Kunden em pfehlungen
Rezensionen von CanYouSeeMe:
A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2) von Ava Reid
A Theory of Dreaming
Nachdem ich bereits mit dem ersten Band "A Study in Drowning" eine ingesamt gute, wennauch ambivalente Zeit hatte, war ich sehr auf den zweiten Band gespannt. Protagonisten Effy und Preston sind bereits vom ersten Band bekannt und man sollte diesen auch unbedingt vorab gelesen haben, um die Handlung verstehen zu können.
Die Grundstimmung des Buches ist düster, das Setting wird durch Autorin Ava Reid sehr gelungen konstruiert. Für mich war, wie auch im ersten Band, viel los, wodurch sich die einzelnen Stränge ein wenig verlaufen haben. Dennoch habe ich den roten Faden immer erkennen können und die übergreifende Story blieb immer klar erkennbar. Sprache und Schreibstil in Übersetzung durch Nadine Mannchen haben mir insgesamt gut gefallen, auch wenn ich zu Beginn des Buches Schwierigkeiten hatte in die sehr poetischen Schilderungen und umfassenden Beschreibungen einzutauchen. Die Handlung konnte mich nicht immer überzeugen - an mehreren Stellen habe ich die Schilderungen als sehr langatmig und unnötig in die Länge gezogen erlebt. An anderen Stellen hingegen war der Spannungsbogen so hoch, dass ich das Buch nicht zur Seite legen wollte.
Grundsätzlich stehe ich vielem in diesem Buch ambivalent gegenüber. Die geschilderte Agie fand ich sehr interessant, andererseits konnte ich sie nie ganz greifen und verstehen. Allgemein war mir das Worldbuilding über beide Bücher hinweg nicht aussagekräftig genug. Die Autorin schafft immer wieder Parallelen zu unser heutigen Gesellschaft, u.a. durch die Herausarbeitung von Männern, die sich das (hier literarische) Werk von Frauen angeeignet haben. Eine klare Einordnung fehlt - ist vielleicht im Rahmen der Handlung auch nicht an der richtigen Stelle? Andererseits wird viel über politische Machenschaften geschrieben, dann sollte auch eine entsprechende Aufarbeitung der llyrischen Schläfer stattfinden.
Die Beziehung zwischen Preston und Effy ist geprägt vom Miscommunication-Trope, was mir wirklich keine Freude bereitet hat. Beide sprechen nicht miteinander, um den anderen vermeintlich nicht zu belasten, was zu noch mehr Belastung führt und schlussendlich wird vieles auch langfristig einfach im Geheimen gehalten. Das ärgert mich wirklich sehr und wird den Charakteren auch nicht gerecht.
Insgesamt 2,5 Sterne
Rezensionen von Eternal-Hope:
Nach Grau kommt Himmelblau von Thomas Reinbacher
Berührend, authentisch und Mut machend
"Nach grau kommt himmelblau" von Dr. Thomas Reinbacher ist ein zutiefst berührendes Memoir eines Menschen, der es geschafft hat, nach mehrmaligen schweren depressiven Phasen samt langen Aufenthalten auf der stationären Psychiatrie wieder zurück in ein glückliches Leben zu finden. Aus dem blauen Himmel des überragenden Erfolges einer großen Karriere bei bekannten Weltkonzernen war der Autor mitten ins tiefste Elend der Depression gestürzt, kurze Zeit, nachdem er Vater eines kleinen Sohnes geworden war.
Und es dauerte so einige Zeit, bis er sich eingestehen konnte, nicht nur eine kurzfristige Krise oder ein Burnout durch Überarbeitung, sondern eine richtige Depression zu haben, und bis er sich auf den Weg zurück bzw. in ein neues Leben, der nicht gerade, sondern mit vielen Hindernissen gepflastert ist, voll und ganz einlassen konnte.
Eine Depression zu haben ist nichts Seltenes, leider sind viele Menschen davon betroffen. Doch nur wenigen gelingt es danach, die eigene Erfahrung in so authentische und berührende Worte zu fassen, wie das dem Autor mit seinem Buch gelungen ist. Ich hatte selbst einen nahen Angehörigen mit einer schweren Depression und habe so vieles wiedererkannt: sowohl in Bezug auf seinen Zustand als auch hinsichtlich der Psychiatrieaufenthalte. Zu meinem großen Bedauern hat mein Angehöriger den Weg aus der Depression heraus nicht mehr gefunden... nach der Lektüre des Buches dieses Autors verstehe ich jetzt aber noch einmal mehr, wie schwierig das ist und wie viel Kraft es erfordert, aber auch was für eine bedeutende Rolle dabei günstige Rahmenbedingungen und soziale Unterstützung spielen. Glücklicherweise hatte der Autor sowohl einen unterstützenden Arbeitgeber als auch eine liebende Familie und verständnisvolle Freunde an seiner Seite.
Passend dazu ist das Buch in drei Teile gegliedert: zuerst erzählt der Autor seine Geschichte, den Absturz in die tiefe Depression und den Weg zurück, über mehrere Klinikaufenthalte. Danach gibt es Raum für die "Sicht der anderen", hier erzählen seine Frau, ein guter Freund, und "sein altes Ego". Dadurch wird die Sicht der Angehörigen deutlich, aber auch, speziell im letzten dieser drei Kapitel, wie wenig Verständnis Menschen (in diesem Fall der Autor selbst vor seiner Krise) für das Wesen einer Depression haben können, wenn sie diese noch nicht selbst erlebt haben oder im nahen Umfeld damit konfrontiert waren.
Im dritten Teil finden sich schließlich noch Selbsttests für Burnout und Depression, Antworten für Betroffene, Tipps für Angehörige und Kontaktadressen für Hilfe im Akutfall.
Sehr berührend ist, wie persönlich das Buch erzählt ist und wie etwa Spotify-Links zu Musik, die dem Autor in gewissen Situationen viel bedeutet hat und die er mit seinen Emotionen verbindet, eingebaut sind. Auch sonst ist das Buch trotz des dunklen Themas sehr humorvoll geschrieben: zum Beispiel ist anhand von Kackhäufchen und Herzchen dargestellt, an welche Methoden der Autor große Erwartungen hatte und welche diese erfüllt oder übertroffen haben, aber auch, welche enttäuschend waren.
Besonders interessant und hilfreich fand ich auch das Thema: "Was sind eigentlich meine Werte im Leben?", das dem Autor zum ersten Mal in der Psychotherapie begegnete (von den Werten "Kompetenz", "Großes erreichen", "Anerkennung", "Karriere" und "Perfektion" aus der Zeit vor der Krise hin zu "Akzeptanz", "Kreativität", "Papa sein", "Andere unterrichten" und "Tüfteln" für das Leben danach) und das er so hilfreich fand, dass er dazu gemeinsam mit seiner Frau ein eigenes Kartenset entwickelt hat, das ich mir ebenfalls besorgt habe und das ich auch sehr empfehlen kann.
Insgesamt ist es ein sehr berührendes und hilfreiches Buch, das ich allen, die selbst von Depressionen betroffen sind, Betroffene kennen oder sonst mit dem Thema zu tun haben - und das sind eigentlich, ob bewusst oder unbewusst, alle Menschen, denn es gibt so viele Menschen mit Depressionen, dass jeder privat oder beruflich welche kennt, egal, ob man darüber schon nachgedacht hat oder nicht - nur wärmstens empfehlen kann.
Rezensionen von Alais:
Windholm Das Nebelkind von Silvana Lilkendey
Außergewöhnlich und berückend schön
Als Arics Vater im Sterben liegt, enthüllt er seinem Sohn ein großes Geheimnis, das Aric veranlasst, sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Eldora zu begeben. Auf seiner abenteuerlichen Suche begegnen ihm der Gnom Brambelfeet und andere wundersame Wesen ...
Es war ein wunderschönes Gefühl, in diese zauberhafte Buchwelt einzutauchen.
Die Thematik von Verlust und Trauer, die diese Erzählung einleitet, traf mich zwar, da ich auch um meinen Vater trauere und auch meine schon vor etwas längerer Zeit verstorbene Mutter sehr vermisse, persönlich sehr schwer. Aber die Autorin hat, wie sie im hinteren Teil verrät, die Geschichte zuerst als Mutter für ihre Kinder geschrieben und das ist, finde ich, auf wohltuende Weise spürbar. So strahlt der Text von Anfang an sehr viel Herzenswärme aus und dem charmant-spitzbübischen Gnom Brambelfeet gelingt es auch schnell, Licht und Leichtigkeit in die Erzählung einfließen zu lassen.
Silvana Lilkendey ist eine Wortkünstlerin, die ihre Worte mit Bedacht wählt und sehr liebevoll setzt. Der Text wirkt fast schon poetisch und enthält viele Sätze, die voller Weisheit sind. Er liest sich zwar dennoch leicht, aber ich hatte das Bedürfnis, dieses Buch etwas langsamer, genussvoller zu lesen als andere Bücher. Stimmungen, Gefühle, kleine Details – sie alle werden so gelungen und voller Wertschätzung beschrieben, dass von ihnen eine magische Faszination ausgeht.
Die Fantasywelt ist sorgfältig ausgestaltet, mit einer wohlklingenden Sylphen-Sprache (dem Alindori), passenden kulinarischen Highlights wie Moosburger und Wurzelkekse, hinreißenden gnomeigenen Kraftausdrücken und Orten und Wesen, die die Fantasie beflügeln. Daher ist der hintere Teil, der unter anderem ein Glossar, eine Übersetzung verschiedener Alindori-Sätze ins Deutsche und die Vorstellung einiger Figuren umfasst, auch sehr hilfreich.
Ein ideales Buch, um sich verzaubern zu lassen und dabei etwas Trost und Kraft in finsteren Zeiten zu finden!
Rezensionen von Petra:
Mayfair Ladys - Drei Junggesellen für Lady Beatrice von Freda MacBride
Steigerung ist möglich
Lady Beatrice ist schon etwas älter, in den Augen der guten Gesellschaft eine alte Jungfer. Da sie eine Narbe im Gesicht hat wird sie von den Männern kaum beachtet. Sie ist trotzdem mit jeder wichtigen Familie bekannt und bei den jungen Frauen sehr beliebt, da sie anscheinend keine Konkurrenz ist. Sie hat ein Gefühl dafür welcher Mann zu welcher Frau passt Daher bittet sie eine Lady passende Ehefrauen für ihre drei Söhne zu finden.
. Sie sagt zu, dadurch wird es für sie nicht so langweilig. Das sie dabei auch einen Mann für sich findet ist nicht vorgesehen, aber meistens kommt es anders als man denkt.
Am Anfang zog sich der Roman etwas, es fehlte an Esprit, den ich mir in Regency Romanen wünsche, ja seit dem ich die Bücher von Georgette Heyer kenne, sogar erwarte. Die Geschichte war nett, hätte aber besser sich gleichmäßig gesteigert, als immer wieder in einem Auf und Ab zu verfallen. Bea war trotz der auffallenden Narbe ein blasser Charakter und der gute Francis machte außer einen netten Eindruck auch nicht viel her. Die kleinen Nebencharaktere die blitzten auf und da hätte man gern mehr erfahren. Aber vielleicht tauchen sie ja in den Folgebänden vermehrt auf. Die Autorin kann also wenn sie will oder liegt es an der Übersetzung. Denn die ist nichtso gut gelungen. Denn Gendern in einem Regency Roman ist albern. In einer Gesellschaft in der Frauen den Männern untertan sind, ist das die verkehrte Wortwahl.
Rezensionen von jori1020:
Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies
Eines der Highlights in diesem Bücherjahr
Florian Illies bleibt sich treu als Chronist der Stimmungen und Meister der Zwischentöne. In 'Wenn die Sonne untergeht' widmet er sich der Familie Mann, der wohl bekanntesten deutschen Schriftstellerfamilie, die in den 1930er-Jahren im südfranzösischen Sanary-sur-Mer Zuflucht fand. Es sind Monate des Übergangs, zwischen äußerem Glanz und innerer Verunsicherung, die Illies mit großer Genauigkeit nachzeichnet.
Wie schon in seinen früheren Büchern verbindet er sorgfältige Recherche mit erzählerischer Leichtigkeit. Aus Tagebucheinträgen, Briefen und Erinnerungen entsteht ein vielschichtiges Bild dieser außergewöhnlichen Familie. Illies beschreibt die Manns nicht als Denkmalfiguren, sondern als Menschen mit all ihren Widersprüchen: begabt, eitel, verletzlich und auf der Suche nach Haltung in einer aus den Fugen geratenen Welt.
Sein Stil ist elegant und präzise, durchzogen von feiner Ironie und einem sicheren Sinn für Atmosphäre. Die flirrende Hitze der Côte d’Azur wird ebenso spürbar wie die politische Bedrohung, die im Hintergrund heraufzieht.
Auch das Hörbuch, gelesen von Stephan Schad, ist eine Empfehlung. Schad findet den richtigen Ton, trägt Illies’ Sprache mit ruhiger Klarheit und verleiht ihr zusätzliche Tiefe.
'Wenn die Sonne untergeht' ist kein klassischer historischer Roman, sondern ein literarisches Zeitgemälde, das historische Distanz in emotionale Nähe verwandelt. Ein klug komponiertes, sprachlich brillantes Buch, das zeigt, wie kunstvoll Illies Geschichte in Atmosphäre verwandeln kann.
Rezensionen von Bibibabby:
MEGA von Jules Howard
MEGA Sachbuch mit Umweltschutz-Botschaft
"Mega" ist ein richtig tolles Sachbuch mit beeindruckenden Illustrationen und viel spannendem Sachwissen.
Nicht nur die Inhalte sind MEGA: auch das Format ist riesengroß und kommt (wenn geliefert) in einem noch größeren Umschlag. Das Cover sieht großartig aus und der Schutzumschlag lässt sich zu einem großen Poster auffalten, was sehr besonders ist.
Die Illustrationen sind wunderschön. Ich muss gestehen, dass ich nicht 100% überzeugt war, als ich mir die Leseprobe angeschaut habe. Aber das Buch ist wirklich herausragend und der Zeichenstil hat was wildes an sich, was irgendwie absolut zur Artenschutz-Botschaft passt.
Die Texte sind kurz, prägnant und eindrucksvoll. Besonders gefallen mir die Abschnitte, in denen die Rollen der Tiere erklärt wird.
Die grundlegende Botschaft ist der Artenschtz, doch die wird so raffiniert vermittelt (durch den Kontrast zwischen ausgestorben und lebende Arten), dass man nie das Gefühl hat, belehrt zu werden.
Am eine gibt es ein paar Seiten über Umweltschutz und darüber, was man im Alltag machen kann.
Rezensionen von Sophie H.:
Elli: Verschwörung im Reitstall von Ariane Vaßen
Krimi im Reitstall
Ein neues, spannendes Abenteuer aus der Reihe „Blckforest Friends“! Elli verbringt jede freie Minute im Reitstall bei ihrem geliebten Sky. Doch plötzlich ist die Atmosphäre auf dem Reiterhof eine andere. Ellis Reitlehrerin Frida verhält sich merkwürdig und Elli hat das Gefühl, dass sie ihr aus dem Weg geht.
Und dann wird auch noch ein Pferd sehr krank. Hat Frida damit etwas zu tun? Warum trifft sie sich mit Männern, die seltsame Kisten im Wald verstecken? Ehe Elli und ihre Freunde Kim, Leo und Carla sich versehen, ermitteln sie in einem Kriminalfall.
Obwohl dies schon der zweite Band der Reihe ist, kann man das Buch komplett ohne Vorkenntnisse lesen. Das Buch richtet sich an Kinder ab 12 Jahren und ist ein spannendes Abenteuer rund um Freundschaft und Rivalität, auch unter den besten Freunden. Das Buch lässt sich leicht und locker lesen. Die Sprache ist für die Zielgruppe absolut passend, ebenso die Kapitellänge. Schön ist die Idee, dass in der Reihe jedes Mal ein anderes Kind mit seinem Hobby im Mittelpunkt steht. So hoffe ich, dass Kim und Leo auch noch zum Zuge kommen. Wer ein spannendes Buch mit christlichen Werten lesen möchte, dem kann ich diese Geschichte sehr empfehlen!
Rezensionen von nessabo:
Wohnen von Doris Dörrie
Ein netter Essay zwischen Anekdotischem und Politischem
Ich kenne Doris Dörrie nur ansatzweise von ihren Filmen und fand den Themenkomplex rund ums Wohnen durchaus reizvoll. Nach der Lektüre würde ich sagen, dass sich auch dieses Buch gut in die Leben-Reihe des Verlags einfügt, ich jedoch selten viel aus den Werken mitnehmen kann.
Grundlegend schreibt Dörrie durchaus kurzweilig und teilweise humorvoll, ohne dabei den Blick für strukturelle Probleme zu verlieren.
Sie vermischt in ihrem Essay Erinnerungen aus ihrem Leben mit feministischer und antikapitalistischer Analyse. Selbstredend kann in einem so kurzen Text wie diesem nicht tiefgreifend kritisiert werden, aber ich fand die vielen Elemente rund um Wohnungsnot, Klassen-Privilegien und sexistischer Rollenzuschreibung sehr wichtig. Ohne sie hätte mir definitiv die politische Komponente gefehlt.
Die Nähe und Liebe zu Japan ist der Autorin auf jeden Fall anzumerken - angenehmerweise aber ohne die starke Romantisierung, die ich in westlichen Diskursen zu Japan oft wahrnehme. Stattdessen gibt es einfach deutsche, us-amerikanische und japanische Elemente, die im Leben Dörries eine Rolle spiel(t)en. Nebenbei gibt sie uns auch immer wieder Einblicke in ihren Schreibprozess sowie ihr Schaffen als Regisseurin.
Insgesamt also eine sympathische und authentische Autorin sowie ein nett zu lesender Text, für mich aber mit wenig Potenzial für tiefgreifende Reflexionen. Wer Essays grundsätzlich schätzt, kann getrost zu diesem greifen und wird sicherlich auch etwas daraus mitnehmen können.
3,5 Sterne
Rezensionen von peedee:
Der fünfte Advent von Blanca Imboden
Eine Geschichte mit Zimt-Zucker
Doris führt in dritter Generation einen kleinen Souvenirladen in Luzern. Ihr Vater ist trotz seiner fünfundachtzig Jahre immer noch mit im Laden. Doris bietet etwas Spezielles an: ein selbstgezeichnetes Porträt auf einer Christbaumkugel! Mit wenigen Strichen fängt sie das Wesen des Gegenübers ein und macht so den Käufer glücklich.
Zugleich wird der Christbaumkugelvorrat ein bisschen kleiner – ihr Vater hat einst bei einer Bestellung zehn Paletten anstatt Packungen geordert! Es kommt zu einem unerwarteten Klassentreffen mit ehemaligen Mitstudierenden aus einem Englischkurs in London vor vierzig Jahren. Das Treffen bringt unerwartete Gefühle ans Licht. Das schönste Weihnachtsgeschenk gibt es erst am fünften Advent…
Erster Eindruck: Das Cover mit einem Ausschnitt von Luzern auf (oder in) der Christbaumkugel gefällt mir sehr gut. Der Titel ist ungewöhnlich und erregt dadurch Aufmerksamkeit.
Die Geschichte hatte noch nicht mal begonnen und ich war schon innerlich berührt, nämlich durch die Widmung – schluck…
Doris hatte nie vor, den Souvenirladen zu übernehmen. Aber als sie mit zwanzig Jahren schwanger wurde, der werdende Vater jedoch kein Interesse am Nachwuchs zeigte, blieb sie in Luzern und arbeitete im Geschäft. Und die Jahre vergingen. Leider hat sie kein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter; den fünfjährigen Enkel hat sie noch nie gesehen. Das schmerzt sehr. Sie wünscht sich nichts weiter als eine liebevolle Beziehung zu ihrer Tochter.
Eine der ehemaligen Kursteilnehmer aus London hat sich gemeldet und kurzerhand ein Klassentreffen in Luzern organisiert. Doris freut sich zwar, aber zugleich hat sie auch Angst davor. Haben alle anderen ihre Träume verwirklicht? Ist sie die Einzige, die allein ist? Es ist ihr durchaus bewusst, dass sie sich nicht mit anderen vergleichen sollte, denn jeder Lebensweg ist nun mal anders. Das kenne ich von mir nur allzu gut. Wenn ich mich mit anderen vergleiche, ziehe ich immer den Kürzeren. Dabei weiss ich nichts über die anderen, ausser dass sich einige besser „verkaufen“ können als ich. Aber an dieser Dauerbaustelle bin ich dran.
Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das Kreieren des fünften Advents fand ich witzig und den Ausgang der Geschichte gelungen. Von mir gibt es 4 Sterne mit einer tüchtigen Portion Zimt-Zucker!
Rezensionen von nessabo:
Das Pen!smuseum - Mit Texten von Jovana Reisinger, Sophia Süßmilch und Illustrationen von Andrea Z. Scharf von Mareike Fallwickl; Eva Reisinger
Ein „Female Rage & Revenge“-Fest!
Ich war bei Ankündigung der Buchveröffentlichung sehr enttäuscht von den beiden Autorinnen, weil sie ursprünglich eine transfeindliche Person mit einem Textbeitrag integrieren wollten. Noch immer habe ich meine Schwierigkeiten mit der Begründung, die Position dieser Autorin sei nicht bekannt gewesen.
Aber nichtsdestotrotz wurde ihr Beitrag ab Auflage 1 herausgestrichen und das finde ich die einzig richtige Konsequenz.
Froh bin ich über die Entscheidung auch aus dem egoistischen Grund, dass dieser Roman einfach so dermaßen eine Tour de Force ist, dass ich gnadenlos gut unterhalten wurde. Das Autorinnenduo ist ein absolutes Geschenk für mich, beide kenne und schätze ich schon von ihren eigenen Werken. Und zwar ganz genau für das, was dieses Buch mir auch wieder geschenkt hat: weibliche Wut, ein bisschen Rache und ganz viel Frauensolidarität (die Figuren sind allesamt Frauen, andere Geschlechter außer cis Männer werden in aktivistische Taten aber natürlich ebenso integriert).
Ich finde es bemerkenswert, wie gut die beiden Autorinnen hier wirklich zusammen geschrieben haben, ohne dass zwischen den sehr kurzen Kapiteln ein Cut im Ton wahrnehmbar wäre. Unterstützt wird das sicherlich durch die kluge Entscheidung, personell zwar innerhalb einer abgegrenzten Personengruppe zu arbeiten, die Handlung aber nicht streng stringent zu schreiben. Die Kapitel sind enorm kurz, entsprechend snackt sich das gesamte Buch wirklich easy weg. Einzig die beiden Gastbeiträge empfand ich sprachlich als wahrnehmbar abweichend und müsste ich etwas kritisieren, dann wäre es das.
Dass der Lesesog so extrem ist, begrenzt aber nicht die Ernsthaftigkeit des Inhalts. Thematisch wird die schiere Masse an Diskriminierung und Gewalt angegangen, die zur Lebensrealität von weiblich gelesenen Personen gehört: restriktive 6ualität und allgemein reglementierte Verhaltensweisen, 6ualisierte sowie häusliche Gewalt oder die kräftezehrende Lebensrealität einer Dreifach-Mutter in Kontrast zum Dreifach-Vater.
Was mich besonders freut und was ich von beiden Autorinnen schon gewohnt bin: Der gesamte Text basiert auf viel, extrem viel, weiblicher Solidarität. Nicht nur bei gemeinsamen Taten, auch weniger extrem etwa beim gemeinsamen, ungehinderten Essen ohne Besteck, beim Raumnehmen mit ihren Körper oder in klarer Kommunikation mit Männern, die „Komplimente“ über die Abwertung anderer Frauen verteilen. Freundinnen, die die frischgebackene Mutter in ihrer 6positivität bestärken. Alte wie junge Frauen, die solidarische Banden bilden und vielleicht das ein oder andere Ding drehen. Banden, um Frauen aus Polen bei Abtreibungen zu helfen … die Liste geht endlos weiter.
So gelingt es auch, dass die Schwere mancher Kapitel wohltuend aufgefangen wird. Alle Kapitel haben einen humorvollen Grundton, der sich aber auch unterscheidet und mal mehr mal weniger deutlich hervortritt. Manche funktionieren über die Umkehrung der aktuellen Verhältnisse, die sicherlich nicht tatsächlich gefordert wird, wohl aber die Ungerechtigkeit und Überheblichkeit dieser männerdominierten Welt offenlegt. Ob Victim Blaming nach Übergriffen oder das ständige Unterbrechen eines Mannes in Gesprächen - ich mag dieses Stilmittel literarisch sehr.
Viele andere Stellen haben mich eifrig zum Nicken gebracht. Zum Beispiel wenn cis Männer ihre hegemoniale Männlichkeit reflektieren und dafür am liebsten mit tosendem Applaus belohnt werden wollen. Oder bei dem Anspruch, 6arbeitende aus ihrer „Lage“ „befreien“ zu müssen. Ich war auch beklemmt, etwa bei einem Text, der immer wieder den Fall Gisèle Pelicots erwähnt.
Großartig - anders kann ich das Buch nicht bewerten und ich lege es allen ans Herz, die manchmal oder oft wütend sind über patriarchale Strukturen. Für mich funktioniert dieses Subgenre dahingehend nämlich hervorragend.
PS: Die Buchgestaltung toppt alles! Tolle Illustrationen innen wie außen und allen Ernstes auch noch ein Daumenkino auf den Seiten?!











