Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Liselottchen:
All the Things I Love about You von Amelia Cadan
Gefühlvoll geschriebener Liebesroman mit tiefgehendem Thema
Die angehende Medizinerin Dawn kann das Leid ihrer Tante Juliana nicht länger ansehen und hilft ihr beim assistierten Suizid. Die Folgen für sie sind katastrophal: Sie wird kurz vor dem Abschluss von der Universität geworfen, zudem darf sie in keinem anderen Staat ihr Studium zu Ende führen. Ihr Traum vom Beruf als Ärztin ist somit geplatzt, auch sonst bekommt sie keine Chance auf einen Job.
Daher ist sie überglücklich, dass sie der Kickbox-Star Landen als Assistentin einstellt. Von Anfang an fühlen die beiden sich zueinander hingezogen, doch ist es eine gute Idee, sich mit dem Chef einzulassen?
Es ist mein erstes Buch der Autorin und der leicht zu lesende bildhafte Schreibstil ließ mich sofort in die Geschichte eintauchen. Es ist in der Ich-Form abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren geschrieben. Beim ersten Drittel dachte ich, eine nette Wohlfühlgeschichte, angenehmer Schreibstil, aber nichts Neues. Das änderte sich jedoch schlagartig, als ein Unfall passiert, der alles auf den Kopf stellt. Ab hier wird es emotional und die Story geht in eine komplett andere Richtung, die mir sehr gut gefiel. Die Ängste und Sorgen der Protas werden gut dargestellt, auch die Nebenfiguren fügen sich toll in die Geschichte ein. Dawns Eltern sind Schatten im Hintergrund, deren Verhalten ich nicht nachvollziehen kann, da hätte ich mir mal eine direkte Konfrontation gewünscht. Auch der Umgang mit dem behinderten Sohn (Dawns Bruder) ist eigenartig, weil sie Dawn ständig das Zusammensein mit ihm verbieten wollen.
Das Ende ich durchaus befriedigend, lässt aber einige Fragen offen. Vielleicht gibt es Erklärungen im zweiten Band.
Unter dem Strich: ein tiefgehender Liebesroman, der nachdenklich stimmt und den ich sehr gern weiterempfehle.
Rezensionen von brauneye29:
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler
Bemerkenswertes Buch
Zum Inhalt:
Der Erzähler der Geschichte blickt auf die Geschichte seiner Familie zurück, die wahrlich eine Geschichte des Wahnsinns ist. Die Großmutter bipolar mit diversen Selbstmordversuchen, Mutter Alkoholikerin, Vater depressiv, blickt er nun auf seinen eigenen Weg aus dem Arbeiterviertel, über New York und Wien um selbst in einer Anstalt zu landen, als Psychologe.
Meine Meinung:
Das Buch und auch das Hörbuch habe ich als sehr besonders empfunden und könnte nicht mal sagen warum, aber diese Beschäftigung mit dem Wahnsinn war irgendwie unglaublich interessant und intensiv. Wie würde man wohl selbst damit umgehen, soviel Wahnsinn in der Familie zu haben? Das Leon Angst davor hat, selbst verrückt zu werden, ist mehr als verständlich. Der Umgang damit umso erstaunlicher. Wenn ich bedenke, dass es ein Debüt-Roman ist, in dem der Autor auch noch Einblick in die eigene Geschichte gibt, Hut ab dafür. Hat mir enorm gut gefallen.
Fazit:
Bemerkenswertes Buch
Rezensionen von katis zettelchen:
Schattengrünes Tal von Kristina Hauff
Kleine Reise in den dunklen Schwarzwald
Ein kleiner Ort im Schwarzwald, alteingesessene Familien, Familienquerelen, Freud und Leid und ein neuer weiblicher Gast im Hotel. Hauff führt gut in ihre Geschichte ein, die Umgebung, Tal und Berg, die Charaktere. Geschickt wird unterschwellig Spannung aufgebaut, die Beziehungen der Personen zueinander angelegt, es liest sich flüssig und schnell und macht Spaß.
Als sich die Lage zuspitzt und es dramatischer wird, bleiben Handlung und Figuren leider etwas oberflächlich und klischeehaft. Es ist immer noch ein netter Roman im Schwarzwald, aber der Anfang versprach mehr. Empfehlenswert als schnelle Sommerlektüre.
Rezensionen von readpassion9:
Dunkle Sühne von Karin Slaughter
fesselnder Reihenauftakt
"Dunkle Sühne" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe aus der Feder von Karin Slaughter. Schauplatz North Falls, ein kleiner Ort in dem jeder Jeden kennt. Deputy Emmy Clifton ermittelt im Fall von zwei verschwundenen Mädchen. Es ist der 4. Juli, Unabhängigkeitstag und die Feierlichkeiten sollen mit einem Feuerwerk abgeschlossen werden.
Danach werden zwei Mädchen vermisst, schnell ist klar, dass sie gekidnappt wurden. Eines der Mädchen ist die Tochter von Emmys bester Freundin, was die Sache verkompliziert. Emmy gibt alles, um die Mädchen zu finden.
Ein typischer Slaughter: Komplex, spannend und fesselnd. Der Schreibstil wie gewohnt bildhaft, super zu lesen. Es gibt jede Menge Protagonisten und verwandtschaftliche Verhältnisse auseinander zu halten, was anfangs etwas Konzentration erfordert, im Verlauf dann besser wird. Ich fand die Figurenzeichnung absolut gelungen, von den wichtigsten Protas hatte ich ein gutes Bild. Emmy ist sympathisch, ich habe mit ihr mit gelitten und war bei den Ermittlungen hautnah dabei.
Die Geschichte ist absolut nicht vorhersehbar, es gibt schockierende Entwicklungen, die betroffen machen. Dunkle Geheimnisse, die nach und nach gelüftet werden. Verschiedene Zeitebenen bringen eigenen Drive in die Handlung. Besonders gut fand ich die Beschreibung der Ermittlungsarbeit, wirkt sehr authentisch.
Fazit: Fesselnder Reihenauftakt, ich bin auf die Fortsetzung gespannt.
Rezensionen von Anno:
Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly
Beeindruckend und sehr berührend
Diese Hörbuch war gewaltig und leise zugleich- ruhig, wehmütig und ergreifend. Ich war vom Cover ja sofort angetan. Seine schlichte Eleganz und die maritimen Elemente trafen dabei genau den Ton, den die Geschichte selbst auch anschlägt. „Das Geschenk des Meeres“ ist kein klassischer Spannungsroman.
Es geht nicht darum, das Rätsel eines verschwundenen Kindes zu lösen. Vielmehr ist es eine leise aber eindrückliche Reise in das Seelenleben einer Frau und Mutter, die mit Verlust, Sehnsucht und Selbstzweifeln ringt. Julia R. Kelly erzählt dabei so authentisch und einfühlsam, dass ich mich Dorothy oft ganz nah und stark mit ihr mitfühlte. Über der gesamten Handlung lag etwas bedrückendes, aber auch eine leicht entrückte Stimmung, die die Ernsthaftigkeit der Handlung aber nur noch mehr unterstrich.
Mich hat Dorothys Geschichte sehr beeindruckt. Es ist eine, die man so rasch nicht wieder vergisst.
Rezensionen von Anno:
Am Meer ist es schön von Barbara Leciejewski
Es bricht einem das Herz
Wie unschuldig der Titel des Buches doch klingt. Dabei steckt in dessen Seiten so viel Leid!
Ich habe schon bevor ich dieses Buch las bereits mal eine Doku über die Zustände in solchen Kinderkurheimen gesehen und wusste dadurch schon grob was mich erwartet wird. Vorbereitet darauf war ich dadurch aber trotzdem nicht.
Ein Roman wie dieser schafft doch noch mal ganz anders in den Leser einzudringen. Man baut unweigerlich eine Verbindung zu den kleinen, verletzten Seelen der Handlung auf und begreift deutlich was diese Kinder durchlitten haben mögen und wie weitreichend und prägend diese Erfahrungen ihr ganzes Leben lang blieben. Den Bogen schließen dabei die Erzählungen Susannes am Sterbebett ihrer Mutter, die endlich so etwas wie Frieden und Verständnis brachten.
Mich hat all dies sehr aufgewühlt, aber auch beeindruckt.
Es ist eine fiktive Geschichte, die stellvertretend für all die realen Opfer dieser Kuren steht.
Rezensionen von Anno:
Irida 1. Irida und die Stadt der Geheimnisse von Markus Heitz
Überall Kaninchen
Irida besitzt die Magie, die irgendwie allen Heitz-Büchern innewohnt. Trotzdem hat es mich dann doch weniger überzeugt als angenommen. Die Charaktere sind toll und bunt, auch wenn mir etwas zu oft Iridas Besonderheiten erwähnt wurden. Und auch der Schreibstil hat mich von Anfang an gut abgeholt. Aber man merkt auch, dass sich dieses Buch an jüngere Leser richtet.
Die Handlung ist einfacher aufgebaut und manche Geschehnisse wirken irgendwie gekürzt. In diesen Momenten leidet die Logik dann leider auch etwas. Ob dies aber jüngeren Lesern wirklich auffällt oder gar stört, glaube ich nicht einmal.
Die Furchtlosen, Iridas Clique, sind fasziniert von den hiesigen Mythen. Doch als sie nach einer mysteriösen illegalen Grabung und dem Verschwinden zweier Menschen auf das Bruchstück eines Artefakts stoßen, und wenig später ein Mann während einer Höhlenführung verloren geht, schwindet ihre Skepsis mehr und mehr und ihnen wird klar- Magie existiert wirklich. Doch so sehr viel Anteil an der Aufklärung der Geschehnisse hatten Irida und ihre Clique aber eigentlich gar nicht. Vieles fliegt ihnen nahezu zu oder geschieht einfach in ihrer Anwesenheit. Das Buch wirkt dabei eher ruhig und doch interessant- auch durch die zwischengeschobenen Aufschriebe und die Pläne des ‚Vereins’. Etwas mehr Spannung hätte diesem ersten Band, der als Serienauftakt hauptsächlich das Feld für kommende Ereignisse bereitet. aber trotzdem gutgetan.
Rezensionen von DoraLupin:
Wir sehen uns wieder am Meer Die Großmutter-Reihe von Trude Teige
Norwegen zu einer dunklen Zeit
Das Cover und der Klappentext hatten mir direkt zugesagt, leider kannte ich die Vorgängerbände der Reihe nicht, aber es war auch ohne Vowissen nicht problematisch in der Geschichte mitzukommen und ich wollte nun zumindest das neuestes Werk der Reihe nicht verpassen.
Die Geschichte dreht sich um die junge Krankenschwester Birgit, diese begegnet Norwegen 1944 der 16-jährigen Nadia, die aus der Ukraine zur Zwangsarbeit in der Fischfabrik verschleppt wurde.
Als Birgit sich dem Widerstand anschließt und Nadia einen Kollaborateur trifft, geraten sie in höchste Gefahr. Ihre Geheimnisse teilen sie nur mit dem ‚Deutschenmädchen‘ Tekla. Weit über den Krieg hinaus müssen die Freundinnen Entscheidungen fällen, die noch das Leben ihrer Kinder und Enkel prägen werden.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir erst aber nicht so leicht gefallen denn der Schreibstil war weniger locker und leicht, sondern glich eher einem Bericht der damaligen Zeit und ich konnte mich deshalb nicht gleich in die Geschichte hineinfallen lassen sondern habe meine Zeit gebraucht. Ich mag einen bildhafteren und lebendigeren Schreibstil normalerweise lieber um in der Geschichte mitzufiebern. Auch die vielen Namen der Charaktere haben es mir anfangs schwer gemacht diese richtig zuzuordnen.
Die beiden Protagonistinnen unterscheiden sich charakterlich, die eine ist Krankenschwester und möchte Menschen helfen und gelangt immer mehr in eine Wiederstandsgruppe hinein, die andere hat als Zwangsarbeiterin kein einfaches Leben und muss erst einmal wieder lernen den Menschen zu vertrauen. Beide Protagonistinnen wurden recht sympathisch und authentisch für die damalige Zeit beschrieben und ich konnte ihr Handeln und ihre Gedanken verstehen, aber so richtig nahe sind sie mir leider nicht gekommen und die Nebencharaktere konnte ich bis zuletzt nur schwer voneinander unterscheiden. Sicher wäre es deshalb leichter die Bücher doch in der richtigen Reihenfolge zu lesen, auch wenn man sonst kein richtiges Vorwissen braucht.
Die damalige Zeit wurde dafür wirklich sehr gut eingefangen und die sehr dunklen Zeit Deutschlands wurde ungeschönt beschrieben. Ich konnte einiges über die Zeit dazulernen, gerade wie es den Menschen in Norwegen damals ergangen und ich habe das Hörbuch gerne angehört und hatte ein paar Unterhaltsame Stunden damit, langweilig wurde es nicht.
Die Sprecherin hatte eine angenehme Stimme und hat gut zur Geschichte gepasst. Sie hat sehr lebendig und schön vorgelesen und ich habe gerne zugehört.
Fazit: Eine Geschichte bei der man viel über damals lernen kann, der Schreibstil hat mir jedoch nicht so zugesprochen deshalb erhält das Hörbuch 3,5 von 5 Sternen.
Rezensionen von DoraLupin:
Wir sehen uns wieder am Meer von Trude Teige
Norwegen zu einer dunklen Zeit
Das Cover und der Klappentext hatten mir direkt zugesagt, leider kannte ich die Vorgängerbände der Reihe nicht, aber es war auch ohne Vowissen nicht problematisch in der Geschichte mitzukommen und ich wollte nun zumindest das neuestes Werk der Reihe nicht verpassen.
Die Geschichte dreht sich um die junge Krankenschwester Birgit, diese begegnet Norwegen 1944 der 16-jährigen Nadia, die aus der Ukraine zur Zwangsarbeit in der Fischfabrik verschleppt wurde.
Als Birgit sich dem Widerstand anschließt und Nadia einen Kollaborateur trifft, geraten sie in höchste Gefahr. Ihre Geheimnisse teilen sie nur mit dem ‚Deutschenmädchen‘ Tekla. Weit über den Krieg hinaus müssen die Freundinnen Entscheidungen fällen, die noch das Leben ihrer Kinder und Enkel prägen werden.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir erst aber nicht so leicht gefallen denn der Schreibstil war weniger locker und leicht, sondern glich eher einem Bericht der damaligen Zeit und ich konnte mich deshalb nicht gleich in die Geschichte hineinfallen lassen sondern habe meine Zeit gebraucht. Ich mag einen bildhafteren und lebendigeren Schreibstil normalerweise lieber um in der Geschichte mitzufiebern. Auch die vielen Namen der Charaktere haben es mir anfangs schwer gemacht diese richtig zuzuordnen.
Die beiden Protagonistinnen unterscheiden sich charakterlich, die eine ist Krankenschwester und möchte Menschen helfen und gelangt immer mehr in eine Wiederstandsgruppe hinein, die andere hat als Zwangsarbeiterin kein einfaches Leben und muss erst einmal wieder lernen den Menschen zu vertrauen. Beide Protagonistinnen wurden recht sympathisch und authentisch für die damalige Zeit beschrieben und ich konnte ihr Handeln und ihre Gedanken verstehen, aber so richtig nahe sind sie mir leider nicht gekommen und die Nebencharaktere konnte ich bis zuletzt nur schwer voneinander unterscheiden. Sicher wäre es deshalb leichter die Bücher doch in der richtigen Reihenfolge zu lesen, auch wenn man sonst kein richtiges Vorwissen braucht.
Die damalige Zeit wurde dafür wirklich sehr gut eingefangen und die sehr dunklen Zeit Deutschlands wurde ungeschönt beschrieben. Ich konnte einiges über die Zeit dazulernen, gerade wie es den Menschen in Norwegen damals ergangen und ich habe die Geschichte gerne gelesen und hatte ein paar Unterhaltsame Stunden damit, langweilig wurde es nicht.
Fazit: Eine Geschichte bei der man viel über damals lernen kann, der Schreibstil hat mir jedoch nicht so zugesprochen deshalb erhält das Buch 3,5 von 5 Sternen.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler
Lieber verrückt als einer von euch?
Es gibt ein Klischee über Psychologinnen und Psychologen: die hätten das alle studiert, um sich selbst besser zu verstehen. Oder zumindest ihre verrückte Familie. Ich habe selbst Psychologie in Wien studiert und kann aus Erfahrung sagen: da ist durchaus ein bisschen was dran. Wer aus einer absolut glücklichen Familie ohne Probleme kommt - falls es so etwas irgendwo geben sollte - entwickelt selten so ein tiefgreifendes Interesse für die Menschen und ihre seelischen Abgründe.
Selbst Erfahrung mit psychischen Erkrankungen im persönlichen Umfeld zu haben, kann aber auch durchaus ein Vorteil für die berufliche Arbeit in diesem Bereich sein: wenn diese Erfahrung gut verarbeitet und reflektiert wurde.
Ein leuchtendes Rollenvorbild dafür ist der Psychologe und Autor Leon Engler. In seinem autofiktionalen Roman erzählt er berührend, einfühlsam und zugleich humorvoll von seiner eigenen Familiengeschichte und seinem Weg hin zur Psychologie sowie von seinen Erfahrungen mit einer einjährigen Tätigkeit als Psychologe an einer Wiener stationären Psychiatrie nach seinem Studium, wo er auf verschiedenen Stationen mit an Schizophrenie Erkrankten, Depressiven sowie Suchtkranken arbeitet.
Seit frühester Kindheit prägen die diversen psychischen Erkrankungen seiner Eltern und Großeltern sein Leben: die Großmutter überlebt zwölf Suizidversuche, bis sie am Ende doch in höherem Alter an einer körperlichen Erkrankung stirbt. Geplagt von Depressionen und Angstzuständen, verriegelt sie ständig alle Fenster und Türen, verdunkelt das Heim mit Vorhängen und lebt doch in ständiger Angst vor imaginierten Feinden und Verfolgung. Ihre Tochter, die Mutter des Autors, ist fest entschlossen, nicht in ihre Fußstapfen zu treten, übt das ständige Lächeln und Fröhlich-Sein, schafft es mit hoher Begabung und Glück trotz kaum formaler Ausbildung zur erfolgreichen Journalistin... und wird doch später ebenfalls von Depressionen und Alkoholsucht eingeholt.
"Sie war so kraftlos, so hoffnungslos, so lebenslos, lag herum wie die Wäsche, die sie nicht mehr wusch, und die Briefe, die sie nicht mehr öffnete." (S. 147)
"Ich habe Jahre damit zugebracht, mir diese Frage zu stellen: Warum? Es hätte doch nicht sein müssen." (S. 148)
Auch auf der väterlichen Seite sieht es nicht viel besser aus: der Vater des Autors wurde von seiner minderjährigen Mutter zur Adoption freigegeben, er war als Kleinkind mehrmals längere Zeit in Waisenhäusern, die erste Adoptivmutter starb, die nächste erlebte er als nicht sehr fürsorglich. Auch er wird zeitlebens mit Depressionen kämpfen und schließlich fast mittellos ein Leben am Rande der Gesellschaft führen.
Was bedeutet das für den Autor? Die hohe erbliche Komponente psychischer Erkrankungen ist bekannt und auch der Autor, der schon vor dem Psychologiestudium Werke diverser Autoren und Autorinnen in diesem Bereich geradezu verschlingt, erfährt bald davon. Er liest sich in das Thema ein und er ist der erste in seiner Familie, der nicht einfach von psychischen Erkrankungen eingeholt werden und darüber schweigen will, sondern sich schon im Vorfeld aktiv damit beschäftigt und konfrontiert. Denn so wie seine Familie möchte er es nicht machen:
"Wir sagten nicht, was wir gerne gesagt hätten, das taten wir nie. Wir waren aber auch nie zufrieden mit dem, was wir stattdessen sagten. Es blieb an der Oberfläche. Darunter sammelte sich, wie Staub unter einer alten Couch, das Nicht-Gesagte." (S. 13/14 im E-Book)
In Wien freundet er sich mit seinem Nachbarn an, einem eigensinnigen, aber sehr gebildeten älteren Herren, der ihm am Ende einen großen Teil seiner Fachbibliothek hinterlässt und dessen weise Sprüche den Autor noch über dessen Tod hinaus prägen werden. Beispielsweise überlegt er als junger Mann lange, was er studieren solle, ob Theaterwissenschaft, Literatur oder doch Psychologie (schließlich wird er mit Theaterwissenschaft beginnen und später Psychologie als Zweitstudium dazunehmen). Der Nachbar rät ihm dazu, sich mit den großen Werken der klassischen Literatur zu beschäftigen, da lerne er mehr über die Menschen als im statistiklastigen Psychologiestudium:
"Dann erzählt er mir von seinem Lieblingsbaum. Halb Orange, halb Zitrone. In der Orangerie stehe dieser Baum. Die Literatur, das seien die Zitronen, die Psychologie die Orangen. Beides eine Familie, beides hänge am selben Stamm. Aber die Zitrone sei botanisch gesehen älter." (S. 21)
Die Frage nach den psychischen Erkrankungen in seiner Familie und deren Erblichkeit lässt den Autor aber sowieso nicht los. Er beschäftigt sich auch mit der historischen Entwicklung des gesellschaftlichen Umgangs mit Menschen, die in Verhalten oder Erleben von der damaligen Norm abwichen, und lässt uns im Buch an seiner Reise teilnehmen. An dieser Stelle hat das Buch auch Sachbuchkomponenten und man erfährt so einiges Interessantes und Wissenswertes über den Wandel in der Einstellung gegenüber psychisch Erkrankten:
"In Europa ging man mit Geisteskranken lange vor allem so um: Man grenzte und stellte sie aus. (...) In Wien widmete man den Narren im 18. Jahrhundert einen fünfstöckigen Turm mit Wänden dick wie Festungsmauern, eine der ersten Irrenanstalten der Welt." (S. 37)
Schließlich konfrontiert sich der Autor nach abgeschlossenem Psychologiestudium ganz bewusst mit dem Ort, an dem so viele seiner Vorfahren immer wieder gelandet wird und zu denen es dort zum Teil bis heute dicke Akten gibt:
"Ein seltsames Gefühl: sich in der Psychiatrie gut aufgehoben zu fühlen. Aber warum nicht? Hierhin kann ich den Weg meiner Familiengeschichte verfolgen wie die Spur einer Schnecke. Meine Familie hat ein Talent für Verrücktheit." (S. 57)
Ehrlich und reflektiert beschreibt er, wie sehr auch die Ärztinnen und Ärzte, Psychologen und Psychologinnen oft immer noch im Dunkeln tappen, wenn es darum geht, ihren psychisch kranken Patienten zu helfen. Und dass oft gar nicht so leicht erkennbar sei, wer Helfer und wer Patient sei: als er einmal sein Namensschild nicht trug, wurde er von einer Pflegerin aus dem Pausenraum geschmissen, weil sie ihn für einen Patienten hielt und ihm nicht glaubte, dass er ein Psychologe sei, denn das würden auch die Patienten ständig von sich behaupten.
Klar gibt es viele wissenschaftliche Modelle, Theorien und Studien zu den diversen psychischen Erkrankungen, doch die einzelnen Patienten funktionieren nicht unbedingt nach Manual, und am besten müsse man für jeden seine individuelle Therapie erfinden:
"Wir besprechen mit den Patienten die unzähligen Theorien, Fakten und Modelle zur Depression. Doch ebenso besprechen wir die unzähligen Ungewissheiten, Mysterien und Zweifel." (S. 111)
Nicht zu viel erwarten solle man vom Aufenthalt in der Psychiatrie oder von der Therapie. Oft sei es schon ein großer Erfolg, aus einem extremen Elend ein ganz normales Unglück zu machen... denn absolut glücklich sein? Das sei ein sehr hohes Ziel, das auch die meisten scheinbar normalen, in unserer Gesellschaft bis jetzt funktionierenden Menschen nicht vollständig erreichen würden.
Sehr sympathisch finde ich auch, dass der Autor im Buch immer wieder klarstellt, dass das, was wir als psychisch krank definieren und die Umstände, die dazu führen, dass Menschen in der jeweiligen Gesellschaft nicht so funktionieren (können oder wollen), wie wir das gerne hätten, immer auch sehr viel mit der jeweiligen Gesellschaftsordnung zu tun hat:
"Evolutionär betrachtet ist der Schmerz nicht die Krankheit. Er ist ein Warnlicht, das darauf hinweist, dass es ein Problem gibt. Ich glaube nicht, dass mein Vater das Problem war." (s. 152)
Das ist etwas, was die Psychiatrie aber kaum adressieren oder verändern könne, dort sei nicht der richtige Ort für gesellschaftliche Veränderungen, und das Personal dort schon mit der täglichen Arbeit, den Personalengpässen und den vielen hilfsbedürftigen Patienten voll ausgelastet bis überfordert.
"Botanik des Wahnsinns" ist ein liebevoll geschriebenes, humorvolles und zutiefst berührendes, persönliches Buch über den Umgang eines sehr weisen und reflektierten jungen Menschen mit einer herausfordernden Familiengeschichte. Trotz all der Dunkelheit scheint so viel Wärme und Liebe aus diesem Buch und es wird spürbar, wie sehr dem Autor sowohl seine Familie als auch insgesamt Menschen, die sich schwer tun, ihren Platz in unserer leistungsorientierten Gesellschaft zu finden, am Herzen liegen und wie er ehrlich nach Antworten auf seine Fragen sucht.
Ich kann das Buch allen, die sich für das Thema psychische Erkrankungen in der Familie und im Wandel der Zeit interessieren, nur sehr ans Herz legen: in diesem persönlichen Memoir liest man nicht nur eine berührende Geschichte, sondern kann auch jede Menge lernen und wird selbst aufgefordert, die Gesellschaft, in der wir leben, zu hinterfragen.
Dazu noch ein letztes der unzähligen schönen Zitate aus diesem besonderen Buch: in dieser Szene beendet der Autor seinen einjährigen beruflichen Aufenthalt auf der Psychiatrie und erhält ein Abschiedsgeschenk:
"Ich packe das Geschenk aus. Eine Kaffeetasse: Lieber verrückt als einer von euch." (S. 154)











