Kunden em pfehlungen
Rezensionen von DoraLupin:
Lady Macbeth von Ava Reid
Düstere Interpretation der bekannten Geschichte
Wer Shakespeares Klassiker gelesen hat, der wird wird wohl auch die Geschichte von MacBeth kennen. In dieser Geschichte wird die bekannte Story und vorallem die Protagonistin selbst neu interpretiert und es wird düster und atmospärisch.
Die junge Lady Roscille weiß, was über sie gesagt wird: Sie sei von Hexen verflucht, und ein einziger Blick in ihre Augen könne sterbliche Männer in den Wahnsinn treiben.
Auf Geheiß ihres Vaters wird sie mit dem schottischen Lord Macbeth verheiratet, einem brutalen Kriegsherrn. Um als neue Lady Macbeth zu überleben, muss Roscille all ihre List und verborgene Hexenkraft einsetzen. Dabei ahnt sie nicht, dass auch ihr Ehemann okkulte Geheimnisse hat, die in den dunkelsten Tiefen seiner Burg schlummern. Sie weiß auch noch nicht, wie gefährlich ihre eigene Magie ist. Aber sie wird es herausfinden
Der Schreibstil ist nicht ganz einfach zu lesen, da alles eher komplex geschrieben wurde und ich deshalb etwas in die Geschichte hineinfinden musste. Einmal darin gefangen, zeigt sich dann jedoch das ganze Können der Autorin, denn sie hat die Geschichte mit viel Atmosphäre und eigenen Gedanken geschrieben und so vorallem der Protagonistin nochmal ganz neu Leben eingehaucht. Sehr gut gefallen hat mir auch, wie bildhaft die Burg und generell die raue Landschaft von Schottland beschrieben wurde. Außerdem war ich sehr nahe an Lady Macbeth dran, denn als Leser erfährt man viel von ihren eigenen Gedanken und Gefühlen und ich fand das wirklich sehr gelungen!
Fazit: das Buch lässt sehr viel Platz für neue Ideen und orientiert sich wenig an der originalen Geschichte, aber wenn man sich auf eine düstere, atmosphärische Geschichte einlassen möchte, dann ist man hier auf jeden Fall richtig! Ich gebe gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung ab.
Rezensionen von DoraLupin:
The Story Keeper: A Tale of Hearts and Magic von Rachel Mavie
Wunderbares Buch von innen und außen
Bereits die schöne Gestaltung des Covers hat mich sofort in den Bann gezogen und als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich schnell das ich dieses Buch unbedingt lesen möchte. eEne Storykeeperin, die die Fähigkeit hat durch Bücher zu reisen, hört sich einfach genial und nach einer richtig coolen Idee an, von der wohl alle Buchliebhaber träumen!
In die Geschichte habe ich ohne Probleme hineingefunden, denn der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, leicht und locker und die Seiten sind nur so dahin geflogen.
Ausserdem schafft es die Autorin eine besondere Atmosphäre zu schaffen, da sie sehr bildhaft und lebendig schreibt.
Die Protagonistin Lumina ist eine sehr sympathisch Person mit der ich schnell mitfiebern konnte. Sie ist eher ruhig und vorsichtig was ich auch mal erfrischend anders gefunden habe, dennoch ist sie auch eine starke Persönlichkeit mit der ich mich gut identifizieren konnte. Mit Reed dagegen musste ich erst nach und nach warm werden, er hat es dem Leser schwer gemacht, ihn richtig greifen zu können. Da die Geschichte aber im Wechsel zwischen Lumina und Reed erzählt wird, macht es das Buch sehr abwechslungreich zu lesen und auserdem kann man so die Gedanken und Handlungen der beiden noch besser nachvollziehen.
Die Handlung bleibt die gesamte Zeit spannend und ich wollte deshalb auch immer wissen wie es weiter geht. Es gab ein paar langatmige Passagen, aber insgesamt war die Story sehr mitreißend und schön geschrieben. Die Geschichte ist eher gefühlvoll gehalten und sehr viel Action sucht man hier vergebens, dafür geht es viel um Bücher und das ist einfach ein Thema, über das ich immer wieder gerne und viel lesen kann! Ich gebe gerne eine Leseempfehlung und 4,5 Sterne für dieses tolle Buch.
Rezensionen von ReiShimura:
Juli im Land der Zeitgeister von Wieland Freund
Magie, Abenteuer und ein Zeitgeist zum Verlieben
Wieland Freund hat hier einen zauberhaften und äußerst unterhaltsamen Abenteuerroman erschaffen, welcher Lust auf mehr macht.
Zu meiner großen Überraschung stürzt man als LeserIn geradezu in die Geschichte rein. Es gibt keine großen erklärenden Worte, sondern man ist von Anfang an mitten in der Handlung.
Und genau wie Protagonistin Juli weiß man zu Beginn gar nicht, was hier eigentlich vor sich geht. Doch mit jedem Schritt, den Juli macht und mit jeder Kleinigkeit, die sie dazulernt, wird das Bild klarer und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Der Schreibstil des Autors ist sehr ansprechend und sowohl für Kinder, die eigentliche Zielgruppe des Buches, wie auch Erwachsene sehr gut zu lesen. Das Buch eignet sich aber auch sehr gut als Vorlesebuch für Kindergartenkinder, die noch nicht lesen können.
Auch das hohe Tempo des Buches hat mich überrascht. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass der Autor die Geschwindigkeit ein wenig drosselt. Denn dann hätte es die Möglichkeit für weitere und ausführlichere Informationen gegeben. So bleiben für mich nämlich einige offene Fragen leider unbeantwortet. Phasenweise kam bei mir der Gedanke auf, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, einen Zweiteiler aus der Geschichte zu machen. Das Potenzial wäre auf jeden Fall vorhanden gewesen.
Ein besonderes Highlight war für mich der kleine Zeitgeist Trim. Dieser süße, lustige kleine Kerl hat es mir von Beginn an angetan. Bei diesem Charakter hat der Autor definitiv alles richtig gemacht. Besonders seine Art sich aufzuregen und zu fluchen hat mich regelmäßig zum Lächeln gebracht.
Protagonistin Juli ist ebenfalls ein sehr gelungener und realistischer Charakter. Sie strahlt Stärke aus, ohne dabei überheblich oder unrealistisch zu werden.
All jene, die an „Alice im Wunderland“ und „Der Zauberer von Oz“ ihre Freude haben, sollten diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Klare Weiterempfehlung.
Rezensionen von ReiShimura:
Juli im Land der Zeitgeister von Wieland Freund
Magie, Abenteuer und ein Zeitgeist zum Verlieben
Wieland Freund hat hier einen zauberhaften und äußerst unterhaltsamen Abenteuerroman erschaffen, welcher Lust auf mehr macht.
Zu meiner großen Überraschung stürzt man als LeserIn geradezu in die Geschichte rein. Es gibt keine großen erklärenden Worte, sondern man ist von Anfang an mitten in der Handlung.
Und genau wie Protagonistin Juli weiß man zu Beginn gar nicht, was hier eigentlich vor sich geht. Doch mit jedem Schritt, den Juli macht und mit jeder Kleinigkeit, die sie dazulernt, wird das Bild klarer und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Der Schreibstil des Autors ist sehr ansprechend und sowohl für Kinder, die eigentliche Zielgruppe des Buches, wie auch Erwachsene sehr gut zu lesen. Das Buch eignet sich aber auch sehr gut als Vorlesebuch für Kindergartenkinder, die noch nicht lesen können.
Auch das hohe Tempo des Buches hat mich überrascht. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass der Autor die Geschwindigkeit ein wenig drosselt. Denn dann hätte es die Möglichkeit für weitere und ausführlichere Informationen gegeben. So bleiben für mich nämlich einige offene Fragen leider unbeantwortet. Phasenweise kam bei mir der Gedanke auf, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, einen Zweiteiler aus der Geschichte zu machen. Das Potenzial wäre auf jeden Fall vorhanden gewesen.
Ein besonderes Highlight war für mich der kleine Zeitgeist Trim. Dieser süße, lustige kleine Kerl hat es mir von Beginn an angetan. Bei diesem Charakter hat der Autor definitiv alles richtig gemacht. Besonders seine Art sich aufzuregen und zu fluchen hat mich regelmäßig zum Lächeln gebracht.
Protagonistin Juli ist ebenfalls ein sehr gelungener und realistischer Charakter. Sie strahlt Stärke aus, ohne dabei überheblich oder unrealistisch zu werden.
All jene, die an „Alice im Wunderland“ und „Der Zauberer von Oz“ ihre Freude haben, sollten diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Klare Weiterempfehlung.
Rezensionen von S.:
Die Schnabels von Katrin Hörnlein
17 Kinder
17 Kinder
Ein sehr interessanter Gedanke: anhand einer 19köpfigen Familie die Geschichte der BRD über viele Jahre zu begleiten.
Die Beziehung der Eltern beginnt Anfang der 50er Jahre. Natürlich gibt es Probleme: keine Wohnung, kein Geld, keine wohlhabenden Eltern. Und doch … viel Babyglück.
Viele Fotos zeigen die Schnabels, mal einzeln, oft zu mehreren. Die Kinder berichten von Enge, Anderssein, Lärm, aber auch vom Selbständig-werden und Gemeinschaft.
Ihnen ist sogar in den 60ern der Kauf eines Eigenheims möglich. Mit neun Kindern.
Wohnungsbau, Selbstbedienungsgeschäfte, die „Fresswelle“ nach dem Krieg, spielen dort, wo kein Erwachsener ständig aufpasst - all das wird geschildert. Materielle Einschränkungen, klar, gibt es auch heute genug. Die Rolle der Eltern wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Besonders die Mutter ist sehr speziell. Glücklich waren wohl alle nicht wirklich. Aber: eine noch heute starke Gemeinschaft. Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl, Leistungsbereitschaft und gegenseitige Unterstützung wurden vermittelt.
Ein Vergleich zu heute drängt sich natürlich auf. Der Leser mag urteilen.
Die Familienmitglieder haben viel zu erzählen, Interessantes, Authentisches.
Viele Fotos vermitteln den Zeitgeist und lassen die Schnabels lebendig werden.
Spannendes über eine sehr besondere und ungewöhnliche Familie.
Rezensionen von yellowdog:
Das Leben, das wir nie haben werden von Timothée de Fombelle
Vorauserinnerungen
1943, zur Kriegszeit in Frankreich. Claire schreibt auf einer Schreibmaschine die Worte, die ein Mann ihr diktiert. Es sind verbotene Blätter.
Jetzt wartet sie auf ihn, der nicht kommt.
Claire imaginiert ein Leben in der Nachkriegszeit während sie auf den Mann wartet, der zur Resistance gehört.
Sie sieht sich als junge Mutter und sogar als alte Frau. Durchmengt wird das gelegentlich durch Erinnrungen der Kinderzeit. Das sind vor allen Sinneseindrücke.
Das Buch ist ganz Gefühl. Zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Angst angesiedelt, enthält der Text eine Melancholie und hohe Dichte.
Rezensionen von yellowdog:
Die Woche danach von Helga Schubert
Erzählerische Eleganz
Wenn man mehrere Bücher von Helga Schubert gelesen hat, sieht man die Zusammenhänge, die teilweise autobiografisch bedingt sind, teilweise auch thematisch.
Sie hat Jahrelang ihren demenzkranken Mann gepflegt. Dieses Buch setzt nach seinem Tod ein. Er wurde 98 Jahre alt. Fast 5 Jahrzehnte waren sie verheiratet.
Neben den Gedanken an ihren Mann schreibt Helga Schubert auch über Ingeborg Bachmann und den Bachmannpreis, zu dem sie in DDR-Zeiten nicht lesen durfte, später aber Jurorin wurde und als Autorin den Preis 2020 sogar gewann. Mich konnte vieles am Buch wirklich fesseln.
Gerade bei diesem Buch beeindruckt mich Helga Schuberts erzählerische Eleganz.
Rezensionen von Shilo:
Eine Schuld vergeht nie von Florence Jones
Eine alte Schuld
Josepha Brandtner kommt an einem Juniabend 1957 nicht von der Arbeit nach Hause. Die Polizei geht schnell davon aus, dass sie mit einem amerikanischen Soldaten verschwunden sein könnte. Ihr Bruder Andreas glaubt das jedoch nicht. Zusammen mit Josephas Freundin Kathi versucht er herauszufinden, was wirklich passiert ist.
Doch ihre Suche bleibt ohne Ergebnis. Die Feindschaft zu Richard Seeberger begleitet Andreas und seine Familie noch viele Jahre.
Dieser Einstieg hat mich sofort neugierig gemacht. Das Verschwinden von Josepha bleibt nicht einfach eine Sache aus der Vergangenheit, sondern beschäftigt die Familien noch lange danach. Die alte Feindschaft zwischen ihnen wirkt sich schließlich auch auf die nächste und übernächste Generation aus.
Mit Emma und Florian kommt eine weitere Verbindung hinzu. Ausgerechnet die beiden verlieben sich ineinander, obwohl ihre Großväter seit Jahren verfeindet sind. Emma hofft, dass ihre Liebe diese alte Feindschaft beenden kann. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, ob es ihnen wirklich gelingt, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Florence Jones verbindet die verschiedenen Familienmitglieder gut miteinander. Nach und nach wird deutlich, welche Folgen ein Ereignis haben kann, das nie aufgeklärt wurde. Dabei fand ich es interessant zu sehen, wie alte Vorwürfe und Erinnerungen auch viele Jahre später noch das Leben der Familie beeinflussen.
Nach meiner Begeisterung für die dreiteilige Zwei-Kontinenten-Saga der Autorin war dieser Auftakt für mich ein absolutes Muss. Meine Erwartungen waren deshalb ziemlich hoch. Auch diesmal hat Florence Jones mich wieder überzeugt. Ich war schnell mitten in den Familien und ihren Problemen und wollte wissen, wie sich alles weiterentwickelt.
Das offene Ende hat mich allerdings etwas ungeduldig zurückgelassen. Noch sind viele Fragen offen und besonders das Geheimnis um Josepha lässt mich nicht los. Deshalb möchte ich unbedingt erfahren, wie es mit Emma und Florian weitergeht und welche Antworten die Fortsetzung bringt.
Für mich ist das ein sehr gelungener Auftakt der neuen Dilogie. Nun heißt es leider warten. Auf die Fortsetzung im November freue ich mich schon sehr.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Rezensionen von nessabo:
Gewöhnungsbedürftig von Daniela Wilmer
Eine etwas schleppende Geschichte, die mich nicht ganz zufriedengestellt hat
Die Bücher aus dem pola-Verlag machen Platz für progressive, weibliche Perspektiven. Und ich schätze das sehr, weshalb meine Erwartungen an dieses Debüt entsprechend hoch waren. So richtig konnten sie aber leider nicht erfüllt werden.
Eine Protagonistin Ende 30 finde ich erstmal toll! Diesem Alter fühle ich mich mit Mitte 30 deutlich näher als den unsicheren Zeiten der frühen 20er - auch wenn ich das nicht verallgemeinern möchte.
Die Autorin sagt selbst, dass sie quasi ein Coming-of-Age für eine ältere Altersgruppe geschrieben hat. Diesem Anspruch ist sie wohl gerecht geworden, aber ich bin unsicher, ob das für mich so funktioniert.
Das sehr chaotische Leben Kathas war dabei noch weniger mein Problem. Auch Menschen in ihren 30ern dürfen noch mit ihrem Alltag struggeln und sich unsicher in Bezug auf das eigene Selbst fühlen. Was mir aber bitter aufgestoßen ist, gerade für einen eigentlich progressiv angelegten Roman, ist die ständige Abwertung anderer Frauen. Erschreckend viel Raum nimmt das unermüdliche Vergleichen und Konkurrieren mit Kathas weiblichen Geschlechtsgenossinnen ein. Daraus hätte die Autorin sogar auch noch etwas machen können, denn wir tragen diesen Reflex schließlich alle in uns. Aber dafür hat mir am Ende doch die Selbstreflexion gefehlt, das Verhalten bleibt umkommentiert stehen. Und ich möchte mittlerweile einfach nicht mehr davon lesen, wie Frauen in vermeintlicher Konkurrenz zueinander stehen, sondern ihre gelebte Solidarität sehen.
Die komplizierte Beziehung zwischen Katha und ihrer Mutter steht im Zentrum der Geschichte. Anfangs war ich da auch noch optimistisch, dass es zu einer glaubhaften Beziehungsentwicklung kommt, aber so richtig konnte das nicht erfüllt werden. Die beiden geraten so oft aneinander, scheinen dann in den Dialog zu kommen, nur um doch wieder abzubrechen. Und dann auf einmal, kurz vor Ende, gelingt das tiefgründige Gespräch doch noch. Das kam mir leider etwas konstruiert vor, obwohl ich die grundsätzlichen Themen so toll fand - z. B. „Regretting Motherhood“ und dass es eben nicht bedeutet, das eigene Kind nicht zu lieben, sondern einfach die gesellschaftliche Mutterrolle. Auch postpartale Depressionen sollten viel öfter in moderner Literatur Platz finden.
In dieser konkreten Beziehung fand ich es zudem besonders problematisch, wie Katha an einer Stelle ihre Mutter regelrecht drängt, Alkohol zu trinken, obwohl diese für mich relativ deutlich kommuniziert, dass sie das nicht möchte. Auch der Ansatz, dass Alkohol notwendig ist, um tiefe Gespräche führen zu können, ist keiner, den ich in Büchern mag.
Ich bleibe damit ernüchtert zurück und fand den Roman dem Titel entsprechend gewöhnungsbedürftig. Für mich hätte es mehr sensiblen Tiefgang und eine glaubhaftere Figurenentwicklung geben dürfen. Bruno war ein sanfter Lichtblick und auch für die angeschnittenen Themen spreche ich ein Lob aus, aber so wirklich packen wollte mich das Buch nicht.
3,5 Sterne
Rezensionen von wolkenbücherwelt / Mythynk:
Played by the Piper - Die Unbeugsame von Raven Kennedy
Wissende Sterne - Gnadenlose Töne
"Es begann mit einem Lied - und es wird auch mit einem enden."
Geradezu grandios, fast. Aber dennoch ein starker erster Band.
Genau das habe ich mir wieder von Raven Kennedy erwartet und schon jetzt trifft mich der Wehmutstropfen doppelt, da uns ihre neue Reihe wohl "nur" mit zwei Bänden in diese neue, grauenhaft-bittersüße Welt ziehen wird.
Den Schreibstil habe ich genossen. Ernsthaft an den richtigen Stellen, nicht zu gestelzt, ehrlich und teils schonungslos - und das alles in einem sehr angenehmen Lesefluss - einfach passend für die Geschichte und eben auch für die Autorin.
Den Anfang wollte ich erst als zu lang empfinden, fast, aber im Grunde genommen war er mir am Ende dann doch wieder zu wenig. Was nicht bedeutet, dass das Worldbuilding nicht gut war oder nicht funktioniert hätte. Nein! Die Autorin hat hier eine bildhafte und sehr gut ausgearbeitete Welt eröffnet und immer wieder neue Schichten freigelegt und auch nachgelegt!
Mein zweiter Wehmutstropfen knüpft aber genau hier an, denn ich hoffe so so sehr, dass der nächste Band, der dann wohl auch schon der letzte sein wird, einfach die doppelte Anzahl an Seiten hat! :‘)
Denn was Raven Kennedy hier wieder erschaffen hat, könnte für mich bitte noch viel weitergehen.
Der Ansatz, die Geschichte des Rattenfängers von Hameln mit einer zerstörten, von Plagen geplagten Welt, Frust, Unterdrückung, Machtgefällen und Ungerechtigkeit zu verbinden, funktioniert für mich unglaublich gut. Daraus entsteht eine teils schmerzende, erschreckend nah an der Realität kratzende Geschichte, die trotzdem vollkommen ihre eigene bleibt.
Wir begleiten Esti durch diese Welt, ihre Zweifel werden fast greifbar, ihre Träume machen traurig und ihre Ängste fühlen sich irgendwann beinahe wie die eigenen an. Und genau da hätte ich mir noch so viel tiefere Zeilen gewünscht. Mehr Zerrüttung, mehr Kampf, mehr Engstirnigkeit und für später mehr gesunde, längere Skepsis.
"Es gibt einen Unterschied zwischen gut handeln und gut sein"
Aber auf den ca. 660 Seiten ist es Raven Kennedy trotzdem gelungen, mich auch (ein wenig) an das Gute in dieser Welt glauben zu lassen... auch wenn ich davon noch längst nicht vollkommen überzeugt bin und eigentlich die ganze Zeit auf den heftigen, unvermeidbaren Knall warte. Oder eher, ja, eher hoffe.
Wenn wir uns unsere Protagonisten anschauen, fand ich die Chemie gerade anfangs fabelhaft und war teils sehr amüsiert. Bissig, süffisant, neckisch, schmerzend, herrlich unvernünftig und stellenweise fast schon zu vertrauensselig - ja, so würde ich die beiden dann doch bezeichnen.
Auch die Ernsthaftigkeit fand oft Einzug, wenn aufgezeigt wurde, wer die Töne vorgibt und wie machtlos man sein kann, wenn man glaubt, keine richtige Macht zu besitzen.
"Und... wird uns das zu Verbündeten machen?"
"Nein. Es wird verhindern, dass wir Feinde werden."
Teils war ich so skeptisch - bin es immer noch -, wurde überrascht, habe die Luft an manchen Stellen stark eingesogen, habe geschmunzelt, war verzaubert.. und verwirrt.
Vor allem über die Schnelligkeit mancher Beziehungen. Über manche "abgehandelten" Themen bzw. darüber, wie selbstverständlich einige Dinge hingenommen werden. Da hätte ich mir mehr Raum für Erklärungen gewünscht - oder vielleicht sogar mehr Mut, manche Themen vorerst im Verborgenen zu lassen.
Auch wenn der Wunsch bei diesem Ende vielleicht noch erfüllt wird oder alles doch noch einmal in eine ganz andere Richtung kippt. Denn das Ende hat mich auf eine andere Art überrascht, da ich eigentlich mit etwas anderem gerechnet hatte. Andersherum einfach.. Aber ja, es hatte mich, hat mich immer noch und nun muss ich hier sitzen und dem zweiten Band entgegenfiebern...
Aber nochmal zu der Schnelligkeit: Gerade in den letzten ungefähr 20 Prozent ging mir halt manches, ja, einfach zu schnell. Ja, so 200 Seiten extra wären mein Traum gewesen... oder vielleicht gerade im letzten Teil noch eine andere Perspektive, die einmal komplett aus dem bisherigen Rhythmus "herausreißt".
Nicht falsch verstehen, das Ende verspricht einen wirklich guten Start in die dann folgende Story - aber gerade davor hätte ich mir halt deutlich mehr Raum und wieder etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht.
Ehrlich gesagt fällt mir eine genaue Bewertung diesmal irgendwie schwerer als sonst. Bis weit in die Geschichte hinein war es für mich ein 5-Sterne-Read, doch die angesprochenen Punkte und ein paar kleinere Dinge lassen mich eher zu einer starken 4 bis 4,5 tendieren.










