Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Nele33:
Frag Philomena Freud von Annette Roeder
toller Krimi ab 12 Jahren
"Frag Philomena Freud" der Autorin Annette Roeder wird mit einem passenden Farbschnitt zum aussagekräftigen Cover verkauft.
Wien im Jahr 1922 wird realistisch, aber nicht ganz so bedrückend dargestellt, wie es seinerzeit war. So werden die jüngeren Leser dieses Buches zwar mit wichtigen Details konfrontiert, aber nicht zu sehr belastet.
Philomena, die Protagonistin, muss als Straßenmädchen irgendwie überleben und kommt als Schuhputzerin gerade so über die Runden. Ihren Platz hat sie vor der Praxis von Sigmund Freud und bekommt so einiges von dessen Patienten mit. Als Sidonie, eine Patientin Freuds des Mordes an der Baronin Wallersee beschuldigt wird, glaubt sie nicht an deren Schuld und ermittelt mit ihrem Hund und weiteren Helfern auf eigene Faust.
Als Erzieherin war ich sehr gespannt auf den Jugendkrimi und finde ihn mit seinen kurzen Kapiteln absolut passend für Krimi-Neulinge. Die lebendige Schreibweise und der Bezug auf das historische Wien sind altersgerecht umgesetzt.
Freud spielt eine kleinere Rolle im Buch als ich gedacht habe, aber genug, um den Lesern erste Einblicke in seine Arbeit zu geben.
Ein empfehlenswertes Buch, welches Lust auf mehr über Philomena macht.
Rezensionen von qq:
Lázár von Nelio Biedermann
Adelsfamilie von Lazar
Adelsfamilie von Lazar
Lázár die die Erzählung der ungarischen Adelsfamilie Lázár. Ein altes Schloss in Ungarn, die Adelsfamilie, die Zeit im Umbruch (2 Kriege) - eine eigene kleine magische Welt, in der man recht schnell nach den ersten Seiten gefangen ist. Und von Anfang an herrscht die Frage vor: Wie lebt man weiter, wenn um einen herum alles bricht?
Das Buch startet mit der Geburt von Lajos - der seinem Vater nicht ähnlich sieht und aus einer Affäre der Mutter entstammt.
Nelio Biedermann schreibt direkt aus dem Herzen, man merkt seine Affinität auf Grund seiner eigenen Geschichte und das Buch strahlt eine gewisse Glaubwürdigkeit aus. Ich hatte oft das Gefühl, als würde jemand mir persönlich seine Geschichte erzählen. Der Schreibstil ist sehr klar.
Sämtliche Familienmitglieder und deren Lebensläufe werden ausführlich beschrieben.
Eine tolle Erzählung, die nur teilweise etwas langatmige Stellen hat, aber im Großen und Ganzen gibt es eine Weiterempfehlung von mir.
Rezensionen von Petra:
Die verschwundenen Jahre von Astrid Töpfner
Soviel Leid
Der Diktator Franco soll in Spanien aus seinem Ehrengrab umgebettet werden in ein normales Grab. Marina die Journalistin will über dieses große konträr diskutierte Ereignis das i viele Spanier umtreibt berichten. Sie fragt ihre jährige Großmutter Clara als Zeitzeugin zu den Ereignissen des spanischen Bürgerkriegs und die Diktatur der Falangisten.
Die alte Frau erzählt eine Liebesgeschichte die geprägt ist von Angst, Folter, Vertreibung und Tod. Denn wer nicht für Franco war, war gegen ihn und wurde verfolgt so wie Daniel ihr Ehemann. Das Schlimmste an dieser Zeit war meiner Meinung nach, das es ein Bruderkrieg war, denn der Riss ging durch die Familien. Der eine war ein Roter der andere für Franco, es war leicht jemanden zu denunzieren und dadurch seinen Tod herbei zu führen. Ein Widersacher im Geschäft, ein Nebenbuhler in der Liebe, ein Nachbar den man nicht leiden konnte, sie waren Rote also wurde sie verhaftet und verschwanden auf nimmer Wiedersehen.
Sehr eindrücklich beschreibt die Autorin diese Zeit von 1936 bis 1975 und die darauffolgenden Jahre in denen alles unter dem Teppich gekehrt wurde, ja niemand fragen wollte denn es gab noch zu viele Fratcisten in der Regierung und VerwalTung, man hatte immer noch Angst, die Angst war angeboren, es dauerte Jahre bis über die Gäuel gesprochen wurde .
Es ist auch eine Geschichtslektiion, denn auch uns ist wenig bekannt über diese Zeit. Sehr eindrücklich und emotional beschreibt die Autorin die Folgen auch für die nachfolgenden Generationen denn soviel Leid verändert die Menschen.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Junge Frau mit Katze von Daniela Dröscher
Leseempfehlung!
Das allererste Mal, dass ich meine Gedanken zu einem Buch festgehalten habe, war zu „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher. Mein allererster Blogbeitrag sozusagen, der definitiv noch keine Rezension, sondern ein ungeordneter, kleiner Leseeindruck war.
Seitdem habe ich viele weitere Bücher gelesen und unzählige weitere Blogbeiträge geschrieben und Leseeindrücke festgehalten, die „Lügen über meine Mutter“ sind mir aber immer im Gedächtnis geblieben.
Keine Frage, dass ich den neuen Roman von Daniela Dröscher dringend lesen wollte.
In „Junge Frau mit Katze“ ist die kindliche Erzählerin Ela aus „Lügen über meine Mutter“ älter geworden und ist jetzt eine junge Frau. Auch ihre Mutter ist älter geworden, doch die Bindung zwischen den beiden Frauen ist nach wie vor liebevoll und symbiotisch eng.
Ela strebt eine Laufbahn im geisteswissenschaftlichen, akademischen Universitätsmilieu an und steht kurz vor dem Abschluss ihrer Promotion.
Doch die Jahre, in denen sie prekär gearbeitet und gelebt hat, haben Spuren bei ihr hinterlassen. Die bevorstehende Promotion in Verbindung mit einem Nebenjob und Geldsorgen üben enormen Druck auf sie aus.
Ihr Körper rebelliert. Die gesundheitlichen Baustellen, die sie irgendwann nicht mehr wegdrücken kann, werden immer größer, bis sie schließlich kollabiert.
“Das hier war kein Leben, es war eine Zumutung. Ein ausharrendes Erleiden, eine groteske Kopie dessen, was man Leben nannte.”
Ärzt*innen und das Gesundheitssystem sind nur bedingt in der Lage, ihr zu helfen und Ela erkennt, dass sie tiefgreifende Veränderungen vornehmen muss.
“Ich hatte mich selbst verloren. Zwischen all der Arbeit, dem Lesen, dem Lernen, den Freundschaften, den Feiern musste ich mir selbst ein Stück weit abhandengekommen sein. Ich wusste nicht einmal, was ich essen konnte, und was nicht. Der Kompass in meinem Körper drehte vollkommen frei.”
Ich denke, dass viele Menschen irgendwann an den Punkt der kompletten Erschöpfung und Orientierungslosigkeit kommen. Unsere Leistungsgesellschaft verlangt uns für das Gefühl von Selbstwertigkeit viel ab. Und oft dauert es eine Zeit, bis wir begreifen, dass diese Form von Selbstwert keine Nachhaltigkeit hat. Spätestens dann, wenn wir die geforderte Leistung nicht mehr erbringen können. Weil wir krank, Elternteil oder einfach nur älter werden.
Bei Dröschers Erzählerin kommen an diesem Punkt in ihrem Leben neben den gesundheitlichen Aspekten noch andere erschwerende Faktoren hinzu: sie ist die erste aus ihrer Familie, die eine akademische Laufbahn einschlägt, und wird hart mit dem Klassensystem konfrontiert. Die Beziehung zu ihren Eltern, vor allem zu ihrer Mutter ist komplex und sie muss sich mit ihrem eigenen Standpunkt erst emanzipieren. Dazu kommen verschiedene Glaubenssätze zum Thema Körper, Gesundheit und Beziehungen.
Ich kann mich nicht mit allen Punkte, die Ela beschäftigen, identifizieren, aber es ist eben die Dröschers Kunst, diese Punkte trotzdem nachvollziehbar und vor allem nachfühlbar zu erzählen. Es ist klar, dass diese beiden Romane, viele und starke autofiktionale Elemente enthalten, und ich bewundere Dröschers Arbeit und ihren Umgang damit sehr.
Wie in „Lügen über meine Mutter“ stellt sie zwischen die Kapitel ihre Beobachtungen und Analysen aus der heutigen Perspektive der Erzählerin, was mir sehr gefällt. Allerdings hatte ich sie als deutlicher und expliziter feministisch in Erinnerung, was aber vielleicht auch mit dem Thema verbunden war.
Wenn du bis hier gelesen hast, sollte dir eigentlich klar sein, dass es von mir für Dröschers neuen Roman natürlich eine Leseempfehlung gibt! Ich freue mich schon sehr auf weitere Romane der Berliner Schriftstellerin.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Chimäre von Sarah Kuratle
Ein poetisches Kunstwerk
Dieser Roman ist eigentlich gar kein Roman, sondern ein poetisches Kunstwerk. Ein wunderschönes Kunstwerk, das sich meinem Verständnis nicht vollständig erschließt, genauso verzaubernd wie das rätselhafte und wunderschöne Cover.
Die österreichisch-schweizerische studierte Germanistin und Philosophin Sarah Kuratle wurde für ihre Lyrik und Prosa bereits mehrfach mit Preisen und Arbeitsstipendien ausgezeichnet und gilt als einzigartige Stimme in der österreichischen Literatur.
Auch für mich war des Lesen ihres lyrischen und atmosphärischen Romans einzigartig in seiner Poetik und seiner Rätselhaftigkeit.
Kuratle erschafft ein endzeitartiges, düsteres Setting. Auf einer Insel lebt eine kleine Gemeinschaft aus Lehrern und Schülern und versucht, Pflanzen, Samen und Wissen zu bewahren während auf dem Rest der Welt die Umweltzerstörung die Natur weitgehend vernichtet hat.
Aber die Insel ist mitnichten ein Ort der Glückseligkeit, sondern ebenfalls befalllen und durchdrungen von menschlicher Verdorbenheit.
Deswegen hat Alice die Insel verlassen und sucht nun auf dem Festland nach ihrer Identität. Sie wurde als kleines Kind von ihrer Mutter auf die Insel gebracht und lebte dort als Alois.
Sie hat ihren Freund Gregor auf der Insel zurückgelassen, der seit Alois Fortgang ebenfalls mit sich selbst und seinem Leben auf der Insel zu kämpfen hat.
Kuratle erzählt wechselweise aus der Perspektive von Alice und Gregor. Ich beobachte die beiden, wie sie unabhängig von einander neue Beziehungen suchen und eingehen und wie sie doch mit einem unsichtbaren Band immer miteinander verbunden bleiben.
Doch ich will den Roman nicht so sehr an seiner Handlung festmachen, denn das ist ein eher hilfloses Unterfangen meinerseits. Ja, es gibt den roten Faden einer Geschichte, dem ich grob folgen kann, aber der Roman lebt vielmehr von seinen poetischen und lyrischen Worten und Sätzen, die so viel Ungesagtes andeuten:
“Ein Freund seiner Mutter zog ihn auf seinen Schoß, da war er sieben Jahre alt. Es war, als nähme ihn der Mann in Besitz. Gregor hing an ihm wie eine Puppe, die Fäden verwirrt.”
Viele der Sätze resonieren in mir, lösen bei mir unabhängig vom Kontext Gefühle aus und bringen etwas zart in mir zum Klingen, das ich sonst gerne lieber mit lauterer Musik übertöne.
“Aber etwas bleibt verhärtet, er steht auf, über die Jahre wird es mehr. Bis jeder Körper, er lächelt, abstirbt.”
Kuratles Roman arbeitet mit Wort- und Satzassoziationen, erschafft Stimmungsbildern und einen einzigartigen melancholischen Sound. Ich verspüre starke und traurige Vanitas-Vibes und habe den Geruch der feuchten brauen Blättern des Herbstes in der Nase.
Ob es vielleicht in der Welt von Alice und Gregor noch einen Keim von Hoffnung gibt, ob die Möglichkeit auf ein neues Leben besteht, bleibt für mich rätselhaft und meinem Wunschdenken überlassen.
Wenn du Freude an poetischer und kunstvoller Sprache hast und dich gerne an die besonderen Romane wagst, dann ist „Chimäre“ eigentlich ein Must-Read für dich.
Rezensionen von Petra:
Animal von Tibor Rode
Was wäre wenn
Was wäre wenn wir mit Tieren kommunizieren könnten, würde uns dasn Hund und Katze sagen kaufe mal anderes Futter immer das gleiche oder wechsele mal den Tierarzt dieser ist mir unsympathisch. Der Autor hat ein viel krasseres Beispiel gewählt. Eine Sau Rosa sie klagt gegen die Stallhaltung und im Allgemeinen gegen den Umgang mit Nutzvieh.
In dem Buch ist es möglich mit Hilfe von KI den Tieren eine Stimme zu geben. Die Sau verklagt den Agrarkonzern.
Rechtsanwälte auf beiden Seiten, dazu Tierschützer. Geht es um Profit, um Ansehen oder um das Wohl der Tiere. ZUsätzllich sind auch noch private Interessen im Spiel.
Das Ganze ist eine Fiktion aber wenn wir täglich erleben was KI kann und wie wenig wir noch von den Möglichkeiten wissen bzw. erkennen, er scheint es mir durchaus möglich das es eines Tages im Raum steht mehr über Tiere zu erfahren und zwar von ihnen persönlich.
Es ist ein Thriller aber einer der zum Nachdenken anregt, über unsere Essgewohnheiten, unseren Umgang mit Tieren aber auch wie gehen wir mit unserem Gegner um., hinterfragen wir jemals die Beweggründe des anderen.
Eine spannende Geschichte auch mit einer Portion Horror wenn ich an die Beschreibungen über die Zustände in der Massentierhaltung denke.
Rezensionen von buchina:
Shield of Sparrows von Devney Perry
Positiv überrascht
Der Markt an Romantasy Büchern ist im Moment groß und kaum überschaubar. Da die Inhalte oft ähnlich klingen, sind meine Erwartungen oft eher zurückhaltend. Dieser Roman hat mich aber sehr überrascht und das positiv.
Die Geschichte beginnt langsam und auch die Protagonistin Odessa konnte mich zu Beginn nicht überzeugen, zu sehr lässt sie sich von ihren Eltern und ihrer Schwester herumschubsen.
Erst mit der überraschenden Zwangsheirat kann man als Leser erleben, wieviel stärker Odessa ist. Der langsame Aufbau lässt Platz für Odessas innere Entwicklung und gibt der Autorin die Möglichkeit für ein atmosphärisch dichtes Worldbuilding. Dazu kommt eine sehr langsam aufkeimende Liebesgeschichte, die zwar nicht wirklich überraschend war, aber mir dennoch sehr gefallen hat, da sie nicht zu kitschig wurde.
Mir hat besonders gefallen, dass der Roman immer wieder überraschende Wendungen hatte und ich als Leserin bei der Vielzahl an Geheimnissen mit der Protagonistin miträtseln konnte. Die Geschichte nahm immer mehr an Spannung und Geschwindigkeit zu. Zum Teil wurde es brutal, es passte aber zur Geschichte.
Für mich ein spannungsgeladener Roman, der zwar aber einen langsamen Aufbau hat, aber dennoch nicht langatmig ist. Die Protagonisten sind mir sympathisch und ihre Entwicklung ist schlüssig. Zu den Nebencharakteren hätte ich gerne mehr erfahren, aber vielleicht kommt dies noch in den Folgebänden. Das Worldbuilding ist sehr gelungen, ich konnte mir die verschiedenen Handlungsorte und auch die Monster sehr gut vorstellen. Ich kann es kaum erwarten den Folgeband zu Lesen, da das Ende auch noch so viele Fragen offenließ.
Rezensionen von DoraLupin:
Das Lied des Vogelhändlers von Ralf H. Dorweiler
Mitreißender historischer Roman mit interessanten Charakteren
Bereits als ich den Klappentext zu dem Buch gelesen habe, war ich Feuer und Flamme dafür, denn ich lese sehr gerne historische Romane, die auch mit interessanten Charakteren unterhalten. Und ich muss sagen, dass ich wirklich gut von dem Roman unterhalten wurde. Ich kannte den Autor bereits von einem anderen historischen Roman, aber dieser hier hat mir sogar noch einen Tick besser gefallen!
Die Geschichte führt den Leser ins Jahr 1190.
Auf dem dritten Kreuzzug rettet die heilkundige Franziska von Hellenau das Leben des Markgrafen von Baden. Als sie zehn Jahre später aus dem Heiligen Land in die Heimat zurückkehrt, richten die Söhne des Kreuzritters gerade ein großes Turnier aus. Auch der Vogelhändler Wigbert ist angereist. Er hat seltenes Gefieder im Gepäck und hofft darauf, mit den reichen Gästen gute Geschäfte zu machen. Minnesänger Walther von der Vogelweide hat als Gesandter des Königs jedoch anderes mit ihm im Sinn: Wigbert soll helfen, einen gefährlichen Spion zu entlarven. Zusammen mit Franziska stellen sie sich lebensgefährlichen Ränken und einem undurchsichtigen Machtkampf entgegen. Es geht um nicht weniger als den Sturz des Königs.
Anfangs hatte ich etwas Sorge nachdem ich das Personenregister gesehen habe, die ganzen Charaktere, die nach und nach eingeführt wurden, zuzuordnen. Doch ich habe bald gemerkt, dass dies kein Problem war und ich habe richtig mit den Personen mitgefiebert.
Toll fand ich, dass die Geschichte aus der Sicht mehrerer Personen erzählt wird, denn so konnte man das Denken und Handeln der Einzelnen noch besser nachvollziehen. Dabei gab es sympathische Personen, mit denen ich mich identifizieren konnte, aber auch solche, die ich ziemlich verabscheut habe.
Die Story selbst blieb die ganze Zeit immer sehr spannend und interessant. Die historischen Aspekte wurden immer gekonnt in die Handlung integriert und haben ein wirklich tolles Bild der damaligen Zeit geboten. Lebendig und ungeschönt wird über das Zeitalter berichtet und ich durfte einiges dazulernen. Es gab auch immer wieder überraschende Wendungen und am Ende wurde die Spannungsschraube dann richtig nach oben gedreht. Schade, dass das Buch nun zu Ende ist. Ich kann das Buch weiterempfehlen, denn es ist unterhaltsam, aber auch lehrreich hinsichtlich der damaligen Zeit. Ich vergebe gute 4,5 von 5 Sternen dafür.
Rezensionen von jori1020:
Vorsehung von Liane Moriarty
Ein interessantes Gedankenexperiment
Eigentlich beginnt alles wie ein ganz normaler Flug, abgesehen von der mehrstündigen Verspätung. Doch plötzlich steht Cherry Lockwood, eine auf den ersten Blick unscheinbare ältere Dame, auf und geht durch die Reihen. Sie offenbart jedem einzelnen Passagier nicht nur den Tag seines Todes, sondern auch die Ursache.
Die Prämisse ist ebenso originell wie verstörend und zwingt einen beim Lesen unweigerlich dazu, über das eigene Leben nachzudenken: Was würde man mit solch einer Prophezeiung anfangen? Genau um diese Frage kreist der Roman, indem er die sehr unterschiedlichen Reaktionen der Mitreisenden nachzeichnet.
Es entfaltet sich eine spannende, stellenweise aber etwas langatmige Geschichte, die sowohl die unmittelbaren Konsequenzen als auch Cherrys Vergangenheit beleuchtet. Manche Themen werden mit Tiefgang verhandelt, manches bleibt an der Oberfläche und durch die häufigen Perspektivwechsel wirken einige Figuren etwas schemenhaft. Doch das Ende entschädigt: geschickt verknüpft, voller überraschender Wendungen und mit Raum für Ungewissheit.
Der Roman liest sich insgesamt leicht und flüssig, verbindet Humor mit ernsten Tönen und wechselt gekonnt zwischen Spannung und Nachdenklichkeit. Sprachlich gibt es viele schöne Passagen, auch wenn die wörtliche Rede manchmal schlicht wirkt. Alles in allem eine kluge und unterhaltsame Geschichte, die allerdings auch mit etwas weniger Umfang nicht an Wirkung verloren hätte.
Rezensionen von Sorko:
Rabenthron von Rebecca Gablé
Die Sanftmütigen besitzen das Erdenreich sicher nicht...
Es geschah vor rund tausend Jahren. England stand vor großen Umbrüchen. Die Dänen überfielen das Land, ein unfähiger König fand kein Mittel gegen die Eindringlinge. Ǣthelred zahlte ihnen hohen Tribut, den er vorher seinem unterdrückten Volk abgepresst hatte, damit die Überfälle aufhörten. Die Dänen nahmen das Geld, doch die Überfälle hörten nicht auf.
Als 1013 schließlich der Dänenführer Sven Gabelbart mit einer größeren Anzahl von Wikingern anrückte, konnte er den Thron relativ mühelos erobern, König Ǣthelred floh in die Normandie, die Heimat seiner jungen Frau Emma. Doch Gabelbart konnte sich an seinem Erfolg nicht lange erfreuen, er starb schon kurze Zeit nach seiner Thronbesteigung. Nach dänischer Sitte sollte sein Sohn Knut im nachfolgen. Aber die Engländer wollten lieber wieder einen englischen König, also holten sie Ǣthelred zurück und setzten ihn erneut ein. 1016 starb Ǣthelred, sein Sohn Edmund Eisenseite wurde sein Nachfolger. Der kämpfte gegen Knut, der immer noch am englischen Thron interessiert war, und er konnte sich zunächst behaupten. Allerdings wurde er kurze Zeit später brutal ermordet. Nun kam Knut, den man später zurecht „den Großen“ nannte, doch noch zu seinem Thron.
Soweit der historische Rahmen, in den Rebecca Gablé eine fiktive Geschichte einwebt. Dabei hält sie sich an die belegten Fakten der Geschichtsschreibung, auch im weiteren Verlauf bis hin zum Jahr 1041. Die fiktive Story beginnt in Helmsby 1013, als der Neffe des Thane gegen den Willen seines Onkels mit einem gefangenen Dänen nach Süden aufbricht, um seinen Gefangenen bei der Obrigkeit abzuliefern. Mehr zufällig landen die beiden, die inzwischen Freunde sind, beim englischen Königshaus und lernen Ǣthelred und seine Frau Emma kennen. Und so werden sie in die historischen Gegebenheiten mit hineingezogen. Es entstehen dramatische Verwicklungen, die für die Beteiligten nicht immer vorteilhaft sind.
Zu lesen ist von fabelhaften Abenteuern an Land und in der Luft, und von brutalen Morden, die tatsächlich so passiert sind. Es bleibt spannend bis fast zum Schluss des Buches. Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt flüssig und mitreißend, die einfühlsamen Darstellungen lassen das englische Mittelalter vor dem Auge des Lesers entstehen. Das kann Rebecca Gablé wirklich sehr gut.
Mit der fiktiven Geschichte konnte ich mich allerdings nicht so ganz anfreunden. Der Held, Ǣlfric of Helmsby, ist ein guter Mensch. Und ein guter Vater. Aber für meinen Geschmack ist er etwas zu gut. Das hätte ihn mehr als ein Mal beinahe sein Leben gekostet. Gerettet wird er fast nie durch sein eigenes Handeln, sondern durch das entschlossene Handeln anderer Personen. Aus meiner Sicht schwer nachvollziehbar, dass sich ein Mensch wirklich so verhalten würde.
Die historisch überlieferte Geschichte weist in diesem Buch noch eine weitere Person aus, die man durchaus auch als Heldin bezeichnen könnte. Das ist Emma von der Normandie, die einzige Frau der Geschichte, die mit zwei Königen verheiratet war und auch die Mutter zweier Könige war. Ihr wirklich nicht einfacher Weg in den Wirren jener Zeit wird von der Autorin gut dargestellt. Auch das Einweben der fiktiven Geschichte in die historischen Abläufe ist meiner Ansicht nach weitgehend gelungen.
Der Schluss kam mir dagegen etwas überstürzt vor. Warum Hardeknud seine Einstellung so plötzlich änderte und Edward als „Mitkönig“ willkommen hieß, wird nicht so richtig erklärt. Auf mich wirkte das so, als musste oder wollte die Autorin hier ganz schnell zum Ende kommen.
Das ausführliche Nachwort klärt wie gewohnt auf über die wahren und die fiktiven Geschehnisse.
„Rabenthron“ gehört zur Helmsby-Reihe und spielt zeitlich vor den beiden Nachfolgern „Das zweite Königreich“ und „Hiobs Brüder“.











