Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gute_Laune:
Wir Freitagsmänner von Hans-Gerd Raeth
Herrlich schräg und doch so realitätsnah!
Henris Ehe ist Geschichte, die Affäre vorbei, das Daten klappt nicht mal semi-gut. Und dann hat er auch noch Löcher im Bart. Und einen besten Freund, der zu viel Geld und Zeit, aber zu wenig Rücksichtnahme hat. Dann begegnet er unverhofft seiner Traumfrau. Und natürlich ist sie vergeben. Doch mit wem sie zusammen ist, das erstaunt Henri dann doch.
Und schon startet eine irre Geschichte, die einem so niemand glauben würde.
Wenn eine Woche die Dauer des ganzen Lebens darstellt, dann ist Henri aktuell am Freitag angelangt. Mal lässt ihn ein Kollege das spüren, mal die Frauenwelt, mal hadert er damit, mal kokettiert er fast schon damit. Seine Erlebnisse sind einfach urkomisch. Aber gar nicht so unrealistisch, wie man meinen könnte. Und wenn man alles im Gesamten ansieht, dann ergibt sich ein herrliches Bild, das nahezu perfekt ist. Obwohl ich immer wieder breit grinsen und gelegentlich auch laut lachen musste, ist das nicht, weil ich Henri lächerlich finde. Im Gegenteil, er ist mein neuer Held.
Raeth bringt sehr schön auf den Punkt, wie das Leben so spielen kann und dass das mit dem Älterwerden nicht besser wird. Man muss es eben hinnehmen und das Beste daraus machen. Mit Humor geht das am einfachsten und so ist die Story auch ein klein wenig Trost für alle in Henris Alter. Vor allem kommt herrlich rüber, dass das eine oder andere Klischee gern mal stimmt, Alter aber immer eine Frage der Einstellung ist und man nie zu alt ist, etwas Neues zu wagen. Und das gilt, so nebenbei vorsichtshalber erwähnt, auch für Frauen. Die kommen in der Story nämlich, in allen Altersklassen, ebenfalls vor.
Mir persönlich gefällt das Cover absolut nicht. Gut, dass ich kein Cover-Käufer bin und mich von den Kurzbeschreibungen leiten lasse. Sonst wäre mir dieser Spaß tatsächlich entgangen.
Man könnte echt meinen, Hans-Gerd Raeth hat dieses Buch extra geschrieben, um es von Christoph Maria Herbst einlesen zu lassen. So genial! Herbst spricht es so wunderbar lakonisch ein, wie auch die Erdmännchen. Volltreffer! Ich wurde von Anfang bis Ende köstlich unterhalten. So muss das sein! Fünf Sterne.
Rezensionen von ekiam:
Paddington feiert Ostern von Michael Bond; Karen Jankel
Oster-Abenteuer mit Paddington
Paddington soll für das Osterfest die Ostereier für die Nachbarn besorgen. Doch im Supermarkt sind bereits alle ausverkauft, im Schokoladengeschäft sind sie viel zu teuer, da kommt ihm ein günstiges Angebot auf dem Markt gerade recht. Leider ist er dort jedoch einem Ganoven aufgesessen, und die vermeintlichen Schnäppchen entpuppen sich als zerbrochene Eier.
Dank seines Hinweises kann der Dieb zwar gefasst werden, doch Paddington steht immer noch ohne Ostereier da. Erst ein Kommentar seines Freundes Mr. Gruber bringt ihn schließlich auf eine rettende Idee.
Für uns war es das erste Buch mit dem beliebten kleinen Bären. Dadurch standen wir zunächst vor der Herausforderung, dass uns die Figuren noch unbekannt waren und sie in der Geschichte nicht näher eingeführt werden.
Dennoch hat uns das Buch sehr gut gefallen. Paddington passieren herrlich komische Missgeschicke, die auch Kindern nur allzu vertraut sind. Mit viel Witz, Kreativität und (ganz Paddington-typisch) einer Portion Marmelade löst er schließlich das Ostereier-Problem. Dabei vermittelt die Geschichte eine schöne Botschaft: Manchmal braucht es Durchhaltevermögen, Einfallsreichtum, ungewöhnliche Ideen und gute Freunde, um eine Lösung zu finden.
Die detailreichen und liebevollen Illustrationen ergänzen den Text wunderbar und fangen besonders Paddingtons jeweilige Stimmung sehr passend ein.
Eine rundum gelungene Geschichte zur Einstimmung auf Ostern!
Rezensionen von Stern567:
Mord & Breakfast von Anne Gordon
Tolles Setting!
Der Kriminalroman Mord & Breakfast von Anne Gordon überrascht schon auf den ersten Blick – und genau das macht für mich einen großen Reiz aus. Das Cover vermittelt im ersten Moment eine idyllische, fast schon harmlose Stimmung. Man denkt eher an einen entspannten Urlaub oder eine leichte Wohlfühlgeschichte als an einen Krimi.
Diese friedliche Atmosphäre hat mich sofort angesprochen, weil ich hinter dieser scheinbaren Ruhe etwas ganz anderes vermutet habe. Gerade dieser Kontrast macht neugierig: Wenn alles so gemütlich aussieht, muss sich doch irgendwo ein dunkles Geheimnis verbergen.
Und genau so ist es. Die Geschichte entfaltet sich nach und nach und zeigt, dass hinter der beschaulichen Fassade mehr steckt, als man zunächst annimmt. Besonders gelungen finde ich die Darstellung des ländlichen Schottlands. Die Autorin beschreibt die raue, zugleich wunderschöne Landschaft so lebendig, dass man das Gefühl hat, selbst durch kleine Dörfer zu schlendern, den Wind zu spüren und die Weite der Natur vor Augen zu haben. Diese Kulisse bildet einen starken Gegensatz zu den kriminellen Ereignissen und verstärkt die Spannung zusätzlich.
Die Figuren wirken authentisch und fügen sich stimmig in das Setting ein. Durch die Mischung aus idyllischer Umgebung und düsteren Entwicklungen entsteht eine besondere Atmosphäre, die den Roman von vielen anderen Krimis abhebt. Für mich liegt der besondere Reiz des Buches gerade darin, dass ich anfangs niemals einen klassischen Krimi erwartet hätte – und genau das hat meine Neugier geweckt und mich bis zum Ende weiterlesen lassen.
Rezensionen von Shilo:
Mit dem ersten Licht von Florian Knöppler
Zwischen Alltag und innerer Leere
Arne lebt ein geordnetes Leben. Er hat Familie, Freunde und einen festen Platz im Alltag. Trotzdem fühlt er sich oft allein. Dieses Gefühl ist von Anfang an spürbar und prägt die Stimmung der Geschichte.
Die Begegnung mit Laura verändert Arnes Alltag langsam. Nähe entsteht vorsichtig, ohne viele Worte.
Kleine Gesten und Gedanken sagen mehr als alles andere. Florian Knöppler erzählt ruhig und zurückhaltend und gibt seinen Figuren Zeit. Vieles bleibt unausgesprochen, was die Geschichte glaubwürdig macht.
Arne als Erzähler öffnet den Blick in sein Inneres. Seine Unsicherheit und die Sehnsucht nach Verbindung wirken ehrlich. Auch Laura bleibt nicht nur im Hintergrund. Ihre eigenen Schwierigkeiten werden nach und nach sichtbar, ohne erklärt zu werden. Das Zusammensein der beiden entwickelt sich langsam.
Der Roman lebt von seiner Stimmung. Einsamkeit, Hoffnung und der Wunsch nach Nähe stehen im Mittelpunkt. Nicht jede Szene ist gleich stark. Stellenweise hätte die Geschichte etwas straffer sein können. Die ruhige Erzählweise überzeugt jedoch, weil sie konsequent bleibt und nichts erzwingen will.
Am Ende bleibt ein ruhiger Roman über Menschen, die ihren Platz suchen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von BR:
Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross
heftig
Die Familie Blum war gerade aus Brooklyn in eine Kleinstadt gezogen weil der Vater eine bessere Anstellung fand, die Lebenskosten deutlich günstiger waren und man für beide Kinder eine gute Schulbildung im Auge hatte. Hazel sollte dort ihr letztes Schuljahr absolvieren und eine Grundlage schaffen um danach auf eine gute Hochschule zu wechseln.
Die titelgebende Szene im Schulleiterzimmer wurde schon im Klappentext beschrieben. Das Verhalten des Direktors hat direkt beim Lesen Beklemmung hervorgerufen und man war fassungslos dass es sowas gibt. Und auch dass er dies schon einige Jahre so gehandhabt hat. Hazel sagt Nein und ab da ist nichts mehr wie vorher.
Sonderbarerweise gibt es weder einen kollektiven Aufschrei der anderen Eltern noch werden Konsequenzen und Aufklärung gefordert sondern auf allen Ebenen gibts Anfeindungen und Hass gegenüber der Familie Blum. Sogar noch Solidaritätsbekundungen für diesen netten Schulleiter, der der Schule so viel gutes getan hatte. Man hört z.B. nichts von Schülerinnen, die sowas in den Vorjahren erlebt hatten. Erst als das Ereignis im weiteren Umfeld öffentlich wird flammt eine passende Empörung auf.
Die Familie ist in der Situation gefangen, sie würden am liebsten ihre Umsiedlung rückgängig machen. Aber die Anstellung des Vaters und die Finanzierung des Hauses können nicht einfach zurück abgewickelt werden.
Vom Schreibstil her hat mir das Buch gut gefallen, trotz des harten Themas gab es auch humorvolle Szenen. Die Wendung die sich circa nach der Hälfte des Buches entwickelt hat, hätte ich so nicht gebraucht.
Rezensionen von Stern567:
Aliya und der Laden der Zweiten Chance (Die Schule der Zeitreisenden 3) von Laila Rifaat
Tolle Fortsetzung!
Mit Aliya und der Laden der zweiten Chance, dem dritten Band der Reihe von Laila Rifaat, wird die Geschichte rund um Aliya auf wunderbare Weise fortgesetzt. Nachdem wir bereits die vorherigen Bände gelesen haben, können wir sagen: Auch dieser Teil ist eine rundum gelungene Fortsetzung, die den Charme, die Spannung und die Wärme der Reihe beibehält.
Aliya wächst einem mit jeder Seite mehr ans Herz. Ihre Neugier, ihr Mut und ihr großes Herz machen sie zu einer authentischen und liebenswerten Protagonistin. Die Handlung rund um den geheimnisvollen Laden der zweiten Chance ist fantasievoll und gleichzeitig berührend erzählt. Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und neue Möglichkeiten werden kindgerecht, aber dennoch tiefgründig behandelt.
Besonders begeistert hat uns erneut die liebevolle Gestaltung des Buches. Wie schon bei den vorherigen Bänden ist das Cover wunderschön illustriert und mit glänzenden Elementen verziert, die dem Buch etwas ganz Besonderes verleihen. Diese Details machen die Reihe auch optisch zu einem Highlight im Bücherregal.
Sprachlich ist die Geschichte flüssig und lebendig geschrieben, sodass man schnell in die Handlung eintaucht. Spannung und emotionale Momente wechseln sich gut ab und sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.
Insgesamt ist „Aliya und der Laden der zweiten Chance“ eine zauberhafte Fortsetzung, die die Stärken der Reihe fortführt. Für uns ist dieser dritte Band ein echtes Lesehighlight.
Rezensionen von begine:
Mit dem ersten Licht von Florian Knöppler
Erwachsen werden
Florian Knöppler hat seinen Roman, Mit dem ersten Licht, in die 1980er Jahre angelegt..
Die Zeit kennt er aus eigener Erfahrung. Er hat den Roman in Elmshorn angesiedelt.
Man erlebt Depressionen, Gewalttätigkeiten , aber auch Freundschaft und Liebe.
Der Autor versteht es gut die Sehnsüchte und Emotionen des 15jährigen Arne darzustellen.
Er hat ihn als einsamen sehnsüchtigen Jungen beschrieben. Auch die anderen Personen sind gut getroffen.
Er lässt uns bis in Arne als junger Erwachsener begleiten.
Das ist außerordentlich unterhaltend.
Rezensionen von ekiam:
Knightsbridge United von Marina Neumeier
Gefühlvoller Abschluss der Knightsbridge-Dilogie
Nach Offsided habe ich mich sehr auf den zweiten Teil der Dilogie gefreut, in dem die Nebenfiguren aus Band 1 – Boulevardjournalistin Rosie und Knightsbridge-Teamkapitän Trent – nun im Mittelpunkt stehen.
Durch Zufall trifft Rosie auf einem Charity-Event eine ältere Dame namens Abigail, der sie von ihren beruflichen Schwierigkeiten erzählt.
Wenige Tage später stellt sich heraus, dass es sich bei Abigail um Lady Richmond handelt, um die sich seit Jahrzehnten zahlreiche Gerüchte ranken: Sie ließ einst den damaligen Prince of Wales vor dem Altar stehen. Lady Richmond möchte Rosies Karriere unterstützen und lädt sie auf ihr Anwesen ein, um ihr ein Interview über ihre Charity-Organisation zu geben. Rosies Chefin erkennt sofort die Chance, im Zuge dessen auch die Geschichte rund um die aufgelöste Verlobung aufzuklären.
Trent hat sich nach seiner Verletzung während eines Fußballspiels zu seiner Großmutter Abigail aufs Land zurückgezogen. Aufgrund der Familiengeschichte und seiner eigenen negativen Erfahrungen mit der Presse ahnt er Schwierigkeiten, als Rosie anreist, und begegnet ihr entsprechend abweisend.
Doch das Engagement für Lady Richmonds Charity-Organisation und der Tod des Königs setzen eine Reihe von Ereignissen in Gang…
Wie bereits im ersten Band ist Marina Neumeiers Schreibstil angenehm und leicht zugänglich. Obwohl die Figuren aus Band 1 bekannt sind, lässt sich das Buch problemlos unabhängig lesen.
Der Perspektivwechsel zwischen den beiden Protagonisten sorgt dafür, dass beide facettenreich und nahbar dargestellt werden. Rosies Zerrissenheit zwischen ihrer Integrität und dem Pflichtbewusstsein gegenüber ihrem Beruf ist durchgängig spürbar. Auch Trents Misstrauen gegenüber der Presse sowie seine innere Distanz sind nachvollziehbar. Seine ausgeprägten Schuldgefühle gegenüber seinem Team infolge seiner Verletzung überzeugend hingegen nicht vollumfänglich.
Beide Hauptfiguren bringen persönliche Konflikte mit, die im Verlauf der Handlung schlüssig aufgearbeitet werden. Besonders gelungen ist die emotionale Entwicklung zwischen den beiden.
Fazit:
Sidelined bietet mit den Tropes „Enemies to Lovers“ und „Grumpy x Sunshine“ unterhaltsame und zugleich gefühlvolle Lesestunden und bildet einen stimmigen Abschluss der Dilogie.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Du musst gar nichts von Martin Brunner
Witzig, wahr und tröstend
In einer Welt voll von Selbstoptimierungsratgebern kann es sehr wohltuend sein, mal ein ganz anderes Buch zu lesen. Ein Buch, das auch keine großen Anforderungen an die Leserinnen und Leser stellt und sehr zugänglich ist. Man muss dabei nämlich gar nichts, nicht einmal viel Zeit am Stück fürs Lesen finden.
Denn das Buch ist äußerst schnell durchgelesen, aber nicht nur das: es besteht ausschließlich aus kurzen Impulsen, die man immer wieder mal zwischendurch schnell zur Hand nehmen kann, um sich verstanden zu fühlen oder auf neue Gedanken zu kommen.
Auf der linken Seite findet sich jeweils nur ein Satz zu etwas, was man nicht müsse, z.B. "Ich muss nicht dankbar sein" oder auch eine Erlaubnis wie z.B. "Ich darf erschöpft sein ohne Ursache", und auf der rechten Seite dann prägnant formuliert ein paar Sätze dazu, die das Thema näher ausführen und zum weiteren Reflektieren anregen, z.B. "Der Gedanke sitzt tief, dass nur Überlastung Ruhe verdient. Dabei ist Erschöpfung kein Unfall und keine Schwäche, sondern ein Signal. Der Körper muss nichts erklären. Die Seele muss sich nicht ausweisen..." (S. 79)
Gerade diese Seiten habe ich in einem Moment der starken Erschöpfung gelesen und mich getröstet und verstanden gefühlt. Es tut gut, bestärkt zu werden, auf den eigenen Körper und das Tempo der eigenen Seele zu hören.
Inhaltlich geht es um ganz verschiedene Themen, ob Partnerschaft und Heirat, Freundschaften, eigene oder die Heilung innerer Kinder, Sport und Ernährung, Berufliches, Persönlichkeit und ganz viel auf sich selbst achten und Abgrenzung gegenüber den Ansprüchen und Forderungen der Welt.
Man muss nicht mit allen Botschaften des Autors übereinstimmen, um aus diesem Buch viel Wertvolles und Bestärkendes mitnehmen zu können. Jedenfalls ist es voll von klugen Inspirationen, die zum Überdenken des eigenen Lebens anregen und Mut machen, aus der Hochleistungsfalle auszusteigen. Ich kann es allen Menschen, die sich manchmal überlastet fühlen von den Ansprüchen des Lebens in der heutigen Zeit, für sich selbst, aber auch als humorvolles und inspirierendes Geschenk sehr empfehlen.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve
Schmerzhafte Erinnerungen
In ihrem Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, an ihre langjährige Ehe mit dem Journalisten Arend Jan Heerma van Voss, den sie in ihrem Buch "A" nennt.
Es ist ein kalter Tag im März 2022, die Beerdigung ihres Mannes liegt gerade hinter ihr, als die Ich-Erzählerin Christien feststellt, wie verwahrlost ihr Haus ist.
Es wirkt unordentlich und ist vollgestopft mit unzähligen Büchern, Zeitschriften und allerlei Krimskrams. Nach den langen Jahren, in denen sie sich um ihren kranken Ehemann kümmerte, beginnt sie nun mit den dringend notwendigen Arbeiten. Das Aufräumen und Aussortieren fällt ihr anfangs schwer, es weckt nicht nur schöne Erinnerungen an ihre gemeinsamen Jahre.
Als Christien und A sich in den späten Siebzigern kennenlernen, ist die junge Frau fasziniert von der Intelligenz und dem Humor des Juristen, der als Chefredakteur tätig ist. Sie verlieben sich ineinander und verbringen glückliche Jahre, nach der Hochzeit werden die beiden Söhne geboren. Christien, inzwischen Professorin für Frauenforschung, ist glücklich in ihrem Beruf und fühlt sich wertgeschätzt. Der häusliche Alltagsstress mit zwei Kleinkindern überfordert sie trotz der Unterstützung durch ein Kindermädchen und die beiden Töchter aus A's erster Ehe zusehends. A ist stolz auf seine erfolgreiche Frau, hatte aber heimlich darauf gehofft, dass sie sich nach ihrer Dissertation hauptsächlich ihm widmen würde. Die Ehe ist nicht mehr glücklich, das Paar ist zu verschieden, hat unterschiedliche Interessen. A, geprägt durch den frühen Tod seiner Schwester, ist melancholisch und launisch. Als er mit 64 Jahren pensioniert wird, stürzt seine Welt vollends ein, er fühlt sich überflüssig. Christien kommt mit seinem Pessimismus und seinen düsteren Stimmungen nicht zurecht und zieht sich immer mehr zurück.
Mit schonungsloser Offenheit und klaren Worten beschreibt die Autorin ihre unglückliche Ehe und die zunehmende Entfremdung. Ich mochte Christien und habe nicht verstanden, dass die selbstbewusste Professorin sich ihrem dominanten Mann unterordnete, sogar auf sein Drängen hin ihr Haus verkaufte, das sie liebte, um in das Amsterdamer Zentrum zu ziehen.
Ich habe das intelligente Buch, in dem die Autorin ihr Leben mit A Revue passieren lässt, trotz mehrerer Wiederholungen sehr gern gelesen, es hat mich berührt und erschüttert. Christiens innere Konflikte konnte ich gut nachvollziehen, sie zweifelt an ihrer Entscheidung, dieses Buch zu schreiben, fragt sich, ob sie als Mutter das Recht dazu hat. Während des Schreibens hinterfragt sie auch ihre Rolle in der Beziehung und in der Familie, und sie stellt sich die Frage, warum sie ihren Mann nicht verlassen hat.
"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" ist ein sehr mutiges und sehr persönliches Buch, in dem es neben Trauerbewältigung und Aufarbeitung der Vergangenheit auch um Feminismus, Enttäuschung, Verzweiflung - und Liebe geht.
Absolute Leseempfehlung!











