Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kwinsu:
Orion von Petra Morsbach
Portrait eines normalen Lebens
Nora befindet sich ganz in ihrer geistigen Welt: neben dem geisteswissenschaftlichen Studium jobbt sie in einem Archiv, wo sie ihren künftigen Ehemann kennenlernt. Nach dem Studium wird sie Deutsch- und Geschichtelehrerin und versucht ihren Schüler*innen viel fürs Leben mitzugeben. Kurz vor der Pension dann trifft sie eine Erkrankung, die ihr Leben umkrempeln wird.
Petra Morsbach zeichnet in "Orion" ein hingebungsvolles Portrait eines ganz normalen Lebens. Die Autorin weiß es vortrefflich, die alltäglichen Probleme ihrer Protagonistin so authentisch darzustellen, als wären wir Lesenden stille Begleiter*innen einer bildungsbürgerlichen Biographie. Selbstzweifel -vs- Selbstbewusstsein, der Wunsch nach einem Kind -vs- der folgenden postpartalen Depression, feministische Haltung -vs- Leben und Gewohnheit im Patriarchat, Übergriffigkeiten -vs- der Mantel des Schweigens, die Sehnsucht nach Liebe und Sexualität -vs- einer pragmatische Beziehung, geistige Nährwelten aus der Antike -vs- gegenwärtige Vermittlungsversuche literarischer Texte, Körperlichkeit -vs- Krankheit - all diese Gegensatzpaare - und viele mehr - werden in dem Buch verhandelt, mit all diesen setzt sich die Ich-Erzählende in ihren Gedanken auseinander.
Es ist kein außergewöhnliches Leben das Nora führt, es sind keine außerordentlichen Probleme, mit denen sie sich auseinandersetzen muss, aber ihre sehr kognitiv fixierte Gedankenwelt ist glaubhaft, zeigt die inneren Konflikte, die wohl jede und jeder von uns nur zu gut kennt. Und das ist das Reizvolle an diesem Buch, dass wir in die Gedanken mit hineingerissen werden, uns zurücklehnen und Entwicklungen von außen betrachten können. Uns wundern, uns bestätigt fühlen, den Kopf schütteln oder zustimmend nicken und wissen: ja, das hätte ich wohl auch so gemacht - oder eben nicht.
Nora wirkt oft distanziert, was auf ihre Kopflastigkeit zurückzuführen ist. Das Verhältnis zu ihrem Mann ist nicht ganz einsichtig, ist es Liebe oder bloße Zweckbeziehung? Die gegenseitige Zuneigung spürt man kaum, nur als Nora eine Affäre eingeht und ihr Mann Theseus (der Name!) nach Jahren dahinterkommt, merkt man eine Gekränktheit, die darauf hindeutet, was Nora ihm bedeutet. Auch die Beziehung zu ihrem Sohn Aeneas ist schwierig - kein Wunder bei diesem Elternhaus. Trost und geistige Nahrung findet die Protagonistin oft in antiken Autoren und sie findet für die meisten Lebenslagen passendes intellektuelles Futter. Man erkennt eine Leidenschaft in Noras Lehrerinnenberuf, eine Berufung, in die sie viel Energie legt. Umso schöner, wie einfach sie sich davon lösen kann, als sie am Ende ihrer Berufslaufbahn schwer erkrankt und ihr Leben neu ausrichten muss. Oder darf, denn Nora sieht es als eine Chance.
Untermauert ist dieses Lebensportrait von einem feinen Humor, der all die Vorkommnisse weniger schwer wiegen lässt und ihm eine gewisse Leichtigkeit verschafft. Um das Buch zu genießen, sollte man offen sein für die kleinen Momente und Begegnungen, die Selbstreflexionen, aber auch die normalen Verdrängungen, die das Leben so mit sich bringen. Außerdem darf man sich nicht erwarten, dass in "Orion" viel Herzlichkeit und Emotionen stecken - dafür ermöglicht es ein glaubhaftes Abtauchen in geistigen Welten. Ich habe es sehr genossen dieses Buch, das von der großartigen Beobachtungsgabe der Autorin lebt, zu lesen und kann es uneingeschränkt empfehlen.
Rezensionen von lese maus:
HELENE FISCHER: Das große Vorlesebuch für die ganze Familie mit Geschichten und Liedern von Helene Fischer
tolles mitmachbuch
Für die Entwicklung der Kinder ist es ungemein wichtig, sie bereits von klein an an Bücher heranzuführen. Eltern und Großeltern sind hier in der Pflicht, die Kinder nicht nur vor ein elektronisches Gerät absetzen, sondern sich mit den Kindern beschäftigen. Etwas vorlesen, ein Buch anschauen. Ich komme aus einem Beruf, in dem ich täglich miterlebe, wie sich Kinder entwickeln, die auch mal ein Buch in der Hand haben dürfen.
Es ist enorm wichtig für die spätere Konzentration, Aufnahme von Informationen etc.
Das Buch ist sehr kindgerecht und auf die Bedürfnisse der jungen Leser*innen abgestimmt. Tolle Illustrationen und Informationen, genau richtig. Ich kann nur appellieren diese Art Medien auch für Kinder zugänglich zu machen. Eltern und Großeltern sollten den Kindern eher mal ein Buch und gemeinsame Zeit damit schenken. Mit diesem Buch gelingt es auf jeden Fall. Frau Fisher ist auch als Autorin unschlagbar. Tolles Mitmachbuch, kann ich nur empfehlen.
Rezensionen von peppi:
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Spannend bis zur letzten Seite
"Weil sie lügt" von Caroline Seibt ist ein intensiver, emotionaler und unheimlich clever aufgebauter Psychothriller, der bis zur aller letzten Seite fesselt.
Der Autorin ist es gelungen, mich immer wieder zu dem Punkt zu bringen, an dem ich dachte-aha das ist es- nur um einige Seiten wieder zu merken-nein, das ist es nicht.
Sie verbindet Familiendrama und Krimispannung zu einem Roman, der unter die Haut geht und lange nachhallt.
Es gibt zwei Perspektiven. Einmal die von Anna, der jüngeren Schwester der spurlos verschwundenen Juli. Die Polizei geht schnell von einem Verbrechen aus und verdächtigt den Vater. An diesem Druck, den Schuldgefühlen und dem Misstrauen zerbricht die Familie. Anna versucht die Familie zusammenzuhalten und vor allem für den jüngeren Bruder da zu sein. Gleichzeitig ist sie wütend und versucht auf eigener Faust zu ermitteln.
Parallel dazu begleitet der Roman die Ermittlerin Katharina, deren Perspektive dem Roman. zusätzliche Tiefe gibt.
Ein starkes Buch, meine Leseempfehlung!
Rezensionen von ekiam:
Crushed On Ice von Helena Hunting
Schnell gelesen, sehr spicy und überraschend erfrischend
Crushed on Ice war für mich so ein Buch, in das man eigentlich nur kurz reinlesen will – und plötzlich ist der Tag vorbei und man hat es komplett durchgesuchtet. Der Schreibstil liest sich unglaublich flüssig, die Kapitel fliegen nur so dahin und durch die Dual POV bekommt man sowohl Cammies als auch Chases Sicht gut mit.
Was mir besonders gefallen hat: Endlich dürfen Fanfictions auch mal in Romance-Büchern existieren, ohne nur ein kleiner Nebengag zu sein. Cammie als Protagonistin hat mir insgesamt richtig gut gefallen – sie wirkt nicht wie die typische College-Romance-Heldin, sondern etwas verträumt, sozial eher zurückhaltend und sehr in ihrer eigenen Welt unterwegs.
Und ja: Dieses Buch ist wirklich spicy. Die Anziehung zwischen den beiden lässt nicht lange auf sich warten und die Handlung entwickelt sich insgesamt ziemlich schnell – das sollte man mögen oder zumindest erwarten. Für mich hat das größtenteils funktioniert, auch wenn ich an manchen Stellen etwas gestutzt habe: gerade weil Cammie über weite Teile der Geschichte eher schüchtern und sozial distanziert wirkt, hat mich überrascht, wie schnell sie mit der Situation klarkommt, plötzlich mit Chase ein Zimmer teilen zu müssen und wie schnell es zwischen den beiden körperlich wird. Andererseits: Wer solche Fanfictions schreibt, hat vermutlich zumindest theoretisch schon ein paar Szenarien durchgespielt.
Chase selbst war für mich ein interessanter Mix. Einerseits absoluter Golden Retriever – charmant, aufmerksam und insgesamt sehr liebenswert. Andererseits wirkte er stellenweise etwas realitätsfern und hatte manchmal Schwierigkeiten, sich wirklich in Cammie hineinzuversetzen oder die Auswirkungen seiner Entscheidungen abzuschätzen.
Ein kleiner Punkt, bei dem ich andere Erwartungen hatte: Der Sportanteil. Durch Setting und Aufmachung hatte ich deutlich mehr Eishockey erwartet. Tatsächlich hätte die Geschichte für mich fast genauso gut ohne den Sport funktioniert – wer also eine klassische Sports Romance sucht, sollte das im Hinterkopf behalten.
Insgesamt aber eine super unterhaltsame, moderne Romance mit ungewöhnlicher Hauptfigur, viel Tempo und ordentlich Spice – perfekt zum Wegsuchten, wenn man Lust auf schnelle Gefühle und starke Chemie hat.
Rezensionen von Murksy:
Penny, Prince und Ginny von Brian Sewell
Heiter-melancholische Tiergeschichten
Der leider im September 2015 verstorbene Brian Sewell erzählt in seinem Buch von seiner Tier- und vor allem Hundeliebe. Der Titel nennt zwar nur drei Hunde, in seinem langen Leben hatte Sewell aber laut dem abgebildeten Stammbaum sechzehn. Das ist eine Menge und zeigt, wie vernarrt der bekannte Kunstkritiker in seine Hunde war.
Oft war das Tierheim seine Anlaufstation, aber auch von Reisen brachte er Findlinge mit, die ihn viele Jahre begleiteten. Sewell schreibt auch bei allen seinen Hunden, denen jeweils ein kleines Kapitel gewidmet ist, vom Tod des Tieres. Das ist immer wieder traurig und zeigt, dass das Leben vergänglich ist. Aber Sewell liebte das Leben, genau wie seine Hunde und gibt uns vielleicht auch damit etwas Mut, Schicksalsschläge und Verluste zu überwinden. Besonders amüsant ist vor allem für Hundebesitzer die Aufzählung der Eigenheiten der verschiedenen Hunde. Und die langjährige Erfahrung mit seinen Tieren zeigt deutlich, wie unterschiedlich die Charaktere der Hunde waren. Es macht Spaß, den Lebensweg des Hundebesitzers zu begleiten, auch wenn die Freundschaft immer, im Verhältnis zum Menschenleben, von relativ kurzer Dauer ist. Sicher ist aber, das die Tiere bei Sewell ein schönes Leben hatten, geliebt wurden und ihr Hundedasein ausleben durften. Ein schönes, kleines und anrührendes Buch, das auch Nichthundebesitzer gut unterhalten kann. Londonkenner kommen auch auf ihre Kosten, werden doch kleine Eigenheiten der Bevölkerung oder örtliche Gegebenheiten erwähnt. Die Zeichnungen der Hunde im Buch sind einfacher Natur, passen aber gut zur Erzählung. Eine gelungene Rückschau auf ein Leben mit den besten Freunden des Menschen.
Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Rezensionen von Murksy:
Insel der Ratten von Jo Nesbø
Wie die Tiere
Bevor ich das eigentliche Buch, also den Inhalt bewerte, will ich mich zu der, meiner Meinung nach fragwürdigen Vermarktungstechnik des Ullstein-Verlages äußern. Die Geschichte Insel der Ratten entstand zu Corona-Zeiten, das spiegelt sich in dem Szenario einer Viruserkrankung wieder, die zu einem Zusammenbruch der Zivilisation führt.
Bereits 2021 erschien diese Dystopie in einem Sammelband. Aus dieser Kurzgeschichte wurde nun fünf Jahre später plötzlich ein Roman. Dazu nimmt man einfach ein kleines Format, knapp 12 auf 19 cm und packt das Ganze in extra dicke Umschlagpappe. Das ergibt dann ein Einzelbuch zu einem Preis von fast 20 Euro. Nun, Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, keine Frage. Trotzdem finde ich diese Entwicklung erschreckend. Erst kürzlich las ich einen Kurzgeschichtenband eines bekannten Autors. Exakt diese Sammlung war bereits ein paar Jahre zuvor unter anderem Titel auf dem Markt. Ich bin gespannt, wann die oben erwähnte Sammlung von Nesbo übersetzt auf den Markt kommt, natürlich wieder mit der Insel der Ratten.
Genug gejammert. Die Geschichte, die Nesbo brillant präsentiert, handelt also vom Zusammenbruch der Zivilisation. Der Mensch wird zum sprichwörtlichen Tier. Es herrscht die Macht des Stärkeren, Gesetze werden nur noch sporadisch eingehalten oder überwacht. Wer Geld hat, versucht zu entkommen oder sich in festungsähnliche Anlagen zu flüchten. Nesbo erzählt schonungslos. Das muss er auch, denn nur so lässt sich die weitere Handlungsweise der Personen verdeutlichen. Trotz aller Brutalität und Unmenschlichkeit, gibt es Hoffnung. Es gibt Menschen, die den Glauben an Gerechtigkeit und Humanität nicht aufgeben wollen. Wie in allen Dystopien gibt es natürlich auch diejenigen, die nur auf ein solches Szenario gewartet haben, um ihre Perversionen und Allmachtsfantasien auszuleben. Der Leser bekommt den Spiegel vorgehalten. Wie würden wir reagieren? Natürlich ist es im bequemen Sessel einfach zu sagen, dass man gegen solche Anwandlungen gefeit ist. Die alte Fangfrage an Kriegsdienstverweigerer, wie sie im Falle eines Angriffes reagieren würden, lässt sich in der scheinbaren Sicherheit der vier Wände moralisch einwandfrei beantworten. Doch die Realität ist eine andere. In die Ecke gedrängt, bedroht, um die Existenz kämpfend, werden wir alle zu Tieren oder wie im Buch sinnbildlich zu Ratten. Man nehme unserer Gesellschaft nur 14 Tage den Strom und alles endet in Anarchie. Diesen inneren Kampf zwischen überleben wollen und dem Versuch, die Grundwerte unserer Demokratie und menschlichen Zusammenlebens zu schützen, wird zur Kernfrage des Buches. Was wäre wenn? Nesbo dreht geschickt an der Schraubzwinge, lässt gleich zwei Personen aus der Ich-Perspektive ihren eigenen Kampf führen und zeigt, das wir letztendlich alles gleich sind, egal ob arm oder reich. Wir sind Tiere, je nach Situation mehr oder weniger und müssen darum kämpfen, das zu verteidigen, was wir Menschlichkeit nennen.
Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Teilen, unterliegt dem Urheberrecht.
Rezensionen von ekiam:
The Romance Rivalry von Susan Lee
Eine Liebeserklärung an Romance
Wer Romance liest, wird sich in The Romance Rivalry ziemlich schnell zuhause fühlen. Susan Lee baut die Geschichte rund um Irene und Aiden konsequent entlang bekannter Romance-Tropes auf – von Fake Dating bis Rivalität – und spielt dabei sehr bewusst mit den Erwartungen ihrer Leser:innen.
Besonders gefallen hat mir der Schreibstil: leicht, flüssig und angenehm zu lesen.
Ich bin ohne Probleme durch die Seiten gekommen und hatte nie das Gefühl, irgendwo hängen zu bleiben. Gerade für ein Buch, das so sehr mit Romance-Klischees arbeitet, funktioniert das Tempo wirklich gut.
Mit Irene hatte ich allerdings nicht immer leichtes Spiel. Ich mochte ihre Begeisterung für Bücher und dass Romance für sie so viel mehr als nur Unterhaltung ist – gleichzeitig wirkte sie auf mich stellenweise etwas zu sehr auf dieses eine Thema fokussiert. Vor allem in Bezug auf ihr Literaturstudium konnte ich manches nicht ganz nachvollziehen. Es entstand bei mir zwischendurch der Eindruck, als hätte sie sich vorher wenig damit beschäftigt, was ein Literaturstudium tatsächlich umfasst – Literatur besteht eben nicht ausschließlich aus Romance-Romanen. Dadurch wirkte sie auf mich an einigen Stellen etwas unüberlegt oder wenig verantwortungsbewusst.
Ein echtes Highlight waren dafür die Nebenfiguren Charles und Jeanette. Besonders schön fand ich, dass sie nicht nur Beiwerk bleiben, sondern einen eigenen Handlungsstrang bekommen und dadurch deutlich mehr Tiefe in die Geschichte bringen.
Insgesamt ist The Romance Rivalry ein unterhaltsamer, liebevoller Romance-Roman mit vielen Anspielungen für Genre-Fans und einer klaren Liebeserklärung an Liebesgeschichten. Für mich gab es kleinere Abzüge bei der Hauptfigur, aber der Charme, der Humor und die starke Dynamik der Figuren haben das mehr als ausgeglichen.
Rezensionen von JennifersBooks:
Anathema von Keri Lake
Dark Fantasy, die unter die Haut geht
Ich gebe dem Buch 4.5 Sterne!
"Anathema" trägt seinen Titel nicht zufällig. Das altgriechische Wort steht für "Kirchenbann" oder "Verfluchung" und passt perfekt zu der düsteren, bedrückenden Atmosphäre, die Keri Lake von der ersten Seite an entfaltet. Im Mittelpunkt steht Maevyth, die in Foxglove Parish als Verfluchte gilt, weil sie als Baby mit einer schwarzen Rose auf der Brust ausgesetzt wurde.
In einer fanatisch religiösen Dorfgemeinschaft ist das ein Makel, der sie ihr ganzes Leben begleitet. Sie wächst als Außenseiterin auf, wird misstrauisch beäugt, verurteilt und kontrolliert. Und trotzdem bleibt sie klug, wachsam und rebellisch genug, um die Glaubenssätze ihrer Umgebung zu hinterfragen. Von Anfang an war sie mir sympathisch, gerade weil sie sich ein dickes Fell zulegen musste und dennoch nie völlig abstumpft.
Erst in Aethyrien beginnt Maevyth, ihre wahre Stärke zu entdecken. Dort lernt sie, ihre Magie zu nutzen, Glyphen zu wirken und sich gegen eine Welt zu behaupten, die sie kleinhalten will. Gleichzeitig umgeben sie zahlreiche Geheimnisse, besonders jene, die ihre Herkunft betreffen. Es war unglaublich spannend, ihre Entwicklung Schritt für Schritt mitzuerleben, während sie langsam begreift, wer sie wirklich ist – und welche Macht in ihr schlummert.
Besonders beeindruckt hat mich der Weltenaufbau. Mortasia, der Kontinent der Sterblichen, und Aethyrien, die magische Seite, sind durch den Umbravale getrennt – eine Barriere, die kein Sterblicher überqueren sollte. Dazwischen liegen die Eating Woods, ein Wald voller Monster und Dämonen, der seinen Namen absolut verdient. Die Welt ist riesig, düster und voller Details, und ich war mehr als einmal dankbar für die detaillierte Karte und das umfangreiche Glossar. Begriffe werden zwar im Text erklärt, aber das Nachschlagen hat mir geholfen, die vielen Völker, Glyphen und Gottheiten besser einzuordnen.
Was mich besonders getroffen hat, ist die Art und Weise, wie beide Kontinente Frauen behandeln. In Foxglove Parish herrscht ein brutaler religiöser Fanatismus, der Frauen systematisch unterdrückt und ihnen jegliche Selbstbestimmung nimmt. Ein einziger Fehltritt kann zur Verbannung in die Eating Woods führen. Auf der magischen Seite sieht es kaum besser aus. Frauen dürfen zwar Titel tragen, doch spätestens bei der widerlichen Volljährigkeitszeremonie, bei der der stärkste Kämpfer die Entjungferung als „Belohnung“ erhält, wird klar, wie tief die Misogynie auch dort verwurzelt ist. Die Szene rund um die Prinzessin von Nyxteros war für mich einer der Momente, in denen mir wirklich schlecht wurde - und gleichzeitig wird klar, wie unerbittlich Keri Lake die dunklen Seiten ihrer Welt herausarbeitet.
Inmitten all dieser Grausamkeit taucht Zevander auf, ein Attentäter, der Skorpione befehligt und zunächst wie ein weiterer grausamer Bewohner dieser Welt wirkt. Doch unter seiner harten Schale steckt ein weicher Kern, und gerade seine Abneigung gegenüber dem König und den Adeligen macht ihn zu einem der wenigen Männer, bei denen man ein gutes Gefühl hat. Besonders im Umgang mit Maevyth zeigt sich seine vorsichtige, respektvolle Seite, die sich erst nach und nach offenbart. Die Romanze zwischen den beiden ist ein Slow Burn, wie ich ihn liebe. Die Anziehung ist spürbar, aber beide wehren sich lange dagegen. Der erste Kuss kommt erst nach gut zwei Dritteln des Buches, und intime Szenen gibt es erst ganz am Ende – und selbst dann gehen sie nicht aufs Ganze, was mit Zevanders Besonderheiten zusammenhängt.
Ein weiterer Aspekt, der das Buch für mich so lebendig gemacht hat, waren die Nebencharaktere. Von jeder Sorte ist jemand dabei – und das im besten wie im schlimmsten Sinne. Maevyths naive, unbeschwerte Schwester Aleysia bringt Licht in eine ansonsten hoffnungslose Welt, während Zevanders Schwester durch Maevyths Einfluss langsam wieder aufblüht und zeigt, wie viel Heilung in kleinen Gesten liegen kann. Zevanders verfluchter Bruder, den Maevyth nicht als Monster, sondern als Person sieht, gehört zu den berührendsten Figuren des Buches. Gleichzeitig gibt es Zevanders Attentäter‑Freunde, die trotz ihrer Brutalität eine unerwartete Loyalität ausstrahlen. Und dann sind da noch Maevyths eigene Familienmitglieder und ihr Verlobter – Figuren, die so verstörend, grausam und abgründig sind, dass mir beim Lesen mehr als einmal eine eiskalte Gänsehaut über den Rücken gelaufen ist. Einige Szenen mit ihnen gehören zu den grauslichsten Momenten des gesamten Buches.
Inhaltlich hat mich das Buch von der ersten Seite an gefesselt, aber ein paar kleine Kritikpunkte gab es dennoch. Die Welt ist groß und atmosphärisch beschrieben, doch im mittleren Teil verbringt Maevyth sehr viel Zeit auf der Burg Eidolon. Und so eindrucksvoll dieser Schauplatz auch ist, irgendwann stößt die Beschreibung einer einzigen Burg an ihre Grenzen. Stattdessen rücken die Beziehungen und Dynamiken der Figuren stärker in den Vordergrund. Das ist grundsätzlich stimmig und unterstreicht Maevyths Isolation und ihre ausweglose Situation, sowie ihr langsames Herantasten an ihre Magie, aber an einigen Stellen fühlte es sich etwas langatmig an.
Der zweite Kritikpunkt betrifft den Klappentext. Dort wird suggeriert, dass Maevyth in den Wald flieht, Zevander dort begegnet und beide gemeinsam versuchen müssen zu überleben. Das klingt spannend – hat aber mit der tatsächlichen Handlung kaum etwas zu tun. Ja, die Eating Woods spielen eine Rolle, und Maevyth ist mehrmals im Wald unterwegs, aber nie gemeinsam mit Zevander. Die beiden treffen sich in Foxglove Parish und verbringen später Zeit in einer Hütte am Waldrand, doch ihre gemeinsame Reise führt sie ausschließlich nach Aethyrien, also hinter den Umbravale und weit weg vom Wald. Während des Lesens wartet man ständig darauf, dass die beiden gemeinsam in die Eating Woods müssen – doch dieser Moment kommt nie. Das hat mich ehrlich gesagt geärgert, weil der Klappentext Erwartungen weckt, die das Buch nicht erfüllt. Diese beiden Punkte waren letztlich der Grund, warum ich meine Bewertung von fünf auf 4.5 Sterne gesetzt habe.
Fazit: "Anathema" ist eine kompromisslose Dark Fantasy voller Gothic‑Atmosphäre und deutlichen Horrorelementen, die ihre Welt ebenso schonungslos zeigt wie ihre Figuren. Es ist ein düsteres, komplexes und verstörend faszinierendes Buch, das sich Zeit nimmt, seine Welt zu entfalten, und das mit einer starken Protagonistin, intensiven Nebenfiguren und einer tiefen Slow‑Burn‑Romance überzeugt. Trotz kleiner Schwächen bleibt es für mich ein echtes Highlight.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Wir in zehn Jahren von Jessica Stanley
Anspruchsvoller britischer Beziehungsroman
"Wir in zehn Jahren" (im englischsprachigen Original "Consider yourself kissed") ist der zweite Roman der australischstämmigen und in London lebenden Autorin Jessica Stanley und der erste von ihr, der meines Wissens auch in deutscher Sprache herausgebracht wurde.
In diesem Roman begleiten wir Coralie und Adam durch die ersten zehn Jahre ihrer Beziehung.
2013 ist Coralie frisch aus Australien nach London gezogen und lernt Adam und seine vierjährige Tochter Zora kennen, die nach seiner Trennung von seiner Ex-Frau Marina im Wechselmodell bei ihm lebt. Rasch verlieben sich die beiden ineinander und Coralie schließt auch die kleine süße Zora in ihr Herz, auch wenn sie sich zusätzlich auch eigene Kinder wünscht. Als junge Frau, die Coralie mit Ende 20 noch ist, hat sie große Pläne für ihr Leben: sie träumt davon, Bücher zu schreiben und außerdem eine glückliche Familie zu haben. Adam ist ein sehr ehrgeiziger Politikjournalist und -autor, der vor jedem Wahlkampf in Arbeit regelrecht versinkt und sich für die Labour-Partei einsetzt.
Wir erleben eine sehr realitätsnahe Darstellung der Schwierigkeiten junger Eltern, ihre Partnerschaft und Lebensträume auch in der Phase der Familiengründung und mit kleinen Kindern aufrecht zu erhalten, noch einmal erschwert durch all die organisatorischen und zwischenmenschlichen Herausforderungen, die Patchworkkonstrukte mit sich bringen. Da gibt es Ex-Frau Marina und ihren neuen Partner "Tory Tom" (ein konservativer Parlamentarier), bei denen Zora jede zweite Woche verbringt, und die bald noch einen weiteren gemeinsamen Sohn haben werden. Nach langer sehnsüchtiger Kinderwunschzeit wird schließlich auch Coralie Mutter von zwei weiteren kleinen Kindern, während Zora sich der Teenagerzeit nähert und sich gelegentlich ungeliebt fühlt und stark rebelliert. Daneben rückt Coralies Traum vom eigenen Buch immer mehr in die Ferne, während sie sich zwischen Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung aufreibt und das Gefühl hat, von Adam viel zu wenig unterstützt zu werden. Diverse emotionale Päckchen aus ihrer Vergangenheit schleppt Coralie auch noch mit sich herum...
Neben all diesen Familien- und Vereinbarkeitsthemen geht es im Buch außerdem auch viel um die politischen Veränderungen in Großbritannien zwischen 2013 und 2023. Wir erleben die Zeit vor dem Brexit und die damit verbundene Stimmung und die Hoffnungen und Ängste der Menschen mit, genauso wie die zähe Phase, in der es fast zu einem No-Deal-Austritt gekommen wäre und danach auch noch die Zeit der Corona-Pandemie. Dadurch ist die Familiengeschichte nicht nur sehr detailliert in das Zeitgeschehen eingebettet, sondern man kann auch noch eine Menge über die britische Sicht auf diese Geschehnisse lernen.
Für mich waren diese Hintergrundthemen sehr interessant und haben das Buch bereichert, wer sich aber gar nicht für Politik interessiert und rein eine Familien- und Liebesgeschichte lesen möchte, für den könnte dieses Buch vielleicht nicht die beste Wahl sein.
Insgesamt ist es trotz der Beziehungsthematik ein sehr anspruchsvolles Buch, das sich nicht unbedingt leicht und schnell wegliest. Insbesondere im ersten Viertel des Buches habe ich gebraucht, um mit den typisch britisch-distanzierten Figuren und der Geschichte insgesamt warm zu werden. Letztlich bin ich aber sehr froh, das Buch zu Ende gelesen haben, weil es im Ganzen betrachtet eine sehr interessante, vielfältige und authentisch erzählte moderne Patchwork-Familiengeschichte vor dem Hintergrund aktueller politischer und gesellschaftlicher Veränderungen in Großbritannien ist. Ich habe also bei der Lektüre auch einiges gelernt und das Buch hinterlässt bei mir so einige Gedanken, mit denen ich mich noch weiter beschäftigen möchte.
Rezensionen von FogandBooks:
All the things I didn't say von Ann Liang
Mehr als nur Highschool-Drama
Mit All the Things I Didn't Say hat Ann Liang ein Buch geschaffen, das mich auf eine Weise berührt hat, die ich anfangs gar nicht so recht kommen sah. Manchmal sträubt man sich ein wenig, in eine neue Geschichte einzutauchen, und braucht ein paar Kapitel, um den Rhythmus der Seiten zu finden. Doch wenn einen die Atmosphäre erst einmal gepackt hat, lässt sie einen so schnell nicht mehr los.
Liang entwirft hier kein typisches, klischeehaftes Highschool-Drama, sondern ein emotionales und unheimlich dichtes Porträt über den unendlichen Druck, perfekt sein zu müssen, und die lähmende Angst vor den eigenen, ungeschönten Gefühlen.
Das Setting der australischen Schule wird dabei so lebendig und greifbar, dass man beim Lesen fast das Gefühl hat, selbst durch die Gänge zu laufen und das tuschelnde Chaos nach der großen Katastrophe hautnah mitzuerleben. Im Zentrum steht Sadie Wen, eine absolute Vorzeigeschülerin und Schulsprecherin, deren vermeintlich makellose Fassade Risse bekommt, als ihre nie abgeschickten E-Mail-Entwürfe, voller Frust und bitterer Wahrheit, an die gesamte Schule versendet werden. Ab diesem Moment verwandelt sich ihr Leben in einen emotionalen Trümmerhaufen, und man leidet, bangt und hofft unweigerlich mit ihr mit. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Sadie gezwungen wird, den Raum des bloßen Funktionierens zu verlassen und zu lernen, was es wirklich bedeutet, zu sich selbst und der eigenen Meinung zu stehen.
Manchmal muss den Menschen erst der Spiegel vorgehalten werden, ehe sie sehen, welches Verhalten sie an den Tag legen.
Neben Sadie lebt die Geschichte vor allem von Julius Gong. Was als harter, von tiefer Konkurrenz geprägter Schlagabtausch beginnt, entwickelt sich zu einer unheimlich einnehmenden Dynamik. Julius wirkt anfangs arrogant und unnahbar, doch gemeinsam mit Sadie blickt man als Leser hinter seine Schutzmauern und entdeckt einen verletzlichen Kern, der von familiärem Erwartungsdruck gezeichnet ist. Die langsame Entwicklung zwischen den beiden ist eine absolute Slow-Burn-Romance, die sich wunderbar unaufgeregt in die Handlung einflicht. Sie drängt sich nicht laut in den Vordergrund, verleiht der Geschichte aber genau jene emotionale Tiefe, die einen das Buch schlussendlich regelrecht verschlingen lässt.
Auch die Nebencharaktere, wie Sadies wunderbar chaotische Freundin Abigail, bringen eine ganz eigene, authentische Note hinein. Sie zeigen, dass aus gut gemeinten Absichten manchmal das größte Chaos entstehen kann, und bieten Sadie genau den emotionalen Rückhalt, den sie in dieser turbulenten Zeit braucht. All the Things I Didn't Say ist für mich weit mehr als ein klassischer Young-Adult-Roman. Es ist eine ehrliche, freche und zugleich tiefgründige Geschichte über das Erwachsenwerden, die einen unweigerlich an die eigene Schulzeit zurückdenken lässt. Ein Buch, das zeigt, wie viel Kraft in den Dingen steckt, die wir eigentlich verschweigen wollen, und das ich jedem, der tiefgründige Charakterentwicklungen und eine authentische Liebesgeschichte sucht, nur wärmstens ans Herz legen kann.











