Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Insel der Ratten von Jo Nesbø
Nur ein Appetithäppchen
Nur ein Appetithäppchen
„Insel der Ratten“ ist im Original bereits 2021 erschienen, und zwar in einem Sammelband, was meiner Meinung nach folgerichtig ist, denn als eigenständiger Roman bietet das Buch nicht genug. Ich empfand es eher als Appetithäppchen und hätte gerne mehr davon gelesen - allerdings lieber mit weniger unnötiger Gewalt.
Die gut 200 Seiten im Taschenbuchformat, mittels stabilem Kartoneinband zum Hardcover aufgeplustert, lassen sich in kürzester Zeit weglesen.
Das Szenario ist düster, aber sehr interessant, da es einigermaßen realistisch erscheint und ich mir vorstellen kann, dass es in unserer Welt in nicht allzu ferner Zukunft so abgehen kann. Nach der Pandemie ist die funktionierende Gesellschaft am Ende. Marodierende Banden beherrschen das Land, Polizei und Justiz stehen dem machtlos gegenüber. Jeder schützt sich selbst, so gut er kann. Der reiche Unternehmer Colin Lowe bringt seine Familie auf die einigermaßen sichere Insel der Ratten, während sein Sohn Brad mit seiner Gang „Chaos“ auf dem Festland sein Unwesen treibt. Dabei vergreift er sich auch an der Frau und der Tochter des besten Freundes seines Vaters, Will Adams. Will sinnt auf Rache. Doch als Jurist glaubt er immer noch an Recht und Gesetz. Und so nimmt er die Rache nicht selbst in die Hand, sondern trickst Brad genial aus.
Das Büchlein ist durchaus lesenswert, wenngleich ein gutes Quantum weniger an Gewalt auch gereicht hätte. Manches wird viel zu brutal und detailliert beschrieben und wirkt einfach nur reißerisch. Das hat die Geschichte aber gar nicht nötig. Im Gegensatz dazu kommt mir der Verfall der Gesellschaft viel zu kurz. Es ist einfach so, fertig. Erläuterungen, wie es dazu kam, hätte ich hier sehr nützlich und wichtig gefunden. Auch bleiben die einzelnen Figuren relativ blass und distanziert. Nicht einmal Will und Yvonne, ein „Chaos“-Mitglied, aus deren Perspektiven abwechselnd erzählt wird, konnten mich wirklich berühren, obwohl sie einiges durchmachen.
Trotz aller Mankos hat Jo Nesbø ein spannendes Werk geschaffen, das viel Stoff zum Nachdenken gibt.
Rezensionen von Bisco:
Light my Fire von Sheila de Liz
Die Ärztin die weiß, was wir wissen müssen
Mit dem Sexualratgeber "Light my Fire" will Dr. med. Sheila de Liz zeigen, dass Sex nicht mit den Wechseljahren aufhören muss. Für Frauen im Alter davor, mittendrin und danach, wird in diesem Buch sehr ausführlich erklärt, wie sehr ein Zusammenspiel aus Hormonen, körperlichen Eigenschaften und der Psyche dazu beitragen, dass wir guten Sex haben.
Sie baut im Buch auf die Dreifaltigkeit auf: biologisch, medizinisch und seelisch und zeigt in Beispielen aus ihrer persönlichen beruflichen Erfahrung, wie wenig weit verbreitet das Wissen dazu bei uns Frauen aber zudem auch beim eigenen Berufsstand vorliegt. Das viel zu viele Gynäkologen noch nicht ausreichend und verbindend mit Sexualpsychologen reden und darüber hinaus die Reichweite von Hormonen, Stress und dem Wunsch nach Sex ab 50 verstehen.
So erfahren wir über die Geschichten von Patienten, wie wichtig ein hormonelles Gleichgewicht ist und über Hormonersatztherapie gesteuert werden kann, dass das Testosteron (als Männerhormon) auch für uns wichtig ist, dass Alltagsstress viel ausmacht und wie wichtig es ist, dass wir ernst genommen werden müssen und die Antwort nicht immer nur mit einer oberflächlichen Untersuchung getan ist.
Sehr schön erklärt ist, dass wir Frauen eine reaktive Lustentwicklung haben, die auf Erinnerungen, auf Berührung, auf den richtigen Moment reagiert. Das wir nicht, einfach so und immer, Lust empfinden und das auch in Ordnung ist. Das unser Gaspedal langsamer als beim Mann schaltet die Bremse dafür aber umso schneller. In tollen Kurvendiagrammen ist erklärt, wie der Orgasmus in unterschiedlichen Wegen von 0 auf 100 aussehen kann und dass diese nicht immer nur ein Feuerwerk sein müssen. Das „ich schau meinen Mann an und hab Bock“ eher selten ist und dann der Kuss im Nacken, die Erinnerung an das letzte Mal auslöst und dann die Lust aufkommt.
Die Klitoris als die Stranger Things der Medizin erhält ein umfangreiches Kapitel, welches viele Mythen aufdeckt (ich halte mich für aufgeklärt und war selbst verwundert). War der Person, welche dies liest, bekannt, dass der Bauchnabel sehr viele erregende Nerven hat? So finde ich auch Sätze wie: „Du hast einen Job während des Sex: deine Erregung zu genießen“ oder „genitale Herzschlag“ ganz wunderbar formuliert.
Mit viel Humor, Verständnis und sehr einfühlsam schafft es die Autorin ihr Fachwissen zu überbringen. Für mich wäre es die nächste Gynäkologin der Wahl, wäre mein Arzt nicht mehr. Denn die Reichweite der Erfahrung, der Offenheit sich weiterzubilden, dass Gesamtbild zu sehen und dies auf diesem Wege auch weiterzugeben, finde ich wunderbar.
Ich kann jedem, auch jungen Menschen, nur zu diesem Buch raten. Es geht nicht alleine um die Gruppe der 45+, da viele Themen die Gesamtheit von uns ansprechen.
Rezensionen von bibi21:
Tage am Fluss von Jochen Mariss
Eine bewegende Reise am Fluss
Tage am Fluss war mein erstes Buch von Jochen Mariss, und ich wurde positiv überrascht. Der Autor war mir bisher nicht bekannt, doch sein flüssiger und angenehmer Schreibstil hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und sorgen dafür, dass man immer weiterlesen möchte.
Auch das Cover passt hervorragend zur Geschichte und fängt die ruhige, naturnahe Atmosphäre des Romans sehr gut ein.
Besonders gelungen fand ich die beiden Hauptfiguren Sara und Leon. Sara lebt zurückgezogen als Fährfrau am Fluss und hat sich nach schwierigen Erfahrungen eine schützende Mauer um ihr Herz aufgebaut. Leon, ein junger Umweltaktivist mit eigenen Verletzungen und Geheimnissen, tritt unerwartet in ihr Leben.
Der Konflikt um den geplanten Brückenbau verleiht der Handlung Spannung, ohne den zwischenmenschlichen Aspekt in den Hintergrund zu drängen.
Rezensionen von Sheilo:
Don't let me fall von Kelsie Rae
Tolle College Romance
Zurück an seinem alten College fällt Colt Ash sofort auf, eine wunderschöne, kluge Studentin, welche nur leider an seinen Freund Logan vergeben ist, welcher Ash sehr schlecht behandelt. Doch die Anziehung zwischen Colt und Ash steigt trotz allem immer mehr.
"Don’t let me fall" ist eine amüsante Forbidden Love Romance vom Kelsie Rae, die sich durch den sehr flüssigen Schreibstil nur so verschlingen lässt.
Anders, als es das Cover vermuten lässt, handelt es sich jedoch eher um eine College Romance statt einer Sports Romance, da das Thema Eishockey doch sehr in den Hintergrund rückt.
Im Buch tauchen typische Klischees auf, die man von Filmen wie "American Pie" kennt. Dabei prallen mit den Charakteren im Buch sehr unterschiedlich Ansichten aufeinander, die Sportler, die Partys lieben und Ash, die alles tut, um im Studium erfolgreich zu sein. Die Mischung gefällt mir richtig gut und es war immer wieder schön zu sehen, wie sich vor allem Colt um Ash bemüht hat und auch, wie Ash im Zwiespalt stand, aufgrund ihrer toxischen Beziehung zu Logan. Die Anziehung zwischen den Ash und Colt ist deutlich spürbar und es war wirklich schön zu sehen, wie sich Colt und Ash gegenseitig unterstützt haben, um beide jeweils glücklicher zu werden.
Für mich ist "Don’t let me fall" eine tolle, kurzweilige Liebesgeschichte, die ich sehr genossen habe. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band, der sich um Theo, den Freund von Colt drehen wird.
Rezensionen von Petra Gruber:
Herz König von Lily King
College-Liebe
Es ist eine prägende Zeit, die Zeit am College. Es ist die Zeit der ersten Liebe und auch der großen Lieben. So geht es auch der Protagonistin. Mit Yash begegnet ihr ein Mensch, mit dem sie ganz viel teilt. Humor, Interessen und ein tiefes Gefühl.
Als sie für eine Weile nach Paris geht, kommt er sie besuchen.
Und es sieht aus, als ob dies eine Beziehung für lange sein könnte.
Einige Jahrzehnte später begegnen wir den beiden wieder. Ob sie noch ein Paar sind, wie dieses Wiedersehen aussieht, möchte ich hier nicht verraten!
Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen. Er liest sich flüssig, man leidet mit den Charakteren mit, die Zeitsprünge sind gut gesetzt.
Allerdings hatte ich auch die ganze Zeit das Gefühl, dass ich alle Geschichten schon mal gelesen hatte. College-Liebe, das Auf und Ab des Lebens, Abschiede … Der richtige Wow-Moment kam leider nicht auf.
Insgesamt ein schöner, berührender Roman. Allerdings einer, der anderen ähnelt und wahrscheinlich nicht lange hängen bleiben wird.
Weltklasse ist dafür das Cover. Lieb’s!
Rezensionen von Gute_Laune:
Baking Next Level mit Weizen von Dietmar Kappl
Für versierte Brotbäcker ein Paradies!
Meiner Meinung nach werden Anfänger mit diesem Buch nicht glücklich. Es gibt so viel Theorie und Fachwissen, dass Neulinge im Brotbackbereich hier leicht erschrecken können. Auch für mich, die ich schon jahrelang Brot backe, ist es eine Herausforderung, erst einmal gründlich zu lesen und zu verstehen.
Vor den Rezepten stehen immerhin fast 100 Seiten Lernstoff! Das muss man wollen, sonst ist man enttäuscht. Da sind die eingestreuten Fotos sehr hilfreich.
Die Rezepte sind übersichtlich aufgebaut. Es gibt auch immer ein hübsches Foto dazu. Rezeptname, Zutatenlisten, Hinweise, Arbeitsschritte, alles ist unter- und nebeneinander gegliedert. Zum Formen gibt es viele Schritt-für-Schritt-Fotostrecken, die das Nacharbeiten deutlich erleichtern. Die Zutaten sind nicht sonderlich exotisch, der Arbeitsaufwand jedoch allgemein nicht zu unterschätzen. Das ist bei Brot üblich, aber nicht jeder möchte sich darauf einlassen.
Als weitere Schwierigkeit erachte ich die Menge der Backstücke pro Rezept. Wer für eine durchschnittliche Familie und nicht für die halbe Nachbarschaft backen möchte, muss hier genau rechnen und das nervt doch sehr, wenn man backen möchte. Kappl bleibt sich also mit diesem Buch selbst treu und schließt quasi nahtlos an Baking next Level mit Roggen an. Auch da war all das, was ich hier schrieb, exakt genauso, nur eben auf Roggenbasis. Schön ist, dass diesmal das Gebäck auch aufgeschnitten gezeigt wird und man so Krume und Kruste sehr schön sieht.
Somit kann ich auch diesmal nur drei Sterne geben. Wer allerdings schon sehr versiert im Brotbacken ist und ein gutes Händchen für Sauerteig hat, der wird das Buch lieben! Vielleicht werde ich irgendwann mal annähernd so gut, um mit diesen Rezepten arbeiten zu können. Aktuell bin ich ein Sauerteigmörder und arbeite daher lieber mit Trockensauerteig und sehr viel einfacheren Rezepten. Trotzdem lerne ich sehr gerne aus diesem Buch und sehe immer wieder rein. Die Auswahl ist wunderbar und man bekommt beim Blättern schon riesen Brot- und Brötchenhunger.
Rezensionen von literaturfreundin:
Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe
Vier Generationen, etwa 100 Jahre, viele Umbrüche
Zwei Erbstücke spielen eine Rolle: ein Bücherschrank aus Kirschbaum, der so lebendig von Miriam Carbe beschrieben wird, dass man ihn fast sehen und riechen kann, und die Tagebücher ihrer Vorfahrinnen.
Mit wunderbarer Sprache erzählt die Autorin atmosphärisch von den Frauenleben ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, und von ihrem eigenen.
Beginnend mit der wilden Margarethe, die im Dresden der 1910er Jahre in der Villa der Eltern in großbürgerlicher Umgebung aufwächst, sich jedoch weniger für das von ihr erwartete Verhalten und vorgesehene Leben als voller Wissbegier für Bildung, die Moderne und Fröbels Erziehungsansätze interessiert. Am Ende heiratet sie dann doch und wird die Mutter von Marianne.
Marianne, die ihre Jugend begeistert im dritten Reich verbringt, in ihrer Liebesbeziehung zu ihrem Vorgesetzten schwanger und die Mutter von Monika wird.
Die Zeiten ändern sich erneut - Monika lebt 6 Jahre in der jungen DDR, bevor die Flucht in den Westen gelingt. Ein schwieriger Neustart und keine einfachen Jahre folgen, bevor 1967 Monikas Tochter Miriam geboren wird, Tochter eines nigerianischen Studenten, eine Herausforderung in Bezug auf Akzeptanz für Marianne und Margarethe.
In diesem großartigen Buch wird Zeitgeschichte über etwa 100 Jahre lebendig anhand von vier Frauenleben erzählt - ein lesens- und empfehlenswerter Roman, in den auch Zitate aus den Tagebüchern von Margarethe, Marianne und Monika einfließen.
Rezensionen von fantasia:
Ochsenkopf von Manik Sarkar
Mehr Ochse, denn Unternehmer
Was für ein Buch! Ich habe es geliebt. Schräg, witzig, aber auch nachdenklich stimmend. Wie kommt man nur auf die Idee, über einen Mann zu schreiben, der das Metzgerhandwerk über alles liebt und die Philosophie des Fleischverarbeitens für sich entdeckt hat?
Gut, man hätte sich auch ein Buch über einen Konditor oder Maurer vorstellen können- denn eigentlich geht es darum, über einen Menschen zu schreiben, der perfekt ist in seinem Tun, aber letztendlich in der Welt scheitert, da er das Business nicht beherrscht.
Buchhaltung, Werbung, Kundenkontakt, das ganze Drumherum, das oft wichtiger ist als das eigentliche Geschäft, ist ihm ein Buch mit sieben Siegeln. Introvertiert, wenig Kontakt zur Außenwelt, einzig die Perfektion bei der Ausübung des Handwerks zählt für ihn. Er passt einfach nicht in diese Welt und muss scheitern.
Aber genau diese Fleischer-Ochsenkopf-Mentalität ist dann das Besondere, was sich auch in der Sprache zeigt. “Allen sturen Ochsenköpfen“ ist dieses Buch gewidmet und der Protagonist „breit wie ein Ochse, massige Oberarme (…), vom Sägen und Hacken und Heben: zähe, sehnige Muskelmasse. Einmal hatte er ein Stierkalb eingekauft, in dessen starren Augen er sich selbst wieder erkannte.“ (S.100) „Niemand konnte sich besser in ein Tier hineinversetzen als er, vor allem in die Kuh, unangefochtene Königin des Tierreichs.“ (S.126) - brilliant formuliert und exakt auf das Thema zugeschnitten.
Rezensionen von clematis:
Tanz der Ahornblätter von Sarah Lark
Der weite Weg zu Gold und Glück
Die adelige Vivian lässt sich von der Abenteuerlust des Stallmeisters Ross anstecken und bucht mit dem weit unter ihrem Stand stehenden jungen Mann kurzerhand eine Schiffspassage von England nach Kanada, um ihr Glück auf den verheißungsvollen Goldfeldern zu suchen. Dass der Weg weiter und sehr viel beschwerlicher ist als gedacht, stellt sich natürlich erst auf der Reise heraus.
In zwei großen Handlungssträngen, welche im Laufe der Kapitel zusammengeführt werden, erzählt Sarah Lark auf beeindruckende Weise, wie es den Auswanderern und Abenteurern um 1860 wohl ergangen sein mag. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass einigen Figuren im Buch historisch belegte Personen als Vorbild gedient haben und viele wahre Begebenheiten in die fiktive Handlung miteingeflossen sind. Zudem sind es die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen und die vielen kleinen Details zum Land und zur indigenen Bevölkerung, welche dem Roman seine Lebendigkeit und Authentizität verleihen. Einer – für mich – unvorstellbaren Reise folgt eine aufregende Zeit des Goldschürfens, welche jedoch ernüchternd ist aufgrund des geringen Ertrages und der schwierigen Lebensumstände weitab der gewohnten Zivilisation. Weitere interessante Themen bereichern die Geschichte, seien es Tanz und Theater, Pferde und Wettrennen und natürlich die Beweggründe, welche überhaupt erst den Goldrausch ausgelöst haben.
Epische 600 Seiten, welche die Zeit im Nu verstreichen lassen, begeistern durch bildhafte Beschreibungen, bestens charakterisierte Personen und eingehende Recherche, sodass das Lesen dieses Romans zum wahren Vergnügen wird. Wann folgt Band 2 der Kanada-Dilogie?











