Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kwinsu:
Beeren pflücken von Amanda Peters
Hör auf dein Gefühl!
Jedes Jahr arbeitet eine Mi’kmaq-Familie in Maine bei der Blaubeer-Ernte, bis im Jahr 1962 ihre kleine Tochter Ruthie plötzlich spurlos verschwindet. Die Familie verkraftet das Verschwinden des kleinen Mädchens nie ganz und bleibt von diesem Schicksalsschlag tief gebeutelt. Bis eines Tages - nach Jahrzehnten - an Bruder Joes Totenbett eine unerwartete Wendung passiert und die Wahrheit um Ruthies Verschwinden ans Licht kommt.
Amanda Peters erzählt in ihrem Debutroman "Beeren pflücken" nicht nur von dem einen, schweren Schicksalsschlag, den eine marginalisierte Indigenenfamilie durchmachen muss, sondern von einem ganzen Mikrokosmos an Diskriminierungen, die nur schwer aushaltbar sind. Schnell wird klar, dass Ruthie unter anderem Namen bei einer fremden Familie aufwächst und zeitlebens immer ahnt, dass mit ihrer Geschichte irgendetwas nicht stimmt. Ihr Aussehen, das deutlich von dem Rest ihrer Familie abweicht, wird fadenscheinig begründet, abgesehen davon spürt sie sehr bald, dass irgendetwas in ihrer "Familie" seltsam ist.
Ruthies eigentlich Familie leidet still, nicht nur unter ihrem Verschwinden, sondern unter den Repressionen und Diskriminierungen, die sie als indigene Familie über sich ergehen lassen müssen. Gebeutelt durch weitere Schicksalsschläge nehmen sie ihr Dasein und die Herausforderungen so hin und versuchen schlicht zu leben. Joe verkraftet all dies nicht und flieht aus den Familienbanden, versucht sich ein neues Leben aufzubauen, scheitert aber aufgrund der Last, die er auch gerne verdrängen mag. Die abwechselnde Erzählperspektive ist eindringlich und lässt einen sehr emotional an den Schicksalen der einzelnen Figuren teilhaben.
Amanda Peters gelingt ein tief berührender Roman, der voller Melancholie und Traurigkeit ist und glaubhaft die schwere Last der Unterdrückung vermittelt. Und doch bleibt die Hoffnung und der Glaube an das eigene Gespür im Mittelpunkt und hinterlässt ein warmherziges und positives Gefühl. "Beeren pflücken" ist ein tiefsinniger Roman, der sehr nachhallt und dessen gezeichnete Bilder einen nie ganz loslassen werden.
Rezensionen von Shilo:
Land von Maggie O'Farrell
Mehr als nur eine Familiengeschichte
Regen, Wind und die raue Küste Irlands prägen dieses Buch von Anfang an. Viele Szenen wirken fast so, als würden sie direkt aus der Landschaft heraus entstehen. Zwischen alten Erinnerungen, Familiengeschichten und den Folgen der Großen Hungersnot entwickelt sich eine Erzählung, die weit über das Schicksal einzelner Menschen hinausgeht.
Tomás arbeitet daran, das Land zu vermessen und auf Karten festzuhalten. Doch nach und nach wird deutlich, dass ihn etwas anderes antreibt. Es geht nicht nur um Orte und Grenzen, sondern auch um das, was verloren gegangen ist und nicht vergessen werden soll. Dieser Gedanke zieht sich durch die gesamte Geschichte.
Auffällig ist, wie viel Bedeutung den kleinen Dingen gegeben wird. Ein Weg durch den Wald, ein Stück Küste oder eine Erinnerung aus der Vergangenheit bekommen oft mehr Gewicht als große Ereignisse. Dadurch entsteht eine besondere Nähe zu den Menschen und zu dem Land, in dem sie leben.
Die Familiengeschichte entwickelt sich ruhig und ohne künstliche Dramatik. Nicht jede Entscheidung ist sympathisch, aber sie wirkt glaubwürdig. Gerade das macht die Figuren greifbar. Ihre Sorgen, Hoffnungen und Verluste fügen sich ganz selbstverständlich in die Geschichte ein.
Nach dem letzten Kapitel blieb vor allem die Atmosphäre zurück. Die Bilder der Landschaft, die alten Geschichten und die enge Verbindung zwischen Menschen und ihrer Heimat begleiten einen noch eine ganze Weile. Manche Bücher erzählen eine Geschichte und sind dann abgeschlossen. Dieses hier wirkt noch lange nach. Deshalb sind es für mich fünf Sterne.
Rezensionen von Kwinsu:
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel,2 Audio-CD, 2 MP3 von Alena Schröder
Selbstbestimmung, Kunst und Authentizität
Güstrow 1945: Marlen flieht vor den Russen und kommt bei der Malerin Wilma unter, dessen verschollener Mann ein aufstrebender Künstler war. Seine hinterbliebene Ehefrau versucht sich selbst als Künstlerin und im Laufe der Zeit wird sie immer erfolgreicher - auch dank der Hilfe von Marlen.
Berlin 2023: Hannah muss ihr Leben neu ordnen, nachdem ihre beste Freundin Rubi aus der gemeinsamen WG ausgezogen ist, um eine Familie zu gründen.
Plötzlich taucht ihr nie dagewesener Vater auf und bürdet ihr eine Rolle auf, die sie nie haben wollte.
Das Hörbuch von "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" ist eine feinfühlige Erzählung über die starken Bande der Familie, die weder biologisch noch anwesend sein müssen. Sehr einfühlsam und passend wird das Buch eingesprochen von Julia Nachtmann, deren Stimme und Intonation perfekt zu der Geschichte passt.
Bis zum Schluss rätselt man über die konkrete Verbindung der zwei Geschichten, die am Ende sanft zueinander geführt werden. Im Mittelpunkt stehen Frauen, die trotz aller Widerstände ihren eigenen Weg gehen. Männliche Figuren sind zwar präsent, spielen aber eine untergeordnete, wenn auch nicht unwichtige Rolle. Ihr Scheitern beflügelt die weiblichen Protagonistinnen, nicht aus einer bösartigen, sondern aus einer selbstbestimmten Rolle heraus. Essentieller scheint die Kunst, die den roten Faden durch die Geschichte legt.
Ich kannte bislang noch keine Bücher von Alena Schröder, habe aber ihre ruhige, authentische und nachvollziehbare Erzählweise sehr zu schätzen gelernt. Die Geschichten bestechen durch Realismus, der Auseinandersetzung mit inneren Konflikten und der wunderbaren Affinität zur Kunst. Ich kann dieses Hörbuch uneingeschränkt allen empfehlen, die Interesse für Zeitgeschichte, Kunst und der hervorragenden Beobachtungsgabe für menschliche Verhaltensweisen schätzen.
Rezensionen von Kwinsu:
Sister, Sister von Emily R. Austin
Außergewöhnliches Buch über so manche Verdrängungen
Achtung: nicht vom Klappentext täuschen lassen! Dieses Buch ist anders, als der Text vermuten lässt, es ist tiefgründig, größtenteils irreführend und einfach außergewöhnlich!
Angekündigt wird, dass es sich um die Beziehungsentwicklung zweier Schwestern handelt. Nun, das ist tatsächlich so, aber wirklich ganz anders, als man sich erwarten würde.
Da ist ein elendslanger Abschiedsbrief von Protagonistin Sigrid, sie schildert detailliert, weshalb sie ihrem Leben ein Ende setzen will. Das Leben in einer einengenden Kleinstadt, ihre Beziehung zu einer Frau, das harsche, kalte Elternhaus, das alles sind Gründe nicht mehrweiterleben zu wollen. Aber der Brief wird lang, monatelang, Sigrid lebt weiter, reflektiert über ihr unbefriedigendes Leben, aber auch über das, was sie noch an ihrer Existenz hält. Ihre Schwester Margit ist die Gute, ist die, die es aufs College geschafft hat und die Familie mit Stolz versorgt, wohingegen Sigrid alles in den Sand gesetzt hat. So ist die Erzählung des Abschiedsbrief, der sich aber im Laufe des Buches als nichts als ein Konstrukt herausstellt. Näheres kann nicht verraten werden, ohne einen schwerwiegenden Spoiler zu fabrizieren.
Emily R. Austin führt die Lesenden wahrlich gekonnt in die Irre. Wahrheiten stellen sich als Lügen heraus, bis zum Schluss ist nicht klar, was fiktive Realität ist und was nicht. Äußerst gelungen sind die Perspektivwechsel und die Unterteilung des Romans. Wir lesen Sigrids Abschiedsbrief, er ist in insgesamt zwanzig Versuche untergliedert, bis uns der nächste Abschnitt mit "Die Wahrheit" erwartet. Diese entpuppt sich aber als Wahrheitsempfinden, die vor Selbstignoranz und Verdrängung nur so trieft, bis uns schließlich der letzte Teil namens "Sigrid" ganz neue Blickwinkel eröffnet. Das klingt kryptisch? Ist es auch, denn die volle Wahrheit, die es in Wahrheit gar nicht gibt, denn alles ist immer nur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Ein wenig bleibt im Unklaren, aber einen weiteren Pluspunkt bekommt der Roman, denn es wird alle Unklarheiten aufgelöst und zwar äußerst elegant und ohne Aufdringlichkeit. Das ist ein Talent, was meines Erachtens nicht vielen Schriftstellerinnen vergönnt ist.
Diese tiefgründige Verstrickung von Lüge und Wahrheit, Schein und Sein, Existenz und Nichtexistenz ist schon eine sehr außergewöhnliche Herangehensweise, wie man die Beziehung oder Nichtbeziehung zweier Schwestern aufdröseln kann. Ich persönlich habe derart noch nie gelesen und bin sehr begeistert, auch wenn ich kritisch anmerken muss, dass der Klappentext uns vortrefflich in die Irre führt. Aber irgendwie passt das auch zu dieser ganz eigen konstruierten Familiengeschichte, die tief in die Einengungen von konservativen Kleinstädten blicken und die einen wünschen lässt: lasst doch bitte Menschen so sein, wie sie sind!
Rezensionen von Kwinsu:
Wir in zehn Jahren von Jessica Stanley
Patchwork that works?!
Coralie verschlägt es nach einer zum Wahnsinn tendierenden Affäre mit ihrem Vorgesetzten von ihrem Heimatland Australien nach London. Erst ist sie überfordert mit der lauten Stadt, bald aber schon lernt sie Adam kennen, bei dem sie Liebe und Heimat findet. Wir begleiten Coralie in den ersten zehn Jahren ihrer Beziehung, die von Höhen und Tiefen geprägt ist und vor allem: vom Alltag und der unglaublichen Geschichte Großbritanniens.
"Wir in zehn Jahren" ist sicher kein einfach zu lesender Beziehungsroman, aber dafür ein äußerst lohnender. Wir begleiten die Protagonistin und ihre Familie während der Jahre 2013 bis 2023 - Jahre, die in der britischen Geschichte so viele unglaubliche Wendungen nehmen, dass sie in einem erfundenen Buch wohl als unglaubwürdig abgestempelt werden würden: der Brexit-Volksentscheid, Boris Johnson, der Brexit selbst und natürlich auch die Covid-Jahre. In dieses Setting ist die Geschichte von Coralie und Adam gekonnt eingebettet, denn letzterer ist Journalist und Sachbuchautor und er portraitiert die wichtigsten politischen Persönlichkeiten des Landes. Sein Beruf, oder vielmehr seine Berufung und sein damit zusammenhängender Enthusiasmus für immer neue Buch- und Radioprojekte führen dazu, dass Coralie immer hinten anstehen muss und gelinde gesagt: das geht ihr gehörig gegen den Strich. Schließlich sehnt sie sich nach eigenen Kindern, auch wenn sie mit Adams Tochter Zora ein gutes Auskommen hat. Als die eigenen Sprösslinge dann da sind, erlebt sie, was wohl die meisten Mütter erleben müssen: den Großteil der Care-Arbeit darf sie erledigen. Anders als in anderen Büchern erfolgt aber nicht der rebellische Aufschrei, sondern Coralie versucht sehr authentisch, diesen Zwiespalt zwischen Mutterliebe und den eigenen Bedürfnissen zu kitten, was ihr aber nur teilweise gelingt. Hinzu kommt, dass sie selbst noch unter den harschen Erlebnisse ihrer Kindheit leidet, denn ihr Vater, zu dem sie nur selten Kontakt hat, war und ist ein erzkonservativer Tyrann. Vordergründig traf der gewalttätige Erziehungsstil hauptsächlich ihren schwulen Bruder Dan, aber wie sich im Laufe des Buches herausstellt, hat Cor selbst viele seelische Wunden erlitten.
Zugegeben: das Buch ist schon sehr kopflastig. Es wird viel reflektiert, viel ausverhandelt, viel politisiert. Das erfordert Konzentration, "Wir in zehn Jahren" ist kein Buch, das man so nebenbei lesen kann. Erst dachte ich mir, es zieht sich wie Kaugummi, aber in Wahrheit gibt es einen tiefen Einblick in die komplexe Welt der familiären Beziehungen, es ist äußerst realitätsnah, so sehr, dass es auch eine Autobiographie sein könnte. Man erlebt förmlich mit, wie Coralie sich selbst zurücksteckt, wie sie als Person ein Stück weit vergeht, so weit, dass sie schlussendlich zusammenbricht. Das heißt aber nicht, dass es ein düsterer Roman ist, nein, besonders die Liebe zu ihren Kindern, auch zu ihrer Stieftochter Zora, ist stets spürbar und das ganz ohne Kitsch, sondern mit viel Realismus. Und sie kämpft auch für ihren Freiraum, mit der Kraft, die sie ihr selbst zugestehen lässt. Die Figur Coralie ist so überzeugend und authentisch, dass man ihre Geschichte fast fühlend miterlebt. Die familiären Konstellationen sind komplex, so haben Adams Ex und ihr im wahrsten Sinne des Wortes konservativer (da Tory) Mann Tom genauso ihren regelmäßigen Auftritt wie Adams Mutter samt Ehefrau, Coralies Bruder Dan und sein Lebensgefährte samt Hund, als auch ihr autoritärer Vater Roger mit Frau (und Hund). Selbstredend sind die Kinder aus den verschiedenen Beziehungen ein Kern der Geschichte. Patchwork ist also ein zentrales Motiv des Romans, der einen wunderbaren, tiefgehenden Blick in dieses so zeitgemäße Familienkonstrukt bietet.
Mein Fazit: "Wir in zehn Jahren" ist ein äußerst authentischer Beziehungsroman, der ganz ohne Kitsch, dafür mit viel Realität auskommt. Es ist ein Buch, das Konzentration erfordert, das nicht leicht ist, aber auch nicht schwer - es ist wie ein Abbild eines Lebens, dass jede von uns auch selbst erlebt haben könnte. Die gesellschaftspolitischen Ereignisse Großbritanniens der Jahre 2013 bis 2023 werden gekonnt in die Story eingeflochten und lassen uns diese unheilvolle Zeit hautnah miterleben. Eine große Leseempfehlung für alle, die sich auf eine realistische Beziehungsentwicklung einlassen wollen.
Rezensionen von Ameland:
Lavendel-Jagd von Carine Bernard
Spannend und ganz viel Provence-Flair
Eigentlich sollte sich die Kommissarin Lilou Braque um ihre in ein paar Tagen stattfindende Hochzeit kümmern. Aber ausgerechnet jetzt fordert eine verzwickte Mordermittlung ihren ganzen Einsatz.
Lilou schien die Jagd nach dem Täter wichtiger als die eigene Hochzeit zu sein und mir tat ihr Verlobter Simon schon ziemlich leid, der mit den kompletten Vorbereitungen allein gelassen wurde.
Aber Lilou ist nun mal mit Leib und Seele Polizistin. Ich sah die Hochzeit schon ins Wasser fallen.
Die überraschenden Wendungen waren aber auch zum verrückt werden. Und es hat lange gedauert bis ich den richtigen Verdacht hatte. Aber mit diesem irrsinnigen Motiv konnte man auch nicht unbedingt rechnen und das wäre Lilou bald zum Verhängnis geworden.
Neben aller Spannung bietet uns Carine Bernard aber wieder jede Menge Provence-Flair. Ich werde den Gang über den Wochenmarkt in Carpentras mit seinen typischen Gerüchen mindestens genauso vermissen wie die Besuche in Simons Restaurantküche. Auch von der sympathischen Lilou muss ich schweren Herzens Abschied nehmen, denn dies war der Abschlussband der Reihe.
Rezensionen von ravenmoon:
Die Geister von La Spezia von Oliver Plaschka
Atmosphärischer Stil, aber für mich schwer zugänglich
Der Einstieg in Die Geister von La Spezia hat mich neugierig gemacht. Die Verbindung aus historischen Figuren – allen voran Mary Shelley – mit der Idee, Erinnerungen zu betreten und vergangene Ereignisse neu zu erleben, ist originell und faszinierend. Auch das Cover passt sehr gut zur Stimmung des Buches und vermittelt bereits diesen leicht geheimnisvollen, melancholischen Ton der Geschichte.
Besonders gefallen hat mir der Schreibstil von Oliver Plaschka. Er schreibt bildhaft und atmosphärisch, viele Szenen lassen sich sehr lebendig vor dem inneren Auge vorstellen. Gerade die Beschreibungen der Schauplätze und der historischen Atmosphäre sind sehr gelungen.
Im Verlauf der Geschichte habe ich jedoch gemerkt, dass ich persönlich immer schwerer in die Handlung hineinfinde. Die verschiedenen Ebenen der Erinnerungen und der Aufbau der Geschichte wirkten auf mich zunehmend konstruiert, sodass ich mich beim Lesen öfter orientierungslos fühlte – ähnlich wie die Figuren selbst in Mary Shelleys Erinnerungen. Dadurch fiel es mir auch schwer, eine engere Verbindung zu den Figuren aufzubauen.
Obwohl mir Stil und Grundidee weiterhin gefallen haben, stellte sich bei mir leider kein richtiger Lesefluss ein. Nach einigen Kapiteln habe ich daher entschieden, das Buch vorerst nicht weiterzulesen.
Das ist natürlich eine sehr persönliche Leseerfahrung. Wer komplexe, ungewöhnlich aufgebaute Geschichten und literarische Experimente mit verschiedenen Erzählebenen mag, könnte hier jedoch durchaus ein spannendes Buch entdecken.
Rezensionen von ravenmoon:
Der Sommer, in dem mir meine Wünsche weggeschnappt wurden von Lynn Painter
Rasanter Sommer voller Wünsche – unterhaltsam, mit kleiner Schwäche
Die Gestaltung des Covers macht direkt neugierig auf Emmas Geschichte. Es vermittelt mit seinen fröhlichen Farben und der lebendigen Gestaltung genau die sommerliche, leichte Stimmung, die auch die Geschichte transportieren möchte. Damit passt es sehr gut zur Zielgruppe junger Leserinnen ab etwa zehn Jahren und macht neugierig auf das Abenteuer, das Emma erlebt.
Die Geschichte startet ohne lange Einleitung direkt mitten im Geschehen. Dieser schnelle Einstieg sorgt dafür, dass man sofort in die Handlung hineingezogen wird. Das Tempo bleibt über weite Strecken hoch, was das Buch sehr kurzweilig macht und gerade für jüngere Leserinnen gut funktioniert. Die Handlung wird konsequent aus der Perspektive von Emma erzählt, wodurch man sehr nah an ihren Gedanken und Gefühlen bleibt.
Durch dieses hohe Tempo bleiben allerdings manche Figuren und Situationen eher skizzenhaft. Besonders die Nebencharaktere wirken stellenweise etwas blass und bekommen nicht allzu viel Raum zur Entfaltung. Im Verlauf der zweiten Hälfte fällt das jedoch weniger ins Gewicht, da sich die Geschichte zunehmend auf Emma selbst konzentriert und ihre Entwicklung stärker in den Mittelpunkt rückt.
Auffällig ist außerdem, wie stark die Geschichte im aktuellen Zeitgeist verankert ist. Immer wieder werden konkrete Bezüge zu moderner Popkultur oder Medien eingebaut, etwa zu Videospielen oder Serien. Das funktioniert momentan sehr gut und macht die Handlung greifbar, könnte aber in einigen Jahren möglicherweise etwas an Aktualität verlieren.
Ab etwa der Mitte nimmt die Geschichte noch einmal deutlich an Fahrt auf. Die Handlung wird spannender, emotionaler und auch ein wenig fantastischer. Besonders die Themen Freundschaft, Zusammenhalt und vielleicht auch erste zarte Gefühle rücken stärker in den Mittelpunkt. Diese Passagen gehören zu den schönsten Momenten des Buches und geben der Geschichte eine angenehme Dynamik.
Ein Thema, das sich durch das Buch zieht, ist die Bedeutung von Schönheit, Beliebtheit und sozialer Anerkennung – gerade im Zusammenhang mit sozialen Medien. Hier hätte ich mir persönlich gewünscht, dass die Geschichte am Ende etwas deutlicher zeigt, dass äußere Perfektion und Popularität nicht das einzig Erstrebenswerte sind. Gerade für die junge Zielgruppe wäre eine solche Botschaft besonders wertvoll gewesen. Dass dieser Aspekt nicht stärker aufgegriffen wird, ist letztlich auch der einzige Grund, warum ich in meiner Bewertung einen Stern abziehe.
Trotzdem bleibt am Ende ein insgesamt sehr unterhaltsames und flott erzähltes Jugendbuch, das genau auf seine Zielgruppe zugeschnitten ist. Die Mischung aus Sommerabenteuer, Freundschaft, Emotionen und einem Hauch Fantasie macht das Buch zu einer kurzweiligen Lektüre.
Fazit: Ein gutes, unterhaltsames Jugendbuch, das seine Zielgruppe sicher begeistern kann – mit einer kleinen inhaltlichen Schwäche, die aber den Lesespaß insgesamt nicht entscheidend schmälert.
Rezensionen von ravenmoon:
Summer Tides von Sarah Fulmar
Sommergefühl mit Herz
Summer Tides entführt in eine wunderbar sommerliche Kulisse an die Küste Cornwalls und schafft es von Beginn an, eine warme und einladende Atmosphäre aufzubauen. Der Strand, das Meer und das Gefühl eines Neuanfangs sorgen dafür, dass man sich als Leser sofort wohlfühlt und gerne in dieser Welt verweilt.
Der Schreibstil ist durchweg flüssig und angenehm zu lesen. Es gibt keine holprigen Stellen, vielmehr entwickelt sich die Geschichte zu einem echten Pageturner, bei dem man entspannt durch die Seiten gleitet.
Besonders hervorzuheben ist die Charakterzeichnung. Die Hauptfiguren sind klar und greifbar dargestellt, doch auch die Nebenfiguren bekommen mit wenigen, gezielten Sätzen eine bemerkenswerte Tiefe. Die Autorin versteht es sehr gut, jeder Figur Leben einzuhauchen, sodass eine glaubwürdige, lebendige Welt rund um Scarlett entsteht. Genau dieses Gefühl von „Ankommen“ und „Dazugehören“ macht einen großen Teil des Charmes des Buches aus.
Die Geschichte selbst ist eher ruhig und gemütlich erzählt, was gut zur sommerlichen Atmosphäre passt. Dennoch hätte ich mir stellenweise etwas mehr Mut gewünscht – insbesondere beim Humor, der zwar vorhanden ist, aber gerne noch stärker hätte eingesetzt werden dürfen. Auch die romantische Entwicklung ist spürbar, bleibt für mein Empfinden jedoch manchmal etwas an der Oberfläche und hätte an einigen Stellen mehr Tiefe vertragen können.
Auch das Cover passt perfekt zur Geschichte. Mit seinen warmen Farben, dem Meer, den Möwen und der Küstenkulisse vermittelt es sofort dieses Gefühl von Sommer, Leichtigkeit und Neuanfang. Es spiegelt genau die Atmosphäre wider, die das Buch transportiert, und macht direkt Lust darauf, in diese Welt einzutauchen.
Fazit:
Der Roman hält, was er verspricht, und ist eine gemütliche Lektüre – perfekt für einen sommerlichen Tag am Strand, aber genauso für einen entspannten Abend im warmen Kuschelbett, wenn das Wetter draußen einmal nicht mitspielt.
Empfehlung:
Für alle, die sich in eine Geschichte hineinkuscheln und einfach wohlfühlen möchten, ist dieses Buch genau richtig. Wer jedoch vor allem auf rasante Spannung oder klassische Krimi-Elemente setzt, wird hier weniger fündig – stattdessen steht ganz klar das Gefühl im Mittelpunkt.
Rezensionen von ravenmoon:
Maries Glücksküche - Die Schule am Meer von Claudia Schaumann
Eine schöne Idee mit kleinen Stolpersteinen
Das Cover von Maries Glücksküche fällt sofort ins Auge: bunt, lebendig und voller sommerlicher Leichtigkeit. Es vermittelt genau die fröhliche, kulinarische Atmosphäre, die man sich von der Geschichte erhofft. Gleichzeitig lässt es mich bei genauerem Hinsehen etwas zwiegespalten zurück.
Einige Details – insbesondere bei Tieren und Körperhaltungen – wirken leicht unstimmig, stellenweise fast unnatürlich. Das erinnert an typische Ungenauigkeiten, wie man sie von KI-generierten Bildern kennt. Ob das hier tatsächlich eine Rolle gespielt hat, bleibt offen, fällt aber beim Betrachten auf.
Umso überzeugender sind die Illustrationen im Buchinneren von Nadine Jessler. Sie sind liebevoll, stimmig und tragen die warme, magische Atmosphäre der Geschichte deutlich besser als das Cover. Hier hätte ich mir gewünscht, dass dieser Stil auch für die Außengestaltung übernommen worden wäre.
Die Geschichte selbst ist grundsätzlich charmant und bringt eine schöne, gemütliche Grundidee mit: Familie, Kochen und ein Hauch Magie. Dennoch hatte ich beim Lesen immer wieder kleine Stolpermomente. Sprachlich richtet sich das Buch zwar klar an eine junge Zielgruppe, verwendet aber teilweise Begriffe und Bilder, die eher an frühere Generationen erinnern. Beispiele wie Bandposter oder auch Anspielungen wie „Hubba Bubba“ wirken aus heutiger Sicht etwas aus der Zeit gefallen und könnten gerade bei jüngeren Leserinnen und Lesern weniger Anknüpfungspunkte bieten.
Am deutlichsten gestört hat mich jedoch die uneinheitliche Namensverwendung. Die Großmutter wird abwechselnd als „Oma“ und „Aveline“ bezeichnet, ähnlich verhält es sich mit Maries Mutter, die sowohl „Mama“ als auch „Camille“ genannt wird. Diese Wechsel sind nicht konsequent umgesetzt und wirken beim Lesen unnötig irritierend. Gerade in einem Kinderbuch hätte eine klare, durchgehende Benennung für mehr Lesefluss gesorgt.
Trotz dieser Kritikpunkte bleibt Maries Glücksküche - Die Schule am Meer eine insgesamt nette, warme Geschichte mit einer sympathischen Grundidee. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie vielen jungen Leserinnen und Lesern gefallen wird – persönlich habe ich jedoch das Gefühl, dass die genannten Schwächen dazu führen könnten, dass gerade die eigentliche Zielgruppe nicht immer ganz abgeholt wird.
Fazit:
Ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch mit schöner Grundidee und tollen Innenillustrationen, das jedoch in der Umsetzung kleine Schwächen zeigt. Unterhaltsam, aber mit Luft nach oben – besonders in Bezug auf Sprache und Konsistenz.











