dem Geliebten störten etwas dieses Bild auf die Familie und gleichzeitig ist es doch so ein wesentlicher Baustein in Lenis Leben. Ich glaube, wie die ersten Zeilen bereits ankündigen, ist ein doppeltes Lesen gar nicht mal so verkehrt um alles komplett deuten und jeden Erinnerungsschnipsel verstehen zu können… und dennoch ist „Lori“ ein sehr beeindruckender Text, der sprachlich, emotional, wie geschichtlich so einiges bereithält.
Rezensionen von manu63:
Koch! Mich! Jetzt! von Leon Schreiber
Schnelle Rezepte
Koch! Mich! Jetzt! Ist der Titel eines Kochbuches mit schnelle Rezepten von Social Media Koch Leon Schreiber. In diesem Buch stellt er schnelle Gerichte für 2 Personen vor, die einfach und schnell zubereitet werden.
Das Buch beginnt mit den Basics für Grundvorrat und Ausstattung. Das ist eher was für Neulinge, alte Hasen werden das schon wissen.
Dann folgen drei Rezepte für Grundwürzmischungen die einfach und unkompliziert mit gut zu bekommenden Zutaten auch auf Vorrat her gestellt werden können.
Im Abschnitt 15 Minuten Feuerwerk stellt Schreiber Gerichte vor die in 15 Minuten fertig sein sollen. Die Zeitangaben sind selbst für Praxiserprobte ambitioniert. Man sollte mit Vorbereitung und Zubereitung lieber 30 Minuten einplanen. Aber das finde ich für eine frische Mahlzeit auch schon recht fix.
Dabei reicht die Palette von Gnocchi, über Nudeln bis zu Reis und weiteren Hauptzutaten. Die einzelnen Komponenten kann man fast überall bekommen und man kann auch gut einiges im Vorrat haben. Die Zubereitung wird erklärt, es fehlen aber Angaben zu Nährwerten oder Kennzeichnungen wie vegan, vegetarisch oder ähnliches für die schnelle Übersicht. Meist sind die Rezepte für 2 Personen angegeben und die Menge empfinde ich auch als solide.
Dann folgen Gerichte die im Ofen zubereitet werden, One Pot Wonder und Pastaglück, Bowls und Feelgood Greens, Snacks und Soulfood, Meal Prep und Easy für Morgen und zum Schluss Sweet und Easy.
Für alle diese Kapitel gilt was ich zum ersten Abschnitt geschrieben habe. Zeitangaben sind ambitioniert, man sollte erst mal das doppelte an Zeit für die Vorbereitung einplanen.
Ein Register dient zum schnellen Auffinden einzelner Gerichte, wobei man auch nach Hauptzutaten suchen kann.
Insgesamt ein Kochbuch mit netten Anregungen für eine schnelle frische Mahlzeit, mit gut erhältlichen Zutaten und einfacher Zubereitung.
Rezensionen von Magdalena E.:
Leuchtende Schatten von Iris Wolff
Freundschaft, Verlust und Freiheit
Wie schon in „Halber Stein“ entführt Iris Wolff die Lesenden auch in ihrem zweiten Roman „Leuchtende Schatten“ nach Siebenbürgen, diesmal in ihren Geburtsort Hermannstadt. Und wieder ist der Ort mehr als bloße Kulisse. Die gefühlvollen Schilderungen von Landschaft und Stadt sind zentraler Bestandteil des Textes.
Sie erzählt die Geschichte der tiefen Freundschaft zwischen den Schülerinnen Ella und Harriet. Zwischen Erwachsenwerden, den Anforderungen von Familie und Gesellschaft und den zunehmenden Spannungen in den letzten Kriegsjahre (1943-45) versucht die Ich-Erzählerin Ella ihren Weg zu finden. Es geht um die Fragen von Gemeinschaft und Freiheit, aber auch um die Erfahrung von Abschied und Verlust.
Bildgewaltig, einfühlsam und poetisch ruhig erzählt nimmt die Autorin die Lesenden mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die bis heute nachwirkt.
Rezensionen von spozal89:
Hilda Hasenherz. Das Abenteuer bei den Winterwölfen von Tobias Goldfarb
auf gehts in eisige Welten
Wir sind schon Fans von Hilda Hasenherz seit dem ersten Buch, und haben uns sehr auf das neue Abenteuer gefreut. Denn auch mein Sohn und ich fiebern mit der kleinen Häsin sehr mit, ob sie ihre Eltern endlich finden wird. So,viel sei gesagt: Es wird noch einen weiteren Band geben. Den Wechsel der Jahreszeiten in der Geschichte, entsprechend dem Erscheinungsdatum finden wir total klasse.
Wie das Cover schon zeigt, reisen Hilda und ihre altbekannten Freunde diesmal in eisige Welten, passend zum nahenden Winter. Die Story ist wie gewohnt spannend erzählt und wied von total zauberhaften Illustrationen ergänzt. Themen wie Freundschaft, Mut, Vertrauen und Hilfsbereitschaft werden auch in diesem Band wieder kindgerecht thematisiert und unsere Helden lernen viele neue, tolle Weggefährten kennen. Das Buch endet spannend und wir sind schon jetzt gespannt auf das weitere Abenteuer. Von uns gibt es eine klare Leseempfehlung!
Rezensionen von herrfabel:
Alleinruhelage von Eva Menasse
Toll, aber hmm...
„Alleinruhelage“ von Eva Menasse ist für mich irgendwie ein besonderes Buch, das mich auf anhieb begeisterte und doch viel zu schnell wieder verlor. Romane über Häuser, die mit ihren Protagonist*innen eine Verbindung eingehen, die in ihren Geschichten eine gewissen Konstante bilden und eine Art Erinnerung sind, gibt es bereits einige, aber Melasse nähert sich ihm anders, sucht den Abstand, versucht sich loszulösen.
„Haus, ich verkaufe dich. Ich habe dich oft direkt angesprochen, wenn ich allein kam und du da standest und mich anschautest, undurchdringlich wie ein Gott oder Götze, den man sich erschaffen hat und dessen Ausdruck man eben doch beschreiben könnte, jedes Mal ein bisschen anders, weil er ein Echo des eigenen Zustands ist: Hallo, Haus.“ sind die ersten Zeilen dieses Zwiegesprächs, dieser Aneinanderreihung von Erinnerungen an das einstige Familienidyll in der ostdeutschen Provinz. Vielleicht beschreiben diese Zeilen bereits perfekt dieses Buch, Menasse erzählt von der Beziehung einer Wienerin zu ihrem Haus, von den Renovierungen, dem Garten, der Umgebung und dessen Geschichte, sowie der deutsch-deutschen Geschichte, den Neuanfängen und dem Scheitern.
Eigentlich eine tolle, wie sehr persönliche Mischung an Themen, doch irgendwie hat mich dieser Text nach etwa hundert Seiten verloren, ich bemühte mich, wie die Protagonistin dran zu bleiben, aber dieser weitumfassende Blick und die nur schwer erkennbare Geschichte machte es mir schwer, sodass ich das Buch leider dann doch zurück auf den Lesestapel packte. Nun ja...
„Haus: Du bist Zeuge von allem gewesen, der Ehe, den Kindern, dem Ende der Ehe, den Lieben, die danach kamen, den Festen, meinen Versuchen, dich loszuwerden, meinen Versuchen, dich zu verschönern, zu reparieren, zu streichen, zu pflanzen, zu düngen und zu ernten; meiner Arbeit, dem Denken und Schreiben, das zu einem wichtigen Teil hier stattgefunden hat, beschützt und angeregt vom Streunen durch Wald und Garten. Aber nun verkaufe ich dich, diesmal wirklich.“
Rezensionen von Netti:
Kiss me in Orange von Alix Bente
Netter ,herbstlicher Liebesroman
Dieses Buch ist ein wunderbarer ,herbstlicher Liebesroman.
Was mit besonders gut gefallen hat ist, dass es nicht in Amerika oder sonst wo spielt, sondern dass eine Berlinerin zu ihrer Heimatstadt Goldried zurück gekehrt ist um ihrer Schwester im Café zu helfen.
Plötzlich steht ihr bester Freund Niclas vor ihr, für den sie etwas entfand, der Enthüllungsabend für sie aber mehr als peinlich war und sie sich einen Korb eingefangen hat.
Seitdem herrschte Funkstille zwischen den beiden, bis er plötzlich in Goldried auftaucht.
Das Buch hat sehr viele Emotionen und es geht fast ausschließlich um Emma und Niclas. Die Kapitel sind auch unterteilt und werden einmal aus Emmas Sicht und dann wieder aus Niclas Sicht erzählt, aber so, dass die Geschichte immer voranschreitet. Die Kapitel sind eher kurz gehalten, was mir sehr gut gefällt.
Die Geschichte hat mir gut gefallen. An einigen Stellen hatte das Buch für mich einige Längen und der Spannungsbogen war nicht sehr hoch.
Für alle, die ein nettes, herbstliches Buch mit einer schönen Liebesgeschichte suchen, sind hier richtig.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Der Betrachter von Judith Fanto
Von der Freundschaft in dunklen Zeiten
Der Ich-Erzähler Hermann, genannt "Manno", muss als Kind nach dem Tod der Mutter plötzlich aus den Niederlanden nach Wien ziehen, wo seine Tante lebt, während der ihm kaum bekannte Vater im Ersten Weltkrieg kämpft. Zuerst ist es schwer für den Jungen, den Umzug zu verkraften und auch die Tante ist nicht sehr liebevoll zu ihm.
Doch dann kommt er mit Glück zu einem Sommerferienlager mit Schwerpunkt Musik südlich von Wien, wo er die Kinder Bertl, Lotte, Max, Franzi und Béla kennen lernt und die sechs Kinder schon bald eine verschworene Gruppe bilden. Es sind Kinder und erst einmal spielen Unterschiede in Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung keine Rolle.
Aus den Kindern werden Jugendliche und junge Erwachsene, die sich am Anfang des Studiums in Wien wieder über den Weg laufen. Béla ist aus einer vermögenden ungarischen Adelsfamilie und hat großzügige Räumlichkeiten in Wien zur Verfügung, die auch von den Freunden gerne für Treffen genützt werden. Zusätzlich fährt die Freundesgruppe einmal im Jahr gemeinsam auf Sommerfrische aufs Land, zu "Baumi", einer Bekannten, die die jungen Menschen herzlich bewirtet und wo sie auf den Berg Loser steigen und im Altausseer See schwimmen können. Idylle pur und ungetrübte Freundschaft, so schön, dass es fast schon unwirklich wirkt und man sich fragt, wann die Handlung ein an Fahrt aufnehmen wird.
Dieses Buch lässt sich ausgiebig Zeit, in seine Welt, die Figuren und ihre Freundschaft einzuführen, was manchen Leserinnen und Lesern, auch mir, am Anfang durchaus etwas Geduld abverlangen kann. Es dauert mal locker ein Drittel des Buches, bis die Handlung etwas spannender wird und sich erste größere Konfliktlinien zu zeigen beginnen. Rückblickend bin ich aber sehr froh, das Buch weiter- und ausgelesen zu haben, und es wird dann auch verständlich, warum das Buch diese ausführliche Basis gebraucht hat, denn es ist wichtig für die weitere Handlung, die Charaktere ausführlich kennen gelernt zu haben.
Denn in den 1920er bis 1940er Jahren werden die Freundschaften der Freunde, nun junge bis ein bisschen gereiftere Erwachsene, auf viele harte Proben gestellt: erste Risse zeigen sich schon früh im Studium, als Bertl politisch den rechtsradikalen Burschenschaftern zugeneigt ist und stolz auf seinen "Schmiss" ist, Franzi sich leidenschaftlich für die Sozialisten engagiert und Béla seine Homosexualität erst sehr verborgen, dann aber immer offener erkundet und auslebt, wobei er ein großes Risiko eingeht, da das auch schon vor der NS-Machtübernahme zur damaligen Zeit illegal war und polizeilich verfolgt wurde.
Noch mehr spitzt sich die Lage in den 1930ern zu, als Bertl schon früh, als sie in Österreich noch verboten waren, der NSDAP beitritt, und Lotte bei erster Gelegenheit BDM-Führerin wird, während es für den schwulen Béla, aber auch für Franzi und Max, die jüdisch sind, immer schwieriger wird und die Diskriminierungen und Bedrohungen immer mehr zunehmen. Manno selbst positioniert sich kaum für die eine oder andere Seite, er wird von niemandem verfolgt, ist aber gleichzeitig lange auch der, der die Freundesgruppe zusammenhält... doch wie lange geht das noch? Wie positionieren sich die sechs Freunde angesichts von immer stärkerer Polarisierung und der damit einhergehenden drohenden Gefahr?
Judith Fanto ist insgesamt ein großartiges Werk gelungen, in dem zentrale Themen davon, was Freundschaft ausmacht, gezeigt und erlebbar gemacht werden: welche Geheimnisse müssen bewahrt werden und was macht das mit der Offenheit und dem Vertrauen in Freundschaften? Wie zeigt sich Loyalität und wo beginnt Verrat? Wie können Freundschaften überdauern, wenn die aktuellen Entwicklungen der Zeit so sehr gegen sie zu stehen scheinen? Aber auch: wo ist die Grenze zwischen Freundschaft, Romantik und Liebe, sowohl zwischen Frauen und Männern, als auch in der Beziehung zum eigenen Geschlecht, und was macht es mit der Freundschaft, wenn die romantische Anziehung - oder genau das Fehlen dieser - dazwischenfunkt bzw. die Anziehung einseitig bleibt?
Zeitlich wird die Spanne von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Nachkriegszeit abgedeckt. Es hat mir auch sehr gut gefallen, dass das Buch nicht direkt mit Kriegsende vorbei war, sondern es dann noch eine sehr interessante Szene danach gab.
Empfehlen kann ich das Buch allen, die sich insbesondere für tiefgründige zwischenmenschliche Beziehungen und das Thema Freundschaft in schwierigen Zeiten interessieren und die die Geduld aufbringen, auch über am Anfang etwas langatmiger scheinende Passagen bei der Lektüre zu bleiben: es lohnt sich, denn am Ende klappt man ein Buch zu, das tief emotional berührt hat und sicher für lange Zeit im Herzen bleiben wird.
Rezensionen von Mabla59 :
DAISY – Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe
Unterhaltsam aber kein Thriller
Meine Bewertung bezieht sich auf das Hörbuch "Daisy- Und all deine Geheimnisse werden mir gehören" von Melanie Raabe, erschienen im Hörbuch Verlag , gelesen von Cynthia Micas und Dirk Petrick.
Luca ist im täglichen Leben Rechtsanwältin in einer angesehenen Kanzlei und Abends Rächerin für die Gerechtigkeit.
Eines Tages dreht jemand den Spieß um und prangert sie und ihre Methoden plakativ an und, schlimmer noch, dringt in ihre Privatsphäre ein. Und plötzlich ist nicht nur sie selbst, auch ihr bester, väterlicher Freund Walther, in Gefahr.
Was hat ihr neuer Bekannter Alexander damit zu tun. Luca MUẞ dem nachgehen und sich auch ihrer Vergangenheit stellen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von zwei Personen und auf zwei Zeitebenen, der Gegenwart und der Vergangenheit vor siebzehn Jahren.
Das Buch ist unterhaltsam, jedoch würde ich es nicht als Thriller bezeichnen.
Gute drei Sterne
Rezensionen von Zwerg:
Storm 1: Das Internat des Gruselns von Judith Weber
Vampirgeschichte mit viel Witz
Storm 1: Das Internat des Gruselns gefiel uns richtig gut. Schon zu Beginn kann ich sagen: eine absolute Empfehlung von meiner Tochter und mir.
Die Gestaltung ist super. Die Comic Form lockert es total auf, aber ohne dem Lesefluss zu stören oder dass man stark aus der Story rauskommen würde.
Die Illustration des Comic ist dabei richtig gut. Er fängt die Stimmung toll ein.
Die Geschichte um das Vampirmädchen Storm ist sehr witzig und auch liebevoll. Sie wünscht sich sehnlichst auf die Blutspukakademie zu kommen, aber wird nicht aufgenommen. Nicht furchterregend genug!
Sie kommt daher auf ein Internat der Menschen. Dort erlebt sie dann so einiges und es bleibt immer witzig und sehr unterhaltsam.
So muss ein Buch für Kinder sein.
Meine Tochter wollte immer weiter lesen und es wurde nie langweilig. Perfekt auch für die kommende Halloween Zeit.











