Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Booknaerrisch:
Oxen. Das erste Opfer von Jensen Jens Henrik
ein solider Reiheneinstieg, der neugierig auf die Fortsetzung macht
Zitate:
"Er wollte in sich selbst versinken, immer tiefer und tiefer - und unsichtbar werden ..." Seite 16
"Zufrieden betrachtete er den toten Hund in der Gewissheit, dass man, was einem einmal in Fleisch und Blut übergegangen war, niemals verlernte." Seite 19
"Sein Plan A war fertig.
Es war ein schlichter Plan, der aus brutaler Gewalt bestand." Seite 184
Meinung:
Während Oxen versucht, sein neues Leben als Aussteiger aufzubauen, geschehen andernorts mehrere Morde. Irgendjemand tötet zuerst deren Hunde und anschließend die Opfer, die alle öffentliche, einflussreiche und mächtige Personen sind. Und Oxen, der eigentlich nichts sehnlicher will, als seine Ruhe im Wald zu finden, findet sich -bevor er sich versieht- im Fadenkreuz der Ermittlungen wieder! Und möglicherweise nicht nur in deren.
Schon der Beginn der Geschichte verursachte bei mir ein beklemmendes Gefühl, da der Autor das erste Kapitel mit einem erhängten Hund beginnen lässt. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber da hatte ich schon eine Gänsehaut ;) Auch im weiteren Verlauf versucht er Spannung und Atmosphäre nicht abklingen zu lassen. Dazu greift er auf einige altbewährte Mittel zurück. Natürlich -zumindest bei mir sehr beliebt- sind die Kapitel weitestgehend kurz gehalten und jeweils im Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven. Ob Oxen, Opfer, Ermittler... Wir bekommen immer wieder ein paar Seiten einer anderen Sicht, was natürlich den Spannungsbogen über die Geschichte hinweg aufrecht hält.
Auch wird der Leser nur langsam mit Infos versorgt. Zum Beispiel die Geschichte, wer Oxen eigentlich ist und wie er zu dem wurde, was er heute darstellt. Aber auch andere Handlungsstränge werden erst nach und nach klarer - so bleibt die Geschichte interessant.
Einzig die Tatsache, dass mir der Autor stellenweise etwas zu viele Details wie Personenvorgeschichten, Umgebungs- und Objektbeschreibungen einfließen lässt, würde ich mir im nächsten Teil anders wünschen. Sie waren zwar nicht ausufernd, stellen für mich somit keinen gravierenden Makel dar, haben der Geschichte aber auch nichts gebracht.
Ca. ab der Hälfte des Buches werden diese jedoch weniger und auch die Story nimmt merklich Fahrt auf. Ab diesem Punkt wird sie immer rasanter und atemloser, so hätte mir das von Anfang gefallen. Vermutlich dienten diese Details in erster Linie dazu, die Charaktere für die Trilogie zu setzen, von daher kann ich es natürlich auch wieder verstehen ;)
Richtig gut hat mir die Darstellung von Oxen gefallen. Einst ein hochdekorierter Elitesoldat mit vielen Auszeichnungen, heute ein Einzelgänger mit Vorstrafen sowie regelmäßigem Alkohol- und Drogenkonsum, der durch ein posttraumatisches Belastungssyndrom stellenweise zu einer tickenden Zeitbombe mutiert ist. Er kommt nicht mit Menschen klar, liebt Einsamkeit und Ruhe. Eigentlich verständlich, wenn man ein Aggressionsproblem hat und von Geistern der Vergangenheit getrieben wird, oder? Dieses Bild lässt ihn theoretisch zu einem kleinen Antihelden mutieren, aber seine Probleme sind zu gut nachvollziehbar und die Faszination seinen Charakter betreffend ist zu groß, als dass ich mich hätte von ihm abwenden können.
Alles in Allem hat Jens Henrik Jensen es geschafft, einen soliden Reiheneinstieg zu gestalten, den ich als gelungene Basis empfinde und der neugierig auf mehr macht!
Rezensionen von SLovesBooks:
Amrita. Am Ende beginnt der Anfang von Khorana Aditi
Neue Idee
Meine Meinung:
Neben dem extravaganten Cover gibt es aber auch eine tolle Geschichte, die es zu entdecken gibt. Meine Erwartung war, dass es eine Fantasygeschichte wird, die mit arabischen und persischen vielleicht indischen Elementen spielt und auch eine schöne Love Story vermittelt. Und genau das habe ich auch bekommen.
In letzter Zeit ist dieser Kulturkreis mit ?Zorn und Morgenröte? für die Jugensbuchszene sehr interessant geworden. Es gibt mittlerweile immer mehr Bücher, die darüber erzählen und sich am alten Kulturgut von 1001 Nacht orientieren. So ist es auch bei dieser Geschichte. Jedoch muss man klar sagen, dass es eine neue und eigene Geschichte ist, die Aditi Khorana hier erzählt.
Thematisch geht es viel um das Schicksal und seine Auswirkungen. Selbstverständlich kommt auch eine wichtige aber nicht zu ausladende Liebesgeschichte vor. Mir hat es sehr gefallen Amrita auf ihrer Reise zu begleiten. Sie hat schwierige Entscheidungen zu treffen, nicht nur was ihr Schicksal angeht, sondern auch das von vielen anderen. Die Geschichte startet sehr stark. Ich habe mich schnell in die Umgebung eingefunden, was nicht zuletzt daran lag, dass die Beschreibungen so gut funktioniert haben, da Aditi Khorana einen sehr bildlichen Schreibstil hat. Im Mittelteil hatte ich kurzzeitig das Gefühl ein wenig in der Handlung stecken zu bleiben, bis es dann fulminant weiter ging und auf ein wirklich gelungenes Finale hinarbeitete, welches durch eine mehr als unerwarteten Wendung eingeläutet wurde. Das Bauch war somit überwiegend spannend. Gerade am Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, welches Schicksal die Handlung nimmt.
Die Charaktere haben mir gut gefallen. Gerade Amrita konnte ich sehr gut fassen. Sie war mir von Anfang unsympathisch. Ich mag ihre Art. Über die Geschichte hinweg macht sie eine beeindruckende Entwicklung durch und gewinnt an Stärke und Selbstbewusstsein. Dabei bleibt sie aber stets authentisch. Auch kann ich ihre Handlungsweise nachvollziehen. Thala ist aber leider ein wenig zu stark im Hintergrund geblieben. Ich finde sie interessant und auch ihre Aufgabe beziehungsweise Rolle im Buch, aber gegenüber Amrita hat sie mir zu wenig Beachtung gefunden. Ich hätte auch die Beziehung zwischen ihr und Amrita gerne etwas weiter aufgebaut gesehen. Die Charaktertiefe hätte ich insgesamt gerne noch ein wenig ausgebauter erleben wollen, aber trotzdem sind es gut gezeichnete Charaktere, die in ihrer Struktur und in ihren Beziehungen einfach noch ein wenig Entwicklung gebrauchen könnten (vielleicht ja in einer Fortsetzung?).
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ließ sich flott lesen. Die Beschreibungen haben eine ganz andere Welt vor meinem geistigen Auge entstehen lassen. Aditi Khoranas Schreibstil ist präzise und fantasievoll. Ich mag ihre Art zu schrieben sehr.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Handlung ist zwar recht abgeschlossen, aber trotzdem hätte ich nichts gegen eine Fortsetzung auszusetzen. Ein Jugendbuch, dessen Geschichte mich gepackt, überzeugt und begeistert hat. Es ist eine neue Idee, die viel Frische und Innovation mit sich bringt.
Rezensionen von Janine2610:
Die einzige Wahrheit von Jodi Picoult
Gibt es immer nur DIE EINE Wahrheit?
Oder kann es nicht auch sein, dass jeder seine eigene gültige Wahrheit hat, geprägt durch die subjektive Wahrnehmung? - Genau diese Frage stellt in Jodi Picoults »Die einzige Wahrheit« das Zentralthema dar.
Die Autorin hat sich für diese Thematik ein ganz besonderes Setting mit Buchfiguren, von denen man wahrscheinlich noch nicht so viel gelesen oder gehört hat, ausgedacht.
Es geht um eine Amisch-Farm im US-Bundesstaat Pennsylvania, in der die junge unverheiratete Katie ein Baby zur Welt gebracht und es getötet haben soll. In weiterer Folge taucht dann noch Ellie, eine erfolgreiche Anwältin, auf, um für Katie die Verteidigung zu übernehmen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dieser Fall ist insofern bemerkenswert, weil Amische unter den "Englischen" eine ganz besondere Stellung einnehmen: Sie gelten sozusagen als heilig. Niemand würde annehmen, dass jemand aus dieser Gemeinde zu so einer Straftat fähig wäre, insbesondere keine so unschuldig wirkende 18-Jährige wie Katie.
~ Ihre Gemeinde lebte unauffällig inmitten der normalen Welt, wie eine kleine Luftblase, unberührt von allem anderen. ~
(S. 14)
Allein diese Umstände haben mich schon wahnsinnig neugierig auf den Verlauf der Geschichte gemacht!
Begonnen hat das Ganze schon sehr spannend: Man erlebt mit Katie die Geburt ihres Babys mit und erfährt ebenso ihre anschließende Bewusstlosigkeit. Nach ihrem Erwachen ist das Baby verschwunden ...
Was ist in der Zwischenzeit passiert? Hat Katie dissoziiert? Hat sie sich das alles nur eingebildet? Wurden ihre Gebete erhört und hat Gott alles wieder in Ordnung gebracht?
~ Man sieht nur das, was man sehen will. ~
(S. 344)
Für mich war es anfangs sehr schwer, mich in Katie hineinzuversetzen, da mir die amische Lebensweise ja völlig fremd ist. Bevor ich mir nicht den Wikipedia-Artikel über diese Leute durchgelesen habe, ist mir das also ziemlich schwer gefallen. Die 18-jährige Katie kam mir lange so vor wie ein kleines naives Mädchen, das unglaublicherweise das absolut Offensichtliche leugnet - und das trotz all der erdrückenden Beweise. Dazu dachte ich mir erst: Ignoranz in seinem vollen Ausmaß! - Das kann doch nur dazu führen, dass all die Leute glauben werden, sie sei psychisch nicht ganz auf der Höhe. Oder nicht?
~ Wenn man sich an etwas nicht erinnerte, lag das daran, dass es nie passiert war? Oder daran, dass man sich wünschte, es wäre nie passiert? ~
(S. 238)
Erst später, im weiteren Verlauf, konnte ich Verständnis für die junge Frau entwickeln. Ich fand die Entwicklung, Aufklärung und schlussendlich auch die Lösung echt gut durchdacht und schlüssig sowieso. Picoult hat es hier, im Gegensatz zu ein paar ihrer anderen Werke, echt geschafft, die Spannung dauerhaft hoch zu halten und immer wieder neue Fragezeichen bei mir entstehen zu lassen.
Besonders interessiert hat mich die Sprache der Amischen, die teilweise immer wieder in die Gespräche mit eingeflossen ist. Die Amischen reden kein reines Englisch, es ist eher so eine Mischung aus Deutsch und Englisch und nennt sich Deitsch.
Was ich am Anfang als schwierig empfunden habe, war, mir so viele Namen merken zu müssen, denn man wird in meinen Augen zu Beginn regelrecht erschlagen davon und läuft deswegen Gefahr, Buchfiguren zu verwechseln.
~ Wenn du einen Fehler machst und bereust, wird dir vergeben. Du wirst mit offenen Armen wieder aufgenommen. Wenn du lügst und immer weiter lügst, gibt es keinen Platz mehr für dich. ~
(S. 272)
Alles in allem bin ich aber hochzufrieden mit der Geschichte gewesen. Die brisante Thematik und die für mich ganz neuen Informationen über die Amisch-Gemeinde haben mich gut beschäftigt und unterhalten. Meiner Meinung nach also definitiv eine Empfehlung wert!
Rezensionen von EdVanSchleck:
Oxen. Das erste Opfer von Jensen Jens Henrik
Packender Trilogiestart
Handlung:
Der ehemalige Elitesoldat Nils Oxen, ist der renommierteste und höchst ausgezeichnetste Soldat Dänemarks. Er wurde zu zahlreichen Einsätzen, in den verschiedenen Krisengebien gesendet und verdiente sich dort aufgrund seiner Taten jede erdenkliche Ehrung und Auszeichnung, die Dänemark zu bieten hat.
Doch der Krieg hat Oxen schwer zugesetzt. Gebeutelt von seiner posttraumatischen Belastungsstörung wird er immer wieder von seinen ?inneren Dämonen? heimgesucht. So kommt es, dass Oxen auf der Suche nach Ruhe und Frieden zu einem Aussteiger wird. Abgekapselt von der Gesellschaft verschlägt es ihn und seinen treuen Begleiter ? ?Mr. White? ? in ein Waldstück nahe des Schlosses Norlund. Auf einem nächtlichen Erkundungstrip zum Schloss findet er dort neben diversem Wachpersonal und Videoüberwachung auch einen erhängten Hund vor. Schnell zieht sich Oxen wieder in den Wald zurück, denn er möchte nichts von den seltsamen Vorgängen auf Schloss Norlund zu tun haben. Allerdings stirbt noch am selben Abend der Schlossbesitzer und so dauert es auch nicht lange, bis Oxen ins Visier der nachfolgenden Ermittlungen gerät. Um sein Unschuld zu beweisen bleibt ihm nichts anderes übrig, als ein inoffizieller Ermittler, gemeinsam mit der Geheimdienstmitarbeiterin Magarethe Frank in diesem Fall zu ermitteln. Bald stellen die beiden Fest, dass es sich nicht nur um einen toten Diplomaten handelt, sondern dass der Fall viel größere Ausmaße besitzt als es zunächst scheint und auch ihre Ermittlungen bringen sie schon sehr bald in Lebensgefahr.
Persönliche Meinung:
Gerade am Anfang geschehen viele spannende Ereignisse, die allerdings noch nicht richtig zugeordnet werden können und auch als beschrieben wurde, wie Oxen derzeit lebt und durch dunkle Gassen und Wälder streunt, hatte ich noch überhaupt keine Vorstellung, wie die Geschehnisse miteinander verknüpft sein könnten und wohin mich die Reise führen würde. Dennoch Spannung kommt in diesem Thriller definitiv nicht zu kurz. Durch actionreiche Ereignisse aber auch überraschende bzw. neue Ermittlungsergebnisse wird die Spannung stets aufrechterhalten. Oxen ist ein tiefgründiger Hauptcharakter mit vielen Facetten, der aufgrund seiner militärischen Vergangenheit perfekt auf die Rolle des ?unkonventionellen? Ermittlers passt. Magarethe Frank, die gewisse Parallelen zu Oxen aufweist und immer wieder versucht Oxens verworrene Vergangenheit zu entschlüsseln, ist eine kluge, zuverlässige Geheimdienstmitarbeiterin und so bilden die beiden ein sehr gutes Ermittlerduo, welches sich auf clevere Art und Weise Stück für Stück durch den komplexen Fall hangelt. Das ständige doppelte Spiel und die Unwissenheit wem die beiden Trauen können und wem nicht, sorgt für reichlich Nervenkitzel.
Der Schreibstil ist detailliert, spannend und fesselnd. Anfänglich waren die vielen Dänischen (Orts-) Namen noch ein wenig gewöhnungsbedürftig zu lesen aber auch das gab sich binnen weniger Seiten.
Fazit:
Leider scheint der Anfang etwas wirr, aber schon nach kurzer Zeit baut sich viel Spannung auf, die das Lesepublikum in ihren Bann zieht und den etwas holprigen Start sofort vergessen lässt. Durch den ständig gespannten Spannungsbogen möchte man immer sofort wissen, wie denn die Geschichte weitergeht und es fällt direkt schwer das Buch aus der Hand zu legen. Die Charaktere passen hervorragend zu dem Szenario und besitzen viel Tiefgang. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen der sich für gute Thriller, sowie spannende und actionreiche Ermittlungen begeistern kann. Dieser wirklich gelungene Auftakt der Oxen-Trilogie macht Lust auf mehr und weckt so Vorfreude auf die nachfolgenden Bücher.
Rezensionen von Gaby 2707:
Oxen. Das erste Opfer von Jensen Jens Henrik
Aufklärung nach 20 Jahren
22. Juli 1997, Badestrand von Süddorf auf Amrum ? nach einem nächtlichen Bad im Meer wird die hübsche, lebenslustige Nina Asmus tot aus dem Wasser gezogen. Für die Polizei war es ein Unfall, an den ihre Mutter Tela und ihre Freundin Eske aber nicht glauben wollen.
Genau an ihrem 20. Todestag findet Frederik Christians, der damals die leblose Nina gefunden hatte, genau an der Stelle jetzt eine Flaschenpost ? ich habe gemordet ? ich werde es wieder tun.
Und der Mörder wartet nicht lange, bis er seine Drohung wahr macht.
Hauptkommissar Kuno Knudsen und Hauptkommissar Arne Zander nehmen die Spuren von damals wieder auf und die Jagd nach dem Mörder beginnt.
Kuno Knutsen hat aber auch noch ein privates Problem: sein Bruder Okko, zu dem er jahrelang keinen Kontakt hatte und der nicht viel vom arbeiten hält, muss seine Wohnung auf dem Festland räumen und hat sich an ihn erinnert. Als erstes darf Okko nun den Dachboden aufräumen, denn hier wird er die nächste Zeit leben.
Nach "Der Pfauenmord" und "Jaspers letzte Fahrt" ist dies der 3. Fall für die Kripo Wattenmeer. Ich hatte mich schon richtig auf das Wiedersehen mit Kuno und Arne gefreut. Sie sind ein tolles Team, wie ich finde. Und auch wer die ersten beiden Fälle nicht mit ermittelt hat, findet sich leicht im beschaulichen Amrum zurecht.
Besonders gut gefällt mir auch hier wieder der Lokalkolorit. Bei den Dialogen habe ich den norddeutschen Klang in den Ohren, immer wieder wird Tee getrunken und ich begleite nicht nur die Hauptkommissare auf ihren Wegen auf der Insel, bei einer Überfahrt nach Föhr und genieße mit ihnen den Blick auf die Halligen, das Wattenmeer und die Wattwiesen. Urlaubsfeeling macht sich breit und in mir das Gefühl auch diese Insel einmal besuchen zu wollen.
Ulrike Busch hat einen sehr leichten, flüssigen Schreib- und Erzählstil. Damit zieht sie mich sofort in die Geschichte hinein. Wie ich es mir bei den Insulanern vorstelle, gehen die Ermittlungen langsam und ruhig voran, obwohl man den Ermittlern die Anspannung schon anmerkt. Sie stoßen auf ein Meer von Gedächtnislücken, werden mit Volltrunkenheit an dem besagten Abend abgespeist und auch die Alibis halten nicht immer stand.
Ich finde es spannend, nicht nur einen Kriminalfall zu lösen, sondern auch die Entwicklung der Protagonisten mitverfolgen zu können. Da Nina Asmus sich, wie auf so engen Raum der Insel wohl üblich, in einer Clique bewegt hat, gibt es auch dementsprechend viele Verdächtige. Hier und da hatte ich einen Verdacht, der sich dann anhand von Indizien wieder zerstreut hat. Bis zur endgültigen Auflösung konnte ich auch hier wieder sehr gut miträtseln.
Man muss kein Nordseefan sein um mit diesem Amrum-Krimi ein paar interessante Lesestunden zu verbringen. Aber die Spannung, die Beschreibung von Land und Leuten und die Dialoge haben mich z.B. dazu gemacht.
Rezensionen von Krimine:
Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst. von Hawkins Paula
Ein eigenwilliger und emotional ansprechender Thriller mit einigen Mankos
Helena Petrier ist in der Wildnis groß geworden. Als Tochter eines Mannes, der im Moor zu Hause war, hat sie es gelernt, aus wild wachsenden Pflanzen Nahrung herzustellen. Auch das Lesen von Fährten und das Jagen großer Tiere ist ihr ins Blut übergegangen. Deshalb ist sie es auch, die auf die Suche nach ihrem Vater geht, als dieser aus dem Hochsicherheitsgefängnis entfliehen kann.
Denn dort hat er die letzten 15 Jahre verbracht, weil er ihre Mutter als junges Mädchen entführt und wie eine Gefangene gehalten hat. Erst Helena ist es gelungen, seine frevlerische Tat aufzudecken und nun fürchtet sie, dass er an ihr und ihrer Familie Rache nehmen will.
"Die Moortochter" ist ein düsterer Psychothriller, in dessen Mittelpunkt die zweifache Mutter Helena Petrier steht und ihr Leben als Tochter eines Psychopathen. So wundert es auch nicht, dass sie als Icherzähler fungiert und vor allem ihr Werdegang unter Einbeziehung von Gefühlen und Gedanken sowie die Suche nach dem entflohenen Vater die Handlung bestimmt. Dabei erlebt der Leser zum einen die gegenwärtigen Ereignisse mit, in denen Helena trotz bestehender Furcht versucht, den Vater aufzuspüren. Zum anderen taucht er tief in ihre Vergangenheit ein und erfährt, wie es ist, ein einsames Leben in der Wildnis zu führen. Wobei die Beschreibungen über ihre Kindheit einen wesentlich größeren Raum einnehmen, als die dramatischen Vorkommnisse in der Gegenwart, was angesichts der unerwartet verlaufenden Entwicklung vor allem zum Ende des Buches hin schade ist.
Karen Dionne erzählt sehr lebendig und weiß, worüber sie schreibt. Schließlich lebte sie selbst gemeinsam mit Mann und Tochter in der Wildnis der Upper Peninsula, einer Halbinsel oberhalb von Michigan. Ihre dortigen Erlebnisse und Erfahrungen fließen in den Thriller ein, wobei vor allem die Beschreibungen des Moors und der in ihr zu findenden Fauna und Flora manchmal etwas zu detailreich geraten sind. Dadurch kommt die Handlung immer wieder einmal ins Stocken, was aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass es sehr umfangreiche Einblicke in frühere Erlebnisse gibt. Trotzdem weiß der Thriller vor allem auf emotionaler Ebene zu bewegen und zeigt deutlich die in ihm thematisierten menschlichen Abgründe auf.
Fazit:
"Die Moortochter" ist ein eigenwilliger Thriller, der trotz einiger Mankos vor allem durch seine glaubwürdige und emotional ansprechende Darstellung gut unterhält.
Rezensionen von yellowdog:
Das Schicksal der Sterne von Daniel Höra
Parallelen
Das Schicksal der Sterne ist ein Jugendroman, indem sich die Wege eines Jungen und eines Alten kreuzen. Adhib aus Afghanistan erlebte die Ermordung seines Vaters durch die Taliban mit und musste flüchten. In Deutschland trifft er Karl, der einst als Kind den zweiten Weltkrieg miterlebte und aus Schlesien flüchten musste.
Neben dem zeitgenössischen Plot gibt es immer wieder ergreifende Rückblicke, die den Leser emotional anspricht. Der Roman profitiert von den Details der berichteten Widrigkeiten bei der Flucht die sowohl damals wie auch heute sehr hart und gefährlich waren. Der Autor zeigt überraschende Parallelen auf.
Eine ähnliche Konstellation mit Alt und Jung gab es in Peter Härtlings letzten Jugendroman Djadi, Flüchtlingsjunge.
Daniel Höra schreibt aber einen anderen Stil und lässt die beiden Parteien gleichberechtigt zu Wort kommen. Das ist überzeugend und führt zum gelingen des nicht einfachen Stoffes.
Das der Roman trotz so einiger geschildeter Härten nicht düster wird, liegt am Wortwitz, der sich z.B. in den Dialogen zwischen Karl und Mildred entwickelt und an Adhibs positiver Lebenseinstellung. Dabei gaben sie es auch nach ihrer Flucht in der neuen Heimat nicht leicht. Immerhin profitieren sie von ihrer Freundschaft zueinander.
Viele der Beschreibungen halte ich für sehr glaubhaft und nachvollziehbar.
Das Schicksal der Sterne ist ein Roman der bewegt und dem ich viele Leser wünsche.
Rezensionen von cosmea:
Die Lieferantin von Zoë Beck
Die Lieferantin liefert nicht mehr
In Zoë Becks neuem Roman "Die Lieferantin" geht es um Drogengeschäfte in England. Die Handlung ist leicht in die Zukunft nach dem Brexit verlegt, Drohnen sind allerdings auch jetzt schon in vielfältiger Weise im Einsatz.
Ellie Johnson war eine sehr erfolgreiche Drogendealerin, bei der man über ihre App Drogen in hervorragender Qualität bestellen konnte, die dann mit Hilfe von Drohnen ausgeliefert wurden, ohne dass irgendjemand die Spur zu ihr zurückverfolgen konnte.
Doch dann wird ihr Kontaktmann von drei Drogenbossen umgebracht, weil man ihn für das Verschwinden eines Schutzgelderpressers namens Gonzo alias Gerald Miller verantwortlich macht. Der Leser weiß fast von Anfang an, wer hinter dem Verschwinden von Gonzo steckt. Dieser hat über Jahre in die eigene Tasche gewirtschaftet und Restaurantbesitzer Leigh Sorsby an den Rand des Ruins gebracht.
Es folgt eine Geschichte mit Wendungen und Komplikationen, in der es weitere Tote gibt, und Ellie versucht, ihr Leben zu retten.
Besonders spannend ist dieser Thriller nicht, aber mir gefällt die Einbettung in einen denkbaren zeitgenössischen Kontext: eine gefährliche Zunahme von Rassismus durch das Erstarken der extrem nationalistischen Rotweissblauen und das geplante Referendum Druxit, durch das eine Legalisierung von Drogen unmöglich gemacht und alle Leistungen des National Health Service für Drogenkonsumenten entfallen würden.
Becks für eine deutsche Autorin thematisch und vom Setting her ungewöhnlicher Roman liest sich nicht schlecht, aber meiner Meinung nach ist es nicht ihr bester.
Rezensionen von cosmea:
Heimkehren von Yaa Gyasi
Nachkommen
Yaa Gyasis Debütroman ?Heimkehren? erzählt die Geschichte der Halbschwestern Effia und Esi und ihrer Nachkommen über sieben Generationen, von der Mitte des 18. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Schwestern begegnen einander nie und dennoch sind sie für kurze Zeit einander räumlich sehr nahe, als Effia den reichen britischen Geschäftsmann und Gouverneur James Collins heiratet und in der Festung Cape Coast Castle lebt und ihre Halbschwester dort im unterirdischen Verlies auf ihre Verschiffung nach Amerika wartet.
Die erst 26jährige aus Ghana stammende Autorin erzählt einmal mehr die Geschichte des Sklavenhandels und seiner Folgen für Sklavenhändler und Versklavte. Neu war für mich, in welchem Maße die Afrikaner selbst an diesem lukrativen Geschäft beteiligt waren. Kriegerische Stämme ? hier die Asante und die Fante ? hatten einander schon immer erbittert bekämpft. Nun wurden die Gefangenen, aber auch andere missliebige Personen an den Meistbietenden verkauft, in der Regel an die Engländer. Dabei gingen die Schwarzen nicht weniger unmenschlich und grausam mit ihren Landsleuten um als die weißen Händler und Soldaten.
Gyasis wählt eine komplizierte Erzählstruktur für ihren Roman. Kapitelweise wechselnd und immer zur jeweils folgenden Generation springend erzählt sie die Geschichte der Halbschwestern und ihrer Nachkommen, wobei sie immer einen direkten Nachfahren und seine Perspektive in den Mittelpunkt stellt. Das ergibt immer neue Schauplätze und eine Vielzahl von Personen. Ohne den Familienstammbaum am Ende des Buches würde der Leser schnell den Überblick verlieren. Der Verzicht auf eine zentrale Figur und Erzählkontinuität ist auf jeden Fall etwas gewöhnungsbedürftig. Dennoch ist der Autorin ein berührender Roman gelungen, der das unendliche, von der Sklaverei verursachte Leid für den Leser spürbar macht und ihm vor Augen führt, dass die Schwarzen noch heute unter den Folgen leiden. Mich hat der gut recherchierte und hoch interessante Roman überzeugt.
Rezensionen von Rina:
Heimkehren von Yaa Gyasi
Zäzilie inspiriert ihre Großeltern
Die kleine Zäzilie führt ein sehr aufregendes Leben. Ihr Terminkalender ist bis oben hin voll, jeden Tag unternimmt sie etwas anderes, mal geht sie zum Ballett, mal geht sie Ponyreiten, sie spielt Tennis und Vieles mehr. Samstags ist sie immer bei ihren Großeltern, damit ihre Eltern auch mal Zeit für sich haben.
Bei ihren Großeltern sieht jeder Tag genau gleich aus. Frau Pfefferkorn kocht immer die Frühstückseier und Herr Pfefferkorn deckt den Tisch. In Zäzilies Augen viel zu langweilig. Mit einem einzigen Satz inspiriert sie die beiden zu mehr Verrücktheit und Abwechslung im Leben. Die verrückten Aktionen der Großeltern werden begleitet von witzigen Illustrationen, die den Leser mit ins Geschehen ziehen. Plötzlich vergehen die Tage ganz schnell, es ist schon wieder Samstag und Zäzilie steht erschöpft und ausgelaugt von ihrer strengen Woche vor der Haustür und wundert sich über die verrückten Veränderungen im Haus der Pfefferkorns.
Ein Bilderbuch, das den Alltag vieler Kinder widerspiegelt. Sie rennen von einem Termin zum nächsten und die Beständigkeit und Ruhe der Großeltern wird für langweilig empfunden. Einerseits schön, dass das Mädchen die Großeltern zu mehr Abenteuern animiert, andererseits hat die Ruhe und Beständigkeit auch etwas für sich.








