Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gute_Laune:
Die Straße von Robert Seethaler
Ein schweres Jahr in der Heidestraße
Die Gedanken der einzelnen Protagonisten sind wie Perlen auf einer Schnur aneinander aufgereiht. Es gibt keine Abgrenzungen, weder im Buch noch im Hörbuch, sodass alle Figuren zu einer Gesamtmasse werden. Das strengt ein wenig an, ist aber auch auf gewisse Art reizvoll. Vor allem aber ist es ein Stilmittel, das die Aussage des Buches bestens unterstreicht.
Und man staunt, dass man irgendwann tatsächlich einzelne Personen unterscheiden kann, und das ganz ohne Namen. Das macht nachdenklich. Man erkennt, dass es im Umfeld gar nicht so viel anders ist.
Wir begleiten also eine Reihe namensloser Bewohner einer Straße durch ein Jahr in Augenblicken, Momentaufnahmen. Jeder hat seine eigenen Probleme und Gedanken. Manche plaudern miteinander, andere übereinander. Viele gehen aneinander vorbei. Das typische Leben in einer Straße, wie sie jeder kennt. Hier ist es die Heidestraße. Unter jedem Dach ein Ach, fällt mir da ein. Die unterschiedlichen Themen scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, aber genauer betrachtet sind sie einfach ein typisches Abbild unserer Gesellschaft.
Es werden einige Themen eingebracht, die aktuell sind und wohl immer aktuell sein werden. Sie sind sehr negativ und traurig, kräftezehrend, schwierig. Aber genau diese Themen müssen auch mal angesprochen werden.
Für mich ist es eine richtig gelungene Idee, sehr gut umgesetzt, aber nicht für jeden geeignet. Mutig ist Seehofer auf alle Fälle, denn ich vermute, das Buch kann missverstanden werden. Auf alle Fälle entspricht es nicht dem Mainstream. Keine Lektüre für nebenher, nicht locker-flockig, nicht wirklich spannend, aber wenn man sich darauf einlässt, dann sehr interessant. Matthias Brandt hat das Buch unfassbar gut eingelesen. Ich hab ihm total gern zugehört. Und er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich dieser schweren Kost sehr gerne fünf Sterne gebe.
Rezensionen von Immenhof:
Wenn liebe Waschbären wütend sind von Sandra Grimm
Wichtiges Thema
Das Bilderbuch überzeugt, wie die anderen Bücher der Reihe, durch eine gute Thematik zu Gefühlen. Das Format ist ideal für kleine Kinderhände und durch den stabilen Karton muss man auch nicht direkt befürchten, dass die Seiten kaputt gehen.
Der Waschbär wird wütend und sucht bei anderen Tieren nach verschiedenen Lösungsstrategien.
Diese sind vielfältig und zeigen gute Möglichkeiten auf. Die Übersichtsseite am Schluss fasst die Strategien schön zusammen und hilft auch, wenn man diese wieder besprechen möchte. Ich fand es bei „Igel, welcher mutig sein möchte“ jedoch besser gelöst, da er zum Schluss kam, dass nicht alles gleich gut zu ihm passt. Der Waschbär hingegen fand alles etwas hilfreich. Ich persönlich finde die Botschaft, dass individuell ist, was einem hilft, gelungener. Im Buch kommen neben dem Waschbär auch Bär, Eule, Adler, Streifenhörnchen und Puma vor.
Insgesamt ist es ein ansprechend gestaltetes Bilderbuch mit einem wichtigen Thema rund um Gefühle und Emotionsregulation, das sich gut zum gemeinsamen Anschauen und Gespräch eignet und Kindern verschiedene Wege im Umgang mit Wut zeigt.
Rezensionen von Danislesestube:
Schw̶einwerfer in der M̶Nacht von Anke Höhl-Kayser; Lorenzo Maxwell; Michael Feldhofer; R. F. Krammer; Thomas Heidemann; Paul Liedvogel; Kiàn KoWananga; Carolin Lüders; Charline Winter; Susanne Bonn; Lina Sienemann; Katharina Kanzan; T. S. Orgel; Ivan Ertlov; Frederik Elting
Sehr unterhaltsame Anthologie
Rechtschreibfehler sind menschlich und passieren sogar Autoren, die mit scheiden, ähm schreiben, ihr Geld verdienen. Anstatt die Fehler nach dem Löschen zu vergessen und in Zukunft etwas mehr darauf zu achten, keine mehr zu machen, dachten sich die Schreiberlinge samt Herausgeberin dieser Anthologie (vermutlich): „Hey, warum keine Geschichten um diese Fehler bauen? Könnte unterhaltsam sein.
“
Spoiler: Ja, die Idee ging auf. Aber was erwartet euch in dieser Anthologie, die von Wortwitzen, absichtlichen Fehlern und chaotischen Zuständen so trieft? Das wird doch irgendwann so witzig wie ein Blondinenwitz, oder?
Sagen wir so. Die Handlung ohne Rechtscheibfehler oder Wortverwehungen klingt ja erst einmal recht unaufgerehgt. Mal soll ein Urwerk repariert werden, dann eine Stadt planiert oder ein Angriff mittels einer Clownkrieger durchgeführt werden. Wären da nicht diese kleinen Tippfehder, die alles etwas kuhmplizierter machen, als es ist. Wie sehr verdreht sich eine Geschichte, wenn statt eines Feinstaubfilters ein Feenstaubfilter eingesetzt wird?
Da tun sich ganz neue Welten auf, sag’ ich euch. Hätte man eine „nicht lachen“ Challenge gemacht, hätte ich relativ schnell aufgegeben. Glücklicherweise haben sich die Schreiberlinge nicht nur an plumpen Wortspielen bedient, bei manchen war es erst auf den zweiten Blick ersichtlich, was ursprünglich gemeint war, denn die Geschichte wurde nicht nur auf beide Versionen angepasst, sondern lies diese plötzlich in einem ganz anderen Licht stehen. Ein bestimmter „Fürchtetee“ zum Bleistift war so ein Fall, bei dem ich zuerst dachte, „aaah ja. Okay. “ nur um dann zu „Ist das geil. “ umzuschwenken. Etwas Gesellschaftskritik ist natürlich auch mit dabei, ebenso etwas Diversität, was man bei dem Verlag ohnehin erwartet.
Und sonst so? Gibt es etwas zum Kleckern? Hab ich etwas Falz in der Kuppe gefunden, über das ich mich aufregen könnte? Nö. Wirklich nicht. Das war eine sehr unterhaltsame Anthologie, die eine Banalität einmal quer durch alle Genres gepflogen hat. Sehr lesenswert, sofern ihr etwas resistenter gegen Tehler seid.
Rezensionen von readpassion9:
Ungelöst - Die erste Zeugin von Arno Strobel
Wettlauf gegen die Zeit
"Ungelöst - Die erste Zeugin", der Auftakt zu einer neuen Reihe hat mich voll geflasht. Arno Strobel at his best. Spannung, Cliffhanger, Twists durch den gesamten Plot, so dass es schwer fällt auch nur mal kurz eine Pause einzulegen. Spannung von Anfang bis zum Ende, so geht Thriller.
Luisa Menkhoff wurde als kleines Mädchen entführt, inzwischen ist sie Studentin in München.
Als sie vor der Uni ein Flugblatt mit einer Vermisstenmeldung sieht, ist sie geschockt. Die vermisste Frau war damals an ihrer Entführung beteiligt. Luisa meldet sich bei dem angegebenen Kontakt und schließlich auch bei der Polizei.
Ramin Brunner hat eigentlich seinen letzten Tag, bevor er zu einer neu gegründeten Cold-Case-Einheit wechselt. Doch als Luisa ihre Geschichte erzählt, ist sein Interesse geweckt und er übernimmt den Fall. Luisa hat eine besondere Gabe: Ein eidetisches Gedächtnis, sie kann sich an alles, was sie je erlebt hat erinnern. Damit wird sie zu einer wichtigen Beraterin für Ramin Brunners Team. So lange, bis Luisa selbst in Gefahr kommt.
Der Thriller ist genial aufgebaut, die Handlung nicht zu durchschauen. Mit Luisa Menkhoff und Ramin Brunner hat der Autor zwei starke sowie sympathische Charaktere geschaffen, mit denen ich bis zum Ende mitfiebern konnte.
Fazit: Genialer Thriller, ein echtes Highlight in diesem Jahr!
Rezensionen von Claudia R.:
Japanische Volksmärchen von Arno Strobel
märchenhaft
Klappentext / Inhalt:
Folge den Spuren der Geschichten, die viele, viele Jahre mündlich weiter gegeben wurden, bis sie schließlich
ihren Weg in dieses Buch und somit zu dir fanden. Wenn du mit japanischen Volksmärchen noch nicht vertraut bist und nur Märchen kennst, in denen Prinzessinnen in Schlössern wohnen und am Ende alles gut ist, wird
dich hier etwas Neues erwarten.
Die Märchen wurden frei vom Japanischen ins Deutsche übersetzt, und haben somit eine individuelle Note.
Man darf dabei nicht vergessen, dass Japanisch und Deutsch viele sprachliche Unterschiede aufweisen.
Um einen schönen Lesefluss in beiden Sprachen zu ermöglichen, wurde auf wortwörtliche Übersetzungen
bewusst verzichtet.
Dieses Buch ist eine zweisprachige Version - deutsch und japanisch.
Cover:
Ein wundervolles Aquarell mit einem Kranich und dem angedeuteten Schilf ist hier erkennbar und sehr zart, aber auch etwas rauer umgesetzt. Die Farben sind nicht sehr strahlend und machen so die rauere Atmosphäre aus. Das Ganze wurde wunderschön gezeichnet und der japanische Flair wird hier bereits auf dem Cover ersichtlich. Optisch und auch farblich finde ich es sehr schön umgesetzt. Der Titel, sowie der Rahmen sind mit gold glitzernden Elementen verziert und heben das Ganze dadurch deutlich hervor und geben dem Cover zusätzlich eine sehr schöne und edle Optik.
Meinung:
Das Buch beinhaltet drei wundervolle japanische Märchen, diese sind wunderschön illustriert und zugleich auch zweisprachig verfasst. Jedes der drei Märchen ist anders und doch hat jedes auch seinen ganzen eignen Charme.
In diesem Buch befinden sich die Märchen Gunst des Kranichs, UrashimaTaro und Prinzessin Kaguya.
Inhaltlich möchte ich hier nicht weiter ins Detail gehen, aber lest die drei Märchen am Besten selbst.
In teils recht kurzen Abschnitten und wundervoll bebildert kann man hier dem Verlauf der Geschichten sehr gut folgen. Die Erzählungen sind sowohl auf deutsch, wie auch darunter auf japanisch verfasst. Die deutschen Übersetzungen sind nicht Wort für Wort, aber sinngemäß umgesetzt. Die Bilder sind wunderschön gewählt und bringen auch das japanische Flair sehr gut herüber. Wunderschöne Zeichnungen geben die Geschichten gut wieder und veranschaulichen zugleich das Gelesene. Die Märchen enthalten einen lehrreichen Sinn und etwas zum Nachdenken.
Die Geschichten bzw. Märchen sind wundervoll umgesetzt. Auch das zweisprachige daran hat mir gut gefallen.
Die drei Märchen konnten mich begeistern und in die japanische Märchenwelt entführen. Ich fand alle drei Märchen sehr gut gelungen und auch wunderschön umgesetzt. Der Text un die Geschichten in sich waren nachvollziehbar. Die Geschichten selbst nicht allzu lang, aber durchaus poetisch angehaucht und boten zugleich etwas zum Nachdenken.
Die Zeichnungen fand ich sehr gelungen und auch die gediegenen und warmen, nicht zu grellen Farben, sehr gut und passend gewählt. Auch die Atmosphäre und Stimmung des Ganzen kommt durch die Farben und Zeichenart sehr gut zur Geltung.
Fazit:
Wunderschöne japanische Märchen mit ausdrucksstarken Illustrationen und tiefergehender Botschaft.
Rezensionen von PMelittaM:
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Hat mich eher enttäuscht
Im November 1967 verschwindet die sechzehnjährige Kristin Karvelsdottir auf dem Heimweg von einer Freundin spurlos an der Stelle, an der ihre jüngere Schwester Marsibil am selben Abend ihren Brieffreund treffen wollte. Marsibil hat niemandem von ihrem Brieffreund und dem geplanten Treffen erzählt, obwohl die Möglichkeit besteht, dass er hinter dem Verschwinden steckt.
Zehn Jahre später bekommt sie einen Brief, der von dem Brieffreund sein könnte, was sie wieder nach Hause führt.
Ich mag die Krimireihe der Autorin um die Polizistin Elma sehr, und so war ich gespannt auf diesen neuen Roman, der erste außerhalb der Reihe. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, zum einen erfahren wir was Kristin vom Herbst 1966 bis zu ihrem Verschwinden erlebt hat, zum anderen Marsibils Erlebnisse in ihrem Heimatdorf 1977, während sie versucht, doch noch hinter Kristins Verschwinden zu kommen. Beides wird in Ich-Form erzählt, wodurch man nahe dabei ist und die Schwestern recht gut kennen, kann sich aber durch bestimmte Vorkommnisse nicht immer auf das verlassen, was erzählt wird. Weitere Charaktere sind zudem subjektiv geprägt.
Die Stimmung ist von Anfang an düster. Dadurch, dass man nach und nach erfährt, was in dem Jahr vor dem Verschwinden passiert ist, und gleichzeitig mit Marsibil die verschiedenen Akteure zehn Jahre später erlebt, ergeben sich nach und nach immer mehr Motive, und nahezu jede:r scheint verdächtigt, inklusive Kristins eigener Familie. Das führt auch dazu, dass man selbst miträtselt und Theorien aufstellt, und ich kann sagen, dass mir manches von dem, was sich am Ende ergeben hat, relativ schnell klar war. Trotzdem erscheint mir die Auflösung nicht in allem logisch, was mich letztlich enttäuscht hat.
Zu einem Thema, das hier Relevanz gewinnt, hätte ich mir ein Nachwort der Autorin gewünscht, in dem sie erklärt, inwiefern das in Island tatsächlich vorgekommen ist.
Leider hat mich die Autorin, deren Krimireihe ich sehr schätze, mit diesem Roman eher enttäuscht. Die Erzählweise in zwei Zeitebenen spricht mich zwar an, die Auflösung erscheint mir aber nicht vollkommen logisch.
Rezensionen von cosmea:
John of John von Douglas Stuart
Wer bin ich, und wer darf ich sein?
Nach einem vierjährigen Kunststudium in Edinburgh kehrt der 22jährige John Calum MacLeod genannt Cal auf Bitten seines Vaters nach Hause zurück, um sich um seine Großmutter Ella zu kümmern. Zu Hause bedeutet für ihn Lewis, eine Insel der Äußeren Hebriden. Cal hat enorme Schulden angehäuft und keine Zukunftsperspektive außer so zu leben wie sein Vater und Generationen vor ihm: mit schwerster Arbeit als Tweed-Weber und Schafzüchter, immer am Rande des Existenzminimums.
Cal muss weiter sein Geheimnis vor seinem Vater John und der ganzen Gemeinde wahren, wo jeder alles über die anderen wissen will. John spielt eine wichtige Rolle in der strenggläubigen calvinistischen Gemeinde, wo es üblich ist, einen jungen Mann wie Cal wegen eines angeblichen Fehlverhaltens öffentlich zu stoßen und zu schlagen. Auch sein Vater verliert öfter die Kontrolle und traktiert ihn mit schmerzhaften Fausthieben. Cal hatte vor seinem Weggang einen Geliebten, den jungen Doll Macdonald, der aber nichts mehr von ihm wissen will. Darauf freundet er sich mit Innes MacInnes an, dem besten Freund seines Vaters, der unverheiratet geblieben ist und sich um seinen alten gebrechlichen Vater kümmert. Jeder hat hier ein Geheimnis, wie Cal im Laufe der Geschichte herausfindet. Er erfährt, warum seine Mutter Grace einst seinen Vater und ihn verließ und mit ihrem Schwager eine neue Familie gründete. Er hat sich so nach seiner Heimat gesehnt, aber kann er hier überhaupt leben, ohne sich selbst zu verleugnen und zu verbiegen, nur um die Wärme der vertrauten Gemeinschaft nicht zu verlieren? Wird er in einer solchen Enge ein selbstbestimmtes Leben führen können?
Mir hat dieser atmosphärisch dichte Coming-of-Age-Roman trotz deutlicher Längen gefallen. An äußerer Handlung passiert nicht viel, aber man begleitet Cal gern auf seinem schweren Weg. Den Booker Prize wird der Autor für diesen Roman nicht bekommen, aber eine Leseempfehlung spreche ich trotzdem aus.
Rezensionen von Streiflicht:
LONELY PLANET Reiseführer Entdecke Neuseeland von LONELY PLANET Deutschland
Ab ins Abenteuer
Hier ist der Titel Programm – Entdecke Neuseeland. Ab ins Abenteuer. Auch das Bild auf dem Cover passt dazu und verspricht außergewöhnliche Aktivitäten. Das macht Lust auf mehr und den genaueren Blick ins Buch …
Schon lange steht Neuseeland auf meiner Reiseliste, umso mehr, seit meine Eltern dort waren und so begeistert waren, dass sie am liebsten nochmal hinreisen würden.
Und so blättere ich immer wieder gerne in Reiseführern, um mich inspirieren zu lassen. Wenn man sich viel mit einem Thema oder hier einem Land beschäftigt, dann kennt man natürlich auch bald die Highlights und bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Umso faszinierender fand ich die Idee, mal abseits vom Mainstream zu schauen und ein Land so richtig zu entdecken. Kleine Abenteuer können mich immer begeistern und machen mich neugierig. Also genau das richtige Buch für mich!
Ich mag das praktische, handliche Format mit der kleinen Reisekarte in der hinteren Buchklappe. Auch vorne ist noch eine kleine Faltkarte der beiden Inseln versteckt. Praktisch für den Überblick. Einen Überblick findet man auch im Inhaltsverzeichnis, das nach Regionen gegliedert ist. Praktische Hinweise dürfen natürlich nicht fehlen. Die Doppelseite mit den besonderen Vögeln von Neuseeland hat mich besonders begeistert. Hier findet jeder das passende Abenteuer für sich!
Rezensionen von LeserinLu :
Pina fällt aus von Vera Zischke
Wohlfühlroman
„Pina fällt aus“ ist einer dieser Romane, bei denen ich schon nach wenigen Seiten gemerkt habe, dass sie mich mit einem guten Gefühl zurücklassen werden. Was zunächst nach einer dramatischen Ausgangssituation klingt, entwickelt sich zu einer warmherzigen, klugen und immer wieder überraschend witzigen Geschichte über Nachbarschaft, Verantwortung und gelebte Inklusion.
Als Pina plötzlich ausfällt und ihr behinderter Sohn Leo zum ersten Mal auf sich allein gestellt ist, müssen Leos Nachbarn ihr Komfortzone verlassen. Nach und nach wächst die ungewöhnliche Hausgemeinschaft über sich hinaus. Die Figuren sind wunderbar eigenwillig, glaubwürdig und sehr warmherzig gezeichnet. Jede von ihnen bringt ihre eigenen Verletzungen, Ängste und Lebensthemen mit, sodass nicht nur Leo Unterstützung braucht, sondern auch die anderen durch ihn damit konfrontiert werden.
Besonders gelungen fand ich, wie leicht und flüssig sich der Roman lesen lässt, ohne dabei seine wichtigen Themen oberflächlich zu behandeln. Immer wieder gibt es witzige Momente, die die Geschichte auflockern, gleichzeitig regt sie zum Nachdenken darüber an, was Inklusion im Alltag eigentlich bedeutet und wie schnell Menschen einfach ausgeschlossen werden. „Pina fällt aus“ ist für mich deshalb ein echter Wohlfühlroman.
Rezensionen von cosmea:
Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami
Wer wäre Nadim Suri ohne die Frauen?
Said Mardini, ein junger Literaturstudent, flieht aus Damaskus, nachdem er sich durch eine kritische Rede gegen die Diktatur in Lebensgefahr gebracht hat. Er bekommt ein Visum in Deutschland und eine Zulassung an der Universität Heidelberg. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er zunächst mit zahlreichen Jobs.
Später arbeitet er aufgrund seiner vielfältigen Sprachkenntnisse als Simultandolmetscher und wird sehr gut dafür bezahlt. Außerdem schreibt er Romane. Eines Tages bittet ihn ein befreundeter deutscher Arzt um Hilfe. Nadim Suri, ein schwerkranker Patient mit syrischen Wurzeln, der nicht mehr lange zu leben hat, möchte ihm seine Lebensgeschichte erzählen. In der Folge besucht Said den alten Mann an zehn Tagen und hört die Geschichte seines Lebens. Es ist vor allem die Geschichte seiner Beziehungen zu Frauen. Immer wieder verliebt er sich, erlebt großes Glück, aber auch Enttäuschung, Verlust und Trauer. Die Frauen in seinem Leben haben ihn geprägt. Jede von ihnen hat etwas in ihm hinterlassen, das zu einem Mosaiksteinchen als Teil seiner Persönlichkeit wird. Alle zusammen machen das fertige Bild dessen aus, der er am Ende seines Lebens ist.
Neben den Geschichten über die Frauen seines Lebens erzählt Nadim jedoch auch witzige Episoden und Ereignisse, die er von anderen gehört hat. Ein wichtiger Teil dieses Romans ist das Thema Flucht und Vertreibung, die grausame Herrschaft der Diktatoren mit Tausenden von Toten, z.B. in Syrien und dem Irak, wo ein falsches Wort zu Folter und Tod führen kann. Es geht jedoch auch um das Leben der Immigranten in Deutschland, die Reaktion der Deutschen auf die Zuwanderer und ein Plädoyer für mitmenschliches Verhalten. Mir hat Rafik Schamis meisterhaft erzählter Roman im Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gern weiter.











