Icon Kontrast wechseln
Logo Wagnersche Buchhandlung

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Petra:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen Rahmen

Blumen schenke ich mir selbst von Blanca Imboden

Flowers

Romy hat nach einem Trauerbuch ein Buch über glückliches Alleinsein geschrieben. Als sie dann eine neue Beziehung eingeht, bricht der Shitstorm los. Man darf nach einem solchen Bucherfolg nicht mehr glücklich zu zweit sein, geht`s noch? Die Beziehung zerbricht, ihr Verleger bestraft sie mit der Aufgabe einen Schreibkurs zu leiten.

Sie geht mit gehöriger Skepsis und Vorurteilen an die Aufgabe. Die Teilnehmer sind sehr verschiedene Persönlichkeiten und haben die unterschiedlichsten Gründe für die Teilnahme. Im Grunde ist nur eine dabei die ein Buch schreiben möchte und außer diesen Wunsch noch nichts hat.
Es ist spannend zu lesen wie Romy an ihrer Aufgabe wächst, ihre Vorurteile überdenkt und sie denkt viel, Wie die einzelnen Frauen und Männer sich öffnen und miteinander zu einem Team werden. Als Coach hat Romy alles richtig gemacht. Und der Titel von Mile< Cyrus Flowers wird ihr neues Lebensmotto..
Es werden viele Probleme angesprochen, eine Lösung gibt es nicht so ohne Weiteres. Aber das eigene Bild von sich überprüfen und gegebenenfalls ändern. Das ist eine gute Möglichkeit. Ein Mensch an meiner Seite sollte Partner, ein positiver Bestandteil in meinem Leben sein, aber ich sollte ihn nicht brauchen müssen um mein Leben zu leben. Weder aus finanziellen noch aus emotionalen Gründen. In verschiendenen Ansätzen wird es hier aufgezeigt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Petra
Blumen schenke ich mir selbst

Rezensionen von Bücherwurm78:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Blendwerk von Volker Klüpfel; Michael Kobr

Kluftinger ist Kult

Genau auf einem Familienausflug entdeckt Kluftinger in der schönen Schlucht des Eistobels eine Leiche. Eine junge Allgäu-Influencerin; war sie auf der Suche nach dem perfekten Foto abgestürzt oder war es Mord?

Blendwerk ist nunmehr bereits der 14. Fall. Da ich bereits alle Kluftinger-Bücher gelesen habe, habe ich mich sehr auf den neuen Krimi gefreut, nachdem das letzte Buch Lückenbüßer bereits vor 2 Jahren erschienen ist.

Nachdem ich dieses nicht ganz so spannend fand, war ich neugierig wie mir dieser neue Teil gefallen wird. Und diesmal fand ich wieder beides super, den Mordfall selbst und natürlich die private Seite von Kommissar Kluftinger. Der kam bei mir als Leser wie gewohnt sympathisch, leicht verpeilt und auf nette Weise eigenartig an. Den Krimi selbst fand ich ab Anfang an spannend und die Spannung hat auch für mich bis zum Schluss gehalten. Es gab für mich keine langweiligen Passagen im Text, es ist flüssig geschrieben und man hat immer ein Bild vor Augen beim Lesen. Die Story selbst fand ich gut durchdacht und umgesetzt im Buch.
Auch das Cover des Buches finde ich wieder richtig schön und ansprechend gestaltet, natürlich auch passend zum Inhalt.
Fazit: Klare Leseempfehlung, richtig spannend und witzig.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücherwurm78
Blendwerk

Rezensionen von marie1908:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Niemals geht man so ganz von Andreas Izquierdo

Interessanter Humor

Manchmal braucht es einen etwas ungewöhnlichen Ermittler, um einem Kriminalfall auf die Spur zu kommen und genau so einen bekommen wir in Andreas Izquierdos „Niemals geht man so ganz - Ein Trauerredner ermittelt“. Schon die Idee, einen Trauerredner zum Mittelpunkt eines Krimis zu machen, hat mich neugierig gemacht.

Schließlich erlebt dieser beruflich ständig Abschiede und bekommt dabei Dinge über Menschen mit, die sonst wohl eher im Verborgenen bleiben.

Die Geschichte verbindet Krimi, schwarzen Humor und jede Menge menschliche Abgründe auf eine angenehm leichte Art. Besonders gut gefallen hat mir, dass der Fall nicht einfach nur aus Spuren, Verdächtigen und Ermittlungsarbeit besteht. Zwischen Trauerfeiern und Todesfällen lernt man die Figuren immer besser kennen und merkt schnell, dass hinter so mancher Fassade mehr steckt, als zunächst zu erkennen ist.

Der Schreibstil ist locker und angenehm zu lesen, ohne dass die Spannung dabei zu kurz kommt. Gerade die etwas skurrile Ausgangssituation sorgt immer wieder für humorvolle Momente, während die Handlung gleichzeitig genügend Raum für ernstere und nachdenklichere Töne lässt. Die Mischung hat für mich gut funktioniert und dem Buch seinen ganz eigenen Charme gegeben.

Wer Krimis mag, die nicht nach Schema F funktionieren und neben dem eigentlichen Fall auch mit ungewöhnlichen Figuren und einer guten Portion Humor punkten, sollte sich dieses Buch einmal genauer anschauen. Für mich eine unterhaltsame Lektüre mit einer originellen Idee und genau der richtigen Mischung aus Spannung, schwarzem Humor und menschlichen Geschichten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von marie1908
Niemals geht man so ganz

Rezensionen von Ameland:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen Rahmen

Totensee von Sophie Czerny

Heftige Thematik

Die suspendierte LKA-Kommissarin Ada Sabel ist auf der verzweifelten Suche nach ihrer entführten Tochter. Dabei ist sie ziemlich auf sich allein gestellt, denn außer einer Freundin glaubt ihr niemand. Während ihrer privaten Ermittlungen ploppen immer wieder bisher tief in ihrem Inneren verschlossene Erinnerungsfetzen auf, die echt heftig sind.

Wer steckt hinter dem Ganzen und wird sie Mara rechtzeitig finden?

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir aufgrund vieler Zeitsprünge, Orts- und Perspektivwechsel nicht leicht. Im Verlauf der Erzählung wurde es besser. Ada fand ich auch unter Berücksichtigung ihres Ausnahmezustandes nicht sonderlich sympathisch.

Mir haben besonders die Ereignisse in Adas Kindheit sehr zugesetzt. Dieser Blick in menschliche Abgründe ging mir sehr unter die Haut. Auch wenn vieles nicht in aller Deutlichkeit beschrieben wurde, haben die Andeutungen gereicht, um mein Kopfkino in Gang zu setzen und sich das weitere Geschehen vorzustellen. Ich hätte mir eine Triggerwarnung gewünscht, denn dann hätte ich wahrscheinlich die Finger von dem Buch gelassen.

Insgesamt ein spannender Thriller, bei dem ich aber nicht alles logisch oder nachvollziehbar fand.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ameland
Totensee

Rezensionen von meggie3:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Kaskaden von Louise K. Böhm

Trifft genau den richtigen Ton

Jojo studiert im ersten Master-Semester Biologie, lebt mit einer Freundin gemeinsam in einer WG in einer Kleinstadt und liebt es, im Labor zu stehen und zu pipettieren. Jojo hat aber auch Schwierigkeiten, sich anderen zu öffnen, Kontrolle abzugeben und somit ein unbeschwertes Student*innenleben zu führen.

Aufgewachsen ist sie in der Vorstadt, in einem Quartier, in dem viele Menschen mit wenig Geld auf engem Raum leben. Mit ihrer besten Freundin Yara hatte sie den Traum, der Vorstadt zu entwachsen und gemeinsam zu studieren. Doch seit einigen Jahren gibt es eine Leerstelle in Jojos Leben – da, wo Yaras Platz war, sind jetzt Leere und unendlich viele Fragen.

Louise K. Böhms Debüt war für mich unfassbar spannend zu lesen, fast atemlos ist man als Leser*in Teil von Jojos Leben. Mich haben ihre Gedanken, Zweifel, Fragen und Unsicherheiten gefangen genommen und berührt. Ich finde Jojo als Protagonistin wirklich stark beschrieben und entwickelt. Es werden sehr viele gesellschaftlich relevante Themen adressiert, z.B. wie hürdenreich es für Kinder aus Elternhäusern mit geringerem Einkommen und nicht-akademischem Background ist, an der Uni anzukommen und was es bedeutet, wenn das Bafög monatelang nicht kommt und was das mit dem eigenen Selbstverständnis macht.

Sprachlich manchmal poetisch und manchmal fast derb – Louise K. Böhm trifft damit genau den richtigen Ton, macht das Geschriebene authentisch und berührt auf diese Weise. Besonders stark fand ich die Verschränkung von Sprache und Inhalt, wenn Jojos Gedankenschleifen um das Thema "Keime" aufkommen und durch keinen Punkt oder kein Komma gestoppt werden können.

Mich hat dieser Debütroman von vorne bis hinten überzeugt, sprachlich wie inhaltlich. Ich hoffe, dass dieser Roman viele Leser*innen findet.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von meggie3
Kaskaden

Rezensionen von evaki:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen Rahmen

Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte von Bokyeong Sunim

Einblick in buddhistische Philosophie im Zusammenleben mit einer Katze

Natürlich ist das Buch ein Muss für alle Katzefans. Wer allerdings eine leichte Lektüre zum Morgenkaffee erwartet, hat sich getäuscht. Bokyeong Sunim ist ein weiser buddhistischer Mönch, der in Südkorea lebt und uns dorthin mitnimmt. Wir folgen ihm in sein abgelegenes Bergkloster, das ihm Ruhe und Geborgenheite gibt, nach Jahrzehnten im lauten Seoul.

Seine Vorlieben sind das Wandern und die Literatur und beides lässt sich dort bestens vereinen. Rein zufällig läuft ihm eine Katze über den Weg, die sich ihn ausgesucht hat und bleibt. Es beginnt für ihn ein Lernprozess, wie man ein Haustier hält und pflegt. Als Mönch findet er tatsächlich viele Verbindungen zwischen den buddhistischen Weisheiten und den Eigenheiten einer Katze. Gut gefallen haben mir die vielen Literaturempfehlungen, die geschickt mit der Handlung des Buches verknüpft wurden. Leider gibt es dazu keine extra Seite.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von evaki
Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte

Rezensionen von LeserinLu :

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern mit grünen Rahmen

Koch- und Backabenteuer mit Spekulatius von Tobias Goldfarb

Nett

Spekulatius nimmt Familien mit auf eine kulinarische Reise durch die vier Jahreszeiten. Dabei gibt es nicht nur Rezepte zum Kochen und Backen, sondern auch kleine Geschichten und viele schöne Illustrationen.

Mir gefällt das Buch vor allem optisch richtig gut: Die Bilder sind ansprechend und machen direkt Lust darauf, gemeinsam in der Küche loszulegen.

Auch die Rezepte sind abwechslungsreich und wirken unkompliziert genug, dass Kinder bei vielen Arbeitsschritten mithelfen können, allerdings sind sie nicht darauf ausgerichtet, dass Kinder weitgehend selbstständig kochen können.

Positiv finde ich außerdem, dass erfreulich wenig Fleisch vorkommt. An manchen Stellen hätte ich mir die Rezepte allerdings etwas gesünder gewünscht. Bei einigen Gerichten ist für meinen Geschmack doch recht viel Mehl, Zucker oder Ähnliches dabei. Wir haben deshalb einfach selbst ein bisschen angepasst, zum Beispiel zusätzlich Gemüse hineingepackt, den Zucker halbiert oder einen Teil des Mehls durch Vollkornmehl ersetzt. Das hat problemlos funktioniert.

Besonders schön finde ich, dass das Buch neben den Rezepten auch Platz für Geschichten lässt. So ist es nicht nur ein Koch- und Backbuch, sondern eignet sich auch zum gemeinsamen Vorlesen. Genau deshalb werden wir es auf jeden Fall behalten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von LeserinLu
Koch- und Backabenteuer mit Spekulatius

Rezensionen von Philiene :

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Koch- und Backabenteuer mit Spekulatius von Tobias Goldfarb

Spekulatius kocht

Meine Kinder und ich sind schon lange große Fans von Spekulatius und seinem Abenteuer gehören für uns zur Weihnachtszeit einfach dazu. Meine Tochter ist zudem eine begeisterte Hobbyköchin und Bäckerin, wie perfekt ist da dieses Buch.

Das Buch ist in die vier Jahreszeiten eingeteilt und vor jedem Rezeptteil gibt es eine kurze Geschichte von dem kleinen Weihnachtsdrachen, da macht den Kindern das Durchblättern des Kochbuches gleich doppelt so viel Spaß.

Bei den Rezepten ist für jeden etwas dabei. Sie sind gut erklärt, es gibt Fotos und Schritt für Schritt Erklärungen. Es gibt Klassiker die bei Kindern sehr beliebt sind, zum Beispiel Stockbrot oder ein einfaches Keksrezept, das man nicht nur zu Weihnachten backen kann. Aber auch schwierigere Rezepte bei denen kleinere Kinder sicher etwas Hilfe brauchen, aber trotzdem gerne helfen werden. Denn Kindern macht es ja auch Spaß jedes Mal etwas mehr zu können.

Mir hat auch die Vielfalt der Rezepte gefallen, es gibt Süßes und Herzhaftes, Vegetarisches und Gerichte mit Fleisch, Frühstück und Mittagessen.

Dieses Kochbuch wird mit Sicherheit sehr oft genutzt werden.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Philiene
Koch- und Backabenteuer mit Spekulatius

Rezensionen von Shilo:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Gegenlicht von Nicole Wellemin

Wo aus Fremdheit Nähe wird

Die 15 jährige Annelie fühlt sich nach dem Umzug aufs Land fremd und hat das Gefühl, von ihrer neuen Umgebung kaum wahrgenommen zu werden. Am liebsten ist sie allein unterwegs und streift durch den Wald. Schon daran merkt man, wie wenig sie sich dort zu Hause fühlt. Erst durch die Begegnung mit Morli beginnt sich langsam etwas zu verändern.

Auch er hat seine eigene Geschichte und lässt nur schwer jemanden an sich heran.
Beim Lesen habe ich immer wieder darüber nachgedacht, wie viel sich verändern kann, wenn jemand wirklich hinschaut und nicht gleich über einen anderen Menschen urteilt. Annelie und Morli sind beide Außenseiter, jeder auf seine eigene Art. Gerade dadurch entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft, die sich ganz natürlich entwickelt. Es geht dabei nicht darum, dass auf einmal alle Probleme verschwunden sind. Vielmehr wird deutlich, wie wichtig ein Mensch sein kann, der bleibt, zuhört und einem das Gefühl gibt, nicht allein zu sein.
Auch Familie und die eigenen Verletzungen spielen eine wichtige Rolle. Besonders Morlis Familiengeschichte hat mich beschäftigt, weil man nach und nach versteht, was hinter seinem Verhalten steckt. Gleichzeitig mochte ich die sommerliche Stimmung und die Wege durch die Natur. Beides hat für mich gut zu der Geschichte gepasst.
Die Figuren sind mir beim Lesen Stück für Stück näher gekommen. Vieles wird nicht sofort ausgesprochen und manche Gefühle zeigen sich erst mit der Zeit. Gerade das hat die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht. Man bekommt Gelegenheit, die Menschen und ihre Entscheidungen besser zu verstehen.
Es war kein Buch, das mich mit ständig neuen Wendungen fesseln musste. Vieles entsteht durch die Begegnungen der Menschen und durch kleine Veränderungen, die zunächst kaum auffallen. Gerade das hat mir gefallen. Am Ende bleibt vor allem der Gedanke, wie wichtig es sein kann, wirklich gesehen zu werden und selbst einen anderen Menschen nicht mehr zu übersehen.
Für mich ist es ein besonderer Roman über Freundschaft, Vertrauen und das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Shilo
Gegenlicht

Rezensionen von Kwinsu:

Stern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün vollStern grün voll

Jetzt beginnt das Leben von Alex Schulman

Zurück in die Zukunft

Lehrer Vidar wird suspendiert, nachdem er bei einem Schülerkonflikt ungewohnt grob dazwischengeht. Er kann sich nicht erklären, was genau geschah, sieht ungläubig die ihm vorgelegten Bilder der heftigen Verletzungen des Schülers, hat keine Erinnerung daran, was hier passiert sein könnte. Als er so vor sich hin sinniert, fällt ihm eine Telefonnummer aus seiner Vergangenheit in die Hände: jene des Ferienhauses seiner Kindheit.

Er probiert einfach mal dort anzurufen - und dann geschieht das Unglaubliche: sein verstorbener Vater geht ans Telefon. Es beginnt eine familiäre Spurensuche, die absurd, manisch und auf schräge Weise auch humorig zugleich ist.

Dass Alex Schulman ein äußerst talentierter Autor ist, zeigt sein bisheriger internationaler Erfolg. Seine Bücher weisen stets einen großen autobiographischen Bezug auf, sein Schreiben scheint eine Art Selbsttherapie zu sein, das schonungslos tiefe Verletzungen, Misshandlungen und Vernachlässigungen aufzeigt, ohne dabei theatralisch zu werden. Bei "Jetzt beginnt das Leben" kommt diese autobiographische Note erst schleichend zu Tage. Die surreale Note, die durch die Telefonate in die Vergangenheit erzeugt wird, lässt einen den Roman nicht gleich einordnen. Ist das jetzt etwas Witziges wie "Und täglich grüßt das Murmeltier"? Jedenfalls landet Vidar mit seinen Telefonaten - wie sich schnell zeigt - stets am selben Tag: dem 17. Juni 1986. Akribisch führt er Buch über seine Gespräche mit der Vergangenheit, versucht, den Tag in seinem Geschehen zu rekonstruieren, denn irgendetwas Bedeutendes ist an diesem Tag passiert, nur weiß er auch hier nicht, was das genau gewesen sein sollte. Seine Gesprächspartner sind sowohl der Vater, als auch die Mutter, seine Schwester und auch: sein kindliches Ich - und im Laufe des Tages scheint dieses immer verstörter zu sein.

Während sich der Telefonattag immer und immer wieder zu wiederholen scheint, läuft Vidars Gegenwart weiter. Er ist nicht nur in der Aufarbeitung dieses Tages manisch, sondern will auch auf Biegen und Brechen herausfinden, warum er dem Schüler gegenüber so aggressiv geworden ist. Trotzdem er aufgrund der gegen ihn laufenden Ermittlungen gewarnt wird, sich dem Schüler nicht mehr zu nähern, stellt er ungeschickte Versuche an, mit diesem zu reden, um die Leere in seinem Kopf zu beseitigen. Schlussendlich ahnt Vidar, dass vielleicht alles mit allem zusammenhängen mag.

Der Schreibstil des Autors ist sehr sachlich und nüchtern, aber unglaublich in den Bann ziehend. Ich habe das Buch kaum weglegen können, so fasziniert war ich von dieser schrägen, etwas abstrusen und doch sehr berührenden Geschichte. Die ganze Tragweite einer schlimmen Kindheit, stellt sich erst im weiten Verlauf des Buches ein und tritt vollends zutage, wenn das Buch beendet ist. Die besondere Kunst an diesem schriftstellerischen Werk ist, dass die grundsätzlich surreale Begebenheit mit den Telefonaten in die Vergangenheit für mich relativ rasch eine Unerstaunlichkeit bekommt; eine Selbstverständlichkeit, die ich schnell als nicht mehr ganz zu abwegig empfunden habe - sie schnell für voll nahm. Und dann ist da dieser unterschwellige Humor, der mich ob seiner Schrägheit oft schmunzeln ließ. Es fallen einfache Sätze, die trotz ihrer Unauffälligkeit einen treffenden Status Quo der gesellschaftlichen Verhältnisse aufwerfen. "Wenn die Hölle etwas von dir will, ruft sie mit unterdrückter Nummer an." (S. 125) Die Beharrlichkeit - in wirklich jeder Hinsicht - die der Protagonist aufweist, ist zwar irgendwie manisch, belohnt ihn aber schlussendlich mit einer Art von Gerechtigkeit. Auch wenn die Hauptfigur nie ganz zugänglich wird, trifft sie einen doch irgendwie ins Herz.

Mein Fazit: "Jetzt beginnt das Leben" ist ein großartiges Buch, dass durch eine Prise Verrückt- und Schrägheit, nüchterne Erzählweise und eine intensive Spurensuche in der Vergangenheit besticht und einen von der ersten bis zur letzten Seite im Bann hält. Es ist traurig, schwarzhumorig, berührend und irritierend zugleich und wird sicher einen Dauerplatz in meiner Bestenliste des Jahres 2026 sowie in meinem Bücherregal finden.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Kwinsu
Jetzt beginnt das Leben