Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Piet1990:
Melken von Sanna Samuelsson
Rau, ungewöhnlich und eindringlich
„Melken“ ist ein Roman, den ich nicht ganz so leicht einordnen kann, wenn ich ehrlich bin. Die Geschichte wirkt roh und direkt, manchmal fast sperrig. Genau das macht dann aber einen großen Teil ihrer Wirkung aus. Statt einer klassischen Handlung steht vor allem das Leben der Figuren und ihr Umfeld im Mittelpunkt.
Der Schreibstil ist reduziert und nüchtern. Vieles bleibt zwischen den Zeilen, was das Lesen für mich stellenweise herausfordernd gemacht hat.
Die Figuren wirken außerdem widersprüchlich, aber dadurch auch irgendwie doch sehr real. Nicht jede Passage hat mich gleich stark in ihren Bann gezogen, trotzdem bleibt das Buch durch seine eigene Tonlage und Perspektive im Gedächtnis.
Fazit:
Ein doch eher eigenwilliger Roman mit rauer Sprache und starken Figuren. Keine leichte Lektüre, aber eine, die durch ihre besondere Atmosphäre lange nachwirkt.
Rezensionen von peppi:
Die Rätsel meines Großvaters von Masateru Konishi
Hat mich nicht überzeugt
Dieser Roman hat mich leider nicht erreicht.
Dazu muss ich sagen, dass ich den ersten Band nicht gelesen habe. Obwohl die Figuren kurz eingeführt werden, konnte ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Auch die Beziehung zwischen Kaede und ihrem Großvater war für mich nicht richtig greifbar.
Die einzelnen Fälle wirkten episodenhaft und wenig fesselnd. Es gab keinen Spannungsbogen, sondern eine Aneinanderreihung von Rätseln, die mich emotional nicht abgeholt haben.
Auch die Darstellung der Demenz fand ich zu weich gezeichnet. Die emotionale Wucht, die Betroffene und Angehörige erreicht wurde dadurch nicht deutlich.
Dennoch fand ich den Schreibstil des Autors angenehm klar und sehr gut lesbar. Gut haben mir auch die Stellen gefallen, an denen der Großvater seine literarischen Bezüge einbringt.
Ich hoffe, dass Fans des ersten Bandes hier mehr entdecken können als ich.
Rezensionen von barbara.liest:
Und alles zerbricht (Paper Hearts 1) von Maxine Reuker
(Selbst)LIebe gesucht
Mila lebt ein herrliches Leben, ein großes Haus direkt am See, ihre beste Freundin Juno lebt gleich im Nachbarhaus, Mama verdient viel Geld, Papa kümmert sich um Haus, Hund und Mila und die Party zum 16. Geburtstag soll mega werden - doch dann kommt alles ganz anders.
Mama will auf der Karriereleiter aufsteigen und dafür ist ein Umzug in die Schweiz geplant.
Mila muss mitkommen, sich von ihrer besten Freundin trennen und sich in einer neuen Schule eingewöhnen. Dies ist sehr schwierig für sie. Sie vermisst Berlin, Juno und ihr altes Haus. Die Mitschüler:innen sind nicht nett zu ihr, nur Linh und Boris freunden sich ein wenig mit ihr an.
Nicht nur Mila ist einsam, auch ihr Papa und er greift immer öfter zur Weinflasche und vergisst darüber hinaus alles rundherum.
Mila tröstet sich mit Essen in Unmengen bis zu dem Tag an dem ihr das Spiegelbild sagt, dass sie zu dick ist. Auf der Suche nach Abnehmtipps stoßt sie im Internet auf Ana - und damit beginnt eine dramatische Abwärtsspirale.
Ein Aufenthalt in der Klinik, die erste große Liebe und ein harter Weg zurück ins Leben warten noch auf Mila.
Ein trauriger und ergreifender Roman über Freundschaften, Liebe und Süchte.
Rezensionen von KersG:
Limerence von H. C. Dolores
Spiel mit dem Feuer
Dieses Buch hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Auf der einen Seite, total spannend und voller Geheimnisse. Auf der anderen Seite fehlen mit hier etwas die Dark-Romance Elemente. Da bewegt es sich eher auf seichtem Gebiet.
Das Cover ist einfach ein echter Hingucker. Es hat direkt meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Klasse finde ich, dass die Story gleich loslegt. Man wird direkt in die Geschichte geworfen und schon auf den ersten Seiten werden wir mit einer Leiche konfrontiert. Und das am Elite-Internat Lionswood Prep. Eine Elite Schule, die nach Außen hin perfekt scheint. Doch was spielt sich hinter den Mauern ab? Ist alles hier doch mehr Schein als Sein?
Poppy, Stipendiatin an der Lionswood, glaubt nicht an einen Unfall. Sie setzt alles daran, die Wahrheit herauszufinden und gerät in einen Strudel aus Geheimnisse und Intrigen. Außerdem werden ihre Gefühle ordentlich durcheinander gewirbelt.
Poppys Gedanken mitzuverfolgen ist einfach klasse! Ihr Sarkasmus aber auch ihre Sichtweise auf die Dinge, die um sie herum geschehen.
Ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. In diese Angst, vor allem in finanzieller Hinsicht, wo sie doch hier an der Schule von Reichtum und Luxus umgeben ist. Aber auch die Angst, ihr Stipendium zu verlieren und zu versagen.
Es werden schwierige Themen angesprochen, die nicht gerade leicht zu verdauen sind.
Der Anfang hat mich total gefesselt. Immer wieder neue Fragen tauchen auf, die die Spannung hoch halten. Leider flacht die Geschichte im letzten Drittel ab und es wurde etwas zäh zu lesen. Auch fehlen mir insgesamt entscheidende Elemente, die für mich eine richtige Dark-Romance ausmachen. Vielleicht kommt hier in Band 2 noch mehr.
Ich bin trotz allem schon sehrt gespannt auf die Fortsetzung.
Rezensionen von Anndlich:
Die Märchenponys, Band 1 - Schneewittchen hat jetzt vier Hufe von Nicole Roling-Brügging; Nadine Schreiber
Schneewittchens gute Tat
Was haben Aschenputtel, Dornröschen, der Froschkönig, Hans im Glück, die Meerjungfrau, Rapunzel und Schneewittchen gemeinsam? Sie alle wurden verzaubert und verbringen ihre Zeit nun als Pony auf dem Reiterhof und dürfen erst zurück, wenn sie alle eine gute Tag vollbracht haben. Auf dem Reiterhof freunden sich die sieben Ponys schnell mit Jonna an und als ihre Freundin Mila Hilfe benötigt, scheint die erste gute Tat in greifbarer Nähe, denn Schneewittchen hat einen Plan.
Schneewittchen hat jetzt vier Hufe ist der erste Teil der Die-Märchenponys-Reihe von Nicole Roling-Brügging und Nadine Schreiber. Das Buch ist durch kurze Kapitel, eine einfache Satzstruktur und kurze Sätze bestens für Leseanfänger geeignet, aber auch zum Vorlesen eignet sich bestens. Der Einstieg fiel hier etwas schwer, weil die entsprechenden Märchenfiguren erstmal aus diesem genommen und in dieses Buch gedacht werden mussten, aber als das gelang kam die Idee großartig an und der Lesespaß stieg ordentlich an.
Die Geschichte ist eher ruhig, was für die Selbstleserin manchmal zu wenig Action war, während die Jüngere die Geschichte genau in dem Tempo sehr gemocht hat und vor allem wenn die Kinder pferdebegeistert sind, werden sie diese märchenhafte Geschichte lieben.
Rezensionen von Anndlich:
Hilda Hasenherz. Das Abenteuer am Drachenfels von Tobias Goldfarb
Auf zum Drachenfels
Zusammen mit ihren Freunden Igromir, Robinius und Eicho macht sich Hilda auf den Weg zum Drachenfels. Denn der Adler hat ihr verraten, dass Baron von Ratzezahn dort zuletzt gesehen wurde und Hilda ist gewillt ihn zu finden, um mehr über ihre verschollenen Eltern herauszufinden.
Das Abenteuer am Drachenfels ist der dritte Hilda-Hasenherz-Band von Tobias Goldfarb.
Das Buch ist durch kurze Kapitel, eine einfache Satzstruktur und kurze Sätze eigentlich bestens für Leseanfänger geeignet, verliert diese Eignung jedoch gegen Ende, weil das Axolotl einen Sprachfehler hat und damit das Lesen erschwert und für vermeidbare Fehler im eigenen Schrifterwerb sorgen könnte. Aber zum Vorlesen eignet es sich wunderbar. Durch die Zeichnungen der Illustratorin Verena Körting wird auch dem Auge ganz viel geboten, denn über das ganze Buch hinweg begleiten uns ihre farbenfrohen und niedlichen Zeichnungen des Hasenabenteuers.
Das Abenteuer bietet eine gute Portion Spannung und die Dialoge sorgen immer wieder für ein Lächeln. Die Freundschaft zwischen den vier Tieren ist unglaublich schön gestaltet und zeigt, was ein festes Band bewirken kann. Hilda Hasenherz wächst während des Abenteuers immer wieder über sich hinaus, zeigt Mut und ist eine wundervolle Protagonistin.
Rezensionen von nil_liest:
Letzter Akt von Andreas Schäfer
Kunst in der Liebe oder liebende Kunst – immer eine Frage der Perspektive
Letzter Akt ist ein stiller, literarisch fein komponierter Roman über Kunst, Erinnerung und die Wege, auf denen wir versuchen, Frieden mit unserer Vergangenheit zu schließen.
Manchmal genügt ein einziger Blick – und etwas, das lange im Verborgenen lag, meldet sich plötzlich wieder. Genau um diesen Moment kreist der leise, intensive Roman Letzter Akt von Andreas Schäfer.
Im Zentrum steht Dora, eine erfolgreiche Schauspielerin Anfang vierzig. Seit vielen Jahren lebt sie in London und hat sich dort eine beeindruckende Karriere aufgebaut. Auf der Bühne kennt sie jede Rolle, jede Maske, jede Möglichkeit, sich zu verwandeln. Doch außerhalb des Rampenlichts ist ihr Leben komplizierter: eine Mutter in Frankfurt, die nie ganz loslässt, eine Agentin mit neuen Plänen – und eine Vergangenheit, die sie längst hinter sich gelassen glaubte.
Nach einer Premiere im Jahr 2005 begegnet Dora dem Maler Victor. Er scheint in einer völlig anderen Welt zu leben – fern von Ruhm, Erwartungen und öffentlicher Aufmerksamkeit. Vor allem aber kennt er sie nicht. Für Dora ist das eine unerwartete Freiheit. Zwischen den beiden entsteht eine vorsichtige Nähe, geprägt von Zurückhaltung und Neugier.
Schließlich bittet Dora ihn, sie zu porträtieren. Was folgt, sind lange Sitzungen im Atelier, in denen Victor immer wieder ansetzt, verwirft, neu beginnt. Fast wirkt es, als suche er nach einer Wahrheit, die sich nicht so leicht festhalten lässt. Als Dora das fertige Bild schließlich sieht, wird klar: Dieses Porträt zeigt mehr als nur ihr Gesicht.
Es bringt Erinnerungen zurück – an ihre Jugend in Frankfurt in den frühen 1980er-Jahren, an Entscheidungen, Schuldgefühle und Ereignisse, die sie über Jahrzehnte verdrängt hat. Plötzlich sind sie wieder da, diese inneren Geister der Vergangenheit. Nicht laut oder spektakulär, sondern als leise Stimmen, die danach verlangen, gesehen zu werden. Und vielleicht auch danach, dass man ihnen irgendwann verzeiht.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert und bewegt sich zwischen verschiedenen Zeiten. Diese Struktur fühlt sich an wie ein vorsichtiges Freilegen von Schichten: Vergangenheit und Gegenwart schieben sich übereinander, bis langsam sichtbar wird, was Dora so lange verborgen gehalten hat.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Stil von Andreas Schäfer. Seine Sprache ist ruhig, präzise und beinahe poetisch. Die Geschichte entfaltet sich langsam, ohne große dramatische Gesten – und gerade dadurch gewinnt sie an Intensität. Viel passiert zwischen den Zeilen: in Blicken, in Erinnerungsfragmenten, in kleinen Verschiebungen zwischen den Figuren.
Besonders stark ist auch die Verbindung zwischen Kunst und Leben. Während Dora als Schauspielerin gewohnt ist, sich hinter Rollen zu verstecken, versucht Victor in seinem Bild etwas Unverstelltes sichtbar zu machen. Dieses Spannungsfeld trägt den ganzen Roman: Wie lange kann man eine Rolle spielen, bevor einen die eigene Geschichte wieder einholt?
Am Ende geht es weniger um Enthüllungen als um etwas sehr Menschliches: um Schuld, um das Anerkennen dessen, was war – und um die schwierige Möglichkeit von Vergebung. Denn manchmal muss man den eigenen inneren Gespenstern erst begegnen, bevor endlich Ruhe einkehren kann.
Rezensionen von nil_liest:
Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen
Kann Liebe mit 65 noch einmal ganz von vorne beginnen?
Man sitzt mit Erika in diesem Restaurant in Triest – letzter Abend im Urlaub, warmes Licht, vielleicht ein Glas Wein auf dem Tisch. Und dann sagt Jan diesen einen Satz, der alles verschiebt. Ab da fühlt sich dieser Roman an wie ein inneres Beben, das nicht mehr aufhört.
In Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen geht es nicht um eine klassische Affärenstory.
Eigentlich geht es um etwas viel Intimeres: um Fragen, die man sich stellt, wenn ein langes gemeinsames Leben plötzlich Risse bekommt – und wenn der eigene Körper, die Zeit und die Liebe sich verändern.
Erika und Jan sind seit Jahrzehnten ein Paar. Sie haben gemeinsam gelebt, gestritten, geliebt, einen Sohn großgezogen. Doch körperliche Nähe gibt es schon lange nicht mehr – zumindest nicht zwischen ihnen. Während Erika sich immer noch nach Berührung und Sinnlichkeit sehnt, gesteht Jan, dass er seit längerer Zeit eine Beziehung zu einer jüngeren Frau hat. Und plötzlich steht Erika auf der anderen Seite der Geschichte: dort, wo Schmerz, Wut und eine ganze Flut von Fragen warten.
Was diesen Roman so besonders macht, ist der Blick nach innen. Die Geschichte wird komplett aus Erikas Perspektive erzählt – und man ist wirklich in ihrem Kopf. Ihre Gedanken springen, zweifeln, erinnern sich, drehen sich im Kreis, gehen zurück zum Anfang der Beziehung, zu ihrem eigenen Seitensprung vor vielen Jahren, zu all dem, was zwischen ihnen passiert ist. Das Buch fühlt sich dadurch weniger wie ein klassischer Roman an, sondern eher wie ein ehrliches Nachdenken über Liebe, Verletzung, Alter und Selbstwert.
Der Schreibstil ist dabei erstaunlich offen und direkt. Mühleisen scheut sich nicht, über Sexualität, Körperlichkeit und Begehren im Alter zu schreiben – und das manchmal sogar mit einer leichten, fast humorvollen Note. Gerade diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und trockenem Witz macht den Text lebendig. Es gibt Stellen, die sehr schonungslos sind, besonders wenn Erika sich vorstellt, wie Jan mit der anderen Frau intim war. Und dann wieder Passagen, in denen man schmunzeln muss, weil die Beobachtungen so klug und menschlich sind.
Sprachlich ist der Roman ruhig, aber emotional dicht. Die relativ kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man immer weiterliest – fast wie bei einem Gedankenstrom, der nicht abbrechen will. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich schnell durch die knapp 200 Seiten geflogen. Es ist kein großes, dramatisches Erzählen, sondern eher ein feines, genaues Sezieren einer Beziehung.
Und trotzdem: leicht ist dieses Buch nicht. Es stellt unangenehme Fragen. Zum Beispiel: Was bleibt von einer Beziehung nach Jahrzehnten? Und wer bin ich noch, wenn der Mensch, der mich lange begleitet hat, plötzlich woanders hinschaut? Besonders berührend fand ich, wie stark hier auch das Thema Alter mitschwingt – diese leise Angst, vielleicht nicht mehr begehrenswert zu sein, und gleichzeitig der Wunsch nach Nähe, der überhaupt nicht verschwunden ist.
Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass viele Menschen sich in Erika wiederfinden könnten – nicht unbedingt in der gleichen Situation, aber in diesen Gedanken über Liebe, Zweifel und Lebenswege. Es ist kein Roman, der große Lösungen präsentiert. Eher einer, der Raum gibt zum Nachdenken.
Für mich war das eine kluge, ehrliche und überraschend unterhaltsame Lektüre über Beziehungen jenseits der typischen Liebesroman-Klischees. Vielleicht kein Buch, das komplett neue Erkenntnisse liefert – aber eines, das einen sehr still und nachhaltig zum eigenen Leben zurückschauen lässt. Und manchmal ist genau das ja das Wertvollste.
Rezensionen von nil_liest:
Unser Haus mit Rutsche von Safia Al Bagdadi
Chanel Nº5 und Tigris-Träumen
Es gibt Familien, die wirken wie ein Roman – und dann gibt es Familien, die so schillernd sind, dass selbst ein Roman kaum mit ihnen mithalten kann. Genau so eine Familie steht im Zentrum von Unser Haus mit Rutsche von Safia Al Bagdadi.
Layla wächst in Saarbrücken zwischen zwei Welten auf: Ihr Vater, ein irakischer Visionär mit unerschöpflichem Charme und ständig neuen – meist grandios scheiternden – Geschäftsideen, verspricht seiner Familie eine Zukunft voller Glanz.
Vielleicht ein Umzug nach New York. Vielleicht ein Haus mit Rutsche direkt in den Tigris. Vielleicht alles auf einmal. Ihre französische Mutter dagegen stammt aus einer vornehmen bürgerlichen Familie, rebelliert gegen deren Konventionen – und bleibt ihnen doch auf elegante Weise verbunden. Zwischen diesen beiden Polen erlebt Layla eine Kindheit, die gleichermaßen chaotisch, fantasievoll und wunderbar leicht wirkt.
Besonders stark ist der Roman dort, wo er diese frühen Jahre einfängt. Die Erinnerungen an Wohnzimmerabenteuer, an absurde Familienmomente oder an festliche, zugleich spannungsgeladene Besuche bei den Großeltern sind voller Wärme, Humor und genauer Beobachtung. Man spürt beim Lesen, wie diese Kindheit zugleich magisch und brüchig ist.
Doch der Ton verändert sich, als Anfang der 1990er-Jahre der Golfkrieg ausbricht. Die politischen Ereignisse greifen plötzlich direkt in das Leben der Familie ein. Der Vater, zuvor Mittelpunkt und Träumer, verliert zunehmend Halt. Aus großen Visionen werden unerfüllte Versprechen, aus dem schillernden Liebespaar der Eltern ein konfliktreiches Gespann. Für Layla bedeutet das nicht nur den Verlust von Sicherheit, sondern auch den Beginn einer langen Suche nach sich selbst.
Erzählerisch gelingt Safia Al Bagdadi etwas Besonderes: Ihr Stil wirkt leicht, fast verspielt, während er gleichzeitig sehr präzise von Melancholie, Identitätsfragen und familiären Spannungen erzählt. Die Sprache fließt mühelos, voller feiner Ironie und lebendiger Dialoge. Man liest schnell, weil alles so selbstverständlich wirkt – und merkt erst im Nachhinein, wie viele komplexe Themen hier berührt werden: Migration, Zugehörigkeit, familiäre Rollenbilder und die Frage, wo man eigentlich zuhause ist.
Auch die Figuren bleiben im Gedächtnis. Der Vater als charismatischer Träumer, der an seinen eigenen Versprechen scheitert. Die Mutter, stark und kontrolliert, aber ebenfalls voller innerer Widersprüche. Und Layla selbst, die als Erwachsene mit Selbstzweifeln, Melancholie und dem Gefühl kämpft, nie wirklich angekommen zu sein. Besonders interessant ist dabei der Blick zurück aus der Perspektive der erwachsenen Layla, die in Therapiesitzungen versucht zu verstehen, wie sehr ihre Kindheit sie geprägt hat.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für mich das Ende, das relativ knapp ausfällt. Nach all den emotionalen Entwicklungen hätte ich mir gewünscht, noch etwas länger in dieser Geschichte zu verweilen und die offenen Fäden ausführlicher nachklingen zu lassen.
Trotzdem bleibt Unser Haus mit Rutsche ein eindrucksvoller, kluger und oft überraschend humorvoller Roman über eine Kindheit zwischen Kulturen, über große Versprechen und über die Frage, wie sehr unsere Familiengeschichten uns ein Leben lang begleiten.
Rezensionen von Goejos:
39 Grad Mord von Jenny Lund Madsen
Probleme
Hannah Krause-Bendix, Schriftstellerin, ist mit ihrem versprochenen Buch im Rückstand, das heißt, sie hat noch gar nicht angefangen damit. Außerdem hat sie Liebesprobleme. Eine verheiratete Frau mit zwei Kindern, das ist etwas problematisch. Ihr Lektor schickt sie daher kurzentschlossen nach Sizilien in ein wunderschönes Haus.
Hier soll sie die Ideen für ihr neues Buch finden. Aber sie findet ganz was Anderes. Eines Morgens liegt im Haus einer neuen Bekanntschaft die Hausherrin tot am Boden und der Hausherr ist verschwunden. Und nun beginnen die echten Probleme. Die Polizei hält sie und den verschwundenen Mann für die Tatverdächtigen. Hannah wert sich mit allen Mitteln. Sie versucht ihre Unschuld zu beweisen, verstrickt sich aber immer mehr in den Fall. Außerdem weckt sie unbekannte Gegner, sodass auch ihr Leben in Gefahr gerät. Dann taucht auch noch ein "befreundeter" Schriftsteller auf, welcher sich als der Hauseigentümer ausgibt. Zusammen steuern sie auf ein mehr als gefährliches Finale zu. Abwechslungsreicher und genial geschriebenes Stück. Flüssig zu lesen, Spannung wird bis zum Ende hochgehalten. Nur zu empfehlen.











