Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Halt niemals an von Chevy Stevens
Gewalt
Mit ihrem neuen Campermobil wollen Alice und Tom durch Kanada reisen. Aber schon bald lernen sie das scheinbare Hippiepärchen Jenny und Simon kennen, das nach wenigen Tagen die Richtung vorgibt, aber ganz anders als erwartet.
Aus verschiedenen Perspektiven (jeweils am Kapitelanfang ausgewiesen) erzählt Chevy Stevens diese durchaus brutale und blutige Fahrt quer durchs Land.
Warum alles so kommt, erschließt sich dem Leser – und auch Alice und Tom – erst im Laufe der Zeit, das Ende wartet dann noch mit einer gelungenen Überraschung auf. Die Figuren beschränken sich im Wesentlich auf die vier bereits genannten, die gut vorstellbar beschrieben werden, die raue Kulisse Kanadas hätte vielleicht noch eindringlicher zur Atmosphäre beitragen können. Nach dem gelungenen Beginn reihen sich etliche Gewaltszenen aneinander, wodurch ein recht düsterer Eindruck entsteht, kleine Hoffnungsschimmer werden rasch wieder zunichtegemacht. Da wäre mir der Schwerpunkt mehr auf der Gedanken- und Gefühlswelt der einzelnen Personen lieber gewesen. Der Schreibstil wiederum passt gut zum Geschehen und besticht durch seine Lebendigkeit und Bildhaftigkeit.
Die wilde Fahrt im nagelneuen Campingbus könnte wohl ein wenig kürzer sein, mitreißende Lesestunden sind aber jedenfalls garantiert. Die abschließende Erklärung zum Auslöser der Gewaltspirale gelingt überzeugend. Wer belastbare Nerven hat, darf einsteigen.
Rezensionen von Anilam:
Ferne Heimat Altmontal von Michael Riepl
Ein bewegendes Stück Familiengeschichte
In diesem Buch begibt sich der Autor auf die Spuren seiner Großmutter und verbindet ihre bewegende Lebensgeschichte mit seiner eigenen Reise in die Ukraine und den Kaukasus.
Ich kannte Michael Riepl bisher noch nicht, aber sein Schreibstil hat mich wirklich begeistert und direkt überzeugt. Er schreibt sehr angenehm und flüssig.
Die historischen Ereignis und die persönlichen Erinnerungen sind genauso miteinander verbunden, dass es sich so spannend liest. Man merkt, wie viel Herzblut und Recherche in diesem Werk stecken.
Besonders gefallen hat mir, dass Geschichte hier nicht trocken vermittelt wird, sondern durch die Erlebnisse einer Familie lebendig wird. Dadurch wirken viele Ereignisse viel greifbarer und emotionaler. Gleichzeitig lernt man viel über eine Region und eine Zeit, über die ich vorher nur wenig wusste.
Das Buch regt zum Nachdenken an und zeigt, wie sehr persönliche Schicksale und große historische Ereignisse miteinander verbunden sind.
Für mich war dieses Buch eine echte Entdeckung und ich werde die weiteren Werke des Autors definitiv im Blick behalten. Eine klare Leseempfehlung :-)
Rezensionen von Sheilo:
National Geographic Kids - Lexikon der Meere von Christina Wilsdon
Informative Wissensammlung rund um unsere Weltmeere
Das "Lexikon der Meere" ist ein wirklich umfangreiches Buch zum Thema der Weltmeere, welches für Kinder ab 8 Jahren empfohlen wird, ich jedoch finde, dass man es auch schon mit jüngeren Kindern zusammen entdecken kann. Auf den großformatigen Doppelseiten finden sich interessante Informationen zu verschiedenen Themen rund um die Gewässer und ihre Bewohner, aber auch zum Klima oder Umweltschutz, welcher in der heutigen Zeit einen besonders großen Stellenwert einnimmt.
Neben den kurzen Texten, welche die jeweiligen Thematiken kindgerecht erläutern, finden sich beeindruckende Fotos oder passende, informative Grafiken.
Ich habe nun schon einige Tage zusammen mit meinen Kindern dieses Lexikon erkundet und freue mich sehr über die große Vielfalt der Themen. Nicht nur die Kinder lernen dabei so einiges neues, auch ich habe viel dazu gelernt. Nahrungsketten, die in der Natur für die Tiere überlebensnotwenig sind, werden den Kindern ebenso gut erläutert wie beispielsweise der Wasserkreislauf, die Entstehung der Gezeiten oder die enorme Bedeutung der Meeresströmungen für unsere Umwelt.
Wer ein informatives Wissensbuch für Kinder mit gut ausgearbeiteten Texten und beeindruckenden Bildern sucht, den kann ich das "Lexikon der Meere" sehr empfehlen, da es aufgrund seiner Vielfalt wirklich abwechslungsreich und spannend ist.
Rezensionen von Sheilo:
The New Love Times, Band 1 - Written into my Heart von Saskia Louis
Abwechslungsreiche Romance mit einer großen Menge Humor, aber auch vielen tiefgründigen Gedanken
Stellas Leben bricht von einem auf den anderen Tag zusammen. Ihr Freund Bryan trennt sich überraschend von ihr und das ausgerechnet, weil eine gewisse Dr. Love ihm dazu geraten hat. Doch Stella gibt nicht auf und will ihn zurück gewinnen. Dabei helfen soll ihr ausgerechnet ihr Kollege Rowan, ein talentierter Journalist, der Stella bisher immer nur auf die Palme gebracht hat und sich als Verfasser der Dr.
Love Kolumne herausstellt.
"Written into my Heart" ist eine humorvolle Romance, die mich aufgrund der Dr. Love Kolumne ein wenig an meine Jugend erinnert hat, in der wir alle fasziniert die Worte des Dr. Sommer gelesen haben. Mit den vielen witzigen Szenen vergeht die Zeit beim Hören einfach wie im Flug, was natürlich auch an dem fesselnden Schreibstil von Saskia Louis liegt, den man aus ihren anderen Büchern bereits kennt. Neben den amüsanten Momenten werden im Buch einige tiefgründige Themen angesprochen und ich finde es toll, wie die Autorin aufzeigt, dass hinter der äußeren Fassade der Menschen oft noch so einiges schlummert, was auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist.
Das Hörbuch wird von Pia-Rhona Saxe und Sebastian Fischer gesprochen, die zusammen der Geschichte noch einmal eine ganz besondere Note verleihen. Die beiden passen mit ihrem Sprechstil perfekt zu den Protagonisten Rowan und Stella und machen dadurch die Geschichte zu etwas ganz besonderem. Ich hatte wirklich viel Spaß dabei, dem Hörbuch zu Lauschen.
Stella und Rowan sind beides Charakter mit Ecken und Kanten, was auch genau so richtig ist. Sie lassen sich beide auf ganz neue Dinge ein und lernen neue Perspektiven kennen. Dabei könnten ihre jeweiligen Lebensziele nicht unterschiedlicher sein. Ich mag ihre tiefgründigen Gespräche sehr und sie haben auch mich zum Nachdenken darüber angeregt, was meine eigenen Ziele im Leben sind.
Wer humorvolle Liebesgeschichten mit Tiefgang mag, für den ist diese neue Romance von Saskia Louis genau richtig. Der Schauplatz in einer Kleinstadt verleiht dem ganzen dabei noch einmal deutlich mehr Charme und es macht richtig viel Spaß dabei zu sein, wie sich Stella und Rowan immer näher kommen und die Gefühle zwischen ihnen nur so Knistern. Ich liebe die Geschichte und freue mich schon, dass es neben dem Reihenauftakt vielleicht noch weitere Bände geben wird.
Rezensionen von Cellissima:
Ashfield Academy - Der Ruf des Wasserspeiers von Sophie Oldenstein
Toller Auftakt
Nicky erhält ein Stipendium für die Ashfield Academy. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und muss sich plötzlich unter Mitschülerin zurechtfinden, die aus einer ganz anderen Welt stammen.
Doch es sind nicht nur diese neuen, anderen Menschen und das generelle Leben im Internat, die Nicky zu schaffen machen, an die sie sich erst gewöhnen muss - an diesem Ort, mit diesem Ort stimmt etwas nicht.
Sie freundet sich mit drei Mitschülern an, entdeckt ihre magischen Talente, stößt auf einen alten Kriminalfall - und muss über sich hinauswachsen, als dunkle Mächte das Internat und die Region bedrohen ...
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Es klang ganz nach einem Buch nach meinem Geschmack. Und tatsächlich gefielen mir Sophie Oldensteins Schreibstil, die Atmosphäre, die Kulisse und auch die Figuren sehr gut.
Es ist spannend, düster, gefährlich, es gibt Abenteuer, Freundschaft, Geheimnisse, Familie, Internat ...
Wir hätten gerne noch mehr vom Internatsleben, etwa dem Unterricht, erfahren. Dafür war aber die Freundschaft zwischen den Kindern umso besser beschrieben.
Für mich hätte es etwas mehr Kriminalfall sein dürfen, die Zielgruppe fand den Fantasyanteil super. Das Mysteryelement hat uns gleichermaßen gut gefallen.
Für mich als Erwachsene blieb es etwas oberflächlich und vorhersehbar, was Figuren und Handlung betraf, für die Zielgruppe -und nur auf die kommt es ja an- war es perfekt.
Insgesamt ist es ein Buch, das gerade die Zielgruppe gerne liest und nicht mehr aus der Hand legen kann. Wir freuen uns schon auf Band 2.
Das empfohlene Lesealter passt aus unserer Sicht übrigens auch perfekt.
Damit eine klare Leseempfehlung für alle, die Geschichten über das Internatsleben, Freundschaft, Abenteuer, dunkle Geimnisse und Mächte, mit Spannung und Gefahr, aber auch Atmosphäre, tollen Figuren und toller Kulisse, die Krimi-, Mystery- und noch mehr Fantasyelemente enthält, mögen!
Rezensionen von gerlisch:
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Fesselnder Schreibstil
Caroline Seibt entführt ihre Lesenden in einen deprimierenden, beklemmenden Psychothriller, der von der Frage lebt, was wirklich mit der 23-jährigen Juliane Brunner geschehen ist. Ihr Verschwinden zieht die ganze Familie in einen Abgrund. Die Polizei verdächtigt ihren Vater, der in Untersuchungshaft sitzt, Anna versucht die Wahrheit herauszufinden und begibt sich dadurch immer wieder in brenzliche Situationen.
Besonders stark ist der Roman durch seine wechselnden POVs: Anna wirkt greifbar, verletzlich, impulsiv. Besonders gefallen hat mir, wie sehr ich beim Lesen in ihr Leben eintauchen konnte. Katharina, die Polizistin, deren Blickwinkel uns an den Ermittlungen teilnehmen lässt.
Die Atmosphäre ist schwer, düster und bedrückend. Die Autorin versteht es meisterhaft, falsche Fährten zu legen, ich habe viele von den Charakteren verdächtigt. Die Plot Twists treffen überraschend und sitzen. Der anfänglich sehr hohe Spannungsbogen flacht in der Mitte allerdings etwas ab. Manche Kapitel enden mit Cliffhangern, doch ich hatte das Gefühl, dass etwas an Handlung fehlt, dadurch verpufft ein Teil der aufgebauten Spannung.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und fesselnd, ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Die Autorin schafft es, die bedrückende Stimmung konstant zu halten, auch wenn die Handlung zwischendurch etwas an Kraft verliert. Leider haben sich auch ein paar Logikfehler eingeschlichen. Sie sind nicht gravierend genug, um die Geschichte zu zerstören, aber sie störten doch etwas den Lesefluss.
Dieser Thriller ist ein intensives Leseerlebnis, das einen bis zur letzten Seite miträtseln lässt und geschockt zurücklässt.
Rezensionen von Palme123:
In Stormy Weather von Chelsea Curto
Ein Sturm voller Gefühle
Mit „In Stormy Weather“ hat Chelsea Curto eine Romance geschrieben, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln konnte. Mir gefällt auch das Setting der Meteorologie sehr, da es mal was anderes und auch sehr interessant ist.
Im Mittelpunkt steht die brillante Meteorologin Dr.
Quincy Munroe, die sich in einer von Männern dominierten Branche ihren Platz hart erkämpft hat. Als sie ausgerechnet mit ihrem langjährigen Rivalen Sebastian Dunn – TV-Meteorologe und Bruder ihrer besten Freundin – während einer gefährlichen Hurrikansaison zusammenarbeiten muss, prallen nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten, sondern auch starke Gefühle aufeinander. Zwischen hitzigen Wortgefechten, spannender Sturmjagd und knisternder Chemie entwickelt sich eine wunderschöne Slow-Burn-Liebesgeschichte.
Quincy ist eine starke, kluge und ehrgeizige Frau, die mit ihrer Authentizität sofort überzeugt. Sebastian wirkt zunächst selbstbewusst und arrogant, zeigt aber nach und nach eine unglaublich fürsorgliche und emotionale Seite. Gerade das Zusammenspiel der beiden macht das Buch so besonders – voller Schlagabtausch, Humor, Herzklopfen und echter Gefühle.
Mich hat die Mischung aus Romantik, Spannung und dem außergewöhnlichen Meteorologie-Setting komplett mitgerissen. Die Charaktere wachsen einem ans Herz, die Chemie stimmt von Anfang bis Ende und auch die Nebenfiguren bereichern die Geschichte. Für mich ist In Stormy Weather ein absolutes Highlight und ein echtes Herzensbuch.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Club der Unbeugsamen von Kathryn Stockett
Eine klare Leseempfehlung!
Dieser Roman entführt uns in das Jahr 1933 in die USA. Noch herrscht die Prohibition und die Weltwirtschaftskrise hat auch die USA fest im Griff. Die Menschen verlieren ihre Arbeit, Vermögen seinen Wert und Kinder werden einfach ausgesetzt oder unverheirateten Müttern behördlicherseits abgenommen, um die Moral aufrecht zu erhalten.
Diese Kinder werden selten gut und liebevoll versorgt.
Kathryn Stockett erzählt diese Geschichte, die aus mehreren Handlungsstränge besteht, aus der Sicht von Meg, die im Waisenhaus lebt, und aus der Perspektive von Birdie, die nach Oxford kommt, um Frances, ihre, mit einem Banker verheiratete Schwester um Geld zu bitten, um die fällige Grundsteuer bezahlen zu können. Sie und ihre Mutter würden sonst das Elternhaus verlieren. Während Birdie auf eine Zusage von Rory, Frances‘ Ehemann wartet, lernt sie im örtlichen Waisenhaus die elfjährige Meg kennen, als sie dort für wenige Cent die Buchhaltung in Ordnung bringt, weil eine Inspektion in Haus steht.
Noch weiß niemand, dass Rory das Vermögen seiner Mutter verzockt hat, in der Bank gekündigt worden ist und das Haus vor der Zwangsversteigerung steht.
„...Auf dem Papier heiße ich Margot, aber für gewöhnlich werde ich Meg genannt. Ich bin wie gesagt seit zwei Geburtstagen hier…“
Mit diesen Worten stellt sich die elfjährige Meg vor, wenn an den sogenannten Besuchstagen adoptionswillige Ehepaare in das Waisenhaus von Oxford/Mississippi kommen und sich ein Kind aussuchen. Leider werden fast immer Babys und Kleinkinder adoptiert, denn sie sind, wie es so schön heißt „noch formbar“. An den älteren Mädchen wie Meg hat kein Ehepaar Interesse, außer man braucht eine billige Arbeitskraft. Zusätzlich ist Meg fortwährend den sichtlich religiös motivierten Schikanen von Mrs. Garnett, die Leiterin des Waisenhauses, ausgesetzt. Nach außen hin präsentiert sich Mrs. Garnett als fürsorgliche Person, die die Mädchen auf den „rechten Weg zurückführen will“.
Als Birdie entdeckt, dass Meg vom Unterricht ausgeschlossen ist und in einer verschimmelten Kammer, deren Fenster vernagelt ist, mehr oder weniger sinnlose Arbeiten verrichten muss, obwohl sie leicht und gerne lernt, beginnt sie sich gegen Mrs. Garnetts Anweisungen hinwegzusetzen und in Garnetts Abwesenheit, das Los Megs und der anderen Kinder zu verbessern. Birdies Wahlspruch ist
“... manchmal ist es besser, nachher um Verzeihung zu bitten als vorher um Erlaubnis….“
Wenig später spitzt sich die Situation zu: Meg wird zur Überraschung aller an Stelle eines Babys adoptiert, Frances und ihre Schwiegermutter müssen feststellen, dass Rory das Haus von allen Wertsachen „befreit“ und sie mit einem Haufen Schulden sitzengelassen hat. Als sich dann noch herausstellt, dass Rory schwul und ihre Ehe eine schlechte Farce ist, ist gute Rat teuer. In dieser Situation taucht Megs Mutter Charlie auf, die die letzten beiden Jahre in einer Anstalt verbracht hat. Die Hintergründe werden erst später offenbart.
Jedenfalls will Charlie ihre Tochter zurück, braucht aber dafür Geld. Sie macht Birdie einen unkonventionellen Vorschlag , um rasch Geld zu verdienen ....
Und dann kreuzt noch als weitere Verbündete die Krankenschwester Victoria bei Charlie und Birdie auf. Sie will Medizin studieren, was damals Frauen nur an wenigen Universitäten in den USA erlaubt ist und als Ärztin vorrangig Frauen betreuen. Sie hat es satt, wie männliche Ärzte über Frauen bestimmen und eine Einweisung in eine Anstalt und/oder eine Zwangssterilisation anordnen können.
Meine Meinung:
Dieses Buch ist das erste von Kathryn Stockett für mich.
Obwohl es in den 1930er-Jahren spielt, erinnern mich einige Stellen an das hier und jetzt. Sei es, dass Homosexualität seitens der Behörde und zahlreicher Ärzte als behandelbare Krankheit angesehen wird oder sei es, dass sich einzelne, wie die bigotte Mrs. Garnett als einzige moralische Instanz im Lande halten und nur ihre eigene Meinung gelten lassen. Rassismus hat im Bundesstaat Mississippi eine lange Tradition, Abwertung von Frauen ebenso. So erhält Birdie für ihre Arbeit nur 25 Cent, während ein angelernter Jüngling 75 Cent für die gleiche Tätigkeit bekommt. Unverheiratete Frauen werden ohne viel Federlesens als Prostituierte gebrandmarkt und selbst ein Gespräch mit einem Farbigen zieht eine Anzeige und Haft nach sich. Ehefrauen aus ihren Dienstverhältnissen bei der Post etc. werden entlassen, weil die Arbeitsplätze den Männern zustehen.
Obwohl mich das Buch an manchen Stellen ziemlich wütend macht, muss ich auch immer wieder darüber schmunzeln, mit welcher Chuzpe Charlie und Birdie den bigotten Einwohnern von Oxford die Stirn bieten. Welche Aktionen das sind, müsst ihr selbst lesen.
Der Roman lässt sich flüssig lesen, was auch an der gelungenen Übersetzung liegt. Die 848 Seiten sind im Nu gelesen. Kathryn Stockett erzählt straff, raffiniert und detailliert zugleich. Sie entlarvt dabei messerscharf die Heuchelei und Bigotterie jener Zeit. Die Charaktere sind fein herausgearbeitet. Auf der einen Seite, jene Frauen, wie Charlie oder Viktoria, denen das Leben nichts geschenkt hat, und die sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu wehren wissen. Zum anderen jene wie Birdie, die über sich hinauswächst und ihre Schwester und Schwiegermutter, die viel zu lange den Kopf in den Sand gesteckt haben, letztlich aber mit Hilfe von Charlie & Co. ihr erstmals Leben selbst in die Hand nehmen. Die starken Frauenfiguren wachsen einem schnell ans Herz. Der Ton ist schonungslos offen und dennoch heiter.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Roman, der in den USA von 1933 spielt und in manchen Bereichen durchaus Ähnlichkeiten mit der Gegenwart aufweist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Guten Morgen, schönes Wetter heute von Tanja Kokoska
Für mehr Miteinander und weniger aneinander vorbeileben
Ich finde dieses Buch ist inhaltlich genau, was unsere Gesellschaft braucht: ein Plädoyer dafür nicht wegzuschauen, einander zu helfen, für mehr Menschlichkeit und Miteinander. Denn zusammen ist man stärker, mutiger, glücklicher.
Ich fand das Setting toll angelegt: diese Wohnsiedlung voller Anonymität, die es eigentlich überall gibt.
Man kennt die Nachbarn vielleicht vom Sehen, kennt vielleicht sogar von einigen die Namen, aber eigentlich hat man nichts miteinander zu tun, weiß nicht wer sind sind und was sie umtreibt. Und genau das wird hier beleuchtet: der Leser bekommt viele kleine Einblick in den Lebensalltag einiger Bewohner der Siedlung- und das auf eine sehr herzliche, sehr menschliche und nahbare Art.
Es gab viele süße Schmunzel-Momente, ein bisschen Augenverdrehen und ein paar Mal ist mir auch ein bisschen schwer ums Herz geworden. Aber alle Szenarien waren sehr greifbar, sehr authentisch und einfach charmant zusammengeführt. Ich fands so schön, wie hier viele der Figuren über ihren jeweiligen Schatten springen, sich inneren Dämonen stellen, füreinander einstehen und einfach eine Gemeinschaft bilden.
Habs super gern gelesen und wollte gar nicht, dass die Geschichte schon so schnell vorbei ist.
Rezensionen von Phija:
Halbwach von Sophia Como
Bist du wach oder halbwach?
Am Ende des Buches dachte ich: "Verdammt, ich hätte mir mehr Zeit für dieses Buch nehmen sollen." Die Wahrheit ist aber: Ich bin durch die Seiten nur so gerannt, weil ich Angst hatte, dass sie mich zu sehr berühren. Mit "Halbwach" hat Sophia Como wirklich ein emotional unglaublich facettenreiches Buch geschaffen, was mich furchtbar mitgenommen und gleichzeitig geheilt hat.
Sobald ihr jemand emotional zu nah kommt, muss Zoe flüchten. Sie verletzt und sie duckt sich weg. Aber so ist sie eben, oder? Zoe zu begleiten, wie sie sich selbst wahrnimmt, wie sie ihre Realität sieht und verändert, war absolut mitreißend. Es war roh, nahbar und für mich so real. Ihre Bindungsangst wird unverblümt und ohne Kitsch erzählt. (Danke!) Obwohl Sex und körperliche Beziehungen oft im Mittelpunkt stehen, war das Buch nie spicy, was aus meiner Sicht die richtige Wahl für dieses Buch ist. Ebenso hatte die "Lovestory" keinen Rosarote-Brille-Charakter, sondern verkörpert auch hier wieder das Gefühl vom echten Leben.
Neben Zoe sind auch ihre Freund*innen und Mael wirklich feinfühlig gestaltete Figuren, die allesamt die Geschichte bereichern. Neben bzw. mit Zoes Bindungsangst werden auch Themen wie Feminismus, Verlustangst und Familie behandelt. Besonders fesselnd sind dabei die Szenen, in denen Zoe mit ihrer Therapeutin Sandy spricht. Weil - holy shit - gerade diese Momente haben so viel mit mir gemacht. Zoes Emotionen werden dort mit solch einer Gewalt erzählt, dass es mir selbst mehrmals die Kehle zugeschnürt hat.
Am Rande sei auch noch erwähnt, dass das Setting in Frankfurt wirklich eine 10/10 ist. Durch den bildlichen Schreibstil hab ich mich sofort in die Stadt versetzt gefühlt, auch wenn ich selbst bisher nur einmal da war (und das auch schon wirklich einige Jahre her ist).
Ich denke, es wird deutlich: "Halbwach" ist ein absolutes Highlight für mich! Diese Authentizität, mit der erzählt wird, ist wirklich einzigartig und überragend. Es ist eines dieser Bücher, für die ich einfach nur dankbar bin, dass es geschrieben wurde!











