Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ele:
Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly
Der Junge aus dem Meer
Das Geschenk des Meeres, Roman von Julia R. Kelly, EBook aus dem mareverlag.
Der Sohn des Fischers
Es war im Winter 1900, als der Fischer Joseph, einen leblosen Jungen an Land trug. Er wurde zum Pfarrer gebracht und dort aufgepäppelt. Ein unheimliches Ereignis, denn Jahre zuvor ist der Sohn der Lehrerin Dorothy, der dem Jungen verblüffend ähnelt, in einer stürmischen Nacht, ins Meer geschwemmt.
Da die Frau des Pfarrers kurz darauf selbst ein Kind zur Welt bringt, meinte der Pfarrer, dass es eine gute Idee wäre, wenn sich Dorothy weiterhin um den Jungen kümmert. Nach anfänglichem Widerstand erklärt sie sich doch bereit, das Kind aufzunehmen, bis die Herkunft des Jungen geklärt ist. Nicht nur Dorothy und Joseph finden das Auftauchen des Jungen als befremdlich, sondern die ganze Dorfgemeinschaft rätselt. Auch darüber was Dorothy und Joseph, die sich einstmals gut verstanden haben, entzweit hat. Viele Geheimnisse und Unausgesprochene Gefühle kommen nach und nach an die Oberfläche.
Das Buch ist in zwei Zeitsträngen verfasst, damals und heute. Die Kapitel in auktorialem Stil wechseln hauptsächlich aus der Sicht von Joseph und Dorothy, doch auch die anderen Dorfbewohner sind an der Erzählung beteiligt. Die verschiedenen Zeitebenen haben mich etwas verwirrt, da hat sich kein Lesefluss einstellen können, die Geschehnisse von damals und was zwischen den Hauptfiguren passiert ist, erklären sich im Laufe der Lektüre, einfacher wäre es zum Verständnis jedoch gewesen, wenn der Leser, die Fakten von Beginn an präsentiert bekommen hätte. Zum Ende zu, begegnen sich die beiden Stränge jedoch und dann ist es so spannend, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen will. Dorothy die von ihrer Mutter sehr streng erzogen wurde hat es nicht leicht als sie als junge Lehrerin nach Skerry kommt. Vermutlich ist das der Grund warum sich alles so entwickelt hat. Die Dorfbewohner jedoch haben es der jungen Frau aber auch nicht leicht gemacht. Oft habe ich ihre Handlungen nicht nachvollziehen können, sie ist mir lange fremd geblieben. Joseph war meine Lieblingsfigur, ein einfühlsamer ehrlicher und grundanständiger Mensch. Eine tolle Entwicklung jedoch hat die Gemischtwarenhändlerin Mrs Brown hingelegt, zuerst dachte ist diese verbissene Frau, hat viel dazu beigetragen, dass Dorothy anfangs nicht akzeptiert wird, aber auch Mrs. Brown hatte ihr Päckchen zu tragen. Letztendlich hat sie jedoch Dorothy auf den richtigen Weg gebracht. Ein wenig mehr Offenheit, mehr Vertrauen und weniger Vorurteile, es ist heute wie damals, das würde das Leben oft leichter machen.
Es ist ein dunkles, emotionales und sehr poetisches Buch, das Setting ist rau und hervorragend beschrieben, die karge und wilde Landschaft prägt deutlich den Charakter der Figuren. Das ist stimmig und authentisch. Ich hätte noch ewig weiterlesen mögen, es wäre sicher noch einiges zu berichten gewesen. Insgesamt und nach den anfänglichen Startschwierigkeiten habe ich mich beim Lesen sehr wohl gefühlt, ich kann das Buch allen empfehlen, die die Wildheit der schottischen Küste mögen, auch für die Fans von tiefgehenden Geschichten geeignet.
Ein ergreifendes Debüt. Von mir gute 4 Sterne.
Rezensionen von Peachybookdreams :
Mumpelmoff und das Wunder am Schloss von Bo Starker
Die schönsten Illustrationen
Mumpelmoff lebt mit seinem Luftballon names Kleinseins im alten und verlassenen Morl-Haus. Doch auch mit seinem Ballon fühlt er sich langsam einsam und sehnt sich nach Freundschaft. Als er eines Tages eine Eulenprinzessin entdeckt, möchte er sich mit ihr Anfreunden. Mumpelmoff schämt sich jedoch für sein Äußeres, weshalb er kurzerhand einen Plan schmiedet, um sich zu verändern.
Doch dabei gerät so einiges schief …
Ich bin absolut begeistert von dieser zauberhaften Geschichte. Die Illustrationen sind aufwendig und liebevoll gestaltet, und man merkt, wie viel Arbeit und Herzblut Bo in dieses Buch investiert hat. Auch das kleine Glossar am Ende mit Mumpelmoffs erfundenen Wörtern und ihrer Bedeutung fand ich genial. Mich überkam beim Lesen ein Gefühl von Nostalgie, denn meine Kinderbücher hatten einen ähnlichen Zeichenstil, der die Geschichte für mich noch besonderer gemacht hat. Das Ende lässt mich auf ein wiedersehen mit Mumpelmoff hoffen.
Fazit: Eine humorvolle Geschichte mit einer wichtigen Botschaft, dass man sich für wahre Freundschaft nicht verändern muss. Die schönsten Illustrationen, die ich seit langem in einem Kinderbuch gesehen habe. Eine klare Empfehlung, vor allem für die Herbstzeit.
Rezensionen von rewareni:
Das Grab des Piraten von Gerhard Wegner
Sieg oder Niederlage
Als Experten für gefährliche Abenteuer werden das ODYSSEE- Bergungsteam unter der Leitung des Archäologen Dr. Michel (Mitch) Thromberg , von höchster politischer Stelle gebeten das Grab von Sir Francis Drake zu finden und seine Überreste nach England zurück zu bringen. Obwohl Mitch zu Beginn nicht gerade begeistert davon ist, wird er aber nach und nach immer tiefer in diese Mission hinein gezogen.
Als auch noch Terroristen einen Anschlag verüben ist allen klar, dass sie geschickt an die Sache heran gehen müssen, damit sie erfolgreich sind.
,, Das Grab des Piraten“ ist der 5. und letzte Band aus der Reihe ,, Ein ODYSSEE Abenteuer“ von Gerhard Wegner. Auch wenn man, so wie ich die vorherigen Bände nicht kennt, kann man problemlos in die Geschichte einsteigen.
Mitch, als Leiter des Teams, war mir vor allem zu Beginn nicht sehr sympathisch, da er unfreundlich und ungeduldig seinem hohen Besuch gegenüber gestanden ist. Erst später hat er menschlichere Züge gezeigt. Generell muss ich sagen, dass mir im Grunde alle Protagonisten eher distanziert vorgekommen sind und so ziemlich alle sehr kühl und rational vorgekommen sind, sodass ich nicht wirklich zu ihnen vordringen konnte.
Bei der Geschichte habe ich mir ein spannendes Abenteuer vorgestellt, das ich öfters vermisst habe. Zu Beginn wird sehr viel über die Planung der Mission gesprochen, die Vorbereitungen wer für was zuständig ist und was alles zu beachten ist. Dadurch ist für mich viel Zeit verloren gegangen, bis es spannender wird.
Interessant war, wie versucht wurde hinter die Geheimbotschaft zu kommen, die Francis Drake verfasst hat und der Schlüssel nicht nur zu seinem Grab, sondern auch zu einem verborgen Schatz ist.
Als Nebenhandlung findet man noch einen Einblick in das Leben der Kuna, einer indigene Ethnie in Panama, wo es interessant war zu lesen, wie diese leben und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben.
Der Roman beinhaltet nebenbei noch Themen wie Rechtspopulismus, Klimawandel oder wie Tradition und Kultur einer modernen Welt gegenüber stehen, wo viele glauben, dass sie dort ihr Glück finden.
Am Ende findet man noch Erklärungen zu dem Roman, wo der Autor erklärt, ob oder wie er seine fiktive Geschichte mit realen Ereignissen und Begebenheiten zusammen gefügt hat.
Rezensionen von rewareni:
Das Grab des Piraten von Gerhard Wegner
Sieg oder Niederlage
Als Experten für gefährliche Abenteuer werden das ODYSSEE- Bergungsteam unter der Leitung des Archäologen Dr. Michel (Mitch) Thromberg , von höchster politischer Stelle gebeten das Grab von Sir Francis Drake zu finden und seine Überreste nach England zurück zu bringen. Obwohl Mitch zu Beginn nicht gerade begeistert davon ist, wird er aber nach und nach immer tiefer in diese Mission hinein gezogen.
Als auch noch Terroristen einen Anschlag verüben ist allen klar, dass sie geschickt an die Sache heran gehen müssen, damit sie erfolgreich sind.
,, Das Grab des Piraten“ ist der 5. und letzte Band aus der Reihe ,, Ein ODYSSEE Abenteuer“ von Gerhard Wegner. Auch wenn man, so wie ich die vorherigen Bände nicht kennt, kann man problemlos in die Geschichte einsteigen.
Mitch, als Leiter des Teams, war mir vor allem zu Beginn nicht sehr sympathisch, da er unfreundlich und ungeduldig seinem hohen Besuch gegenüber gestanden ist. Erst später hat er menschlichere Züge gezeigt. Generell muss ich sagen, dass mir im Grunde alle Protagonisten eher distanziert vorgekommen sind und so ziemlich alle sehr kühl und rational vorgekommen sind, sodass ich nicht wirklich zu ihnen vordringen konnte.
Bei der Geschichte habe ich mir ein spannendes Abenteuer vorgestellt, das ich öfters vermisst habe. Zu Beginn wird sehr viel über die Planung der Mission gesprochen, die Vorbereitungen wer für was zuständig ist und was alles zu beachten ist. Dadurch ist für mich viel Zeit verloren gegangen, bis es spannender wird.
Interessant war, wie versucht wurde hinter die Geheimbotschaft zu kommen, die Francis Drake verfasst hat und der Schlüssel nicht nur zu seinem Grab, sondern auch zu einem verborgen Schatz ist.
Als Nebenhandlung findet man noch einen Einblick in das Leben der Kuna, einer indigene Ethnie in Panama, wo es interessant war zu lesen, wie diese leben und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben.
Der Roman beinhaltet nebenbei noch Themen wie Rechtspopulismus, Klimawandel oder wie Tradition und Kultur einer modernen Welt gegenüber stehen, wo viele glauben, dass sie dort ihr Glück finden.
Am Ende findet man noch Erklärungen zu dem Roman, wo der Autor erklärt, ob oder wie er seine fiktive Geschichte mit realen Ereignissen und Begebenheiten zusammen gefügt hat.
Rezensionen von Normanfips:
Tiere beobachten mit dem Wildtierguide von Patrick Hundorf (@patrickdogvillage)
Informativ mit tollen Bildern
Der Kosmos Verlag hat mit dem Wildtier-Guide mal wieder ein sehr schönes und informatives Buch herausgebracht. Patrick Hundorf nimmt uns mit auf Beobachtungstour, um unter anderem Wildkatzen, Feldhasen oder Kreuzottern sicher und erfolgreich in ihrem natürlich Habitat erleben zu können. Der Guide beginnt mit einem allgemein gehaltenen Teil, der sich mit Recht und Gesetz auseinandersetzt, aber auch mit der richtigen Ausrüstung und dem adäquaten Verhalten während der Wildtierbeobachtungen.
Anschließend werden die einzelnen Tierarten näher vorgestellt, wobei die Kapitel in Säugetiere, Vögel, Amphibien und Reptilien und Insekten unterteilt sind. Zwischen den einzelnen Steckbriefen gibt es kleine Exkurse, wie z.B. ‚Das Blubbern der blauen Moorfrösche‘. Das Buch schließt mit einem Serviceteil ab, dort findet man auch die App mit den App-Codes, um die Tierstimmen hören zu können. Das Buch ist sehr übersichtlich gestaltet, die Informationen sind von der Länge her genau richtig und inhaltlich wertvoll. Das große Plus obendrauf sind die tollen Bilder. Wer sich für die heimische Tierwelt interessiert und sich auch mal gerne selbst auf Entdeckungsreise begeben möchte, dem kann ich dieses schöne Buch auf jeden Fall empfehlen.
Rezensionen von Normanfips:
Heart of Night and Fire von Nisha J. Tuli
Eine exotische und magische Welt
Zarya lebt wie eine Gefangene isoliert mit ihrem Wächter Row und seinem Helfer Aarav. Niemand erklärt ihr, warum sie so abgeschieden leben muss und weshalb niemand von ihr und ihrer Magie erfahren darf. Als sie unerwarteter Weise fliehen kann, will sie sich zur nächsten Stadt durchschlagen und trifft auf dem gefährlichen Weg dorthin auf Vikram und Yasen.
Durch die beiden kommt sie unbeschadet in der Stadt Dharati an und fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben nicht mehr so alleine. Die Idylle verfliegt rasch, nachdem die Stadt immer wieder von Dämonen angegriffen wird und Zarya sich mitten im Geschehen befindet.
Ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen, denn der Schreibstil von Nisha J. Tuli ist gefällig und flüssig. Sie entführt den Leser in eine magische und orientalisch anmutende Welt voll Exotik und vielen Geheimnissen. Das Setting gefällt mir sehr gut und ich muss an dieser Stelle auch das tolle Cover und den schönen Buchschnitt erwähnen. Es war immer wieder eine Freude, das Buch in die Hand zu nehmen, da die Gestaltung wirklich ansprechend und auch sehr stimmig zur Geschichte ist. Der Plot ist spannend und macht neugierig, da sich stets neue Fragen auftun und man gerne hinter all die Geheimnisse kommen möchte. Allerdings ist die Ausarbeitung für mich an einigen Stellen unglaubwürdig und unausgegoren. Wichtige Handlungsstränge wurden plötzlich viel zu schnell und unpassend abgehandelt. Nichtsdestotrotz fand ich das Buch unterhaltsam.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Neben Fremden von Eva Schmidt
Ganz unspektakulär einfach toll
Mist, mein Wunschzettel wächst einfach ins Unendliche, aber nachdem ich „Neben Fremden“ von Eva Schmidt gelesen habe, möchte ich unbedingt noch mehr von der österreichischen Schriftstellerin lesen.
Und zwar nicht, weil „Neben Fremden“ so unvorstellbar aufregend oder spannend war, sondern weil Schmidt in ihrem Roman so grandios und so treffsicher von einem ganz banalen Leben erzählt.
Von so einem Leben, wie du und ich es vielleicht auch haben.
Die Ich-Erzählerin Rosa ist eine ältere, mittlerweile verrentet Frau, die zusammen mit ihrem Hund in einer kleinen Wohnung wohnt. Gerade erst ist ihr Freund Fred gestorben, mit dem sie eine längere Beziehung hatte, obwohl er noch mit einer anderen Frau verheiratet war.
Von Fred hat sie auch erst vor kurzem cheinen Campingbus geschenkt bekommen, eigentlich für gemeinsame Touren und Ausflüge.
Rosa hat außer einer Freundin und ihrer Mutter ansonsten nicht viele Sozialkontakte, sie hält Distanz zu Nachbarn und sucht auch nicht aktiv nach Anschluss. Nur dass sie zu ihrem Sohn schon lange keinen Kontakt mehr hat, schmerzt sie manchmal.
Freds Tod hat sie nachdenklich gemacht, und sie beschließt, mit dem Camping Bus ein paar Tag wegzufahren.
Was bei anderen Autor*innen vielleicht der Anfang zu einem aufregenden Selbst-Findungs-Roadtrip inklusive Neustart und YOLO-Vibes wäre, ist es bei Schmidt all das nicht.
Die Gewohnheiten, der Alltag und die inneren und äußeren Zwänge und Verstrickungen sind eng für die Erzählerin und binden sie an ihr Leben.
„Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte.
Andere hatten einen Plan. Ich hatte keinen, hatte nie einen gehabt. Sehnsüchte ja, Wünsche, aber keine Ziele.
Eigentlich habe ich immer nur reagiert, dachte ich.“
Und dann wird ihre Mutter krank, zu der Rosa ebenfalls ein merkwürdig distanziertes Verhältnis hat. Schmidt beschreibt eine Mutter-Tochter Beziehung, die vielleicht typisch ist für die Generation meiner Eltern, zu der auch die Autorin gehört.
„Ich hatte sie gekränkt, hatte sie nicht ernst genommen, hatte versucht, sie aufzumuntern, anstatt zu trösten. Ich hatte kein Verständnis für sie, obwohl sie meine Mutter war und alles für mich getan hatte.“
Es ist diese Sprach- und Wortlosigkeit, die in so vielen Familien herrscht, die auch Rosas Aufwachsen geprägt hat und die in Schmidts Roman so deutlich hervorsticht.
„Neben Fremden“ ist auch ein Roman über Abschiede, über ungelebtes Leben, über „hätte, hätte, Fahrradkette“, über verpasste und verstrichene Möglichkeiten. Über die Enge des Lebens und die Unfähigkeit und Unmöglichkeit diese zu überwinden.
„Meinem Vater fehlte es an Ehrgeiz, mehr aus sich zu machen. Er wollte leben, wusste nur nicht, wie. Genau wie ich.“
Und immer wieder das große Überthema, das auch schon im Titel steckt: “Neben Fremden” ist ein Roman über den Wunsch nach einer Verbindung zu anderen Menschen und über die Sehnsucht, anderen wirklich nahe zu sein.
Großartig finde ich dabei, wie leise und realistisch Schmidt diese großen und universellen Themen heraus arbeitet. Ich finde leise Erzähltöne oft, naja, langweilig, aber hier finde ich es berührend. Gerade auch, dass Schmidt mir keine Wertung vorgibt, gefällt mir und rührt mich.
„Neben Fremden“ ist damit so ein bisschen der Gegenentwurf von Romanen wie „Eat, Pray, Love“ (die natürlich ebenfalls toll seien können und ihre Berechtigung haben).
Ich find „Neben Fremden“ ganz unspektakulär einfach toll.
Kritik habe ich allerdings für die Kurzbeschreibung auf der Umschlagsseite, die meiner Meinung nicht gut gelungen ist, zuviel und das Falsche vorweg nimmt und dem Roman nicht gerecht wird.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Muttermale von Dagmar Leupold
Inhaltlich und sprachlich sehr gelungen und lesenswert
„„Muttermale“ ist der Roman einer Annäherung“ steht in der Kurzbeschreibung. Aha, wieder eine Spurensuche nach der Mutter, denke ich. Und denke an „Mutternichts“ von Christine Vescoli, an „Perlen“ von Siân Hughes und an die vielen anderen Roman, die ich von Autor*innen gelesen habe, die sich autofiktional oder nicht, auf die Spuren einer oder ihrer Mutter gemacht haben.
Aber Dagmar Leupolds neuester Roman, der jetzt für den Bayrischen Buchpreis nominiert ist, ist mehr als die persönliche Frage nach der Identität der Mutter. Es ist auch die Annäherung an eine Generation, die den Krieg erlebt hat, die Täter und Opfer zugleich war. Eine Generation, die in Trauer und Grauen wie erstarrt ist und gelernt hat mit falscher Fröhlichkeit und/oder mit protestantischer Disziplin die Schmerzen zu übertünchen.
„Der Generationsgraben voller unbestatteter Toter und unbesprochener Verstrickungen, der Weg zu einer erlösenden Trauer damit verwehrt.“
Die Mutter von Leupolds Erzählerin wurde 1924 geboren und stammte aus Ostpreußen und erlebt als Jugendliche und junge Frau den zweiten Weltkrieg.
Der jüngere Bruder stirbt 1944 im Krieg
„Er hieß Klaus. Und starb mit achtzehn, Granatsplitter im rechten Knie und im Becken.“
Genauso wie bereits der ältere Bruder 1941, Granatsplitter im Rücken.
Die Erzählerin stellt sich mehrfach die Frage, wie die Mutter den Krieg, die Verluste und die spätere Vertreibung erlebt hat.
„Unvorstellbar, dass ihr über die Welt am Abgrund gesprochen habt. Unvorstellbar, dass ihr nicht über die Welt am Abgrund gesprochen habt.“
Später, lange nach dem Krieg, bewundert und rezitiert die Mutter immer noch die Dichterin Agnes Miegel, die Hitler und dem NS-Regime affirmativ gegenüberstand und insbesondere unter Heimatvertriebenen noch lange geschätzt wurde.
Überraschenderweise konzentriert sich Leupold besonders auf die jungen und späteren Jahre der Mutter. Die Jahre der Kindheit der Erzählerin, also die gemeinsam verbrachten Jahre, nehmen relative wenig Raum des Romans ein, so als wäre dies Zeit zu schmerzhaft für ein genaueres Hinsehen. So als bräuchte es die Distanz, um die Mutter deutlicher zu erkennen oder über sie schreiben zu können.
Hinweise auf die Beziehung zwischen Mutter und Tochter gibt es.
„Das Einzige, was gewollt werden durfte, war Prügel - protestantischer, verinnerlichter Sadismus, den du für Disziplin hieltest.“
Der Roman ist in chronologisch geordnete Episoden gegliedert, die nicht in eine durchgehende Erzählung münden. Vielmehr nutzt Leupold einzelne Erinnerungsschlaglichter und Fotografiebeschreibungen, um das Leben der Mutter zu beleuchten.
Leupold ist die Generation meiner Mutter und viele ihrer Beschreibungen wecken auch bei mir Erinnerungen an meine Mutter und Großmutter. Bilder wie die bestickten Stofftaschentücher oder „wie bei Hempels unterm Sofa“ erzeugen bei mir eine beklemmende Mischung aus Nähe und Distanz.
Leupold schreibt messerscharf, viele Sätze sind schneidend. Ihr reichen wenig Worte, kurze Kapitel, um ganze Lebenswelten zu skizzieren, wie beispielsweise den gutbürgerlichen Mittelschichtswohlstand der älteren Mutter als Beamtenwitwe.
„Deine Emanzipation ruhte und beruhte auf einem soliden finanziellen Fundament. Du warst eine wohlhabende Witwe.“
Eine Witwe, die sich und ihrer Tochter gerne Restaurantbesuche in der Pizzeria San Marco gönnt und die ganze Produktpalette von Chanel No. 5 verwendet.
Ein Duft, den die Erzählerin immer mit der alternden Mutter verbinden wird.
Ich fand „Muttermale“ in vielerlei Hinsicht besonders und lesenswert. V.a. literarisch und sprachlich ist der Roman in meinen Augen sehr gelungen und großartig. Und auch als Versuch, der Gefühlskälte einer ganzen Generation an Eltern näher zu kommen und zu begreifen, aber nicht zu entschuldigen.
Rezensionen von Normanfips:
Die Phönixkarten für dein Inneres Kind - 44 Archetypenkarten und 192-seitiges farbiges Booklet, m. 1 Beilage, m. 1 Buch von Anne Vonjahr
Ein wunderschönes Set
Wieder ein schönes Set von Anne Vonjahr. Die Karten sind wirklich wunderschön illustriert. Sie haben eine angenehme Größe und fühlen sich hochwertig an. Alle Darstellungen sind eher dunkel gehalten, aber besitzen doch immer einen Lichtfleck. Das stellt sehr gut die Schatten- und die Lichtseite der Archetypen dar.
Man findet hier Archetypen wie das magische Kind, die junge Rebellin oder den jungen Helden. Anne Vonjahr stellt uns aber auch weniger geläufige Archetypen wie die junge Dryade, die Aussenseiterin oder das Phönix-Herz vor. Nicht nur die Karten sind hochwertig, sondern auch das Booklet. Die Bilder sind ebenfalls äußerst ansprechend. Im ersten Teil werden die Archetypen im Allgemeinen, alle Informationen rund um den Begriff des Inneren Kindes, der Inneren Jugendlichen und Legemuster erklärt. Die Informationen sind verständlich und präzise. Im Anschluss an diese Erklärungen folgen die 44 Archetypen-Karten einzeln und zwar mit dem Bild und einer dazugehörigen Deutung und Erläuterung. Ich habe alle Legemuster ausprobiert und ich muss sagen, dass dieses Kartendeck sich aktuell zu meinem liebsten Set neben dem Vorgänger ‚Die Phönixkarten’ entwickelt hat. Wer sich mit seinem Unbewussten, seinen Schattenseiten und vor allem mit den Facetten des Inneren Kindes und des Inneren Jugendlichen auseinandersetzen möchte, der wird hier sicher fündig. Eine klare Empfehlung von meiner Seite.
Rezensionen von Krani:
Sonnenaufgang Nr. 5 von Carsten Sebastian Henn
Inspirierend
Eine alte Filmdiva möchte eine Autobiografie schreiben und engagiert den Ghostwriter Jonas. Er schreibt mit, doch er erfährt Dinge aus ihrer Vergangenheit, die ganz andere Geschichten erzählen. Das wirft Fragen auf danach, was eigentlich wahr ist. Und Fragen danach, wie wir mit Erinnerungen umgehen wollen, insbesondere mit solchen, die uns belasten.
Ein spannendes Thema! Der Autor ist bereits mit dem „Buchspazierer“ bekannt geworden.
Die Geschichte ist flüssig erzählt, das Lesen macht Freude. Stella, die Filmdiva, ist in ihrer Arroganz und Verletzlichkeit sehr überzeugend. Das wird noch dadurch getoppt, dass wir immer wieder auf ihre Fans treffen. Für Jonas ist dies der erste Auftrag. Er wird nicht zum Fan, sondern kommt ihr persönlich nahe, gerade weil er auch andere Seiten ihrer Lebensgeschichte erfährt. Doch Stella hat ihn und ihre Erinnerungen jederzeit fest im Griff, solange bis sie die Zusammenarbeit beendet und Jonas entlässt. Ob es zum Schluss zu einem Buch kommt, sei hier nicht verraten.
Ein Anstoß, auch über eigene Erinnerungen einmal neu nachzudenken.










