Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Mit falschem Stolz von Andrea Schacht
Lesenswerter vierter Band
Köln, 1403: Alyss vom Spiegels Leben läuft in einigermaßen ruhigen Bahnen, als ihr Ehemann nahe des Kölner Beginenhofes tot aufgefunden wird. Den hatte Alyss Vater, Ivo vom Spiegel eigentlich die Rückkehr nach Köln untersagt, was hatte er also überhaupt in der Stadt gewollt?
Da viele der Schöffen derzeit krank darniederliegen, nimmt der gerade erst neu eingesetzte Schöffe Endres Overstoltz die Zügel in die Hand, und verdächtigt Alyss Ziehschwester, die Begine Catrin, die den Toten gefunden hat, der Tat.
Ist es nur Zufall, dass diese vor einiger Zeit seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte?
Alyss hat also mehr als einen Grund, sich in den Fall einzumischen und zu versuchen, den wahren Täter zu finden.
Nachdem Andrea Schacht mehrere Bände ihrer historischen Krimireihe mit der Begine Almut als Protagonistin veröffentlicht hatte, hat sie deren Kinder, die Zwillinge Alyss und Marian in den Mittelpunkt einer neuen Reihe gestellt, deren vierten Band ich nun endlich auch gelesen habe. Und obwohl mehrere Jahre vergangen sind, seit ich den letzten las, war ich schnell wieder mittendrin. Das liegt vor allem auch an dem mit feinem Humor gewürzten Schreibstil der Autorin, der nicht nur das historische Köln, sondern auch ihre Charaktere lebendig werden lässt.
Für mich war es ein bisschen wie nach Hause kommen, habe ich doch erst Almut jahrelang begleitet, um dann, wie die Autorin, mit der nächsten Generation weiterzumachen. Almut und Ivo sind natürlich immer noch mit von der Partie, und auch immer noch recht rege, aber im Mittelpunkt stehen nun Alyss mit ihrem Hauswesen, und Marian, der noch auf der Suche nach seiner Berufung ist. Soll er Heiler werden, oder doch in die Geschäfte seines Vaters einsteigen? Sein Wissen um die Heilkunst tut zumindest auch in diesem Band gute Dienste.
Auch Alyss ist sich noch in manchem unklar, zum Beispiel auch in ihrer Beziehung zu John of Lynne, der gerade aus England zurückgekehrt ist. Am Ende des Bandes ist manches klarer. Ich bin schon sehr gespannt auf den fünften Band der Alyss-Reihe, der auch der letzte ist.
Der Mord an Alyss Ehemann wird natürlich auch aufgelöst, vorher gibt es aber noch das eine oder andere Problem, vor allem, weil Overstoltz seine Kompetenzen sehr weit auslegt. Und auch ein Teil ihres Erbes macht Alyss zu schaffen.
Zu Beginn des Romans befindet sich ein Personenverzeichnis und ein Vorwort Andrea Schachts, in dem sie über die Rechtsprechung im Mittelalter und das Schöffentum schreibt. Ich empfehle, das unbedingt zu lesen.
Nicht nur die Romane um die Begine Almut, auch die um ihre Kinder Alyss und Marian gehören zu meinen Lieblingsreihen. Der feine Humor, die gute Recherche, der lebendige Erzählstil und die gelungenen Charaktere machen es mir leicht, die Romane zu lieben. Gerne empfehle ich beide Reihen, die man am besten in der richtigen Reihenfolge liest.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Rabenthron von Rebecca Gablé
Penibel recherchiert und opulent erzählt
Das Buch spielt zwischen 1013 und 1066, also zeitlich VOR den beiden anderen Helmsby-Romanen (Das zweite Königreich und Hiobs Brüder).
Wie wir es von Rebecca Gablé gewohnt sind, ist auch dieser Wälzer penibel recherchiert. Mit ihrem profunden Wissen reiht die Autorin Schlacht an Schlacht und Intrige an Intrige.
Mitten drinnen als Bollwerk gegen fiktive und reale Fieslinge aller Art stehen die beiden fiktiven Helden, Ælfric of Helmsby und sein ehemaliger Gefangener Hakon Gunnarson, der ehrgeizigen Königin Emma zur Seite. Es ist die Zeit der Angelsachsen, der Dänischen Raubzüge, von schwachen Königen und mehrfachen Seitenwechseln der englischen Thanes und Eadormen sowie Söhnen aus verschiedenen Ehen des König Ethelred, der es ebenso wie Königin Emmas zweiter Gemahl Knud, verabsäumt hat, einen klaren Nachfolger zu bestimmen und dies auch schriftlich niederzulegen.
Daher beginnt nach Knuds frühen Tod (1035) ein Hauen und Stechen um Englands Thron beginnt ein Hauen und Stechen, dass dem Leser der Kopf raucht. Man muss schon sehr aufpassen, um sicher zu sein, wer nun gerade glaubt die besten Karten auf den Thron zu haben. Es tummeln sich zahlreiche gleichnamige Thronanwärter, die (Rebecca Gablé sei Dank) durch beschreibende Beinamen, unterschieden werden können. Söhne aus diversen ersten und zweiten legalen Ehen, Söhne aus Zweitfrauen oder überhaupt illegitime Söhne, die glauben, ein Anrecht auf den Thron zu haben etc.. Nun der eine oder andere wie Edward, den man als Edward der Bekenner kennen lernen wird oder William, der Bastard, warten im normannischen Exil auf ihre Chance.
Wer mitgezählt hat, wird sich vielleicht erinnern, dass von den insgesamt elf Prinzen zehn verbraucht worden sind, ehe 1042 ausgerechnet Edwards große Stunde schlägt, als er, nach dem Tod seines Halbbruder Hardeknut, der ihn als Nachfolger eingesetzt hat, 1043 zum König gekrönt wird. Es folgen 23 Jahre mehr oder weniger friedliche Jahre seiner Herrschaft.
Nach Edwards Tod im Jänner 1066 beginnt der Streit um den Thron erneut, den William der Bastard sofort nutzt und aus der Normandie übersetzt und angreift. Nach der Schlacht von Hastings im Oktober 1066 William traut sich vermutlich niemand mehr, in Bastatrd zu nennen. Jetzt heißt er William der Eroberer.
Alles klar? Einige mögliche Thronanwärter, die durch Unglücksfälle oder offensichtliche Attentate aus dem Weg geräumt worden sind, habe ich jetzt ausgelassen. Das könnt ihr ja genauer nachlesen.
Meine Meinung:
Rebecca Gablé zieht in diesem opulenten Mittelalterepos wieder alle Register. Als Leser kann man mit den Protagonisten in zugigen Burgen frieren, durch Moore stapfen, stürmische Überfahrten über den Kanal erleben und viele Feste feiern, vergiftete Speisen inklusive. Der Tod ist allerdings auch sonst nie weit entfernt. Kindbettfieber für die Frauen, eine hohe Kindersterblichkeit, Hungersnöte durch Plünderungen und allerlei Krankheiten sowie endlose Kriege, die Soldaten beider Seiten sterben lassen.
Der Thron der angelsächsischen Könige wackelt mehrmals und nicht immer sind Eindringlinge von außen, sondern immer wieder auch die eigenen Edelmänner, daran beteiligt.
Interessant auch die Rolle, die die Autorin, der Königin Emma zugedacht hat. Ich mag die intelligente, zielstrebige Emma, die wesentlich gebildeter und geeigneter als ihr erster Ehemann Ethelred der Unberatene, der diesen Beinamen nicht gänzlich zu Unrecht geraten hat, auftritt. Ihren zweiten Ehemann Knud erklärt sie, wie regieren in England funktioniert: Ohne die Kirche geht es einfach nicht.
Schmunzeln musste ich über den abenteuerlichen Eilmar, der mit seinen Flugversuchen in die Klosterannalen eingegangen ist.
Auf Grund der großen Anzahl von Mitwirkenden gibt es zu Beginn ein Personenverzeichnis, in dem die realen Persönlichkeiten mit einem Sternchen versehen sind.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Mittelalterepos, das mich gut unterhalten und fesselt hat, 5 Sterne.
Rezensionen von Schlafmurmel:
Zeichen der Nacht von A. L. Jackson
Ein ungewöhnliches Leseabenteuer, das fesselt
Ich habe Zeichen der Nacht von A. L. Jackson bei LovelyBooks in der Juli-Community-Aktion im Amazon Publishing Club gewonnen.
Schon das Cover hat mich sofort begeistert: das dunkle Design mit den lila Blüten und dem Frauengesicht im Hintergrund wirkt geheimnisvoll und wunderschön, und auch haptisch liegt das Buch gut in der Hand.
Die Geschichte war für mich mal etwas ganz anderes, da ich normalerweise eher Thriller lese. Hier bekommt man eine spannende Mischung aus Jugendbuch, Fantasy und Liebesgeschichte geboten – und das hat mir erstaunlich gut gefallen.
Die Hauptfigur Aria führt ein Doppelleben. Sobald sie einschläft, wird sie in die Traumwelt Tearsit gezogen, wo sie als Kriegerin gegen die Kruen kämpfen muss – düstere Wesen, die Chaos in unsere Welt bringen wollen. An ihrer Seite steht Pax, ihr treuer Weggefährte. Seine Nähe bedeutet für sie Schutz und Trost, doch zugleich auch Gefahr, denn eine Liebe zwischen ihnen könnte tödlich enden.
Schwierig wird es, als Aria ihre Verletzungen aus Tearsit mit in die reale Welt bringt. Ihre Eltern glauben, sie würde sich selbst verletzen, und lassen sie kurz vor ihrem 18. Geburtstag in eine Anstalt einweisen. Doch Pax sucht sie auch in der Realität – und findet sie. Doch auch das Böse schafft es in unsere Welt, und die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu.
Das Ende kam mir etwas zu abrupt, und es blieben viele Fragen offen. Ich hoffe deshalb sehr auf eine Fortsetzung. Außerdem habe ich mich gefragt, wie Aria und Pax nach so vielen nächtlichen Kämpfen am Morgen nicht vollkommen erschöpft sein können.
Trotz dieser kleinen Kritikpunkte konnte mich die Geschichte wirklich fesseln. Sie war spannend, emotional und anders, als das, was ich sonst lese. Dafür vergebe ich sehr gerne 4 Sterne.
Rezensionen von Sonne89:
Alle nennen mich Nein-Sam - Ein ahnungsloser Mops beißt sich durch von Drew Daywalt
Die unterschiedlichen Ansichten von Menschen und Hunden
Sam ist ein Mops, der sich aber für einen Menschen hält und seiner Meinung nach bei Nacktaffenwesen wohnt. Nachdem sein früherer Besitzer ihn vernachlässigte, findet er bei Elaine, Gary und deren Sohn Justin ein neues liebevolles Zuhause, welches er auf jeden Fall behalten möchte. Hierfür gibt er sich besondere Mühe, auf seine Art und Weise und nicht immer im Sinne der Familie.
Das Buch ist als Tagebuch aus Sicht von Sam aufgebaut. Da er teilweise sehr verquere Ansichten hat, z.B. denkt er, den Namen Nein-Sam zu besitzen, da er oft etwas anstellt, was dann mit „Nein, Sam!“ quittiert wird – gibt es häufig etwas zu schmunzeln.
Sam ist im Grunde die Unschuld in Person, da er vieles einfach anders sieht als seine Familie, aber keinesfalls jemanden verärgern möchte – er weiß es einfach nicht besser.
Zwischen dem Text befinden sich immer wieder Comicelemente und Bilder, die den Text auflockern.
„Alle nennen mich Nein-Sam“ skizziert somit das Zusammenleben von Hund und Menschen und die oftmals bizarren Situationen, die dabei entstehen.
Mein Sohn und ich konnten viel darüber lachen und fühlten uns gut unterhalten und wer weiß, vielleicht können wir nun Hunde besser verstehen.
Rezensionen von Streiflicht:
Dunkle Sühne von Karin Slaughter
Wieder mal ein Pageturner
Schon seit Jahren oder eher Jahrzehnten lese ich alles, was Autorin Karin Slaughter schreibt bzw. was auf Deutsch übersetzt ist. Ihre Reihe um Sara Linton und Will Trent ist einfach mega und ich fiebere auf jeden neuen Band hin. Demnächst steht ein Re-Read der kompletten Reihe an - einfach, weil ich die Geschichten so super finde.
Nun als eine neue Reihe. Das birgt ja immer Gefahren und Potenzial zugleich. Da war ich nun echt gespannt und super neugierig. Daher hab ich mir das Buch sofort zum Erscheinungstermin bestellt. Und dann auch angefangen zu lesen, sobald es der Postbote gebracht hat.
Nach wenigen Seiten war ich mitten im Geschehen und wollte nur noch wissen, was passiert und warum. Die Hauptfigur Emmy Clifton war mir sofort sympathisch und ich hätte ewig weiterlesen können. Die Story baut sich gewaltig auf und bleibt dann auf extrem hohem Niveau spannend. Der erste Teil ist in sich geschlossen und ich fragte mich, was da noch kommen kann. Aber der zweite Teil hat es einfach in sich. Er ist noch spannender, brutaler und härter und man bekommt echt Mitleid mit Emmy. Details erspare ich Euch hier, um auf gar keinen Fall zu Spoilern, das wäre zu schade. Die Wendungen, die sich die Autorin hat einfallen lassen, sind wirklich mega - fast schon unglaublich, aber nicht unrealistisch, dass es stören würde.
Ich kann nur sagen, dass das Buch wirklich topp ist und für mich ein wahrer Pagetuner war. Trotz des Umfangs hatte ich das Buch in nur zwei oder drei Tagen gelesen.
Was ich neben dem Kriminalfall auch immer mag bei Slaughter, ist ihre Darstellung der Gesellschaft in den Südstaaten. Die Einblicke in die höheren Kreise genauso wie in die ärmeren Schichten. Das finde ich total interessant.
Einziger Kritikpunkt ist die zum Teil einfach nur schlampige und schlechte Übersetzung, die mindestens an einer Stelle auch den Sinn komplett entstellt. Ist ja schön, wenn ein Buch schnell ins Deutsche übersetzt wird, aber ich hätte lieber noch zwei Wochen gewartet und dann was Ordentliches gehabt. Einen Punktabzug gibt es dafür von mir aber nicht, ist ja nicht die Schuld der Autorin. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mich stellenweise echt tierisch genervt hat.
Rezensionen von Ameland:
Mein Name ist Emilia del Valle von Isabel Allende
Fesselnd und bildgewaltig
Bewertet mit 4.5 Sternen
Und zum wiederholten Male nimmt mich Isabel Allende mit in ihr Heimatland Chile. Seit ich Das Geisterhaus gelesen habe, sind ihre Bücher für mich ein Muss und ein wahres Lesevergnügen. Ihre Vorliebe für starke Frauen kommt auch in diesem Roman zur Geltung.
Ich begegne Emilia in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts. Von der Mutter streng katholisch erzogen, vom Stiefvater vergöttert und stets unterstützt, setzt sie alles daran, Journalistin zu werden. Als in Chile die Unruhen immer größer werden und ein Bürgerkrieg droht, begibt sie sich als Reporterin in das Land ihrer väterlichen Wurzeln und ist immer nah am Geschehen. Allein daran sieht man, dass Emilia gesellschaftliche Normen nicht interessieren. Sie ist eine starke, neugierige und eigensinnige Frau, die ihren Weg geht.
In gewohnt feingeschliffener Sprache, die bildhaft und bildgewaltig daherkommt, erzählt Isabel von dem furchtbaren Gemetzel während des Bürgerkriegs in Chile. Manche Szenen gehen mir sehr unter die Haut und selbst die wahrscheinlich abgeschwächten Bilder meines Kopfkinos kann ich kaum ertragen. Krieg ist immer grausam, aber hier bekämpft sich ein Volk, unter Umständen kämpfen Nachbarn und Bekannte gegeneinander. Ein hoher Preis, der damals von dem Volk bezahlt wurde.
Die Autorin konnte mich auch mit diesem Roman begeistern und ganz nebenbei habe ich nicht nur etwas über diesen Bürgerkrieg gelernt, sondern auch von der Schönheit der Natur in Chile.
Rezensionen von Streiflicht:
Flora Magica (Band 2) - Die Gabe der bösen Kräuter von Vanessa Walder
Es wird wieder magisch
Nachdem ich schon den ersten Band voller Staunen und Begeisterung gelesen hatte, wollte ich natürlich unbedingt wissen, wie es weitergeht mit den Flora Magica, in der Villa Cunabula und mit Tierra, Sol, Avia, Zacharias, ihren Eltern und allen anderen, die wir beim Auftakt kennengelernt haben. Kaum war das Buch da, wollte ich es schon lesen und ich musste mich bemühen, dass ich es nicht sofort komplett "fresse".
Mehr muss ich eigentlich gar nicht sagen. Möchte ich aber.
Erneut überzeugt Autorin Vanessa Walder durch eine wunderbare Geschichte an diesem Ort, an dem man selbst zu gerne einmal wäre. Beim Lesen erschließt sich dann auch das Bild auf dem Cover, das so herrlich gezeichnet ist. Marie Beschorner erweckt erneut diese ganz besondere Welt durch ihre Illustrationen zum Leben und ergänzt das Erzählte perfekt.
Wie schon beim ersten Band habe ich mit den Kindern mitgefiebert und gehofft, dass alles zu einem guten Ende kommt. Ein bisschen Kummer und Sorge waren auch dabei, wie es eben so ist im Leben. Und dann ein tolles Finale, das wirklich Lust auf Band 3 macht. Man sollte die Bücher in der richtigen Reihefolge lesen, aber man sollte sie definitiv lesen! Sie sind, wie der Titel schon andeutet, magisch!
Rezensionen von brauneye29:
Airfryer-Blitzrezepte von Christian Henze
Tolles Buch für die Luft-Uschi!
Wer glaubt, dass ein Airfryer halt eine Fritteuse ohne Fett ist, hat zwar nicht komplett unrecht aber auch nicht recht. Denn es gibt nicht viel, was ein Airfryer nicht kann. Besonders wertvoll sind deshalb Kochbücher, die zeigen, dass dieses Gerät fast ein Alleskönner ist und vieles erleichtert. Dieses Kochbuch hat mich besonders begeistert, weil es wenig "abgehobene" Gerichte hat sondern viele relativ einfach nachzumachende Gerichte.
Ich freue mich schon darauf, vieles hieraus auszuprobieren.
Fazit:
Tolles Buch für die Luft-Uschi!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
In der Sache Apfelbaum von Andreas Pittler
Oberst Bronstein ermittelt
Historiker und Autor Andreas Pittler lässt seinen Oberst David Bronstein ein letztes Mal in seiner aktiven Dienstzeit ermitteln bevor er im November 1948 in den Ruhestand übertritt.
Es sind nur mehr wenige Tage bis Bronsteins Ruhestandsversetzung, als der Mord an der Prostituierten Josefine Dangl die Wiener Polizei in Atem hält.
Bronstein erhält den Auftrag im Milieu zu ermitteln, wohin er doch so gute Kontakte hätte, wie sein Chef Berner im Kommissariat Leopoldstadt süffisant bemerkt. Nahezu gleichzeitig meldet ein betagter Mann die Entführung eines offensichtlich jüdischen Mannes durch vier Personen auf der Praterstraße. Wenig später wird die Leiche jenes Mannes aus der Donau geborgen, den Bronstein und eine alte Frau als Herschel Apfelbaum identifizieren, der 1938 gerade noch emigrieren konnte. Was hat ihn veranlasst im Herbst 1948 in das zerstörte Wien zurückzukommen?
Bei seinen von Chef Berner nicht goutierten Recherchen deckt Bronstein ein abgrundtief hässliches Verbrechen aus dem Jahr 1938 auf. Die damaligen Täter sonnen sich in ihrem Bewusstsein, dass alle ihre Taten, die sie während des NS-Regimes begangen haben, nun amnestiert sind. Die aktuelle politische Lage, niemand will mit den Nazis etwas zu tun gehabt haben und man möge doch bitte endlich die Vergangenheit ruhen lassen, macht es ihnen leicht.
Doch sie haben die Rechnung ohne Oberst Bronstein gemacht, dessen Gerechtigkeitssinn schon fast fanatisch zu nennen ist und der noch mit den Nazis noch eine sehr persönliche Rechnung offen hat. Wie häufig ermittelt er auf eigene Faust und kümmert sich wenig um die Anordnungen seines Vorgesetzten. Kann er die Sache Apfelbaum zu einem Abschluss bringen und anschließend in den Ruhestand gehen?
Meine Meinung:
Dieser 9. Fall für Oberst David Bronstein spielt im Jahr 1948 und ist daher zeitlich vor dem 8. Fall „Goodbye“ angesiedelt, der im Jahr 1955, dem Jahr in dem Österreich den lang ersehnten Staatsvertrag erhält und die die vier Besatzungsmächte endlich das Land verlassen, spielt.
Wie wir es von Historiker und Autor Andreas Pittler kennen, erklärt die Zusammenhänge der Politik ohne den Eindruck zu erwecken, Geschichtsunterricht zu erteilen. Diese unterschwellige Art historische Zahlen, Daten und Fakten zu vermitteln, ist die große Kunst des Andreas Pittler. Er vermittelt Geschichtsunterricht, ohne dass die Leser dies merken. Seine „Unterrichtseinheiten“ sind in den fesselnden Krimi eingebettet. Er bringt uns die Stimmung in Wien näher, ohne zu werten. Wir erleben die antisemitischen Ansichten zahlreicher historischer Persönlichkeiten wie von SPÖ-Innenminister Oskar Helmer und abwärts bis hin zur kleinsten und fiktiven Hausmeisterin. Geschickt verknüpft der Autor Fakten mit Fiktion.
Die Versorgungslage drei Jahre nach Kriegsende ist in Wien nach wie vor trist. Es mangelt an allem und jenem. Selbst wenn man über die entsprechenden Lebensmittelkarten verfügt, heißt das noch lange nicht, die aufgerufenen Güter des täglichen Lebens zu erhalten. Auch Zigaretten sind nur auf Karte (oder im Schleichhandel) erhältlich. Hier muss ich mich (obwohl ich Nichtraucherin bin) ein wenig empören, hat man doch den Frauen anfangs nur 20 Zigaretten pro Monat zugestanden, während Männer 40 Stück erhalten haben. Erst als eine Frau zu Gericht gegangen ist, um die gleiche Menge zu erhalten, hat man dem nachgegeben. Nun, immerhin soll mit Beginn des Jahres 1949 die Rationierung für Zigaretten aufgehoben werden. Ein kleiner Lichtblick für den starken Raucher Oberst Bronstein.
Die gesamte Handlung erstreckt sich zwischen dem 26. Oktober und dem 5. November 1948. Bronstein ist getrieben, diesen letzten Fall aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen.
Die Charaktere sind wie gewohnt, authentisch beschrieben. So kann ich David Bronsteins Gedanken nach einem über 41 Jahre dauernden Berufsleben nachvollziehen, wenn er nicht weiß, was er mit seiner Freizeit anfangen soll. Frühere Weggefährten sind entweder ermordet worden oder einfach so gestorben oder wie sein ehemaliger Kollege und Freund Andreas Cerny in die Tschechoslowakei ausgewandert und hat dort Karriere gemacht. Die Jahrzehnte im Polizeidienst und die Politik haben Oberst David Bronstein zu einem einsamen Mann gemacht. Immerhin trifft er sich mit Heinrich, einem ehemaligen Polizisten zum Schach spielen - auch wenn Bronstein immer verliert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Fall für Oberst David Bronstein wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.
Rezensionen von liesmal:
Himmelerdenblau von Romy Hausmann
Achtung! Schleudergefahr!
Viele unbeantwortete Fragen, dazu mehrere Protagonisten, die in Sachen seelischer Belastungen ihre eigenen Baustellen haben: Nicht nur einmal glaube ich in einigen der Beteiligten einen potenziellen Mörder erkannt zu haben. Aber nicht mit Romy Hausmann – so einfach macht es die Autorin den Lesenden nicht!
Nur sehr undeutlich ist die Familie auf dem Cover zu erkennen – eine Familie, in der einmal alles heil war, jetzt aber – zwanzig Jahre nachdem die Tochter Julie plötzlich verschwunden war – nur noch als verschwommenes, verwaschenes Bild wahrnehmbar.
Nie hat der Vater Theo aufgehört, nach Julie zu suchen. Ist sie wirklich entführt worden?
Als jetzt die True Crime-Podcasterin Liv bei ihm auftaucht und Theo anbietet, mit ihm gemeinsam endlich die Wahrheit über das Verschwinden seiner Tochter zu ergründen, ist er sofort dabei.
Romy Hausmann ist Meisterin darin, Einblicke in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seele zu geben und bei mir damit immer wieder große Verwirrung zu stiften. Was allerdings für mich dieses Buch zu einer ganz besonderen Geschichte macht, ist die Art, wie Hausmann den Charakter des an Demenz erkrankten Theo zeichnet.
„Liv sieht zu ihm hinüber und lächelt milde. Er ist wieder ein Stück weit von ihr abgerückt. In eine Welt, die nur er versteht.“
Es erscheint mir total realistisch, wie Theo lebt, was er denkt und tut, sich erinnert, aber auch immer wieder an seine Grenzen stößt. Großartig, wie es Liv gelingt, mit Theo und der Krankheit Demenz umzugehen.
Das ist wieder mal ein Thriller, wie ich ihn mag: Erscheint in einem Moment etwas ganz klar und deutlich, so werde ich im nächsten Moment von einer Fliehkraft gepackt und weggeschleudert – und bin danach so klug wie zuvor und vor Überraschungen niemals sicher.
Eines aber ist sicher: meine unbedingte Leseempfehlung für „Himmelerdenblau“.











