Kunden em pfehlungen
Rezensionen von annamichalea:
Wildboden von Constantin Lieb
Ludwig malt wie andere Schreiben und Constantin Lieb schreibt vllt wie Ludwig malte
Ein historisch biographischer Roman über einen Maler und seine Lebensgefährtin in der Abgeschiedenheit der Schweizer Berge. An und für sich kein Thema, bei dem ich sofort zum Buch gegriffen hätte. Aber dieses faszinierende Cover hat es mir angetan und auch der Schriftzug des Titels, quasi in einer Kurve geschrieben wirkt besonders.
Steckt auch ein besonderes Buch dahinter?
Schon ziemlich am Anfang erklärt sich das Cover. Es hält einen besonderen Moment im Leben von Erna Schilling, der Lebensgefährtin des Malers Ernst Ludwig Kirchners fest, ein Lichtspiel der Morgensonne in der Stube des Hauses Wildboden, für Erna ein " Lichtblick inmitten der erdrückenden Stummheit der Berge."
Es gibt das Klischee, dass jeder Künstler eine Muse braucht, ohne die er nicht arbeiten kann. Erna ist mehr als Kirchners Muse. Das Buch beleuchtet anschaulich ihr Leben und Mitwirken, ihre Verzweiflung und Sehnsucht ebenso wie Kirchners Schaffenskraft, Versagen und auch Wahnsinn. Es ist die Choreographie eines Zusammenlebens und gleichzeitig ein Abbild der Einsamkeiten. In der Sprache findet sich die Intensität und das Auftreten des Covers, es wundert mich kein bischen, dass eine Verfilmung schon im Gange ist.
Rezensionen von Philiene :
Unsichtbare Musen von Elisa von Hof
Interessante Frauen
Unsichtbare Musen erzählt ,wie der Name schon vermuten lässt, die Geschichten von Frauen die im Schatten bekannter Männer standen,
Elisa von Hof hat sich einige interessante Frauen herausgesucht und beleuchtet in ihrem Buch deren Geschichten. Oftmals waren sie viel mehr als nur die Musen, also die Inspiration sondern sie waren eine wichtige Stütze für den Künstler.
Sie hat sich zum Beispiel mit Göthe und Picasso beschäftigt aber auch mit Kanye West ein aktuelles Beispiel beleuchtet.
Aber nicht die Künstler stehen im Vordergrund des Buches sondern diejenigen die von der Geschichte meist vergessen werden, die Frauen ohne die vieles gar nicht möglich gewesen wäre, die starken Personen im Hintergrund.
Sie erzählt aber auch davon wie die Männer mit ihnen umgegangen sind, was nicht immer als nett zu nennen ist.
Stellt sich die Frage warum blieben sie im Schatten?
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Ich lese sehr gerne Biographien und fand es sehr gut das in diesem Buch nicht nur ein Leben erzählt wurde, sondern das von vielen. So entsteht ein interessanter Einblick in die unterschiedlichsten Kunstrichtungen und zu den unterschiedlichsten Menschen.
Interessant, gut recherchiert und einfach lesenswert.
Rezensionen von Marie aus E.:
Hummerjahre von Beatrix Gerstberger
Hat mich leider nicht gepackt
Die Fortsetzung der "Hummerfrauen" ist erhältlich und Band 1 steht schon ewig auf meiner Buchwunschliste, gelesen habe ich es es bislang aber nicht.
Somit war es für mich ein Quereinstieg ohne Vorkenntnisse, ich vermute jetzt in der Rückschau, dass das ein Fehler war.
Um was geht es? Eagle Island, gelegen an der Küste von Maine ist ein Fischerort, an dem insbesondere das Hummerfischen für das Auskommen der Bewohner sorgt.
Es ist aber auch ein Ort für die Sommefrische der Städter der USA.
Richard ist schwerkrank und wünscht sich, noch einmal zurück nach Eagle Island zu reisen, den Ort, an dem er so viele Sommer verbracht hat und auch einen Insel-Freund gefunden hat.
Zusammen mit seiner Tochter Mina (47, kam mir jünger vor, insbesondere unreifer) und der Enkeltochter Luca sowie seiner Frau Judith.
Alle haben ihre ganz besondere Verbindung zur Insel. Mina, weil ihre ehemalige große Liebe Sam dort lebt, Luca, weil Sam ihr Vater ist, Judith, weil da da noch etwas Ungeklärtes im Raum steht.
Dazu gibt es dann noch die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel und einen besonderen Hummer.
Das beherrschende Thema ist Abschied, Loslassen können, Neuanfang und natürlich die Liebe.
Ich war anfangs sehr angetan, ich mochte die Charaktere und die Beschreibungen. Sätze wie "Sie war die Königin der Tomatendosen, der Spaghettipackungen und des Klatsches" oder "damit wenigstens die Grundnahrungsmittel täglich auf der Insel verfügbar waren, zu denen Edwina auch das Inselgeschwätz zählte" - damit entstand gleich ein Bild vor meinem Auge. Edwina als Nebencharakter fand ich sowieso super.
Im weiteren Verlauf hat sich das dann leider etwas verlaufen und die Handlung schleppte sich so dahin. Leider hat mich das Buch dann auch zunehmend gelangweilt, vielleicht, weil ich in Ermangelung der Kenntnis von Band eins nicht den tiefen Zugang zu den Charaktere hatte, vielleicht aber auch, weil ich die Handlungen der Charaktere so seltsam fand und oft nicht nachvollziehen konnte.
Was ich sehr mochte, das war das Insel-Setting, das war wirklich schön beschrieben.
Ein Buch für die Sommerfrische, das mich aber leider nicht so gepackt hat wie erhofft.
Rezensionen von yellowdog:
Territorium von Sabrina Janesch
Willkommen in Downtown Honolulu
Sabrina Janesch, Autorin von Katzenberge und Sibir hat diesmal einen Roman geschrieben, der in Hawaii Ende des 19.Jahrhunderts angesiedelt ist.
Sprachlich hat das Buch einiges zu bieten. Sie ist ausdruckstark. Als Leser glaubt man selbst den Passatwind zu spüren und den Duft der blühenden Tuberosen zu vernehmen und die Vogelschreie zu hören.
Man wartet auf den Fall der Kokosnuss. Flora und Fauna werden überreich beschrieben. Das erzeugt eine große Dichte und das Ausmaß an Beschreibungen kann einen fast erschlagen.
Im Mittelpunkt stehen Frauen, wie z.B. die Königin von Hawaii und die deutsche Gertude Wolf. Ein paar männliche Figuren gibt es auch. Über die Tiefe der Charakterisierung kann man streiten. Es bleibt ein wenig an der Oberfläche mit den Figuren.
Abschließend soll das außergewöhnlich schön gestaltete Cover nicht vergessen werden. Es ist ein echter Hingucker und passt zum Buch.
Rezensionen von ravenmoon:
DunkelZone von Vojtěch Matocha
Eine spannende Idee, bei der mir die Zielgruppe Kopfzerbrechen bereitet
„DunkelZone“ hat mich zunächst mit einer wirklich ungewöhnlichen Idee neugierig gemacht: Mitten in Prag entsteht ein geheimnisvolles Viertel, in dem Elektrizität nicht funktioniert und das sich immer weiter ausbreitet. Dazu kommen drei junge Protagonisten, Geheimnisse, Verfolgungen und jede Menge Abenteuerpotenzial.
Gerade der Einstieg ist gelungen, denn man findet schnell in die Geschichte hinein und lernt Jirka, En und Tonda zügig kennen.
Auch die Atmosphäre ist bemerkenswert. Allerdings ist sie für mich nicht nur geheimnisvoll, sondern über weite Strecken -durchgehend düster und bedrückend-. Das liegt dabei gar nicht allein am Setting der DunkelZone, sondern wird durch die Erzählweise und den gesamten Text vermittelt. Selbst ruhigere Passagen tragen diese Schwere in sich.
Und genau hier beginnt mein persönliches Problem mit der angegebenen Altersempfehlung ab 11 Jahren.
Bereits sehr früh geschieht ein Mord, mit dem Jirka erstaunlich souverän umgeht. Im weiteren Verlauf kommen unter anderem Verfolgungen durch einen Mann mit einer Axt und einen Dobermann hinzu. Für einen erwachsenen Leser ist das sicherlich kein Problem. Wenn ich das Buch allerdings aus der Perspektive eines Erwachsenen betrachte, der überlegt, ob er es seinem elfjährigen Kind zum Lesen geben würde, fällt meine Antwort klar aus: -eher nicht-. Mir ist die Kombination aus Mord, Bedrohung und der permanent düsteren Grundstimmung für diese Altersgruppe persönlich zu heftig.
Gleichzeitig frage ich mich aber, ob ältere Jugendliche unbedingt die ideale Zielgruppe wären. Denn obwohl die Geschichte durchaus ihren Reiz hat, bleibt der Erzählfluss über weite Strecken eher verhalten. Es gibt Passagen, die sich beinahe wie eine Geschichtsstunde lesen und die Handlung merklich ausbremsen. Ein älteres Kind oder ein Jugendlicher, der mit der düsteren Thematik problemlos umgehen könnte, könnte sich deshalb möglicherweise an genau diesem eher ruhigen Erzähltempo stören.
Damit hatte ich beim Lesen zunehmend Schwierigkeiten, das Buch altersmäßig einzuordnen. -Für mich passen die düstere und teilweise ziemlich bedrohliche Thematik und das eher gemächliche Erzähltempo nicht ganz stimmig zu einer Zielgruppe ab 11 Jahren.-
Ein kleiner persönlicher Stolperstein waren für mich außerdem die vielen tschechischen Namen. Natürlich passen diese hervorragend zum Schauplatz und ich würde niemals kritisieren, dass die Figuren tschechische Namen tragen. Da ich der tschechischen Sprache allerdings nicht mächtig bin, konnte ich einige Namen tatsächlich nur „überlesen“, ohne sie mir richtig einzuprägen. Wenn mehrere Figuren in kurzer Folge auftauchen, hat mir das stellenweise die Orientierung etwas erschwert.
Sehr gut gefallen haben mir dagegen die hochwertige Aufmachung und das schöne Schriftbild. Die kleinen Illustrationen von Karel Osoha passen wunderbar zur Geschichte und unterstreichen deren Atmosphäre. Davon hätte ich mir allerdings mehr gewünscht – gerade einige ganzseitige Illustrationen hätten das Buch für mich noch stärker aufgewertet.
Unterm Strich bleibt bei mir deshalb ein etwas zwiespältiger Eindruck. -Die Geschichte hat definitiv ihren Reiz, das Setting ist ungewöhnlich und die Grundidee spannend.- Auch kann ich gut nachvollziehen, warum das Buch erfolgreich ist und Auszeichnungen erhalten hat. Für meinen persönlichen Geschmack funktioniert es als Kinderbuch jedoch nicht ganz.
Drei Sterne gibt es deshalb nicht, weil „DunkelZone“ schlecht geschrieben oder uninteressant wäre, sondern weil ich mich während des Lesens immer wieder gefragt habe, -für welche Altersgruppe dieses Buch eigentlich am besten geeignet ist-. Für mich liegt genau dort seine größte Schwäche.
Vielen Dank an vorablesen.de und den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Meine Rezension wurde dadurch nicht beeinflusst und gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.
Rezensionen von MarcoL:
Waldnacht von Lina Bengtsdotter
Neue Krimiserie aus Schweden – packend, fesselnd.
Nordisches Setting, ein vertrackter Fall, eine Ermittlerin die neben den Täter*innen auch noch gegen eigene Dämonen kämpft. Das sind die perfekten Zutaten für diesen wilden Ritt durch die Stockholmer Peripherie.
Sakka wird zu einem Mordfall hinzugerufen – das Team tappt im Dunkeln, es gibt vorerst keine Anhaltspunkte, die zur Auflösung am Mord an einer jungen Mutter führen.
Die Spurensuche führt zunächst ins persönliche Umfeld des Opfers, irgendeinen Anhaltspunkt benötigt schließlich die Polizei. Die Ermittlungen führen zur eigenen Familie der Getöteten, und zu der ihres Mannes – ein gut situierter Anwalt, dem der Jetset oftmals mehr am Herzen zu liegen scheint als das Wohl seiner Familie. Und ein Blick in dessen Vergangenheit kann auch nicht schaden.
Ein Motiv für die grausame Tat lässt sich dennoch nicht wirklich finden … nur Spuren im schmelzenden Schnee, die sich alsbald ins Nichts auflösen.
Und dazwischen die eigenen Probleme von Sakka. Klingt abgedroschen? Hatten wir schon tausendmal? Mag sein – und dennoch ist es in diesem Roman anders. Es passt alles zusammen, spielt ineinander wie ein gut geöltes Räderwerk. Alleingang versus Team … eine eigene Gedankenwelt der Ermittlerin, geprägt von ihrer Vergangenheit und persönlichem Umfeld.
Das erste Drittel tröpfelt tatsächlich mehr abseits der Ermittlungen dahin, aber spätestens dann ist man gefangen in einem spannenden Setting, das sich mehr und mehr zu einem Pageturner entwickelt – und der Showdown – nun – es kommt immer anders als …
Dieser Roman ist der Auftakt einer neuen Serie; man darf also gespannt sein was uns die Autorin in Zukunft an packenden Lesestunden bieten wird.
Sehr gerne gelesen und eine Leseempfehlung
Rezensionen von yellowdog:
Thomas Mann - 1949 von Friedhelm Marx; Julian Voloj
Rückkehr in eine fremde Heimat
Diese ernsthafte, düster gezeichnete Graphic Novel ist eindrucksvoll.
Sie zeigt die Reise von Thomas Mann, der zu der Zeit in den USA lebt, ins geteilte Deutschland 1949 und zeigt die zerrissene Stimmung dort.
Begleitet wird Thomas Mann und seine Frau Katia von Georges Motschan, der ein Freund ist und sie chauffiert.
Motschans Reflexionen geben dem Buch eine weitere, wichtige Ebene.
Der Untertitel Rückkehr in eine fremde Heimat ist gut gewählt.
Thomas Mann hält reden in Ost und West. Das wird ihm zum Teil übel genommen. Mit Blick von heute muss man ihn für seine Entschlossenheit bewundern.
Es ist ein sorgfältig gemachtes Buch!
Rezensionen von Anno:
Unmagical (Band 1) - Die verbotene Akademie von Lauren Magaziner
Ein ungleicher Kampf
Dass nicht magische Menschen gegen böse Magiebegabte kämpfen, wirkt wie ein Kampf von David gegen Goliath. Und genau das hat mich von Anfang an mächtig fasziniert. Es wirkt so aussichtslos, so ungleich. Aber auch neu.
Die Charaktere, allen voran Fiora, werden tatsächlich nicht als die typischen Helden dargestellt zu denen Figuren in Büchern gern mal werden.
Sie sind stattdessen sehr greifbar und wirken normal, jedoch auch mutig und entschlossen und sind gezeichnet von teilweise recht traumatischen Vorgeschichten.
Fiora wächst in einfachen Verhältnissen, als Schneiderlehrling ihres Onkels auf, bis ein rätselhafter Auftrag ihr gesamtes Leben verändern wird, sie aus ihrem zu Hause reißt und ins Blickfeld mächtiger Magier geraten lässt. Ihr einziger Ausweg der ihr bleibt, scheint nun eine Akademie zu sein, die sie auf die Arbeit im Widerstand vorbereitet.
Dieses Buch ist für Leser ab 11 Jahren bestimmt. Es enthält ein, wie ich finde etwas düsteres Worldbuilding, die auf unserer jetzigen Welt beruht, aber in einer fernen Zukunft liegt und mit Magie versehen ist. Was es damit auf sich hat wird im Buch gut und logisch in Form von Lehrstoff erklärt. Und auch der sonstige Verlauf ist nachvollziehbar geschildert. Aufkommende Fragen meinerseits wurden in der Handlung fast intuitiv beantwortet. Den Rätseln, mit denen Fiora und ihre Freunde sich konfrontiert sehen, nimmt dies nichts, ganz im Gegenteil!
Die Handlung selbst, ist zwar teilweise recht intensiv, es wird aber darauf geachtet das Maß an Grausamkeit dem Leseralter entsprechend einzugrenzen.
Aus Fremden werden mit der Zeit Freunde. Doch auch intern lauert Gefahr.
Neben der eigentlichen Handlung ist im Buch ein auffällig hoher Anteil der Diversität und Inklusion gewidmet, der sich für mich als logische Konsequenz aus der heutigen gesellschaftlichen Tendenz, so wie ich sie mir wünsche, ergibt. Dieser Teil könnte aber junge Leser in seiner ausführlichen Darstellung auch mitunter überfordern oder stören, weil es vom eigentlichen Geschehen etwas ablenkt. Ich würde dieses Buch daher eher ab einem Alter von 13 Jahren empfehlen.
Rezensionen von Sternzauber:
Die drei Farben der Liebe von Sophie Haydock
Liebe, Kunst und Zeitgeschehen
Ich mag das Cover von „Die drei Farben der Liebe“ von Sophie Haydock sehr, denn das Bild spricht mich an. Es zeigt etwas von der französischen Lebensart, die ich auch in der Geschichte wieder finden konnte und es präsentiert drei unterschiedliche Frauen, die vielleicht die Hauptprotagonistinnen der Geschichte darstellen sollen, vielleicht aber auch als Sinnbild der drei Lieben im Leben des Henri Matisse eingesetzt wurden.
Farben und Gestaltung ergeben ein wunderschönes Bild, das mich in seinen Bann zieht und das Lust macht, die Geschichte kennen zu lernen.
Diese erzählt aus dem Leben des Künstlers Henri Matisse, vor allem aber von seinen Lieben. Da ist Amélie, seine Frau, die über 40 Jahre an seiner Seite lebt, aber da gibt es auch Lydia, eine geflüchtete Russin, die zu seiner Muse wird. Die dritte im Bunde ist Matisse´ Tochter Marguerite, deren Welt für lange Zeit nur um den Vater kreist, die ihren Blick auf ihn als Erwachsene jedoch auch ganz neu bewerten muss…
Sophie Haydock entfesselt auf über 400 Seiten eine Lebens- und Liebes-Geschichte, die mich sehr in ihren Bann gezogen und die mich begeistert hat. Aus den drei verschiedenen Perspektiven der Frauen dürfen wir LeserInnen ganz tief in die Geschehnisse und Entwicklungen innerhalb der Familie Matisse eintauchen und das hat mir sehr gefallen. Durch diese unterschiedlichen Sichtweisen erhielten Meilensteine komplett diverse Färbungen und Bedeutungen, ich durfte aber auch einfach sehr intensiv eintauchen und nah an den Charakteren dran sein, weshalb ich teilweise stark mitfühlen durfte. Vieles hat mich wirklich bewegt und ich konnte die Beweggründe der ProtagonistInnen in der Regel gut einordnen. Sie wirken in ihren Charaktereigenschaften stimmig auf mich und sind lebendig gezeichnet. Sehr gefallen hat es mir zudem, dass ich durch die verschiedenen Perspektiven auch viel Hintergrundwissen zu den drei Frauen sowie zum Zeitgeschehen erhalten habe.
Der Text ist angenehm flüssig geschrieben und lässt sich leicht lesen, so dass ich mich ganz auf die Inhalte der Geschichte konzentrieren und die Lektüre genießen konnte. Ein weiteres Highlight waren für mich die Beschreibungen von Matisse´ Kunstwerken bzw. von seiner Arbeit. Ich stimme dem Kommentar auf der Rückseite des Buches daher zu, dass diese Geschichte tatsächlich „voller überwältigender leuchtender Farben“ steckt. Aber auch dunkel Töne haben im übertragenen Sinne ihren festen Platz in diesem Buch, nämlich immer dann, wenn es zu Krisen und Problemen kommt – dieses Buch zeichnet kein rosa-rotes Künstleridyll, sondern stellt mehrere Leben mit allen Höhen und Tiefen und mit teils sehr dramatischen Wendungen dar, die der Geschichte viel Tiefe und Substanz verleihen. Mir ist bewusst, dass es sich bei dieser Geschichte um einen Roman handelt, denke jedoch, dass die Autorin reale Grundlagen aus dem Leben der Künstlerfamilie verwendet hat und hatte somit das Gefühl der Familie sehr nah kommen, sie gut kennen lernen zu dürfen. Das hat mir sehr gefallen und die Lektüre hat mich dazu angeregt nun auch auf sachlicher Ebene mehr über Familie Matisse erfahren zu wollen.
Mich hat „Die drei Farben der Liebe“ sowohl als unterhaltsame Lektüre, aber auch als Einstieg in die Welt der Familie Matisse überzeugt und möchte das Buch von Herzen gerne allen LeserInnen empfehlen, die gerne Familiengeschichten lesen, sich für Kunst interessieren oder die einfach Lust auf eine vielschichtige und sehr interessante Geschichte haben – viel Spaß beim Lesen!
Rezensionen von Havers:
Landleute von Daniel Mason
Mit offenen Augen und ganz viel Herz
Von Daniel Mason kenne ich „Der Wintersoldat“ und „Oben in den Wäldern“, beides Romane, die durch ihre sprachliche Qualität, ihren Detailreichtum und die behutsamen Beschreibungen der vielfältigen, menschlichen Schicksale beeindrucken.
Nun also „Landleute“, was sich näherungsweise in diesen Kanon einreiht.
Ein kalifornisches Ehepaar, Miles und Kate, beides Literaturwissenschaftler, packt die Koffer und macht sich mit Kindern und Trüffelhund auf den Weg ins ländliche Vermont, denn dort wurde Kate eine Gastprofessur an einem renommierten College angeboten. Nach der Ankunft stürzt sie sich sogleich in die Arbeit, die Kinder finden sich im Schulalltag zurecht, und auch Miles, Ich-Erzähler, Stay-at-home-Dad und bereits über ein Jahrzehnt mit seiner Promotion beschäftigt, hat den Kulturschock schnell verarbeitet und taucht ein in das ländliche Leben, „studiert“ nun die Landbevölkerung.
Diese Beschreibungen sind Mason außerordentlich gut gelungen, aber ich muss gestehen, das habe ich auch nicht anders erwartet. Sprachlich wie immer auf hohem Niveau schildert er die unterschiedlichsten Charaktere und teilweise auch skurrile Szenen, die an Absurdität nicht zu überbieten sind. Er beobachtet mit kindlichem Erstaunen die „Landleute“, die ihm in seinem neuen Leben begegnen, geht warmherzig und nachsichtig mit ihnen um, legt über all den Humor eine warme Decke aus Empathie und Melancholie.
Ein Roman mit Herz für alle, die mit offenen Augen und kindlichem Erstaunen durch die Welt gehen. Lesen!











