Kunden em pfehlungen
Rezensionen von tinten_fischchen:
Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider
Zwischen Poesie und Schrecken
Bei der letzten Seite hatte ich Gänsehaut. Wahnsinn, was für ein Ende. Was für ein Buch.
Obwohl der Stil und Aufbau relativ einfach ist, ist die Leseerfahrung dem Thema entsprechend alles andere als einfach.
In etwas mehr als 200 Seiten wird eindrücklich geschildert wie der Alltag mehr und mehr verschwindet.
Immer wieder neue Verbote, Ausgangssperren aber auch Gehirnwäsche. Nicht nur der Alltag sondern auch Familie und Freunde verändern sich im Laufe der Zeit. Verschwinden.
Umso schwieriger ist es das alles aus Sicht eines Heranwachsenden zu erleben. Noah, der immer noch sehr naiv ist und sich wieder und wieder vorstellt, das alles wieder gut und normal wird. Ganz nebenbei erfährt man vieles über Tauben und ihre Zucht.
„Die Tauben sind mir wie immer ein Trost. Ohne sie, denke ich, wäre ich verloren. Sie sind das einzige Beständige in einer Welt, die sich um mich herum gerade so rasant wandelt.“ lässt Abbas Khider Noah einmal erklären. Besser kann man es gar nicht beschreiben.
Ein kurzes, bedrückendes Buch mit Nachhall.
Rezensionen von Odina:
Das Signal von Ursula Poznanski
Misstrauen und Isolation
Der Thriller „Das Signal" wurde von Ursula Poznanski verfasst und erschien am 2. Februar 2026 im Droemer Knaur Verlag. Das Buch umfasst 400 Seiten und das Cover ist ein absoluter Blickfang, der sofort ins Auge fällt und neugierig auf den Inhalt macht. In der Geschichte geht es um Viola Decker, die nach einem Unfall und dem Verlust eines Beins im eigenen Haus gefangen ist.
Sie fühlt sich von ihrem Mann und der Pflegerin zunehmend isoliert und überwacht. Als Gegenstände verschwinden, beginnt Viola, alles und schließlich auch Adam zu überwachen und entdeckt beunruhigende Geheimnisse. Der Schreibstil ist so flüssig und spannend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge gehalten. Die Spannung bleibt durch unerwartete Wendungen und überraschende Entwicklungen konstant hoch. Die Figuren wirken authentisch und glaubwürdig, da sie klar gezeichnet und nachvollziehbar beschrieben werden. Vor allem Viola beeindruckt als starke und facettenreiche Hauptfigur. Insgesamt ist das Buch ein sehr guter Psychothriller für alle, die nervenaufreibende Spannung lieben.
Rezensionen von bine525:
Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7) von Stefan Ahnhem
Fetter Schmöker für spannungsgeladene Lesestunden
Mein erster Gedanke, als dieses Buch auf dem Postweg bei mir ankam, war: Was für ein fetter Schmöker! Schon lange habe ich kein so dominantes und wuchtiges Buch mehr in den Händen gehalten, und die momentan dunkle Jahreszeit mit verhältnismässig viel Lese-Freizeit ist dafür ideal.
Und noch etwas ist mir direkt nach dem Auspacken aufgefallen: Es riecht leider sehr streng und chemisch unangenehm, was vermutlich am Buchdruck liegt.
In den vier Tagen, in denen ich das Buch durchgeschmökert habe, hat sich das leider nur minimal gebessert. Bei jedem umblättern empfing mich wieder dieser grässliche Chemiegeruch. Das Cover hingegen ist farblich ansprechend gestaltet. Allerdings weiss ich nicht, weshalb der Titel „Wellengrab“ gewählt wurde, denn für mich hat er keinen klaren Bezug zur Geschichte. Entweder wurde der Titel aus dem Original einfach falsch übersetzt oder ich kapiere es einfach nicht.
Bereits vor längerer Zeit hatte ich einen weiteren Band dieser Serie gelesen, wobei ich mich nicht mehr wirklich an den Inhalt erinnern kann. Meinem Lesefluss hat dieses fehlende Vorwissen jedoch keineswegs geschadet, denn das Buch lässt sich problemlos auch als Einzelband lesen.
In dieser Folge geht es um einen mysteriösen Stromausfall – und natürlich um Mord, wie es sich für einen Kriminalfall gehört. Es macht grossen Spass, Fabian Risk und seiner neuen Kollegin Linn beim Ermitteln quasi über die Schulter zu schauen und dem rätselhaften Fall Schritt für Schritt auf die Spur zu kommen. Das Thema entführte Kinder als Druckmittel geht mir als Mutter besonders nahe. Teilweise empfand ich das Buch als so grausam, dass es für mich eher einem Thriller als einem klassischen Krimi gleicht.
Trotz aller Grausamkeit herrscht jedoch eine durchgehende Hochspannung, weshalb ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und es in rasender Geschwindigkeit zu Ende gelesen habe. Ein weiterer Pluspunkt sind die recht kurzen Kapitel, die immer wieder dazu verleiten, nur noch ein Kapitel weiterlesen zu wollen – wobei es natürlich nie dabei bleibt.
Ausserdem ist das Buch sehr zeitgemäss, da Themen unserer aktuellen, alles andere als leichten Zeit aufgegriffen werden, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Gstettner:
Im ersten Licht von Norbert Gstrein
Ein Leseerlebnis
Norbert Gstreins Buch ist ein Leseerlebnis. Es umspannt die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit 2 Weltkriegen und wird aus dem Blickwinkel eines Mannes erzählt, dem in seiner Jugend vom Vater eine Verletzung am Bein zugefügt wird, damit er kriegsuntauglich ist. So nimmt er an keinem der Weltkriege teil.
Aus dieser Außenseiterposition entwickelt sich ein spannender innerer Prozess, der ihn duch Phasen der Beschönigung, Romantisierung, Distanzierung und der abstrakten Beschäftigung mit dem ersten Weltkrieg führt. Dem allen setzt er nichts entgegen und erkennt erst spät , dass er dadurch Schuld auf sich lädt.
Am Ende seines Lebens kann er die obsessive Beschäftigung mit dem Krieg aufgeben, indem er die Frau, die er liebt durch einen tiefen Trauerprozess begleitet.
Norbert Gstrein hat sich wieder als exzellenter und kluger Erzähler erwiesen.
Rezensionen von Sybille Glaubrecht - Brückenbauerin zwischen Analyse & Sprache:
Nähen für Booklover von Olga Landel
Was Nähen für Booklover auszeichnet, ist seine Atmosphäre. Es geht weniger um Perfektion als um Beziehung: zur eigenen Zeit...
Dieses Buch ist eine Liebeserklärung – an Bücher, an Stoffe und an die stille Freude des Selbermachens.
Nähen für Booklover verbindet zwei Welten, die sich auf wunderbare Weise ergänzen: das Lesen als Rückzug und Inspiration – und das Nähen als achtsame, schöpferische Praxis. Olga Landel zeigt, dass Kreativität nicht laut sein muss, um tief zu wirken.
Sie entsteht hier aus Ruhe, Konzentration und Freude am Detail.
Die Projekte sind liebevoll ausgewählt und durchdacht. Sie laden nicht zum schnellen Konsum ein, sondern zum Verweilen: zu Stoffen, die man anfassen möchte, zu Dingen, die bleiben dürfen. Besonders schön ist, dass dieses Buch keine Hektik kennt. Es vermittelt ein Tempo, das dem Lesen ebenso vertraut ist wie dem Nähen – Schritt für Schritt, mit Aufmerksamkeit und Genuss.
Was Nähen für Booklover auszeichnet, ist seine Atmosphäre. Es geht weniger um Perfektion als um Beziehung: zur eigenen Zeit, zu den Materialien, zu den Geschichten, die Bücher wie selbstgemachte Dinge in sich tragen.
So ist dieses Buch mehr als ein Handarbeitsbuch.
Es ist eine Einladung zu einer Lebenshaltung, in der Kreativität, Achtsamkeit und Freude am Schönen selbstverständlich zusammengehören.
Eine sehr empfehlenswerte Lektüre – nicht nur für Booklover, sondern für alle, die das langsame, sinnliche Arbeiten wiederentdecken möchten.
Rezensionen von Sybille Glaubrecht - Brückenbauerin zwischen Analyse & Sprache:
Nähen für Booklover von Olga Landel
Wann wird Sammeln zu einer Form von Beziehung zur Welt – und wann ersetzt es diese?
Sammeln fasziniert – seit Jahrhunderten.
Es kann bewahren, erzählen, erinnern.
Es kann aber auch kippen: ins Maßlose, ins Ersatzhafte, ins Rastlose.
„Sammelwunder – Sammelwahn“ bewegt sich genau auf dieser schmalen Linie. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie tief das Sammeln im menschlichen Bedürfnis nach Ordnung, Sinn und Identität verwurzelt ist.
Zugleich macht es sichtbar, wie schnell aus Leidenschaft ein Zwang werden kann – und aus Bedeutung bloße Anhäufung.
Was das Buch stark macht, ist seine Materialfülle und kulturgeschichtliche Perspektive. Es öffnet viele Türen, erzählt von Kuriositätenkabinetten, Obsessionen und der psychologischen Dimension des Besitzens.
Gleichzeitig bleibt – zumindest für mich – eine Frage bewusst offen:
Wann wird Sammeln zu einer Form von Beziehung zur Welt – und wann ersetzt es diese?
Gerade heute, in einer Zeit permanenter Verfügbarkeit und digitaler Reizüberflutung, wirkt Sammeln oft wie ein Versuch, Halt zu finden. Doch Halt entsteht nicht durch Menge, sondern durch Bedeutung. Nicht jedes Objekt wird durch Besitz wertvoll – manchmal wird es erst durch Einordnung, Geschichte und bewusste Auswahl lebendig.
So gelesen ist „Sammelwunder – Sammelwahn“ weniger eine Anleitung oder Warnung, sondern eine Einladung zur Selbstprüfung:
Warum sammeln wir?
Was suchen wir – und was finden wir wirklich?
Ein anregendes Buch für alle, die sammeln –
und für jene, die spüren, dass zwischen Wunder und Wahn oft nur ein schmaler Grat liegt.
Rezensionen von Sybille Glaubrecht - Brückenbauerin zwischen Analyse & Sprache:
Situation und Konstellation von Hartmut Rosa
Ein stilles, kluges Werk, das Orientierung bietet, ohne sie zu verordnen...
Hartmut Rosa begleitet seit Jahren die große Frage unserer Zeit: Wie kann menschliches Leben in einer beschleunigten, verdichteten Welt gelingen, ohne sich selbst zu verlieren?
Mit „Situation und Konstellation“ wählt er dafür eine besonders feine, fast behutsame Perspektive. Statt gesellschaftliche Diagnosen weiter zuzuspitzen, lenkt er den Blick auf das Verhältnis von Mensch, Welt und Verantwortung – nicht abstrakt, sondern konkret, situativ, erfahrungsnah.
Rosa unterscheidet zwischen der Situation, in der wir handeln, und der Konstellation, in die wir gestellt sind. Diese Unterscheidung ist ebenso schlicht wie folgenreich:
Nicht alles liegt in unserer Hand – aber wie wir antworten, zuhören, uns verhalten, sehr wohl. Verantwortung entsteht nicht aus Kontrolle, sondern aus Beziehung.
Gerade in einer Zeit, in der technische Systeme, ökonomische Zwänge und globale Krisen das Gefühl von Ohnmacht verstärken, wirkt dieses Buch wie eine Einladung zur Besinnung:
Verantwortung ist kein moralischer Imperativ von außen, sondern eine Antwortfähigkeit von innen.
Rosas Sprache bleibt dabei klar, ruhig und offen. Er argumentiert nicht belehrend, sondern suchend. Das Buch liest sich weniger wie eine soziologische Abhandlung als wie ein Denkraum, der den Leserinnen und Lesern erlaubt, die eigene Position neu zu vermessen.
„Situation und Konstellation“ ist ein Buch für Menschen, die sich der Welt nicht entziehen wollen – aber auch nicht in bloßer Anpassung aufgehen.
Ein stilles, kluges Werk, das Orientierung bietet, ohne sie zu verordnen.
Rezensionen von Sybille Glaubrecht - Brückenbauerin zwischen Analyse & Sprache:
Das Helferlein-Paradox von Michael Schmid
Empfehlenswerte Lektüre für alle, die KI nicht nur nutzen, sondern verstehen und verantworten wollen
In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz zwischen Heilsversprechen und Untergangsszenarien verhandelt wird, wirkt dieses Buch wohltuend unaufgeregt – und gerade deshalb klärend.
Michael Schmid schreibt nicht über KI als spektakuläre Zukunftsvision, sondern über ihren realen Platz im menschlichen Handeln.
Sein zentrales Bild des „Helferleins“ ist dabei ebenso einfach wie wirkungsvoll: Große Sprachmodelle sind keine Akteure, keine Entscheider, keine moralischen Instanzen. Sie sind Werkzeuge – mächtig, beschleunigend, strukturierend. Verantwortung aber tragen weiterhin Menschen.
Das eigentliche Paradox, das Schmid sichtbar macht, liegt genau hier:
Je leistungsfähiger diese Systeme werden, desto größer wird der Bedarf an menschlicher Urteilskraft, Einordnung und ethischer Rahmung. KI reduziert Verantwortung nicht – sie verschiebt sie.
Besonders überzeugend ist, dass Schmid weder technikfeindlich noch euphorisch argumentiert. Er schreibt aus der Praxis, mit analytischer Klarheit und sprachlicher Disziplin. Das Buch richtet sich damit nicht nur an IT-Verantwortliche, sondern an alle, die sich mit Organisation, Führung, Wissen und Entscheidungskultur beschäftigen.
„Das Helferlein-Paradox“ ist kein Buch für schnelle Antworten.
Es ist ein Buch für Leserinnen und Leser, die bereit sind, genauer hinzusehen – und genau darin liegt seine Stärke.
Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die KI nicht nur nutzen, sondern verstehen und verantworten wollen.
Rezensionen von qq:
Lola im Spiegel von Trent Dalton
ergreifend geschrieben
ergreifend geschrieben
Eine junge Frau, die auf der Straße lebt - da von erzählt der Roman Lola im Spiegel von Trent Dalton. Lolas lebt mit ihrer Mutter ohne festes Zuhause in Brisbane, mehr oder weniger immer auf der Flucht. Sie schlafen oft im Auto oder an anderen Orten. Das Leben ist sehr schwer für sie.
Die Geschichte handelt von Armut, Familie und Hoffnung. Trotz vieler Probleme gibt Lola nicht auf. Sie ist mutig und will ein besseres Leben.
Der Schreibstil von Trent Dalton ist sehr ergreifend und auch verträumt (da Sicht von Lola) - das schöne, das Buch zeigt ganz eindeutig, dass es auch in den schwierigsten Situationen Hoffnung gibt.
Insbesondere das Ende finde ich sehr gelungen - Anfangs habe ich etwas gebraucht um in das Buch gut hineinzufinden.
Das Buch wirkt sehr ehrlich, hat mich ergriffen und zum Nachdenken gebracht. Ich finde es gelungen und von mir gibt es eine Empfehlung dafür.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Miriam Brandl:
Jack the Ripper - ein Fall für "Verbrechen von nebenan" von Philipp Fleiter
Wer war Jack the Ripper?
Schon wieder ein Buch über Jack the Ripper? Kann das überhaupt noch interessant sein? Es gibt doch schon mindestens 777777 Bücher zu diesem Thema!
Überraschenderweise muss ich zugeben, dass dieses True-Crime-Rätsel-Buch von Philipp Fleiter wirklich überzeugend „anders“ ist, nämlich spannend und gleichzeitig informativ.
Es ist eine gelungene Mischung aus gut recherchierten und historisch belegten Fakten einerseits und Fiktion andererseits. Der Autor lässt nämlich die Reporterin Charlotte Frances Foster nach der Wahrheit über die grauenhaften Morde suchen. Vorbild für diese Protagonistin war übrigens Elizabeth Jane Cochran, besser bekannt unter dem Synonym Nellie Bly – die bekannteste Reporterin dieser Zeit. Ihre Suche bildet die Rahmenhandlung und ermöglicht, dass neben den Morden auch soziale Missstände und gesellschaftliche Verhältnisse thematisiert werden. Der Autor zeichnet ein stimmiges Bild jener Zeit, beschreibt das Leben und die Probleme der Frauen, die dem Ripper zum Opfer fielen.
10 Kapitel, die nicht nur die Geschichte und Geschichten um Jack the Ripper erzählen, sondern viel mehr zu bieten haben: besonders gefallen mir die Infoboxen, wo man allerlei Wissenswertes über die Zeit und das Leben erfahren kann und eine amüsante Spielerei sind die Rätsel, die jedes Kapitel abschließen. Ich vermute allerdings, dass die Autoren (immerhin Peter & Johannes Sich) die Nachdenk- und Kombinierlust der Leserinnen etwas unterschätzt haben. Es könnte kniffliger sein!
Genial finde ich die Lösung am Ende – jeder kann seine eigenen Schlüsse ziehen und sich für einen der vier Verdächtigen entscheiden. Der Autor erläutert dann etwas genauer was für oder gegen diesen Verdächtigen spricht. Spannend!
Wer also gerne rätselt und sich für True-Crime interessiert, wird mit diesem Buch nette und vergnügliche Lesestunden verbringen!










