Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Havers:
Nelka von Svenja Leiber
Wunden heilen, aber Narben bleiben zurück
Zwischen 1939 und 1945 werden ca. 13 Millionen Männer, Frauen und Kinder, viele aus Osteuropa, ins Deutsche Reich verschleppt, um meist unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit in Fabriken und der Landwirtschaft zu leisten. Ca. 2,5 Millionen dieser Menschen überleben diese Tortur nicht (Zahlen von der Stiftung evz).
Nelka ist eine Überlebende. Als Sechzehnjährige wird sie aus Lemberg verschleppt, kommt auf ein Gut in Norddeutschland. Dort werden im großen Stil Apfelbäume angebaut, etwas, womit sich Nelka auskennt, hat sich doch ihr Vater speziell mit deren Veredlung beschäftigt und das Wissen an seine Tochter weitergegeben. Es bleibt nicht aus, dass sie schon bald dem Gutsverwalter Marten ins Auge fällt. Nicht nur wegen dieser Kenntnisse. Und es kommt, wie es kommen muss. Soweit, so konventionell.
Nelka überlebt, und damit wäre eigentlich alles gesagt. Aber die Geschichte kippt, als sie nach Jahrzehnten an diesen Ort zurückkehrt. So lange wurde sie von Erinnerungen an diese Zeit verfolgt, die ihr Leben seither auf verschiedenste Weise geprägt haben. Und nun will und muss sie sich nicht nur diesen stellen, die Gespenster der Vergangenheit endlich loswerden, zum Abschluss kommen. Aber das kann ihr nur durch die erneute Begegnung mit Marten gelingen.
Nelkas Geschichte steht stellvertretend für das, was so viele Zwangsarbeiterinnen erlebt haben. Aber Svenja Leiber schaut genauer hin, vermeidet vordergründig das Täter/Opfer-Narrativ, indem sie die historischen Gegebenheit im Blick behält, Abhängigkeiten thematisiert, die wesentlichen Einfluss auf das Überleben in diesen Zeiten haben. Sie verharmlost nicht, konfrontiert uns mit Ausbeutung und Missbrauch, Macht und Ohnmacht, Schuld und Unschuld, beschreibt den Einfluss von Handlungen und Erlebtem auf das weitere Leben und lässt uns so mit mehr als ambivalenten Gefühlen zurück.
Ein berührender Roman über ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, nicht nur historisch interessierten Leserinnen und Lesern empfohlen.
Rezensionen von verhei:
Disney Malen nach Zahlen - Vaiana von
Farbrausch im Vaiana-Universum - ein tolles Malen-nach-Zahlen-Buch
Ein klassisches Malbuch im Stile von Malen nach Zahlen, dass doch sehr detailreich und damit durchwegs herausfordernd ist. Die Motive des Malbuches kommen, wie schon der Titel vermuten lässt, aus den Vaiana Universum – hier auf Basis des Films Vaiana – Das Paradies hat einen Haken. Man findet Pula, Taia, Hei- Hei, Tui und Sina wieder, und noch manche mehr.
Die Aufmachung des Buches ist gelungen: Man darf sich auf doch dickeres Blatt freuen, dass ein besseres Malerlebnis erlaubt – es drückt sich schlichtweg meistens nichts durch. Extra gewarnt wird vor Farben auf Alkoholbasis die sich eben doch durchbluten können. Eine entsprechende Farbskala auf jeder Seite unten gibt die Farben für eine realistische Färbung des Bildes vor. Die Kennzeichnung erfolgt durch Zahlen und Buchstaben, verwechslungssicher wie ich finde und gut zu erkennen. Ergänzt wird das Buch durch einen Tracker für den Ausmalfortschritt. Weiters gibt es auch eine Auflistung der schon colorierten Bilder, wenn man ein bestimmtes sucht und sich nicht vom Linienwirrwarr überraschen lassen will.
Etwas das man nicht unterschätzen darf, ist die Menge an Farben, die man benötigt, um das vorgestellte Bildergebnis zu erhalten. Teilweise sind etliche Schattierungen einer Farbe notwendig. Dies benötigt ausreichend Farben und auch etwas Vorbereitungszeit zum Suchen, wird allerdings durch ein wirklich buntes Farberlebnis belohnt.
Ein schönes Malerlebnis für Jüngere und Ältere – das Einstiegsalter mit zwölf Jahren finde ich realistisch- sind die Felder doch eher kleinteilig.
Rezensionen von barbara.liest:
Der Mond im Meer von Sandra Dieckmann
wundervolle Geschichte
Die Maus lebt ganz alleine mit ihren Schätzen im Baum, der Mond ist ihr einziger Freund, glaubt sie.
Nachdem er nie mit ihr spricht wird sie eines Tages zornig und wirft einen Stein nach ihm. Plötzlich fällt er vom Himmel und die Maus macht sich verzweifelt auf die Suche nach ihm.
Sie findet auf ihrer Reise nicht nur den Mond - sie findet etwas viel wichtigeres, die Erkenntnis, dass sie nicht alleine ist.
Eine wundervolle Geschichte mit sehr liebevoll gestalteten Zeichnungen die auch viel Raum lassen Dinge zu entdecken.
Der Text ist leicht zu lesen und nicht überladen.
Der Autorin ist es gelungen in diese Geschichte den Sinn vom Miteinander, Zusammenhalt, Kompromissbereitschaft und Freundschaft zu verpacken.
Der Titel hat die Tiefe des Buches nicht verraten. Das Cover finde ich ebenfalls traumhaft und mit viel Liebe und detailtreue gestaltet.
Rezensionen von Buchseelensammlerin:
Death's Daughter von S. A. Barnes
Leider etwas oberflächlich
Das Cover des Dusk Jackets von Death's Daugther ist sehr schön gestaltet, wobei mir die Gestaltung des Einbands sogar noch besser gefällt. Die Gestaltung passt zum düsteren Thema. Der schwarze Farbschnitt sieht auf den ersten Blick etwas langweilig aus, wenn man aber genauer hinschaut sieht man, dass dort etwas geschrieben steht.
Für mich enthält Death's Daugther weniger Romance dafür jedoch paranormales.
Die Grundidee hat mir bereits bei der Leseprobe gefallen, was auch durch den angenehmen und flüssigen Schreibstil hervorgehoben wurde. Dadurch kam ich recht schnell in die Geschichte rein.
Auch im weiteren Verlauf des Buches finde ich die Mischung von Dark Academy und paranormaler Mystery gut, jedoch ziemlich oberflächlich umgesetzt.
Jocasata ist eine interessante Protagonistin mit besonderen Fähigkeiten, aber richtig warm wurde ich mit ihr und den anderen Charakteren nicht. Jocasta, die als klug beschrieben wird, trifft oft Entscheidung, die sehr naive und nicht nachvollziehbar waren. Auch mit dem Second Chance Love Interest wurde ich nicht richtig warm und fand ihn eher nervig.
Gegen Ende nahm die Geschichte wieder Fahrt auf, was ich mir für das komplette Buch gewünscht hätte.
Ob ich mir Band 2 holen werde weiß ich noch nicht.
Rezensionen von Anja :
Voll im falschen Film von Wiebke Lorenz
Suchtdruck
Der nüchterne Roman VOLL IM FALSCHEN LEBEN von Wiebke Lorenz handelt von der Schauspielerin und Mutter Nora Stern, die drei Jahre trockene Alkoholikerin war – bis sie niedergeschlagen wird und in einem Partykeller mit viel Alkohol wieder aufwacht – und zurück in die Sucht verfällt.
Ein paar Tage später erwacht sie wieder im Stadtpark und ihr Leben hat sich um 180 Grad gedreht, denn die Sucht bestimmt wieder ihr Leben.
Wem kann sie jetzt noch trauen, wenn sie schon sich selbst kaum trauen kann? Menschen kommen und gehen und die Grenze zwischen Hilfsbereitschaft und Kopfschütteln ist fließend.
Das Buch war sehr intensiv, weil es aus der Sicht einer Alkoholikerin geschrieben ist. Man kann den Suchtdruck regelrecht spüren und die ständige Frage, wie man wieder dort herauskommt und vor allem, für wen oder was sich eine Abstinenz lohnt. Und kann man jedem trauen? Ein offenes Buch, dass durch seine humorvolle Art ein wenig von der Ernsthaftigkeit des Themas abfedert.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Die Stunde der Frauen von Adèle Bréau
Eine klare Leseempfehlung!
Menie Grégoire ist Radiomoderatorin in den 1960er-Jahren und ihrer Zeit weit voraus. Obwohl schon über 50 Jahre alt, wird sie mit ihrer Radiosendung in ganz Frankreich berühmt. Nicht immer zur Freude mancher erzkonservativen Kräfte. Was ist an Menies Sendung so besonders? In ihr kommen erstmals Frauen zu Wort.
Menie liest entweder Briefe mit den Alltagssorgen und Nöten der Frauen vor, oder telefoniert mit ihnen.
Grégoire gibt Ratschläge, versucht den Frauen Mut zu machen, sich nicht von Ehemännern oder Schwiegermüttern unterbuttern zu lassen und, nimmt ein wichtiges Thema in ihre Sendung auf: Sexuelle Aufklärung und Verhütung. Zu dieser Zeit sind Familien mit 10, 12 Kindern keine Seltenheit. Die Mütter rackern sich zu Tode, sind von den Schwangerschaften, die oft genug mit Fehlgeburten enden, total erschöpft und müssen dennoch Schläge und aufgezwungenen Sex ihrer Männer erdulden.
Wir Leser erfahren auch einiges über Menie Grégoire, die verheiratet ist und drei Töchter zur Welt gebracht hat. Eine ihrer Enkelinnen, die Journalistin Esther, wird Jahre später über Menies Geschichte stolpern. Bei der Durchsicht der Karteikarten, Briefe und Tonbänder erfährt sie viel über das Lebenswerk ihrer Großmutter. Zahlreiche Briefe weisen Esther den Weg aus ihren eigenen toxischen Beziehung.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem sehr interessanten Buch über die Gesellschaft in Frankreich in den 1960er-Jahren, das von Adèle Bréau hinreißend erzählt wird, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Trauma. 100 Seiten von Julia Tautz
Hat mich leider nicht überzeugt
In diesem Buch „Trauma“ aus der Reclam-Reihe „100 Seiten“ versucht Julia Tautz einen Über- bzw. Einblick zum Begriff „Trauma“ zu geben, der meines Erachtens aktuell inflationär gebraucht wird.
Deswegen vermisse ich (als Technikerin) eine Definition des Begriffs Trauma aus den verschiedenen Disziplinen.
So ist für einen Orthopäden ein Knochenbruch ein Trauma und für den Psychotherapeuten Ereignis aus der Vergangenheit, das die Psyche nachhaltig stört. Nicht jede noch so kleine Verletzung an Körper und Seele muss ein Trauma sein. Nicht jeder unerfüllte Wunsch eines (Klein)Kindes hinterlässt ein Trauma, auch wenn uns das Influencer und selbst ernannte Gurus weismachen wollen.
Zwei Faktoren, die mich dem Buch nicht so recht warm werden lassen, darf ich noch wie folgt anführen:
Erstens: Die Gliederung des Inhaltes finde ich nicht gut gelungen
Zweitens: Die Autorin ist selbst eine Betroffene
Zu Gute halten muss ich Autorin und Verlag, dass sie sich des Themas annehmen. Der Begriff „Trauma“ ist ein recht komplexer, weshalb diese 100 Seiten nur sehr rudimentär an der Oberfläche kratzen können. Und genau hier beißt sich meiner Meinung nach die Katze in den Schwanz: Zahlreiche selbst ernannte Ratgeber bemächtigen sich, ohne fundierte Ausbildung, dieses Themas, dass nun in aller Munde ist und für jegliche Befindlichkeit her halten muss.
Fazit:
Dieses Buch aus der bekannten Sachbuch-Reihe des Reclam-Verlages hat mich leider nicht ganz gepackt, daher kann ich nur 3 Sterne vergeben.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Signora Verdi. Die Primadonna des Komponisten von Verena Maatman
Eine klare Leseempfehlung!
Nach „Die rebellische Pianistin“, „Signorina Vivaldi“ und „Madame Mozart“ ist diese Romanbiografie die vierte (von Fünfen), die ich von Verena Maatman gelesen habe. Biografien von Komponisten und Musikern gibt es wie Sand am Meer, doch über die Frauen, die an ihrer Seite gestanden sind und ihre eigene Karriere geopfert haben, werden nur wenige Worte verloren.
Verena Maatman, selbst Geigerin und Mitglied eines Orchesters, gibt mit ihren Romanbiografien diesen Frauen buchstäblich ihre Stimmen zurück. Diesmal stellt sie uns die gefeierte italienische Sopranistin Giuseppina (Peppina) Strepponi (1815-1897) vor, die beinahe in Vergessenheit geraten ist.
Wie im 19. Jahrhundert üblich bewundert das Publikum die Opersängerin frenetisch, um sie gleichzeitig in die Kategorie Prostituierte einzuordnen, weil sie drei uneheliche Kinder zur Welt bringt, die sie zu Pflegeeltern bzw. ins Waisenhaus geben muss. Ob Operndirektor, Impresario oder Kollege - die Frauen in der Opern- und Theaterwelt werden quasi als „Freiwild“ betrachtet. Me Too ist also nicht Neues (siehe auch Artemisia Gentileschi, die Barockmalerin, die im 16. Jahrhundert einen Vergewaltigungsprozess gewonnen hat).
Um den Lebensunterhalt ihrer Kinder bzw. ihrer verwitwete Mutter und die Geschwister zu finanzieren, muss sie jahrelang sechs Mal in der Woche auftreten, was ihre Stimme ruiniert. Sie gibt Gesangsstunden und lernt den noch unbekannten Komponisten Giuseppe Verdi kennen. Sie kommen sich näher. Doch da Verdi verheiratet ist, ist die Beziehung wieder nur, wie man in Wien sagt, ein „schlampertes Verhältnis“. Dass die Strepponi einen gewichtigen Anteil an Verdis Erfolg hat, wird kaum anerkannt. Sie ist ihm Sekretärin, korrigiert seine Kompositionen, schreibt die Noten ab, übersetzt die Libretti und berät ihn bei den Vertragsverhandlungen mit Opernhäuser und Sängern.
Erst 1859 wird ihre Beziehung durch eine kirchliche Hochzeit legitimiert. Giuseppina Strepponi stirbt nach langer Krankheit hochbetagt. Giuseppe Verdi (1813-1901) wird sie nur um wenige Jahre überleben.
Wie in den anderen Romanbiografien hält sich Verena Maatman eng an die Fakten. Nur dort, wo es aus dramaturgischen Gründen notwendig ist, glättet sie historische Details. Wir erleben das (gesellschafts)politische Umfeld, das Italien zu dieser Zeit bewegt. Es ist ja das Jahrhundert der Revolution(en), die Europa abermals erschüttern und zur Gründung von Nationalstaaten führen werden. Verdi wird, ohne sein Zutun die Ikone des Kampfes gegen das Habsburgerreiches. Die Buchstaben seine Namens VERDI dienen als Kampfansage des Risorgimentos: Vittorio Emanuele Rei D’Italia - also, zur Loslösung vom Kaiserreich Österreich, was 1861, nach zahlreichen Kämpfen, zu einem eigenem Königreich Italien führen wird. Diese historischen Ereignisse webt Verena Maatman dezent als Hintergrund ein.
Einfühlsam sind die Gewissensbisse der Strepponi geschildert, weil sie ihre Kinder nicht selbst großziehen darf. Die Verachtung, die außerhalb der Familie arbeitenden Frauen entgegen gebracht wird, macht mich ziemlich wütend.
Fazit:
Giuseppina Strepponi bleibt vor allem als Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Verdis in Erinnerung. Ihr eigenes Wirken und ihre Erfolge sind zunehmend in Vergessenheit geraten. Verena Maatman hat diese bemerkenswerte Frau mit dieser Romanbiografie wieder vor den Vorhang geholt. Dafür gebühren der Autorin und ihrem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Silberküste von Alexander Oetker
Winter im Aquitaine
In seinem 11. Fall für Luc Verlain und sein Team entführt uns Alexander Oetker in das tief verschneite Aquitaine. Es ist wenige Tage vor Weihnachten als ein Spaziergänger bei seinem Rundgang mit dem Hund die Leiche der beliebten Gemeindekrankenschwester findet. Bei oberflächlicher Betrachtung der Toten sieht es so aus, als handle es sich um einen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht, wenn, wenn da nicht die Würgemale am Hals der Toten wären.
Recht schnell stoßen Luc und seine Kollegin Rose Schillinger nicht nur auf den gewalttätigen Ex-Ehemann sondern auch auf eine ungewöhnlich hohe Todesrate bei älteren Menschen, die augenscheinlich keine Verwandten mehr haben. Es scheint, als hätte das Opfer eine Entdeckung gemacht, die weite Kreise zieht. Als sich ein schwerwiegender Verdacht gegen mehrere honorige Personen erhärtet, greift Luc Verlain zu einer nicht ganz ungefährliche Maßnahme.
Während sie sich in diesen neuen Fall hineinknieen, muss sich Yacine, der im letzte Fall („Strandgut“) einen Verdächtigen erschossen hat, vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung wegen ungerechtfertigten Schusswaffengebrauchs, droht ihm die Entlassung aus dem Polizeidienst und Gefängnis. Auch Luc, als Vorgesetzter und Augenzeuge, muss aussagen. Wie wird das Urteil ausfallen?
Meine Meinung:
Wie in den Vorgängern präsentiert uns Alexander Oetker Land und Leute des Aquitaine, diesmal aber tief verschneit, ohne Horden von Touristen, sondern zurückgeworfen auf sich selbst. So muss ein Hotel extra für Verlain und Schillinger die Winterruhe unterbrechen und der hektische Betrieb ist einer glitzernden Schneelandschaft gewichen. Natürlich dürfen, neben den durchaus unkonventionellen Ermittlungen, man will ja das kommende Weihnachtsfest in Ruhe feiern, ein paar Minuten des Innehaltens, um das silberfarben glänzende Meer zu betrachten, nicht fehlen.
Alexander Oetker spricht ein ernstes Thema an, das komplex und nicht nur in Frankreich zu finden ist: Die Landflucht und Überalterung der Gesellschaft sowie das Fehlen von Infrastruktur wie Geschäfte und medizinischer Versorgung. Zudem spricht der Autor die gesellschaftliche Veränderung an, die Polizisten immer wieder zu Feindbildern deklariert, wie Medien, die über ausufernde Polizeigewalt schreiben, ohne nähere Hintergründe des Einsatzes zu kennen.
Spannende Szenen wechseln sich mit Einblicken in das persönliche Leben der Protagonisten ab. Der Krimi liest flüssig und stimmig, auch wenn die aktuell herrschenden Temperaturen von jenseits der 30 Grad keine winterliche Stimmung aufkommen hat lassen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der uns in das winterliche Aquitaine entführt, 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Des Winters helle Tage von Günter Neuwirth
Günter Neuwirth einmal anders
Günter Neuwirth, dessen Krimi-Reihen rund um Bruno Zabini (Triest), Christina Keyserling (Steyr bzw. Steiermark) oder Wolfgang Hoffmann (Wien) ich mit großer Begeisterung verfolge, hat mit „Des Winters helle Tage“ eine neue Richtung in seinem Dasein als Schriftsteller eingeschlagen. Nicht allen Fans wird das gefallen.
Ich persönlich bin ziemlich überrascht, welche Ideen in Neuwirths Kopf stecken.
Worum geht’s also in diesem Roman?
Dieser Roman beginnt mit einem Prolog, in dem Carl Schreiner, Salzburger Salzburger Philosoph und Autor zahlreiche Bestseller just während einer Live-Übertragung von der Leipziger Buchmesse einen Herzinfarkt erleidet, den er gerade noch überlebt. Nach Wochen in der Intensivstation und der Rekonvaleszent scheint sein Wesen völlig verändert. Plötzlich sind ihm Ruhm, Anerkennung und Anzahl der verkauften Bücher nicht mehr wichtig.
Carls britische Frau Ashton, selbst als Übersetzerin renommiert, sorgt sich begreiflicherweise und rät ihm, ein paar Tage auf dem unbewohnten Bergbauernhof seiner Großeltern in Tamsweg auszuspannen. Obwohl sie bei ihrem Vorschlag mit Widerstand rechnet, ist Carl Feuer und Flamme, reist ab und beginnt den Bauernhof zu renovieren, lebt asketisch im Einklang mit der Natur, betrachtet sein Leben und die aktuelle Weltlage. Er schreibt seine Gedanken nieder, die ihn in die Vergangenheit und eine dystopische Zukunft abgleiten lassen.
Dann taucht eine ehrgeizige Person aus seiner Vergangenheit in Tamsweg auf, die ihr eigenes Süppchen kocht.
»Dieser Text soll niemals veröffentlicht werden. Ich will das wirklich nicht. Veronika, ich denke, du hast dir einen ganzen Nachmittag über ausführlich ein Bild von meiner neuen Lebensweise machen können. Ich will nicht mehr ins grelle Licht der Scheinwerfer treten müssen, ich habe diesen Ehrgeiz zum Glück hinter mir, ich werde die mir noch verbleibenden Jahre hier in der Stille der Berge verbringen. Ich bringe mich hier in Sicherheit vor einer wahnsinnig gewordenen Welt. Kannst du das verstehen?«
Der Roman endet mit einem Epilog, aus dem hervorgeht - nein, das verrate ich jetzt nicht.
Meine Meinung:
Dieses Buch von Günter Neuwirth ist so anders als seine Krimis und, wenn man sich darauf einlässt, sehr gut gelungen. Ich persönlich mag ja philosophische Betrachtungen und dystopische Gedanken nicht gar so gerne, trotzdem hat mir das Buch gefallen. In der Einsamkeit der Bergwelt lassen sich Imaginationen sehr gut darstellen, was durch das Auftreten von Carls Großvater Ignaz, der seit vielen Jahren tot ist, sehr gut gelungen ist.
Fazit:
Wie schon oben erwähnt, ein Roman auf den man sich einlassen muss. Gerne gebe ich diesem ungewöhnlichen Buch aus Günter Neuwirths Feder 4 Sterne.











