Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ameland:
Der Buchladen am Ende der Welt von Ruth Shaw
Ein bewegtes wie auch bewegendes Leben
In diesem Buch erzählt uns Ruth Shaw von ihrem abenteuerlichen Leben und ihrer Liebe zum Lesen. Beim Lesen dachte ich, das ist doch zu viel für eine Person, ein Leben. Ein furchtbarer Vorfall ereilt Ruth bereits im Teenageralter. Das Erlebte hat Folgen für ihre Zukunft, wirft einen Schatten auf ihr Leben.
Sobald Ruth volljährig ist, verlässt sie das Elternhaus und zieht von Ort zu Ort. Sie ist rastlos, wirkt wie auf der Flucht, wie eine Getriebene. Sie braucht Action und immer neue Herausforderungen. Sie segelt jahrelang über den Pazifik, kocht für einen Erzbischof, züchtet Schweine, wird verhaftet und vieles mehr. Beziehungen halten nicht lange, die einzige Konstante in ihrem Leben ist das Lesen. Es dauert sehr lange bis Ruth ihren Platz im Leben findet und zur Ruhe kommt. Dieser Platz ist ganz im Süden Neuseelands, wo sich auch ihr winziger Buchladen befindet. An Begegnungen mit Menschen aus nah und fern in diesem Buchladen lässt sie uns in kurzen Kapiteln, die in ihre Lebensgeschichte eingestreut sind, teilhaben.
Der Schreibstil ist klar, kräftig und ausdrucksstark. Obwohl die Emotionen der Autorin transportiert werden, bleibt es irgendwie sachlich und nicht emotional überladen.
Eine abenteuerliche Lebensgeschichte einer starken Frau, die sich nicht unterkriegen ließ und auch immer für andere Menschen da war und ist und stets ein offenes Ohr hat. Ich würde sie gerne kennenlernen.
Rezensionen von nil_liest:
Half His Age von Jennette McCurdy
Roh, radikal, unwiderstehlich
Dieses Buch tut weh. Und genau deshalb ist es so gut.
Half His Age liest sich auf den ersten Blick wie eine Geschichte, die man zu kennen glaubt: junge Schülerin, älterer Lehrer, verbotene Anziehung, absehbare Katastrophe. Jennette McCurdy nutzt diese Erwartung – und zerlegt sie Seite für Seite.
Was hier entsteht, ist kein Skandalroman, keine provokante Spielerei, schon gar keine Liebesgeschichte. Es ist ein schonungslos ehrlicher Blick auf Begehren, Macht und das verzweifelte Bedürfnis, gesehen zu werden.
Waldo, 17, ist eine Protagonistin, die man nicht vergisst. Sie ist widersprüchlich, klug, verletzlich, manchmal nervig, oft brutal ehrlich – vor allem sich selbst gegenüber. Ihre Gedanken sind roh, ungefiltert, manchmal unangenehm nah. McCurdy schreibt so dicht an Waldos Innenleben, dass man sich als Leserin zeitweise ertappt fühlt: bei Erinnerungen an die eigene Jugend, an Unsicherheiten, an diese gefährliche Mischung aus Größenfantasien und Selbsthass. Waldo will alles – Aufmerksamkeit, Bedeutung, Intensität – und sie weiß selbst nicht einmal genau, warum.
Die Beziehung zu ihrem Lehrer steht im Zentrum, aber sie ist nicht der Kern. Entscheidend ist das Gefälle: emotional, sozial, ökonomisch. McCurdy beschreibt mit erschreckender Präzision, wie Macht wirkt, ohne dass sie laut ausgesprochen werden muss. Wie Abhängigkeit entsteht, wie Projektionen wachsen, wie Verantwortung verschoben wird – und wie leicht eine junge Person sich selbst davon überzeugt, alles unter Kontrolle zu haben, während sie sie längst verloren hat. Nichts daran wird romantisiert, nichts entschuldigt, nichts vereinfacht.
Besonders stark ist der Blick auf Herkunft und Klasse. Waldo bewegt sich durch Konsum, Internet, Körperbilder und Erwartungen wie durch ein Minenfeld. Sie versucht, innere Leere mit Dingen, Fantasien und Beziehungen zu füllen – und scheitert daran immer wieder. Dass der Roman dabei auch Kapitalismus, Leistungsdenken und weibliche Sozialisation mitverhandelt, geschieht leise, aber treffsicher.
Die Sprache ist ein Ereignis für sich: hart, direkt, manchmal vulgär, dann wieder überraschend poetisch. McCurdy schreibt ohne Sicherheitsnetz. Jeder Satz wirkt bewusst gesetzt, nichts wird geglättet, nichts erklärt, um es erträglicher zu machen. Genau daraus entsteht diese enorme Sogwirkung. Ich wollte zwischendurch pausieren – und konnte es nicht.
Was Half His Age so außergewöhnlich macht, ist sein Mut. Der Mut, unangenehme Fragen zu stellen. Der Mut, einer jungen weiblichen Stimme Raum zu geben, ohne sie zu idealisieren oder zu moralisieren. Und der Mut, Leser:innen auszuhalten, die dieses Buch falsch lesen könnten – weil McCurdy ihnen zutraut, genauer hinzusehen.
Am Ende bleibt kein Trost, kein sauberes Fazit. Aber etwas viel Wertvolleres: ein tiefes Unbehagen, das lange nachwirkt. Und die Gewissheit, dass man gerade einen Roman gelesen hat, der wichtiger ist, als er auf den ersten Blick scheint.
Ein intensives, kluges, wütendes Debüt. Kein Wohlfühlbuch. Kein leichtes Buch. Aber ein verdammt gutes.
Rezensionen von nil_liest:
Mathilde und Marie von Torsten Woywod
Ein Wohlfühlbuch
Mathilde und Marie ist ein Roman, den man nicht „verschlingt“, sondern in den man sich hineinsetzt – wie auf eine Bank vor einer Buchhandlung, mit Zeit, Ruhe und der Bereitschaft, sich auf Langsamkeit einzulassen. Torsten Woywod erzählt in seinem ersten eigenen Roman eine sehr persönliche Geschichte, das spürt man auf jeder Seite.
Und genau darin liegt zugleich seine Stärke und seine Schwäche.
Die Ausgangssituation ist klassisch, fast märchenhaft: Marie, 26, verlässt Paris überstürzt, innerlich erschöpft, äußerlich orientierungslos. Eine Zugfahrt wird zum Wendepunkt, eine Begegnung zur Einladung in ein anderes Leben. Redu, das reale Bücherdorf in den Ardennen, wirkt wie ein Gegenentwurf zur modernen Welt: wenig Internet, viel Natur, Bücher statt Bildschirme, Menschen statt Profile. Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann – oder soll.
Woywod entfaltet diese Welt mit großer Liebe. Die Naturbeschreibungen sind detailliert, oft sehr schön, manchmal fast meditativ. Jahreszeiten, Spaziergänge, Licht, Wälder, Hunde – all das trägt zu einer Atmosphäre bei, die eindeutig auf Entschleunigung zielt. Auch das Thema Lesen und der stationäre Buchhandel werden sichtbar als Herzensangelegenheit des Autors eingebettet. Wer Bücher liebt, wird sich hier verstanden fühlen.
Im Zentrum stehen die Beziehungen: die warme, fast sofortige Nähe zwischen Marie und Jónína, später die vorsichtige Annäherung an Mathilde, die lange abweisend bleibt und doch eine tiefe Verletzlichkeit in sich trägt. Die Idee, zwei Frauen mit ähnlichen biografischen Wunden langsam zueinander finden zu lassen, ist schön und berührend gedacht. Die wechselnden Perspektiven erlauben Einblicke in ihre Gefühlswelten und verleihen dem Roman eine gewisse Sanftheit.
Und doch blieb bei mir eine Distanz. Viele Figuren sind sehr wohlwollend gezeichnet – vielleicht zu wohlwollend. Konflikte werden kaum zugespitzt, Ecken und Kanten fast vollständig abgeschliffen. Redu erscheint wie ein Ort, an dem alle verständnisvoll, freundlich und geduldig sind (mit wenigen Ausnahmen, die erwartbar aufgelöst werden). Das erzeugt eine starke Wohlfühlatmosphäre, nimmt der Geschichte aber auch Spannung und Tiefe. Entwicklungen sind vorhersehbar, Überraschungen bleiben aus, und echte Reibung entsteht selten.
So wurde das Lesen für mich stellenweise zäh. Nicht, weil der Stil schlecht wäre – im Gegenteil, er ist ruhig und sauber –, sondern weil der Roman kaum Sog entwickelt. Er trägt, aber er zieht nicht. Man bleibt eher aus Sympathie und Wohlwollen dran als aus innerem Drang.
Unterm Strich ist Mathilde und Marie ein warmherziges, stilles Buch über Freundschaft, Verlust, Neubeginn und die Sehnsucht nach einem anderen Rhythmus des Lebens. Es ist ein echtes Wohlfühlbuch, das wichtige Werte hochhält: Achtsamkeit, Menschlichkeit, Nähe zur Natur. Literarisch bleibt es jedoch eher an der Oberfläche, wo man sich manchmal mehr Tiefe, mehr Mut zur Unbequemlichkeit wünschen würde.
Für Leser:innen, die leise Geschichten lieben, die entschleunigen möchten und sich gern in Bücherorte träumen, ist dieser Roman genau richtig. Wer jedoch Spannung, Ambivalenz oder psychologische Schärfe sucht, könnte enttäuscht zurückbleiben. Für mich bleibt ein sympathisches Buch mit schöner Idee – aber auch mit verpasstem Potenzial.
Rezensionen von Anndlich:
Kleine Lesehelden: Wir sind erste Klasse! von Daniela Kulot
Ausgefuchst
In der Klasse 1a geht es immer rund. Dieses Mal nimmt Antons beste Freundin Bett eine kleine, graue Maus mit in den Unterricht und als diese ausbüxt großes Chaos in der Klasse aus. Doch gemeinsam kann die erste Klasse alles schaffen, oder?
Kleine Lesehelden: Wir sind erste Klasse ist ein tolles Buch für Leseanfänger:innen der ersten Klasse.
Das Buch bietet ein großes Schriftbild und kurze Kapitel, was das Lesen erleichtert, zudem wird der Text hervorragend durch Zeichnungen unterstützt. Jedes Kapitel endet außerdem mit einem kleinen Rätsel, das u.a. Textverständnis spielerisch abfragt.
Ein tolles Buch, das Spaß beim Lesen macht und sich hervorragend als Lektüre für Leseanfänger:innen eignet. Durch Rätsel, Zeichnungen und einer farbenfrohen Welt, wird das Erstlesen zu einer spielerischen Unterhaltung und nebenbei lernt man auch etwas, über die Wichtigkeit des Zusammenhaltens.
Rezensionen von liesmal:
Gibt's das auch mit Liebe? von Ellen Berg
Romantik auf dem Land
Als mir das Buch in die Hand gefallen ist, war ich mir gar nicht sicher, ob es gerade das richtige für mich ist. Ich hatte einige traurige Nachrichten zu verarbeiten und hätte mich am liebsten in mein Schneckenhaus zurückgezogen.
Der Hauptprotagonistin Laura geht es allerdings auch nicht gut. Nach einer gescheiterten Ehe kehrt sie auf Anraten ihres Chefs dem Stadtleben den Rücken, um sich beruflich mit der Romantik auf dem Dorf zu befassen.
Schon bald findet sie sich auf dem Biohof ihrer Schwester wieder, mitten in einer WG. Na, das kann ja heiter werden!
Ganz schnell habe ich gemerkt, dass mit der Lektüre dunkle Gedanken einfach weggepustet werden. Ellen Bergs Bücher sind von einer wunderbaren Leichtigkeit. Ich mag die vielen einfallsreichen Umschreibungen, die mich immer wieder zum Schmunzeln bringen und alles Bedrückende einfach in den Hintergrund rücken.
Obwohl ihre Schwester Vivi und die Mitbewohner alle ganz verschieden sind, so erstaunt es Laura doch: „Hier bei Vivi gibt sich jeder so, wie er ist… Hier vertraut offenbar jeder drauf, dass er Ecken und Kanten haben und dennoch gemocht werden kann.“
Wunderbare Figuren zeichnet Ellen Berg. Da gibt es zum Beispiel ihre Freundin Elinor mit ihrer tollen Familie in der Stadt, Elsa und die Pferde und Lauras Nichte, die sie zum Bleiben bewegen will. Wenn da nicht auch noch der…
Einfach mal die Leichtigkeit genießen! Das kann und mache ich immer mal wieder gerne mit einem Buch von Ellen Berg. Darum kann ich auch dieses aus vollem Herzen weiterempfehlen.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross
Eine MeToo-Geschichte aus mehreren Perspektiven der betroffenen Familie
Hazel ist gerade 18 geworden und für ihr letztes Highschool-Jahr gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Wolf aus New York ins fiktive Riverburg im ländlichen Maine gezogen. Schon am ersten Tag an der neuen Schule lässt der Direktor, der wohl schon während des Sommers im Schwimmbad ein Auge auf sie geworfen hatte, sie ausrufen und zu sich bestellen, um sie darüber zu informieren, dass er sich jedes Schuljahr eine Schülerin für Sex aussuche, und dieses Jahr die Wahl auf sie falle.
Im Gegenzug könne sie sich Fürsprache bei der Aufnahme in ihre Wunsch-Colleges erhoffen.
Doch nun passiert etwas, mit dem der Direktor nicht gerechnet hat und das ihm offenbar in den Jahren davor noch nie passiert ist: Hazel sagt nein. Mutig und selbstbewusst gibt sie sich für so etwas nicht her, und aufgewühlt stürmt sie aus seinem Büro und erzählt später auch ihrer Familie davon. Das setzt, erst einmal gegen Hazels Willen, eine Kaskade an weiteren Aktionen in Gang, die Sache wird öffentlich, manche glauben Hazel, viele stehen aber auch auf Seiten des beliebten und bekannten Direktors und zweifeln die Schilderung der jungen Frau aus der unbekannten, neu zugezogenen Familie an, es kommt zu einer Untersuchung, aber auch zu anonymen Drohungen gegen Hazel und ihre Familie. So zeigen sich Auswirkungen dieses Vorfalls auf Hazels ganze Familie und auch auf viele andere Bewohner und Bewohnerinnen des Ortes. Und was ist eigentlich mit den bisher schweigenden jungen Frauen, mit denen der Direktor das die Jahre davor gemacht hat?
Erzählt wird die Geschichte aus den wechselnden Perspektiven von Hazels Familienmitgliedern: abwechselnd begleiten wir Hazel selbst, den etwa 11-jährigen neurodivergenten, sehr sensiblen und schlauen Wolf, den Vater Gus, der seine Position als neuer College-Dozent sichern will, und die Mutter Claire, die nun endlich als Künstlerin erfolgreich werden möchte. Dahinter steht auch die Frage nach städtischer vs. ländlicher Umgebung und ob es ein Fehler war, aus dem liberalen, städtischen New York nur wegen der beruflichen Chancen des Vaters ins ländliche Maine zu ziehen, insbesondere als jüdische Familie, die dort stärker auffällt und auch in diese Richtung Anfeindungen ertragen muss.
Auch die Auswirkungen auf die Familie des Täters werden thematisiert, wobei wir hier die Perspektive von dessen Frau und Tochter kennen lernen, aber, abgesehen von kurzen Erwähnungen von Opfer-Täter-Umkehr-Versuchen in diversen Medien, nicht die des Täters (diese fehlt dem Buch auch nicht, meiner Meinung nach). So wird noch einmal deutlicher, wie viele Leben von sexuellen Übergriffen solcher Männer, die ihre Machtpositionen derart schamlos ausnutzen möchten, beeinträchtigt werden können.
Insgesamt ist es ein unterhaltsam geschriebenes und interessantes Buch, das sich schnell und leicht liest und insbesondere durch die verschiedenen Perspektiven an Vielfalt und Tiefe gewinnt. Ab der Mitte gibt es aber einen Handlungsstrang, der auf mich aus europäischer Perspektive etwas übertrieben wirkt und stark vom eigentlichen Thema ablenkt. Auch werden nicht alle Handlungsstränge zu einem befriedigenden Abschluss gebracht und einiges blieb für mich am Ende offen bzw. wurde in einem zu sanften und damit unrealistischen Licht gezeichnet. Dafür ein Punkt Abzug für ein ansonsten sehr lesenswertes und empfehlenswertes Buch.
Rezensionen von Katja K.:
Medea von Rosie Hewlett
Feministische und fesselnde Neuinterpretation einer tragischen Figur
Als ehemalige Latein LK-lerin liebe ich die griechische Mythologie und doch habe ich gezögert, dieses Buch zu lesen angesichts der Dramatik und Grausamkeit von Medeas Geschichte. Ich bin sehr froh, dass ich mich dann doch dazu entschieden habe.
Denn diese Neuinterpretation, die einen Kontext für die komplexe Persönlichkeit und die unglaublich grausamen Taten Medeas liefert, ist durchweg fesselnd erzählt.
Sie lässt eine Kategorisierung in Gut und Böse nicht so einfach zu und das hat mich neben dem feministischen Aspekt, der Medea als Opfer patriarchalischer Strukturen darstellt, am meisten an der Geschichte fasziniert. Dass diese aus Medeas Sicht (in der Ich-Perspektive und im Präsens) erzählt wird, hat dies noch verstärkt. Ich habe mitgefiebert, gebangt und gelitten.
Die Sprache ist flüssig und atmosphärisch. Durchgängig hatte ich das Gefühl drohenden Unheils. Medea wirkt trotz der Innenschau immer schwer greifbar, etwas distanziert, was sehr gut zu ihrer Biografie und ihrem Charakter passt. Es ist deshalb nicht so, dass ich sie als Protagonistin direkt stark ins Herz geschlossen habe, aber ich hatte viel Mitgefühl, war gefesselt von ihrer Erzählung und habe trotz allem auf ein gnädiges Schicksal für sie gehofft.
Im Mittelteil gab es ein paar Längen, ansonsten ließ sich das Buch erstaunlich schnell und leicht lesen.
Mein Fazit: Bei diesem Roman handelt es sich um eine fesselnde Neuinterpretation der Geschichte Medeas für alle, die eine gewisse Faszination für die griechische Mythologie und für starke Frauen hegen.
Rezensionen von Anno:
Das Signal von Ursula Poznanski
Minitags
Ursula Poznanskis Bücher sind und bleiben für mich doch immer wieder ein Highlight. Sie schreibt ungemein fesselnd und bildlich. Die von ihr auch hier genutzte Ich-Perspektive hält den Leser auf dem selben Wissensstand wie die Protagonistin Viola und erzeugt dadurch eine schöne Spannung. Gleichzeitig ermöglicht es einem aber auch tief in Violas Welt einzutauchen.
Ihre Gedankengänge und Handlungen lenken den Leser selbst emotional ganz gut und veranlassen einen bereits früh Adams Motivation zu hinterfragen. Violas Schlussfolgerungen wirken zur Mitte hin dann aber doch etwas schleppend. Es dauert einfach ein bisschen, bis meine Vermutungen als Leser auch bei ihr ankamen und sie sie entsprechend in ihren Überlegungen aufnahm. Auch fußt die ganze Handlung auf einen Gedächtnisverlust, der erstaunlich wenig hinterfragt wurde und dessen Existenz selbst Viola trotz ihrer Nachforschungen kaum zu bekümmern schien. Dies und auch eine Begebenheit gegen Ende wirkte auf mich leider doch etwas konstruiert. Lesefreude und Spannung büßte ich dadurch aber nicht ein. Der Spannungsbogen stieg zu Anfang rasch auf ein angenehmes Niveau, sank zur Mitte, dank einiger Längen, etwas ab um dann aber nochmals deutlich an Höhe zu gewinnen. Dem Ende wurde im Vergleich zur restlichen Handlung etwas weniger Zeit gewidmet, inhaltlich war aber auch der Schluss hervorragend und mit unvorhergesehenen, aber passenden Twists belegt.
Daher eine klare Leseempfehlung meinerseits. Auch wenn dieser Thriller weit weniger technikaffin oder zukunftsorientiert war, als ich dachte. Blutig oder grausam wird es nicht. Es sind mehr die Geheimnisse und das Verborgene, was fasziniert und für Atmosphäre sorgt.
Rezensionen von Gute_Laune:
Der Kellerby-Code von Jonny Sweet
Verkorkstes Leben
Edward ist schon wirklich bedauernswert, so kriecherisch er ist. Auch wenn man seine Gründe dafür verstehen kann, macht ihn das nicht sympathischer. Gut, man muss allerdings auch fair sein und dazusagen, dass Robert und Stanza ebenfalls keine Sympathieträger sind. Womit wir schon bei einem wichtigen Punkt wären, nämlich dass es erstaunlich ist, dass ein Buch komplett ohne Figuren auskommt, die man mag!
Die Rückblenden in Edwards Vergangenheit sind geschickt eingefügt, sodass sich nach und nach eine Art Profil ergibt.
Nicht nur von ihm selbst, sondern auch von den anderen Figuren. Dabei werden auch jede Menge sozialkritische Themen mit eingewoben. Teilweise empfinde ich das als überfrachtet und nicht zwingend nötig für die eigentliche Story. Die ist in sich schlüssig und logisch, sodass zwar nicht alle Wendungen, aber insgesamt die Richtung doch auf gewisse Art vorhersehbar sind. Dennoch bleiben die Geschehnisse nicht harmlos, sondern sind schockierend und abstoßend.
Einige Sätze sind wahre Wortkunstwerke und urkomisch. Ob das so gewollt war, kann ich nicht beurteilen. Ich mag solche Dinge super gern, finde sie bei einem Krimi jedoch etwas unpassend. Ich habe zwar das komplette Hörbuch interessiert gehört, war auch über einige Vorkommnisse mehr als schockiert, aber begeistert hat mich das Ganze leider überhaupt nicht. Es ist ein Thriller für zwischendurch, aber keiner, der mich tief beeindruckt hätte. Die Gesellschaftskritik darin habe ich sehr wohl bemerkt, ist aber eher lächerlich in ihrer Extremheit.
Ach, es ist wirklich schade, aber für mich ist es ein mittelmäßiger Thriller. Weder schlecht noch toll. Daher drei Sterne.
Rezensionen von Anno:
Heartbreak Hotel von Micol Arianna Beltramini
Wird seltsam
Toll illustriert, doch die Handlung wird zum Ende hin doch etwas seltsam. Wobei ich bis zur Existenz des Hotels noch gerne mitgegangen bin. Die Tage allein in Zimmern fand ich aber schon etwas komisch. Ja, sie geben dem Gast Zeit auf seine Weise zu trauern, aber bieten eben keine Hilfestellung. Und das hat mich ehrlich überrascht.
Was dann anschließend kam, darüber schweige ich. Mein Fall war es leider nicht. Wie aber das Hotel und die realen Erinnerungen bildlich dargestellt wurden, war super wodurch man der Geschichte gut folgen konnte. Auch die Gesichtsausdrücke und Emotionen werden gut wiedergegeben. Die Reihenfolge der Texte hatten mich, die ohne größere Comic-Vorerfahrung das Buch las, erst kurz rätseln lassen, erkannte das System dahinter aber rasch.
Zeichnerisch toll, inhaltlich etwas abgefahren, ging es in eine etwas andere Richtung als ich dachte. Daher kann ich es eher für Leser empfehlen, die sich für übernatürliches begeistern können.











