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Rezensionen von nessabo:

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Couple Goals und der Alltag dazwischen von Debbie Tung

Witzig, liebevoll und authentisch

Ich mag den Comic-haften Zeichenstil von Debbie Tung gern und finde, dass er hervorragend zu diesem sehr persönlichen Werk passt. Er fokussiert sich auf das Wesentliche und vermeidet entsprechend Farben, um die Situationen ungehindert wirken zu lassen.

Das Werk umfasst kurze Einblicke in das Beziehungsleben von Debbie und ihrem Mann, den sie als ihren besten Freund bezeichnet - und das ist spürbar.

Die Autorin zeigt glaubhaft, wie nah sich die beiden sind und wie vollumfänglich sie sich einander zeigen können. Ich habe an einigen Stellen laut gelacht, weil ich sie aus meiner eigenen Beziehung kenne. Viele Situationen habe ich mit neutraler Stimmung gelesen, andere wiederum haben mein Herz erwärmt.

Es gibt nicht so richtig ein Ziel oder überhaupt eine stringente Handlung in dieser Graphic Novel, aber das finde ich total okay. Es ist einfach eine Aneinanderreihung privater und ungeschönter Momente, die ihren Platz haben und die ich gerne begleitet habe, auch wenn das Werk jetzt keine große Botschaft mit sich bringt - außer vielleicht, wie schön es sein kann, eine respektvolle Partnerschaft auf Augenhöhe zu führen. Ich hätte manchmal gern noch ein wenig mehr Zeit in einer Situation verbracht, um richtig ins Fühlen zu kommen. Die Wechsel zwischen den Momenten sind oft ziemlich abrupt. Wer sich daran nicht stört und einfach eine nette Lesezeit haben möchte, sollte sich dieses äußerst authentische Werk wirklich einmal ansehen.

4,5 Sterne

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Couple Goals und der Alltag dazwischen

Rezensionen von tinten_fischchen:

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Alleinruhelage von Eva Menasse

(K)Ein Haus fürs Leben

“Alleinruhelage” ist ein Buch, das mich ein wenig ambivalent zurückgelassen hat. Dabei hätte das Cover mir schon eine Warnung sein sollen. Stellt das Bild nun ein Paradies dar? Oder einen Alptraum? Oder beides?

Hier kurz und knackig die Fakten: Eva Menasse kann schreiben. Der Einstieg, ach was das ganze erste Kapitel ist ein Traum.

Jedes Wort sitzt, Sätze für die Ewigkeit. Leider neigt die Ich-Erzählerin zum Lästern und ist mir daher zuwider und ganz und gar unsympathisch. Neben dem Lästern schafft sie es auch nicht, auf andere Menschen zuzugehen, abgesehen von ihren Freunden, die sie mit den köstlichen Anekdoten der Leute aus dem Osten unterhält. Quasi die Städterin, die auf die ungehobelte Landbevölkerung herab schaut und auch stark auf Abgrenzung Wert legt. Leider ist alles ziemlich schwarz-weiß, die Welt in “Alleinruhelage”. Aber vielleicht ist das Leben in Vogelsang ja so simpel, was weiß den ich. Aber als Leser sind mir die komischen Nachbarn oft sogar sympathischer als die Freunde der Ich-Erzählerin.

Dadurch, dass ich mich mit der ich-Erzählerin schwer tat, kam ich nur langsam voran. Erst das letzte Drittel, als sie endlich Verantwortung für das Haus übernimmt und die ganze Arbeit nicht mehr nur auslagert, konnte ich mich wieder ein wenig mit dem Buch versöhnen.

Der Stil, das szenische, anekdotische, sprunghafte und poetische, ist natürlich nicht jedermanns Sache. Teils erinnert es an Tagebucheinträge, teils an Anekdoten, die man sich bei einem Glas Wein erzählt. Ich lese solche Texte aber ganz gerne, wenn sie gut gemacht sind. Und handwerklich gibt es an Eva Menasses Text nichts auszusetzen, sie beherrscht das nichtlineare, eher fließende Schreiben wunderbar. Ein paar Szenen und Metaphern sind mir auch in Erinnerung geblieben und werden mich sicherlich noch länger begleiten.

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Alleinruhelage

Rezensionen von LeserinLu :

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Wir waren Wunder von Stefan Cordes

Authentisch

Mit „Wir waren Wunder“ gelingt es Stefan Cordes nach „Billie“ erneut, eine fast vergessene historische Persönlichkeit so lebendig werden zu lassen, dass sie sich anfühlt wie eine Frau aus der Gegenwart. Der Roman erzählt von der außergewöhnlich begabten Musikerin Mariann Mozart, deren Talent von ihrem eigenen Vater zunächst gefeiert und schließlich systematisch unterdrückt wird.

Leopold Mozart erscheint dabei als ein Mann, dessen Ehrgeiz und Geltungsdrang das Leben seiner Kinder bestimmen. Besonders die Vater-Tochter-Beziehung hat mich beim Lesen immer wieder wütend gemacht. Ich habe mit Mariann mitgelitten, ihren Schmerz und ihre Enttäuschung gespürt und ihrem Vater mehr als einmal die Stirn bieten wollen. Gleichzeitig tat mir auch Wolfgang leid, der ebenfalls unter den Erwartungen seines Vaters zu leiden hatte, wenn auch auf ganz andere Weise.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie Cordes erzählt. Trotz des historischen Settings wirkt die Sprache leicht, modern und nahbar. Nie hatte ich das Gefühl, einen klassischen historischen Roman zu lesen. Stattdessen war ich ganz in Marianns Gedanken und Gefühlen und habe jede ihrer Entscheidungen mitverfolgt. Toll fand ich außerdem, dass der Roman das tragische Schicksal seiner Protagonistin nie ausschlachtet. Die Geschichte ist bewegend, ohne kitschig oder überdramatisch erzählt zu werden.

Für mich ist „Wir waren Wunder“ ein Roman, der einen ganz neuen Blick auf die Familie Mozart wirft. Es ist ein Buch über weibliches Talent, das unsichtbar gemacht wird, und über familiäre Machtverhältnisse. Christian Cordes hat mich auch mit diesem Roman wieder überzeugt. Ich werde auch sein nächstes Buch ganz sicher lesen.

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Wir waren Wunder

Rezensionen von Internetmaus:

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Nächstes Mal für immer von Lucien Marant

Paris - Mon Amour

Dieser Roman ist das erste Buch das Lucien Manant schrieb. Er wuchs in Süddeutschland auf und war durch die Nähe zu Frankreich oft in Paris.
Die Protagonistin Mona hat ein Semester in Paris studiert und kommt 2019 wieder in diese Stadt.
Die Handlung beginnt 1999 am Pariser Fernbahnhof Gare de I’Est.

Dort stieg sie in die falsche Metro. Sie ist zum ersten Mal in der Stadt. Mit der Irin Louise teilt sie sich ein Zimmer in einer WG. Zwanzig Jahre später kommt Mona wieder. Eine ältere Dame hatte ihr das bei einem letzten Kaffee nach ihrem Studiemaufenthalt prophezeit. Eine Ehe, in der sie zwei Kinder bekam und eine Scheidung liegt hinter ihr. Aus gesundheitlichen Gründen nahm sie sich eine Auszeit. In Paris schwelgt sie in Erinnerungen.
Wie schon damals, hat sich Mona eine Unterkunft in einer WG gesucht.
Das Cuver ist in zarten Farben gehalten und zeig den Blick von einer Dachterrasse über die Stadt. Es reflektiert Leichtigkeit. Die Story springt zwischen den beiden Zeitebenen hin und her. Obwohl ich Paris nicht kenne, sind mir viele Beschreibungen zu ausschweifend und störten meinen Lesefluss. Mona hat nur schöne Erinnerungen an die Stadt. Aber zwanzig Jahre sind eine lange Zeit und sie denkt, dass ihre Lebensuhr abläuft, da sie sehr krank ist.
Sie möchte Abschied nehmen und noch einmal in ihre Erinnerungen eintauchen. Natürlich trifft sie wieder auf Thibauld, der sich damals schnell aus dem Staub machte. Nun ist sie der Meinung, dass es zu spät ist. Eine leicht zu lesende emotionale Liebesgeschichte ohne viele Höhen und Tiefen. Für dieses durchschnittliche Buch vergebe ich drei Sterne.

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Nächstes Mal für immer

Rezensionen von Ameland:

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Weil sie lügt von Caroline Seibt

Ein Albtraum

Seit ihre Schwester Juli vor über einem Jahr verschwunden ist, ist Annas Welt zerbrochen. Ihr Vater wird verdächtigt und sitzt in Untersuchungshaft, die Mutter ist depressiv und ihr kleiner Bruder Leon hofft, dass Juli zur Tür hereinkommt. Anna versucht nicht nur die Familie zusammenzuhalten, sondern sucht auch nach Erklärungen und Schuldige für Julis Verschwinden.

Mich hat der Thriller recht früh gepackt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Ich hatte sehr viel Mitgefühl für Anna und ihre Situation und trotzdem blieb ein Rest Zweifel, ob oder was sie mit dem Verschwinden der Schwester zu tun hat. Im zweiten Teil wendete sich das Blatt und andere Verdächtige rückten in den Fokus. Die Wendungen häuften sich und ich revidierte meine Meinung ein ums andere Mal, um am Ende doch überrascht zu werden.

Caroline Seibt schreibt abwechselnd aus der Sicht von Anna und der Ermittlerin Katharian Engels jeweils in der Ich-Form. Diesen Erzählstil mag ich, er bringt mich den Personen, ihrem Denken und ihren Gefühlen näher. Nahezu verrückt haben mich bei den Perspektivwechseln die kleinen Cliffhanger am Ende der Kapitel gemacht. An solchen Stellen kann man das Buch doch unmöglich aus der Hand legen!

Ein super spannender Thriller mit vielen Wendungen und einem unerwartetem Ende.

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Weil sie lügt

Rezensionen von FogandBooks:

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Newport Bay Club 1: Matching Your Lies von Elle Ellis

Große High-Society-Vibes, aber zu wenig Prickeln und ein fetter Cliffhanger!

Der Auftakt dieser Romantic-Suspense-Reihe entführt uns in den luxuriösen Newport Bay Club und verspricht eine packende Mischung aus Urlaubsflair, tiefen emotionalen Wunden und gefährlichen Undercover-Ermittlungen. Der Einstieg gelingt dabei absolut mühelos, denn durch den flüssigen, angenehmen Schreibstil fliegt man regelrecht durch die Seiten.

Das sommerliche High-Society-Setting versprüht sofort eine greifbare Atmosphäre aus Luxus und einer unterschwelligen Spannung, gepaart mit einer wunderbaren „Found-Family“-Stimmung unter den Angestellten des Clubs. Auch die Protagonisten überzeugen zu Beginn: Hazel ist mit ihrer Leidenschaft für Graphic Novels, mit denen sie ihre Vergangenheit und den Verlust ihres Ex-Freundes Nate verarbeitet, sofort sympathisch. Carter gibt den perfekten, geheimnisvollen Gegenpart ab. Dank des Perspektivenwechsels kann man die Chemie und die schlagfertigen Dialoge zwischen den beiden von der ersten Seite an wunderbar miterleben.

Im Verlauf der Geschichte nimmt das Buch emotional stark an Fahrt auf. Besonders die Gewissheit über den tragischen Tod von Hazels Mutter bricht einem das Herz; sie verleiht Hazel eine enorme Tiefe und macht ihren tiefen Hass auf Drogen absolut greifbar. Zwischenmenschliche Highlights wie die gemeinsame Rettung eines Kätzchens und die anschließenden, leisen Morgenmomente zeigen eine wunderschöne, verletzliche Seite der Charaktere. Leider gerät genau in diesem Mittelteil der Spannungsbogen etwas ins Stolpern. Für einen Romantic-Suspense-Roman plätschert die Handlung streckenweise zu „nett“ und vorhersehbar vor sich hin. Auch Carters Rolle als Ermittler verliert an Authentizität: Dass er Hazels Akte aus Eifersucht wegen Nate nicht zu Ende liest und wochenlang kaum etwas herausfindet, lässt seine Cop-Story unprofessionell wirken. Zudem fehlt trotz expliziter, heißer Szenen wie in der Dusche oder im Kühlhaus manchmal das echte, tiefe Bauchkribbeln auf der Romanzen-Ebene – die scharfen Schlagabtausche wirken in Momenten, in denen Hazel eigentlich nur Hilfe bräuchte, fast ein wenig unpassend.

Der letzte Abschnitt reißt das Ruder in Sachen Spannung noch einmal komplett herum und entpuppt sich als der stärkste Part. Die extreme Yacht-Party und ein bildhaft beschriebener, dramatischer Autounfall bringen endlich den lang ersehnten Nervenkitzel. Dass der vermeintlich tote Nate tief in den Drogengeschäften steckte, ergibt plötzlich Sinn – und gipfelt in einem absoluten „WTF-Cliffhanger“, der einen völlig fassungslos zurücklässt und die Frage aufwirft, ob sein Tod nur vorgetäuscht war oder ein Zwilling dahintersteckt. So packend der Krimi-Plot endet, so enttäuschend flach bleibt leider der emotionale Showdown. Carters Timing für einen Korb war mehr als fragwürdig, da er erst mit Hazel schläft, bevor er die Reißleine zieht. Auch der finalen Offenbarung seiner wahren Identität wird viel zu wenig Raum geschenkt – hier hätte die Story dringend mehr Dramatik, Wut und Tränen vertragen können, weshalb die Protagonisten zum Ende hin immer distanzierter wirken.

Alles in allem besticht das Buch durch seine Urlaubsatmosphäre und den großartigen Schreibstil. Während die Krimi-Handlung mit einem genialen Knall endet und die Neugier bezüglich Nates Rückkehr definitiv geweckt ist, bleibt die Liebesgeschichte wegen des fehlenden Prickelns und des überstürzten Showdowns ein wenig hinter ihren Möglichkeiten zurück. Ob Band 2 letztendlich gekauft, in der Bibliothek geliehen oder als Hörbuch gehört wird, bleibt abzuwarten – eine Chance hat die Fortsetzung nach diesem Ende aber verdient.

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Newport Bay Club 1: Matching Your Lies

Rezensionen von Eternal-Hope:

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Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel

Von Mut, Sinnsuche und Selbstermächtigung

Manche Bücher mit einer Hauptperson, die Mitte 20 ist, sind auch fast nur für die gleiche Altersgruppe interessant zu lesen. Dieses gehört nicht dazu. Ich bin selbst schon Anfang 40, also klar nicht mehr Teil der Generation, die im Mittelpunkt dieses Buches steht, doch begeistert hat es mich ganz genauso mit seiner nachdenklichen, ruhigen Geschichte, die fundamentale Fragen zur Gestaltung des eigenen Lebens stellt, die nicht nur für diese Altersgruppe relevant sind.

Es passiert auf der Oberfläche gar nicht so viel in diesem Buch, doch gelingt es der Autorin dennoch, so zu schreiben, dass man sich keine Sekunde langweilt, emotional tief berührt und in die Geschichte hineingezogen wird und es auch danach nachhallt und zum Nachspüren und Nachdenken über das eigene Leben anregt.

Worum geht es? Sophie ist 25 Jahre alt, ist gemeinsam mit ihrem Bruder bei liebevollen, unterstützenden Eltern in Süddeutschland aufgewachsen, studiert und macht gerade ein unbezahltes Praktikum. Also alles gut, oder? Doch wirklich glücklich ist sie nicht, weder das Verfassen theoretischer Hausarbeiten im Studium noch Zahlen von einer Tabelle in die andere zu verschieben im Praktikum fühlen sich danach an, wirklich etwas Relevantes beizutragen oder zu erleben.

Und wozu soll das alles führen? Zu einem Job, in dem sie weiterhin theoretische und sich sinnlos anfühlende Arbeiten ausführt und sich immer mehr von ihrem Körper, der Natur und ihrem Inneren entfremdet?

So spürt Sophie in sich eine tiefe Sinnlosigkeit, fühlt sich entfremdet von realer Arbeit und von dem Kontakt mit ihrer Umgebung. Spürbar wird, wie die junge Frau dem gefolgt ist, was so vielen ihrer Generation geraten wurde: gut in der Schule sein, ein gutes Abi machen, studieren... und dieser Weg sie immer weiter von ihrem Inneren entfernt hat.

An Erspartem hat Sophie gerade ein bisschen über 3000 Euro, und so passiert es, dass sie aus einer Laune heraus im Internet danach sucht, ob es um dieses Geld Häuser zu kaufen geben könnte. Und tatsächlich, sie findet ein Angebot: in der Einöde im ehemaligen Ostdeutschland, 11 Kilometer vom nächsten kleinen Ort und mehrere Zugumstiege von Berlin entfernt, aber gar nicht so weit vom Meer, verkauft ein älterer Herr eine verfallene Bruchbude: anfangs funktionieren weder Wasseranschluss noch Elektrizität, über das Dach kommt Wasser hinein, Handyempfang gibt es kaum, Internet schon gar nicht, und auf der Hälfte des Hauses liegt ein umgestürzter Baum. Eine abbruchreife Bruchbude im Nirgendwo also, fernab jeglicher Zivilisation - doch erschwinglich für Sophie.

So kommt es, dass sie kurz entschlossen dieses Haus kauft und sich mit dem Zug und dann mit ihrem Rad, denn Auto hat sie auch keines, dorthin aufmacht. Als der ältere Herr die naiv und unerfahren wirkende junge Frau sieht, ist er erstmals skeptisch, doch er verkauft ihr das Haus, besiegelt mit einer auf einem Einkaufszettel handgeschriebenen Quittung für das in Raten empfangene Geld. Sophie bezieht das Haus und macht sich an die Renovierung, fährt mit dem Rad zum Baumarkt und kauft Farbe zum Ausmalen, Saatgut zum Anlegen eines Gemüsegartens und vieles mehr.

Sie schwimmt im kleinen Weiher, arbeitet fleißig im Haus und im Umfeld, eignet sich immer mehr Fähigkeiten an, hat dabei durchaus so einige Rückschläge, aber erwirbt vor allem Selbstbewusstsein und den Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit: für fast alles lässt sich am Ende eine Lösung finden und es tut ihr gut, mit den eigenen Händen zu arbeiten und die Ergebnisse der eigenen Arbeit zu sehen, aber auch nahe der Natur zu sein und dabei schrittweise bei sich selbst anzukommen.

Als ihr das Geld auszugehen droht, nimmt sie einen Teilzeitjob als Kellnerin in einer Kneipe in einem Ort in der Nähe an. Doch geht natürlich auch so einiges schief, den Eltern traut sich Sophie lange nicht von ihrem neuen Leben zu erzählen, auch vielen Freunden und Freundinnen nicht, und die Frage ist, wie es langfristig weitergehen soll und wie sich ihr neues Aussteigerleben mit einer langfristig tragfähigen Vision einer guten Zukunft vereinbaren lassen kann?

Das ganze Buch ist aus der Innenperspektive Sophies geschrieben und so ist naturgemäß auch sie die Figur, die wir sehr gut von innen erleben und kennen lernen. Weitere Figuren aus dem früheren und neuen Leben Sophies kommen aber auch vor, auch diese sind durchaus liebevoll und authentisch gezeichnet.

Sehr interessant habe ich gefunden, dass über weite Strecken scheinbar nicht sehr viel passiert: wir erleben einfach detailliert Sophies Erfahrungen mit dem Bezug und der Renovierung des Hauses mit, und doch ist mir bei der Lektüre keine Sekunde fad geworden, so interessant und persönlich ist es alles geschildert. Dabei wird das Landleben auch nicht verklärt und diverse Schwierigkeiten werden auch realistisch beschrieben, am Ende kommt das Buch auch zu einem gut passenden Abschluss.

Bei mir hat das Buch emotional und auch gedanklich stark nachgewirkt und viele Fragen dazu angeregt, was es mit uns macht, wenn wir in einer immer mehr intellektualisierten Gesellschaft leben und fast alle Kinder und Jugendlichen stark ermutigt bis gedrängt werden, die höchstmögliche Schulbildung zu absolvieren und wenn möglich zu studieren, während handwerkliche Tätigkeiten leider nach wie vor oft gesellschaftlich abgewertet werden.

Dieses Buch zeigt sehr gut auf, zu welcher Entfremdung und damit verbundenen Sinnlosigkeitsgefühlen das bei manchen jungen Menschen führen kann, die vielleicht auf einem anderen Berufsweg, bei dem sie mit den Händen arbeiten können, wesentlich besser aufgehoben gewesen wären.

Gleichzeitig mochte ich die Selbstermächtigung sehr, die Sophie für sich durch ihr entschlossenes Handeln Stück für Stück zurück erobert, weil dabei sichtbar wird, wie viel wir Menschen doch in der Hand haben und wie glücklich es machen kann, das eigene Leben selbst zu gestalten und mutig Veränderungen zu wagen. Überhaupt mochte ich die Figur dieser tapferen, entschlossenen jungen Frau Sophie sehr gerne.

Hier noch ein paar besonders prägnante Zitate aus dem Buch:

"Vielleicht ist das ganze Leben mehr DIY und Learning-by-doing, als ich dachte. Niemand von uns kommt schließlich auf die Welt mit dem Wissen, wie man eine Grundsteuererklärung macht. "Und überhaupt, ich will mich von nichts im Leben abhalten lassen, nur weil es die Steuererklärung komplizierter macht", füge ich etwas leiser hinzu." (S. 111 im E-Book)

"Dabei ist das, was eigentlich wichtig ist, die Milchstraße über uns, die Distanz zum Boden unter uns und der Gesang der Nacht um uns herum. Aber all diese Dinge kann man nur wirklich wahrnehmen, wenn man allein ist. Sobald ein anderer Mensch anwesend ist, übertönt seine Präsenz alles andere, auch ganz ohne Worte." (S. 140 im E-Book)

"Selbst wenn ich mein Geld zurückbekomme, den Vertrag zerreiße und den nächsten Zug zurück nach München buche - jede Sekunde hier habe ich gelebt. Jede Sekunde hier hat mich verändert, hat mein Leben verändert. Was davor war und danach, kann ich nicht einfach miteinander verbinden, ohne dass ein Knoten in der Mitte entsteht." (S. 160 im E-Book)

"Aber ganz ehrlich, warum wird ständig nach dem Danach gefragt? Es wirkt fast, als würde das Jetzt im Leben gar nichts bedeuten, solange es ein Danach gibt. Es muss immer ein Ziel geben, ein Vorwärts, ein Besser, ein Höher, Weiter, Schneller. Das Jetzt ist bedeutungslos in dieser Art von Gespräch, man misst sich an dem, was man werden lassen will." (S. 179 im E-Book)

"Aber wie soll man denn Neues schaffen und etwas aufbauen in einer Welt, in der es eigentlich schon zu viel von allem gibt?"

"Über mir erstreckt sich weiter der blaue Himmel. Absurd, dass beides gleichzeitig existieren kann, der Himmel über mir und der Abgrund unter mir, und alles, was dazwischen ist, bin ich." (S. 219 im E-Book)

"Das Leben ist kurz. Und ich muss gar nichts, außer zu leben." (S. 222 im E-Book)

Ja, es ist ein ganz besonderes Buch, das innerlich sicher noch lange in mir verweilen wird und das ich nicht nur Menschen in ihren 20ern, sondern auch jenen in späteren Lebensphasen und ganz besonders jenen, denen die heutigen jungen Menschen am Herzen liegen und die sich für ein Lebensgefühl und eine Sinnsuche interessieren, die sicherlich einige von ihnen mit der Figur Sophie teilen, absolut empfehlen kann!

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Statt aus dem Fenster zu schauen

Rezensionen von verhei:

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Die vergessene Tochter von Soraya Lane

Starke Frauen, ein lang verborgenes Familiengeheimnis und Parallelen in verschiedenen Zeitebenen

Charlotte, erfolgreiche Köchin in London, bekommt von einer Anwaltskanzlei ein Kästchen für ihre Großmutter in Norwegen überreicht. Das geheimnisvolle Kästchen, mit dem Namen ihrer Großmutter am Deckel enthält einen Ring, ein Foto und ein norwegisches Wappen. Auf nichts davon kann sich Charlotte einen Reim machen.

Umso besser trifft es sich, dass sie ein Jobangebot für ein neues Hotel in Oslo bekommt. Somit reist sie nach Jahren wieder in ihre Heimat und trifft neben ihrer Großmutter und Urgroßmutter auch Harrison, den charmanten Architekten des Hotels. Charlotte wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert und kommt durch Gespräche mit Urgroßmutter Amalie auch einem Familiengeheimnis auf die Spur.

Ein würdiger siebenter Band der Reihe der verlorenen Töchter, der dem bisherigen Stil beibehält. Jedoch lässt er sich auch ohne Probleme selbstständig lesen.

Wie auch bei den Vorgängern, wird die Geschichte in zwei Zeitebenen erzählt – der aktuellen in der Gegenwart, in der in der Regel eine Enkelin ein Kästchen mit rätselhaften Hinweisen präsentiert bekommt. Die weitere Zeitebene in der Vergangenheit, begleitet eine Frau aus dem Familienstammbaum, die eben jenes Kästchen für ihre Tochter hinterlassen hat. So auch hier.

Amalie erlebt im Sommer 1950 in einem norwegischen Hotel eine stürmische Liebe während ihrer Arbeit dort. Doch die verläuft nicht ohne Hindernisse. Parallel dazu erlebt Charlotte in der Gegenwart ihre eigene Liebesgeschichte.

Durch den Wechsel der Perspektive bleibt das Buch spannend und kurzweilig. Man rätselt konstant mit wie sich die Dinge entwickelt haben müssen, dass man von der präsentierten Gegenwart zur präsentierten Zukunft kommt. Der Schreibstil ist leichtfüßig, die Beschreibung der Gefühle angemessen, um sich in die Situationen gut einfühlen zu können.

Jeder Band für sich ist lesenswert, zeigt er doch die Lebensrealitäten verschiedener Frauen in verschiedenen Ländern im zwanzigsten Jahrhundert. Jede Geschichte anders, jeder Ausgang anders und doch mit vielen Parallelen.

Ich freue mich nun schon aber auch sehr auf den Abschlussband der Reihe, der die Geheimnisse um das Refugium für die Frauen enthüllt.

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Die vergessene Tochter

Rezensionen von Frechdachs:

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Tage am Fluss von Jochen Mariss

Alles im Fluss?!

Das Romandebüt "Tage am Fluss" von Jochen Mariss hatte mich beim Lesen ziemlich schnell eingefangen gehabt.

Die große Stärke liegt aus meiner Sicht darin, dass die Geschichte vielleicht auf den ersten Blick eher unspektakulär daher zu kommen scheint, aber wenn man sie richtig an sich ranlässt, mit sehr vielen verschiedenen aktuellen gesellschaftlichen Themen konfrontiert wird.

Einem Fluss gleich, mänandert der Autor dabei sehr stilsicher und wenig effektheischend zwischen den Themen hin und her. Er lässt dabei bewusst Leerstellen und Rätsel, um die Geheimnisse der einzelnen Protagonisten nicht vorschnell aufzudecken.

Die durchweg kurzen Kapitel tragen dann dazu bei, einfach nur so durch die Geschichte zu fliegen. Also auch für kurz nur ein Kapitel zwischendurch, beispielsweise in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, ist diese Story hervorragend geeignet.

Die unterschiedlichen Charakteren haben mir dabei besonders gut gefallen. Mit ihren Ecken und Kanten sind sie gut greif- und auch nachvollziehbar. Ihre speziellen Geheimnisse bringen dann noch die richtige Würze und Spannung in die sehr kurzweilige Storyline.

Alles in allem war ich gerne zu Besuch bei der Einsiedlerin Sara auf dem Grünen Mond. Miteinander haben wir eine Zeit erlebt, die man so schnell nicht mehr vergessen wird.

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Tage am Fluss

Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:

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Glatz. Rübezahl von Tomasz Duszyński

Toller, atmosphärischer Krimi

Dies ist mein erstes Buch von Tomasz Duszynski und ich war von Cover und Klappentext schon total angetan und bin sehr neugierig in das Buch gestartet.
Dies ist Band 3 der Reihe und die vorherigen Bände kenne ich ( leider ) nicht. Trotzdem bin ich sehr gut in die Geschichte gestartet, die sich um Oberwachtmeister Franz Koschella dreht, der in einem Fall ermittelt, der im Schlesien der 20er Jahre spielt.

Ein auf grausame Weise verstümmelter Tourist, die Leiche eines Gelehrten – es ist ganz schön was los. Bald darauf trifft er auf einen alten Bekannten; Hauptmann Klein und Koschella ist davon überzeugt, dass er der Weg zur Ergreifung des Täter ist.
Erst einmal möchte ich sagen, dass mich der Schreibstil des Autors direkt mitgenommen hat, flüssig und so authentisch erzählt er diesen historischen Krimi, dass man sich beim Lesen direkt in der Geschichte wieder findet.
Seine Figuren hat Tomasz Duszynski sehr realistisch und bildhaft beschrieben und ich bin wirklich durch das Buch geflogen : Dialoge und vielfältige Charaktere lassen das Buch total authentisch wirken. Die düstere Atmosphäre Schlesiens dient als perfekte Kulisse dafür.
Mich hat das Buch komplett überzeugt, die komplexen Handlungsstränge, die sich nach und nach zu einem gesamten Bild fügen haben mich sehr gut unterhalten und mit-rätseln lassen.
Von mir gibt es für diesen tollen, atmosphärischen Krimi eine ganz klare Empfehlung !

Das Buch Glatz Rübezahl ist am von Tomasz Duszynski ist am 15. Juni 2026 beim Polente Verlag erschienen.

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Glatz. Rübezahl